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Sonntag, 24. Januar 2021

⭐neue Leseempfehlung⭐: Die unglaubliche Reise des Julius Magnus von Froschhausen - Karin Bach



Die Handlung des Buchs ist charmant, unterhaltsam, humorig, berührend und tiefsinnig. Eine Geschichte mit liebenswerten lebendigen Protagonisten und eine, für die ganze Familie, zum Vorlesen oder selber lesen. Es geht um einen Mann, der 150 Jahre aus der Vergangenheit gefallen und im Heute gelandet ist – von einem Moment auf den anderen, sekundenschnell.

Der ganze Luxus, der für uns selbstverständlich ist – Strom, Heizung, fließendes warmes und kaltes Wasser, TV, Radio, Internet, Handy, Auto, Flugzeuge, Supermärkte, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und die gleichgeschlechtliche Liebe – ist ihm völlig unverständlich und er hält unsere Welt oft für verrückt. Sein Gefühlsleben und sein inneres Wertesystem geraten völlig durcheinander. Sündhaft – Verhältnisse wie in Sodom und Gommora, denkt er oft. 

Richtig gut gelungen und spaßig kommt auch die wörtliche Rede im hessischen Dialekt rüber - die Übersetzung ins Hochdeutsche ist immer gleich beigefügt, sodass die Leserschaft damit gut zurechtkommt.

Wie sich Julius Magnus von Froschhausen in unsere Welt hineinfindet und ob er je zurück in seine vergangene Welt zurück katapultiert wird, lesen Sie am besten selbst.

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter, es ist ein liebenswertes, nachdenkliches und vergnügliches Leseerlebnis.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2021)






Donnerstag, 21. Januar 2021

⭐neue Leseempfehlung⭐: NIHILSCHWIMMER: Sonettenkränze - Max Schatz



Sonettkränze – seit dem 18. Jahrhundert bekannt, ist eine streng disziplinierte lyrische Form. Sie besteht aus 15 Sonetten, die miteinander auf dreierlei Weise miteinander verknüpft sind.

Das jeweilige neue Sonett beginnt immer mit der letzten Zeile des vorherigen Sonetts.
Jedes Sonett ist mit allen anderen gedanklich und thematisch verwoben. Trägt oft die Sehnsüchte, Wünsche, Enttäuschungen, Zukunftsträume, die Weltanschauung der Autoren und auch Spuren der Selbstfindung, zur Leserschaft.
Das 15. Sonett ist das Meistersonett – eine Zusammenfassung der vorherigen 14 Sonetten und beinhaltet die Anfangs- und Endzeilen dieser. 

So ist es auch im Buch ›Nihilschwimmer‹, des Autors Max Schatz. Da kommt jedoch noch eine Besonderheit hinzu. Seine Sonettkränze sind postmodern und nihilistisch. Nihelismus besagt unter anderem, dass es keine absolute Wahrheit und keine Werte gibt – ein verneinendes Weltbild sozusagen.

Es erfordert schon Mut, sich an die Sonettkränze heranzuwagen, dafür zolle ich dem Autor meine Achtung und meinen Respekt.

Manchmal sind die Kränze ein wenig holprig, doch seine Aussagen kommen trotzdem gut rüber. Die Sonettkränze des Autors legen den Finger in die Wunde der Welt, zeigen auf, wie unsere Erde im Würgegriff der Macht und Gier immer mehr vergeht, wie junge Menschen die Orientierung zur Gesellschaft verlieren, aus welchen Gründen der Fremdenhass wächst und wie perspektivlos er die Zukunft im Allgemeinen und die der Jugend sieht. Und er mitten drin, als Schwimmer durch die Leere, sehnsuchtsvoll, der Wurzeln beraubt und auf der Suche nach seinem Selbst und dem Glück.

Sicher ist so ein Sonettkranz nicht jedermanns Geschmack, zumal es sich auch nicht leicht liest, doch es ist beachtlich, was der Autor da geschaffen hat. Interessant, sich mit dieser postmodernen nihilistischen Art der Sonettkränze, intensiv zu beschäftigen.

Ich empfehle das Buch dem Kreis der interessierten Leserschaft gerne weiter.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2021)





Dienstag, 19. Januar 2021

⭐neue Leseempfehlung⭐: Liebe mit gemischten Gefühlen - Mira Stern

 



Eine außergewöhnliche, zauberhafte Liebesgeschichte, sinnlich, lyrisch, verführend, dynamisch, eigenwillig, zart, berührend und auch mystisch. Die Autorin lässt ihre Leserschaft tief in die Seele ihrer Protagonisten schauen, schildert in besonderer Weise, wie eng Leben und Tod zusammenstehen. Sie führt uns in Träume, die ja oft unser Befinden widerspiegeln und uns mahnen, in uns aufzuräumen, die Vergangenheit loszulassen, damit wir neu leben können, ohne all den Ballast im Kopf und Seele. Mira Stern zeigt auf, dass es Dinge zwischen Erde und Himmel gibt, die auf uns wirken, uns niedersinken und auch wieder zuversichtlich ins Leben schauen lassen – Liebe – ist die Antwort. Ihre Schreibweise ist zart und einfühlsam.

Lesen Sie das Buch, es berührt und ich empfehle es sehr gern weiter.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2021)






Samstag, 16. Januar 2021

⭐neue Leseempfehlung⭐: Das Leid der anderen - Thomas Fleck




Wie geht MENSCH damit um, wenn er in jungen Jahren schon luxuriös lebt, sich alles leisten kann, was man je erträumte. Dazu schon einen namhaften Betrieb vorsteht und die dominanten Wesenszüge seines Vaters übernommen hat. Es meldet sich aber immer wieder das Gefühl der Leere, der Einsamkeit, denn es fehlt das Wesentliche – die Liebe – er kannst sie einfach nicht festhalten.

Was tut man in diesem Fall? Man übertüncht diese Leere mit noch mehr Luxus, wird noch dominanter und verfällt dieser Verführung völlig. Das geht so lange gut, bis der Zufall ein Ereignis herbeiführt, von dem Mensch schwer betroffenen und getroffen wird, manchmal dadurch sogar das eigene Leben am seidenen Faden hängt.

So geschehen, dem Hauptprotagonisten des Buchs – John Smith. Er lernt in dieser Phase viel über sich selbst. Zuerst ist es erstmal ein Chaos an Gefühlen und Emotionen, die da auf ihn einstürmen, oft weiß er sie noch nicht einzuordnen. Doch mit der Zeit bekommt Smith einen völlig anderen Draufblick auf das zwischenmenschliche und soziale Zusammenleben der verschiedensten sozialen Menschengruppen. Er erlebt hautnah ihre Ängste, ihre Armut, ihr Anderssein, ihre Ausgeschlossenheit am Rande der Gesellschaft lebend, lernt mitfühlend zu denken und zu handeln. Der junge Mann erfährt außerdem, welche Ängste, Zweifel und Gegebenheiten seinen Vater zu einer dominanten Person machten, und warum er der Liebe abgeschworen hat.

Schlussendlich wird das ganze aufgelöst. Auf welche Weise das geschieht, erzeugt einen wunderbaren AHA-Effekt und lässt die Leserschaft nachdenklich zurück – die Reflexion des eigenen Lebens wird in Gang gesetzt. Das Buch liest sich gut, es ist emotional, gefühlvoll und hinterfragend geschrieben, die Handlung ist durchweg interessant und spannend. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2021)

Hinweis für die Leserschaft:

Das Buch gibt es nicht bei Amazon, Leseinteressierte können es unter diesem Link bestellen: 





Dienstag, 12. Januar 2021

⭐neue Leseempfehlung⭐: Der Tod des Zugvogels - Richard Fraysier



Um was geht es in diesem Buch?

Es geht um Diskriminierung insbesondere wegen des Anderssein der Hautfarbe, der ethnischen Herkunft – um Rassismus. Es geht um Hass, um brutale, verbale und körperliche Gewalt und auch um deren Hintergründe – Perspektivlosigkeit der Jugend und fast vergessene, verödete Landstriche im Osten Deutschlands – speziell in Sachsen. Es geht um die Vereinnahmung durch rechtsextremistische geduldete Organisationen. Dort fühlen sich diese Jugendgruppen gut aufgehoben, haben eine Aufgabe, da entwickelt sich ein Ziel und ein WIR-Gefühl in die falsche Richtung.

Autobiografische Züge trägt die Handlung außerdem. Angefangen zu lesen hatte ich schon kurz vor Weihnachten, doch dann das Buch erst einmal zur Seite gelegt, musste das bis dahin Gelesene erst einmal verarbeiten. Denn es ist ja keine erfundene Geschichte, kein fiktiver Krimi, sondern die nackte kalte Realität, die hier in der Handlung zum Zuge kommt. Die fast schmuck- und emotionslose knappe Ausdrucksweise des Autors wirkt wie ein Ausrufungszeichen, unterstreicht die knallharten, oft unkontrollierten Hass- und Gewaltszenen. Wichtig: Opfer werden zu Tätern und Täter werden zu Opfern.

Die Handlung des Buchs ist nichts für schwache Nerven und es besteht durchaus Triggergefahr für Opfer rechter Gewalt.

Seien Sie neugierig und lesen Sie es.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2021)






Freitag, 8. Januar 2021

⭐neue Leseempfehlung⭐: Frankfurter Fake News: Ein Virus Cop Krimi - Robert Maier



Ein interessantes, sehr informatives und spannendes Buch – Real Life via soziale Netzwerke – Fake-News, mit denen wir uns derzeit in den sozialen Netzwerken auseinandersetzen müssen

Der Autor, selbst IT-Spezialist, hat in der Handlung anhand fiktiver Kriminalfälle akribisch geschildert, wie ausgeklügelt solche Fake-News in Szene gesetzt werden – Fotomontagen, die für Laien nicht als solche erkennbar sind, zusammengeschnittene Videos, gekaufte und/oder gefälschte Follower, Fake-Profile, zig Gruppen und verschiedene Server zum Teilen. Echt verrückt und irreführend das Ganze.

Und viele fallen darauf herein, lassen sich für fremde Zwecke vereinnahmen.

Der Hintergrund ist oft ausländerfeindlich. Öffentlich werden unbescholtene Mitbürger, hier im Buch, der Kindesmisshandlung und Vergewaltigung beschuldigt – Tausende lesen es und die Maschinerie wird in Gang gesetzt. Rufmord und Lynchjustiz sind da keine Seltenheit. Das erinnert mich an den Satz: ›Wir werden sie jagen‹

Einer der Protagonisten, der IT-Rentner Olaf, stellt auch fest, dass das Lesen solcher populistischen Fake-News aggressiv macht und man als Leser in einen Sog gerät, dem man sich schwer entziehen kann. (Ist mir übrigens auch schon passiert, weil ich mich auf eine Diskussion, mit den Verteilern eingelassen hatte.)

Und all diese Fakten sind eingebettet in eine abwechslungsreiche, aufregende Handlung, deren Protagonisten sehr sympathisch und agil rüberkommen.

Es ist kein Krimi wie viele andere, sondern eben auch ein aufklärendes Buch, eines welches ich als Pflichtlektüre für Schulen und auch der gesamten Leserschaft empfehle. Warum? Um sich gegen Fake-News zu wappnen, um ihre Techniken kennenzulernen und um sie leichter im Netz zu erkennen und dementsprechend reagieren zu können. Seien sie neugierig auf die Story und die Fakten die dahinter stehen. Erleben Sie, wie der IT-Rentner den Umkehrschluss wagt und wie die Story aufgelöst wird.

Herzlichen Dank für Ihr Buch, Robert Maier. Ich hoffe, dass der Inhalt viele Leserinnen und Leser achtsam werden lässt.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2021)








Mittwoch, 6. Januar 2021

⭐neue Lesee)mpfehlung⭐: Der Bibelkiller - Valeska Réon



Ein bemerkenswertes Buch. Fasst doch die Autorin in ihrem Krimi einen ganzen Themenkomplex an. Einschübe aus der Vergangenheit beschreiben in Rückblenden das Unrecht, die Verbrechen der Judenverfolgung in Holland – Verrat, Enteignung, Deportation, Konzentrationslager und Kinderschicksale. Sie stellt auf diese Weise die Verbindung zu diversen Protagonisten und Antagonisten her, verknüpft ihre unterschiedliche soziale Herkunft, unterschiedlichen Glaubensrichtungen, ihr individuelles soziales Gefüge, Charaktere und ihre zwischenmenschlichen Verbindungen mit der Gegenwart der 70er Jahre.

Schlussendlich sind es drei Themen, die eng und unmittelbar mit den sozial abweichenden Verhaltensweisen der potenziellen Täter in Verbindung stehen. Kindesmissbrauch, Intersexualität und das Anderssein an sich.

Wenn Kinderseelen immer wieder verletzt werden, das Urvertrauen in seinen Grundfesten erschüttert, keiner die Kinder aus dieser Situation herausholt, das Gleichgewicht in ihrer Kindheit und Jugend dauerhaft aus den Fugen gerät, sie keine psychologische Hilfe erfahren, entwickeln sie, oft unentdeckt, einen tiefen Groll in ihrer Seele. Ihre Vergangenheit lässt sie nicht los – Traumafalle – jahrelang nicht, fast nie – die Wunden verheilen nicht. Ein Pulverfass, ein brodelnder Vulkan, welches/welcher zu jeder Zeit, auch nach vielen Jahren noch, explodieren kann.

Echt schockierend, wie der schwelende Hass entfesselt, an die Oberfläche gelangt und die Gedanken der Täter fanatisch umschlungen hält. Erschreckend, wie gut durchdacht die Morde geplant, organisiert und durchgeführt werden – das Pulverfass, der Vulkan ist explodiert. 

Pit/ Mias Notizen berühren, haben mich nachdenklich zurückgelassen und geben Raum, darüber nachzudenken, wie wir zwischenmenschlich miteinander umgehen, wie verletzlich Kinderseelen sind und wie es sich auswirken kann, wenn sie gebrochen werden.

Aufgelockert wird das Ganze mit einer rasanten, turbulenten und sensiblen Liebesgeschichte, deren Protagonistin auch ihre ganz eigene Vergangenheit hat.

Ergänzend ist noch zu sagen, dass die Leserschaft im Zusammenhang mit den Morden viel Wissenswertes über die Malerei erfährt, auch wie Bildfälschungen sichtbar gemacht werden können und wie manche alten Meister, unter dem für das Auge sichtbaren Gemälde – andere, zum Teil wichtige Informationen, durch diverse Zeichentechniken, verborgen haben.

Gut beschrieben für die 70er Jahre auch das Asperger-Syndrom, welches ja schon seit Mitte 1920 bekannt ist, doch erst 1992 in das ICD der WHO aufgenommen wurde.

Alles in allem ein vielschichtiger, interessanter, gut geschriebener und spannender Krimi, mit überaus lebendigen und starken Charakteren, den ich sehr gerne weiterempfehle.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2021)






Mittwoch, 30. Dezember 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Desire ... Teufel und Engel - Jenni Fenko


Die Story ist schockierend in ihrer schonungslosen Offenheit, doch gerade deshalb entfaltet sie eine große Wirkung. Verlorene Selbstliebe und verlorenes Selbstvertrauen führen eine junge Frau in die Abhängigkeit – Sex und Alkohol – beides in unzähligen Mengen – eine Sucht, die die Seele zerstört. Fast eine Selbstaufgabe. Sie ist eine Getriebene mit einer tiefen Sehnsucht nach innerem Frieden und Liebe. Ein seelisch tiefer, sich steigender Exzess – maßlos und hemmungslos, mit einem Bein schon im Abgrund … bis zu mehreren Aha-Erlebnissen. Doch der Ausstieg ist schwieriger, als sie denkt, wenn da nicht …

Was die junge Frau zurückführt, zu sich selbst, lesen Sie am besten selbst. Doch Vorsicht, Trigger-Gefahr, bei ähnlichen persönlichen Erlebnissen – darauf weist auch die Autorin mehrmals in ihrem Vorwort hin. 

Heidelinde Penndorf

(Dezember 2020)







Dienstag, 29. Dezember 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: ELISHA & ERIK: Wege des Schicksals (Band 2) - Katharina Franzen



Der zweite Teil dieser legendenumwobenen, fiktiven Geschichte, ist genauso eindrucksvoll und zauberschön in seiner Handlung, wie der erste Teil – abenteuerlich, aufregend und voller historischer Lebendigkeit. Die Handlung ist durchzogen mit massiven Missverständnissen zwischen Elisha und Erik. Beide stehen unter Strom, fechten viele innere Kämpfe aus, durchschreiten tiefe Täler und stehen emotional am Abgrund. Die zwei sind sich charakterlich so ähnlich – überaus intelligent, sehr heißblütig und nicht fähig klare Worte füreinander zu finden. Beide verletzten sich unwissentlich oft tief, fühlen sich in ihrem Stolz und ihrer Ehre gekränkt und kranken an der vermeintlich nicht erwiderten Liebe des anderen. Ihre spontanen unüberlegten Reaktionen aufeinander, bringen sie selbst und ihre Weggefährten, mehrfach in tödliche Gefahr. Das sachte Band innerer Verbundenheit bekommt tiefe Risse. Und dies führt sie letztendlich erst einmal auseinander, statt zusammen.

Die Autorin beschreibt die Charaktere der beiden Hauptprotagonisten beeindruckend tief. Gerade auch Erik, in seiner inneren Verletzlichkeit, seiner Stärke, seiner überdurchschnittlichen Intelligenz, seine Sanftmut und gleichzeitigen Wildheit wirken so stark, sodass auch ich seinem Zauber als Leserin erlag. Sein angeborenes Handicap tritt total in den Hintergrund - er berührt und fasziniert durch sein Wesen gleichermaßen, ebenso wie Elisha. Einfach beeindruckend, die beiden.

Dieser zweite Teil von Elisha und Erik führt die Leserschaft in eine fantastische aufregende Welt, aus einer Mischung gelebter Historie und Fiktion – exzellentes Kopfkino.

Der Schreibstil der Autorin ist wiederholt sehr lebendig und anspruchsvoll, der damaligen Zeit angepasst. Katharina Franzen hat bestimmte Satzgefüge, Begriffe und Redewendungen in Russisch, Farsi (persisch) und Latein geschrieben, was sich aber aus der Handlung erklärt und ich auch oft wusste, was gemeint war, außerdem hängt am Ende des Buchs ein erklärendes Glossar an.

Ich empfehle diesen zweiten Teil der Leserschaft uneingeschränkt weiter. Lesen Sie es und erleben Sie wundervolle, spannende und märchenhafte Abenteuer, gemeinsam mit Elisha und Erik.

Heidelinde Penndorf

(Dezember 2020) 





Montag, 28. Dezember 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: The Love Loop (Maybe 4) - Alva Furisto



Ein wunderbarer, starker vierter Teil dieser Buchreihe. Es geht um alles oder nichts, um Kompromisse, Geheimnisse, unliebsame Überraschungen, eine turbulente Hochzeit ohne Ende, neue und alte Freundschaften, neue Enttäuschungen, Narben auf der Seele und um die tiefe sinnliche, beeindruckende, erotische Liebesbeziehung dreier Seelenpartner – Georg, Josi und Sergej. 

Wieder braut sich Trennendes, zwischenmenschliche Abhängigkeiten, Ängste, Verzweiflung, innere Verletzlichkeiten und Instabilitäten, zu einem bedrohlichen emotionalen Gewitter zusammen. Explosiv, chaotisch, berauschend, dramatisch!

Um diesen vierten Teil richtig genießen zu können, sollte man die drei anderen Teile gelesen haben. Die Leserschaft erlebt einen gewaltigen, spektakulären, atemlosen, emotionalen Looping - sehr zu empfehlen.

Heidelinde Penndorf

(Dezember 2020)







Samstag, 19. Dezember 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Der Winterkönig. Geschichten des Dreißigjährigen Krieges: Historischer Roman - Jörg Olbrich




Der erste Teil der historischen Buchreihe hat mich angenehm überrascht. Unterhaltsam, spannend und flüssig geschrieben, vermittelt es geschichtliches Wissen und hält ein gutes Maß zwischen Historie und Fiktionalen. Viele Protagonisten und Antagonisten haben wirklich gelebt, sind expressiv signiert und verleihen der Handlung eine fabelhafte historische Lebendigkeit. Die Handlung beschreibt die Ursachen des zweiten Prager Fenstersturzes, die Missachtung des Majestätsbriefs von 1609 des Kaiser Rudolf II, der sich für Religionsfreiheit ausspricht und zeichnet den Beginn des Dreißigjährigen Kriegs.

Eine aufwendige Recherchearbeit des Autors macht es möglich, dass in die Handlung eingeflochten, eine gut gezeichnete, geografische Lage des damaligen Heiligen Römischen Reichs und des damaligen zersplitternden Europas, auch insbesondere ihrer Herrscher, bildhaft vorstellbar ist.

Der gut durchdachte und abwechslungsreiche Plot erzählt auch, welche interessante und arbeitsreiche Aufgabe die damaligen Sekretäre der Herrscher innehatten. Sie waren zuständig für die Chroniken sämtlicher historischer Begebenheiten und haben alles handschriftlich für ihre Nachwelt, also auch für uns, festgehalten.

Die Leserschaft erfährt auch wie viel unmenschliches Leid schon der Beginn des Kriegs auslöste. Kriegshandlungen und auch Plünderungen durch hungernde Söldner verwüsteten ganze Städte und Dörfer, Hungersnöte und Seuchen waren an der Tagesordnung.

Die Story ist durchzogen von vielen zwischenmenschlichen Situationen und historischen und fiktiven Einzelschicksalen markanter Personen. Eine alles überdauernde Liebe und tiefe feste Freundschaft und Kameradschaft sind kleine Hoffnungsschimmer eines jeden Kriegs, so auch in diesem historisch geprägten Roman.

Mein persönliches Resümee:

Der Dreißigjährige Krieg begann als Glaubenskrieg und fand sein Ende als Macht- und Verteilungskrieg. Die Menschheit, die Weltenlenker, haben aus historisch belegten Kriegen absolut nichts gelernt. Auch heute durchziehen unsere Erde vielfältige Glaubens-Macht- und Verteilungskriege und bringen unsägliches Leid und Zerstörung über die Menschen.

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter. Seien Sie neugierig und erleben Sie selbst, wie denkwürdige historische Ereignisse, vermischt mit einigen fiktiven Elementen, sie spannungsgeladen durch den Beginn des Dreißigjährigen Kriegs führen und faktisch auch historisches Wissen vermitteln und auffrischen.

Heidelinde Penndorf

(Dezember 2020)







Montag, 14. Dezember 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Nach all den Jahren - Lyrik - Heinz Flischikowski


                                                      
Nach all den Jahren – ein gespiegeltes Leben


Heinz Flischikowski – ein Mann und seine Geschichte – verpackt in tiefsinniger Lyrik.

Des Autors Lyrik geht unter die Haut, erreicht mein Innerstes, meine Seele, verweilt dort und lässt mich nachdenklich und auch erschüttert zurück.

Schmerz, Abschied, Zerrissenheit, Enttäuschung, seine Ohnmacht – nicht nur zwischen den Zeilen, sondern in jeder Zeile klar lesbar, spürbar. Klar und deutlich auch sein NEIN gegenüber jeglicher Gewalt, seine Machtlosigkeit gegenüber den Naturgewalten und seine offenen Fragen, die da stehen bleiben.

Ich fühlte seine Verlorenheit, seinen inneren Kampf, sein Ringen um Antworten, fühlte seine innere Zerrissenheit, seine ungestillte Sehnsucht, seine Wunden, sein Suchen nach seinem innerem ICH. Erlebte sein neues Wiederfinden, als seine Seele Stück für Stück heilte und er erkannte, dass MENSCH seinem Leben selbst einen Sinn geben muss.

Und immer wieder, in den Zeilen und zwischen den Zeilen – die Antwort auf unser geschenktes Leben – Liebe zu sich selbst und auch zwischenmenschlich.

Danke Heinz Flischikowski für diesen Lyrikband, der vereinzelt untermalt ist mit Bildern des Fotografen Lars Kressin.

Ich empfehle den Lyrikband sehr gerne weiter – ein kleiner Wegbegleiter in so manchen Stunden, wenn die Seele zweifelt, dunkel ist und Trost braucht.

Heidelinde Penndorf

(Dezember 2020)





Dienstag, 8. Dezember 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: NOVEMBERKIND - Esther Gille



Ein mutiges Buch, ein trauriges Buch, ein Buch, dessen Inhalt mich auch des Nachts beschäftigte, mich oft grübelnd und gedankenvoll zurückließ. Mir fehlten anfangs die Worte, es zu rezensieren – emotional fühlend war ich bei der Protagonistin und deren Familie. Eine Geschichte, die man sich so nicht ausdenken kann. Es ist eine erschütternde Autobiografie der Autorin Esther Gille, die gleichzeitig diverse politische Richtlinien der Adoptionsverfahren der Schweiz vor ca. siebzig Jahren und altbackene rückschrittliche damalige Denkweisen beschreibt.

Sprachlos musste ich manchmal das kleine Buch beiseitelegen, um Abstand zum Gelesenen zu finden.

Das innere Kind der Autorin war eine einzige Wunde, die fast sieben Jahrzehnte lang nicht heilen konnte – Selbstverachtung und Selbstaufgabe waren die Folge. Esther Gille definierte sich nur durch Leistung und dies sogar ausgezeichnet. Doch innerlich war sie leer, es bedeutete ihr persönlich nichts, was sie leistungsmäßig alles erreichte. Sie verzehrte sich nach Liebe und dachte, sie mit Höchstleistungen zu erlangen. Ja sie bekam verhaltene Achtung, die sie als Liebe deutete. Doch das übertünchte nicht ihr inneres seelisches Trauma. Immer wieder ging sie Partnerschaften der Abhängigkeit ein und entzog sich diesen erst, wenn es für ihr psychisches und physisches Wohlbefinden oft schon zu spät war.

Zu den bestehenden alten seelischen Wunden kamen immer neue hinzu, weil sie sich eben immer Freundschaften und Partnerschaften suchte, die sie diesbezüglich herausforderten. Schmerz, Scham und das Gefühl nicht zu genügen, Trotz und Wut mit sich selbst, waren an der Tagesordnung.

So konditioniert gab sie dies auch an ihre Kinder weiter, die dadurch auch einen großen geerbten genetischen Rucksack zu tragen haben, zumal sie einige diesbezügliche Partnerschaften miterlebten und so doppelt negativ konditioniert sind.

Während des Lesens hatte ich oft das Gefühl, eingreifen zu müssen, die damals junge Frau durchschütteln zu müssen, damit sie aufwacht und erkennt, dass sie, dass ihr Selbst, nicht durch Leistung dazu führt, dass sie als Mensch die Liebe erfährt. Liebe – nach der sie sich schon ihr ganzes Leben lang sehnte.

Immer wieder begab sie sich in Situationen, die ihrem inneren Kind und ihrem inneren Erwachsenen sehr schadeten, sie immer tiefer in den Abgrund führten.

Und plötzlich ging nichts mehr – körperlich nicht, sprachlich nicht, und psychisch nicht – und eigentlich war das ihr großes Glück, so tief abzustürzen. Denn sie erfuhr dann endlich, fast mit siebzig Jahren, die Erlösung. Esther Gille begegnete einem sehr empathischen und fachlich sehr gutem Therapeuten, der sie wieder ins Licht des Lebens führte. Das war oft schmerzlich, sie war oft unsicher, doch sie hat es geschafft, sonst gäbe es dieses Buch nicht.

Ich danke Esther Gille für ihre Offenheit, für dieses Buch, welches ich uneingeschränkt weiterempfehle. Menschen, die in ähnlicher Situation sind, können sich daraus viel mitnehmen, sollten aber aufpassen, wenn sie spieglungsgleiches erlebt haben, besteht Triggergefahr,

Ich wünsche der Autorin noch viele schöne Jahre, um ihr befreites Selbst genießen zu können.

Heidelinde Penndorf

(Dezember 2020)






Mittwoch, 2. Dezember 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Die Weihnachts-Marie - Valerie le Fiery & Frank Böhm





Fast schon traditionell ist es, dass ich in der Weihnachtszeit eine kleine Weihnachtsgeschichte des Autorenduos Valerie le Fiery & Frank Böhm lese und rezensiere. Diesmal überraschen beide mit einer kurzen, modernen Weihnachtsgeschichte in lebendiger, illustrativer Schreibweise, die mir sehr gefällt.

Es ist eine Geschichte für die ganze Familie, zeigt auf, welch kommerzieller Wirbel um die Weihnachtszeit veranstaltet wird und wie es ist, wenn Menschen da finanziell nicht mehr mithalten können.

Es lugt die Sehnsucht nach den traditionellen, zwischenmenschlichen, emphatischen Werten des Weihnachtsfestes um die Ecke und die Leserschaft erlebt, wie ein kleines Mädchen für ganz große und kleine zwischenmenschliche, liebevolle Herzens-Wunder sorgt.

Ein kluges und schönes Weihnachtsmärchen, für große und kleine Menschen, um sich der wahren Werte bewusst zu werden.

Ich empfehle das kleine Büchlein sehr gerne weiter.

Heidelinde Penndorf

(Dezember 2020)





Dienstag, 1. Dezember 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Kalt blütig: Thriller - Katharina Durrani





Um was geht es in Kalt blütig?

Es geht um Erbschleicherei, um Gier, um ein echtes Gemälde des Expressionisten Egon Leo Adolf Ludwig Schiele, um Schizophrenie und der damit verbundenen Wahnvorstellungen, und es geht um mehrere kaltblütigen Morde – eine explosive Mischung.

Das Cover ist bestrickend schön, der Klappentext macht neugierig. Doch irgendwie hat mich die Handlung auf Distanz gehalten. Die kurzen Kapitel ließen anfangs nicht zu, dass man die Protagonisten und Antagonisten richtig kennenlernen konnte. Die Charaktere rutschten mir immer wieder weg, oft musste ich zurückblättern, damit ich mir verinnerlichte Wer eigentlich Wer ist und zusammengehört. Ich denke, dass die Leserschaft das erste Buch der Möchtegerndetektivin Simone Jaan gelesen haben sollte, um zumindest deren soziales Umfeld zu kennen, damit der Lesefluss in diesem Buch nicht zu sehr ausgebremst wird. 

Ab Mitte des Buchs ändert sich dies, es wird flüssiger, spannender und der Schlussakt des Buchs bringt dann eine Auflösung, mit der ich nicht gerechnet hatte.

Doch möge sich die Leserschaft selbst ein Bild machen. Seien Sie neugierig und lesen sie den Thriller.

Heidelinde Penndorf

(November 2020)




Freitag, 27. November 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Lieb mich lieber Morgen: Sommertrilogie Band 2 - Lily Winter




Die Leserschaft erlebt in der Fortsetzung ein buntes und liebevolles Zusammenwachsen der Patchworkfamilie. Eine schöne Idee, dass die Tochter Annas und der Sohn Ralfs, ähnliches miteinander erleben, wie Anna und Ralph im ersten Buchteil. Sozusagen Stimulus-Response-Lernen – Eltern-Kind – Lerneffekt. Beide sind auch charakterlich vergleichbar gestrickt, wie Anna und Ralf – zögerlich, abwartend, sich zurücknehmend. Die Beibehaltung der Tagebuchform finde ich genial und gut gelungen.

Vermisst habe ich manchmal die geniale jugendliche Lebendigkeit und Ausstrahlung beider Hauptprotagonisten. Mir fehlt auch die Tiefe in der Charakterbeschreibung der narzisstischen Antagonistin, die sich mit verschmähter Liebe auseinandersetzen muss und ihre Handlungen letztendlich zeigen, wie aus Liebe Wahn und Hass wird, mit verheerenden Folgen.

Und doch ist das Buch leicht zu lesen – eine durchaus gelungene Zusammenfassung des zwischenmenschlichen Miteinanders einer Patchworkfamilie im Auf und Ab des Lebens.

Heidelinde Penndorf

(Dezember 2020)






Sonntag, 15. November 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Pati - Mildred Speet

 


Die Autorin zeichnet düstere Bilder des zwischenmenschlichen Zusammenlebens. Wir werden mit handlungsbedingten Situationen konfrontiert, in welchen die meisten Menschen einfach wegschauen, entweder weil sie die Dunkelheit, die seelisch psychologische Verrohung, oder auch die Einsamkeit mancher Leben entweder nicht ertragen oder weil sie es einfach aus den unterschiedlichsten Gründen nicht kümmert, was da gerade geschieht. 

Im Mittelpunkt der Handlung steht eine junge Frau mit einer dissoziativen Identitätsstörung. Wir erleben auf der einen Seite eine Hauptprotagonistin, erschreckend einsam, menschenscheu, im Schatten lebend, kaum wahrnehmbar, sehr sensibel aber auch hilfsbereit und auf der anderen Seite ein ausartendes aggressives mörderisches Ausrasten. 

Die Leserschaft erlebt eine Atmosphäre, ähnlich der in Hitchcocks Film ›Psycho‹ – Horrorelemente, düster, grausam, gruselig – stygisches Kopfkino – nichts für schwache Nerven.

Wer gerne Thriller mit einem Touch Horror mag, ist mit diesem Buch gut bedient, denn Nervenkitzel und Gänsehaut sind garantiert.

Heidelinde Penndorf

(November 2020)





Mittwoch, 11. November 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Mutterliebe - Thriller - Ruben Schwarz

 



Der Thriller liest sich, als hätten Edgar Allen Poe und Stephen King hier abwechselnd die Feder geschwungen. Dem ist aber nicht so – ganz alleine Ruben Schwarz ist für diesen interessanten und lebendigen Krimi verantwortlich. Schon alleine der Prolog ist eine kleine interessante Geschichte für sich und macht neugierig auf die ereignisreiche Handlung des Buchs. Durch die auktionale Erzählweise erhält die Leserschaft einen intensiven Einblick in das soziale und zwischenmenschliche Gefüge aller Protagonisten und Antagonisten.

Es tun sich Abgründe auf, die Gänsehaut verursachen – wir erleben ein Duell zwischen unerfüllter Liebe, Mutterliebe und Kindesmissbrauchs. Doch die Zündschnur, die das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes explodieren lässt, ist der Fanatismus des christlichen Glaubens. Eine verirrte Kinderseele wird in den verschiedensten Lebenszyklen so geformt, dass deren christlicher Glaube zum religiösen Wahn mutiert, verbundenen mit kaum vorstellbaren psychosozialen Auswirkungen, bis hin zu einer krankhaften fanatischen Psychose, die zur Apokalypse führt – viele werden in den Abgrund gerissen. Irgendwie gar nicht so weit entfernt von der Wirklichkeit.

Sehr lebendige und liebenswerte Charaktere zeichnen in dieser Düsternis, die zwischenmenschlichen Lichtblicke des Lebens und zeigen auf, was empathisches Menschsein ausmacht – sozusagen der positive Gegenpol des abgrundtief Bösen hier im Roman.

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter, es ist ein lohnendes spannendes, aufregendes und auch nachdenkenswertes Leseerlebnis.

Heidelinde Penndorf

(November 2020)






Freitag, 6. November 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Zum Teufel mit Kafka - Maria Zaffarana



Teuflisch amüsant dieses Buch. Gekonnte Satire – bissig erhöht und zwischenmenschlich ironisiert entlarvend. Wer genau hinliest – liest die Kritik am zwischenmenschlichen Miteinander, die Kritik wie Mensch mit Mensch umgeht – teilweise schon eine Persiflage der oft hochgehaltenen empathischen menschlichen Werte – die in der Handlung ja irgendwie völlig negativ aus dem Ruder laufen. Jeder ist dem anderen sein Teufel – Gesellschaftskritik vom Feinsten

Der satirische Rahmen der Handlung lässt es auch zu, dass ›Fressattacken‹ zelebriert und kultiviert erhöht werden – der Hintergrund dessen steht zwischen den Zeilen: die innere Leere übertünchen, sich aus der gesundheitlichen Verantwortung stehlen, weil man dann Besonders ist und Aufmerksamkeit bekommt – quasi Ersatz für Selbstliebe und innere Zufriedenheit.

Echt herausfordernd, das kleine Büchlein, reflektiert es doch bissig ein Stück unseres gesellschaftlichen Seins. Der Inhalt erzählt auch etwas über Machtausübung, Machtausnutzung und Persönlichkeitsentwertung - wie oft habe ich zwischendurch gedacht, dass ich diese Familien nicht geschenkt haben mag und schon lange das Weite gesucht hätte.

Ein wichtiger psychologischer Fakt der hintergründig im Buch eine wesentliche Rolle spielt, spiegelt sich auch im Mainstream TV und im Denken vieler Menschen wieder.

Damit sich unsere erzählende Hauptfigur einigermaßen gut fühlt, braucht er jemanden im sozialen Umfeld, der mental und psychisch, vielleicht auch noch zwischenmenschlich und finanziell noch tiefer am Abgrund steht als er selbst – also eine Erhöhung des eigenen Selbst auf Kosten eines anderen. Ignoranz seiner eigenen inneren Befindlichkeit.

Wieder einmal hält Maria Zaffarana unserer Gesellschaft einen sarkastisch geputzten Spiegel vor: kleinbürgerliches Denken und Verhalten, wenn es um das sozial –zwischenmenschliche Antlitz geht.

Der Schreibstil der Autorin ist illustrativ lebendig, sehr ausdruckstark und flüssig. Die Charaktere sind sarkastisch anspruchsvoll gezeichnet.

Ich empfehle das Buch sehr gerne an die Leserschaft weiter, ein durchweg vergnügliches Leseerlebnis.

Heidelinde Penndorf

(November 2020)