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Montag, 27. April 2026

⭐neue Leseempfehlung ⭐ : Ein Kobold namens Gisela: Ein Jahr mit Mina und Gisela - Lina George



„Ein Kobold namens Gisela": Ein Jahr mit Mina und Gisela von Lina George, ist eine herzerwärmende Alltagsgeschichte über zwei Katzen, erzählt mit viel Humor, Zuneigung und einem Augenzwinkern. Im Mittelpunkt steht die verspielte, neugierige Mauskatze Gisela, die als kleiner Wirbelwind in das gemütliche Haus einzieht und mit ihrer sanften, schwarzen Gefährtin Mina ein Jahr voller kleiner Abenteuer erlebt. Lina George fängt die Welt aus Katzenperspektive so lebendig ein, dass man die beiden Fellnasen förmlich vor sich sieht – von frechen Streichen bis hin zu zärtlichen Momenten.

In 21 chronologisch aufgebauten Kapiteln begleitete ich die beiden durch die Jahreszeiten ihres Alltags: vom ersten Einzug und der vorsichtigen Annäherung über fröhliche Frühlingsmomente im Garten bis hin zu herbstlichen Reflexionen bei Regen und Sturm. Besonders charmant sind Szenen wie Giselas Versteck in der Waschmaschinentrommel, ihre ersten, skeptischen Schritte in den Schnee, wilde Balljagden in der Badewanne oder der listige Diebstahl von Leckerlis aus dem Schrank. Auch Minas ruhige Eleganz – etwa beim Sammeln von Federn oder ihrem ersten (missglückten) Mausfang – wird liebevoll beleuchtet. Die Beobachtungen sind so lebensnah und detailreich, dass sie Katzenhalter sofort zum Schmunzeln bringen und die Leser merken, wie sehr die Autorin, ihre Katzenmädchen liebt.

Der einfache, flüssige Schreibstil mit kurzen, rhythmischen Sätzen passt perfekt zur verspielten Perspektive und wirkt auf mich wie ein persönliches Tagebuch einer Katzenmama. Kleine Reime und Verse verleihen dem Buch einen verspielten, fast poetischen Charakter, der den Text noch einprägsamer macht.

Besonders gelungen ist die Darstellung der tiefen Bindung zwischen Gisela, Mina und ihrer Menschenmama: Momente wie das gemeinsame Kuscheln im Bett oder Giselas sanfte Pfoten streicheln zeigen eine echte Familienidylle, die viele Leser berühren wird.

Die KI-unterstützten Illustrationen ergänzen die Geschichte liebevoll – sie fangen die niedlichen Posen und den Alltagstanz der Katzen perfekt ein und verstärken die gemütliche, einladende Atmosphäre.

Insgesamt eine leichte, warmherzige Lektüre für alle Katzenfreund, die ich gern weiterempfehle. Es ist pure Entspannung mit einem Schuss Magie.

Heidelinde Penndorf
(April 2026)






Donnerstag, 16. April 2026

⭐neue Leseempfehlung ⭐ : Dieses Eine Leben - Helena Baum



Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, Autorinnen und Autoren persönlich zu begegnen, deren Bücher mich schon zuvor begleitet und berührt haben. Zur Leipziger Buchmesse traf ich Helena Baum – eine Begegnung, die so intensiv war wie ihre Romane selbst. 
Sie überreichte mir ihr neues Buch mit der Bitte um eine Rezension. Und was soll ich sagen: Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass mich diese Geschichte nicht mehr loslassen würde.

Auf 230 Seiten entfaltet sich eine bewegende Geschichte über Nähe und Distanz, Verlust und Neubeginn. Ella und Jasper – ein Paar, das an den Grenzen seiner Beziehung steht – wirken in ihrer Verletzlichkeit und Lebendigkeit so echt, dass man mit ihnen lacht, weint, zweifelt und hofft. Ich erlebte ihre Welt, als wäre ich Teil davon: Zeugin eines Gefühlschaos, das zugleich zum Weg in die eigene Tiefe führt.

Besonders eindrucksvoll schildert Helena Baum den Prozess einer Paartherapie. Der Therapeut ist dabei kein allwissender Retter, sondern ein feinfühliger Begleiter, der hilft, aufgestaute Emotionen zu lösen, alte Wunden zu benennen und den Mut zum Neubeginn zu finden. Ich hatte das Gefühl, selbst im Raum zu sitzen, Zeugin dieser inneren Klärung zu sein – zwischen Zweifel, Zärtlichkeit und der vorsichtigen Rückkehr zum Vertrauen.

Beide, Ella und Jasper, beginnen, ihre Träume neu zu leben, ihre Gedanken zu wandeln – und gerade dadurch finden sie wieder zueinander. Indem sie loslassen, was schmerzt, entsteht ein ehrlicher, reifer Neubeginn – nicht nur für ihre Liebe, sondern für ihr gesamtes familiäres Gefüge.

Helena Baum schreibt mit feinem psychologischem Gespür und einer bemerkenswerten sprachlichen Klarheit. Unverstellt zeigt sie, wie Alltag, Schweigen, unausgesprochene Sehnsüchte und die ständige Rücknahme eigener Wünsche eine Beziehung erodieren können – und doch, wie in dieser Brüchigkeit Hoffnung keimt.

Ein Roman, der nicht nur berührt, sondern zum Nachdenken über die eigene Beziehung, über Nähe, Verletzlichkeit und Stärke anregt. Tief, wahrhaftig und von stiller Intensität.

Von Herzen empfohlen für alle, die Authentizität schätzen.

Heidelinde Penndorf

(April 2026)











Mittwoch, 15. April 2026

⭐neue Leseempfehlung ⭐ : Toxisch: Mein. Für immer. - Jes Schön



Mit „Toxisch – Mein. Für immer.“ legt Jes Schön einen Roman vor, der schmerzt, wütend macht und zutiefst berührt. Es ist kein Buch, das man „einfach so“ liest – es ist eines, das man aushalten muss. Und genau darin liegt seine Kraft.

Schon das erste Kapitel entfaltet eine emotionale Wucht, die kaum Raum zum Atmen lässt. Als Leser sind wir dazu verdammt, die Füße stillzuhalten: Wir können nicht eingreifen, egal welcher Brutalität die Protagonistin ausgesetzt ist. Hier wird nichts beschönigt, keine Szene mit Samthandschuhen angefasst. Die Geschichte von Emelie, gefangen in einer Ehe voller psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt, trifft mit voller Wucht. Jes Schön schreibt direkt, schonungslos, ohne Weichzeichner – jede Zeile eine Konfrontation mit dem Unfassbaren. Alles fühlt sich erschreckend real an. Besonders eindringlich gelingt der Autorin die Darstellung von Emelies innerer Zerrissenheit: ihre Angst, ihre Anpassung, ihr Schweigen – und immer wieder ihre Entscheidung zu bleiben. Nicht aus Schwäche, sondern aus einem verzweifelten Schutzinstinkt für ihre Kinder. Dieses Bleiben ist kein Versagen, sondern Ausdruck einer Überlebensstrategie, die tief in der psychischen Logik häuslicher Gewalt wurzelt.

Die Dynamik zwischen Emelie und Gabriel ist kaum auszuhalten – gerade weil sie so authentisch wirkt. Manipulation, Kontrolle, Machtmissbrauch: Sie schleichen sich nicht ein, sie sind allgegenwärtig. Besonders erschütternd sind jene Szenen, in denen Gewalt zur Routine geworden ist. Dann tritt die Dissoziation ein – Emelie schaltet innerlich ab, steht neben sich, lässt über sich ergehen, was sie physisch nicht begreifen kann. Dieser psychische Schutzmechanismus macht das Unsagbare greifbar. Für die Lesenden entsteht eine lähmende Ohnmacht. Man kann nicht eingreifen, nur mitfühlen – und das geht an die Grenzen des Erträglichen.

Ein zweiter Handlungsstrang erweitert die Perspektive: Niels, dessen Blick von außen, dessen wachsendes Unbehagen und innerer Konflikt den Roman um eine bedeutsame Dimension ergänzen. In ihm keimt etwas, das man Hoffnung nennen möchte – oder zumindest die Sehnsucht nach einem Ausweg. Dieser Perspektivwechsel verhindert, dass die Geschichte ausschließlich in Dunkelheit versinkt, und er verleiht ihr eine emotionale wie gesellschaftliche Tiefe.

Gerade in dieser Kombination aus persönlichem Drama und gesellschaftlicher Brisanz liegt die Stärke des Romans. Häusliche Gewalt geschieht meist im Verborgenen – „Toxisch“ reißt die Türen auf. Es thematisiert die hohe Dunkelziffer, die Sprachlosigkeit, die falsche Scham, die so viele Betroffene umgibt. Und obwohl die Geschichte emotional schwer zu ertragen ist, wird sie nie voyeuristisch. Die Haltung der Autorin bleibt erkennbar empathisch, respektvoll und von der Dringlichkeit getragen, sichtbar zu machen, was sonst verborgen bleibt.

Sprachlich überzeugt Jes Schön durch Klarheit und Präzision. Die Sätze sind schnörkellos, die Dialoge klingen echt, ungekünstelt, fast dokumentarisch. Die Figuren sind vielschichtig und menschlich gezeichnet, nie zu bloßen Symbolen degradiert. Besonders die Darstellung der beiden Töchter öffnet den Blick auf die subtile Vererbung von Gewalt, auf ihre Spuren im Alltäglichen, im Blick, im Schweigen.

„Toxisch – Mein. Für immer.“ ist kein Wohlfühlroman. Er ist intensiv, verstörend, aufrüttelnd. Aber er ist wichtig – weil er hinsieht, wo andere wegsehen, weil er die Leser emotional fordert und gleichzeitig sensibilisiert.

Ein Buch, das gelesen werden sollte – mit der nötigen Achtsamkeit für die eigenen Grenzen und der Bereitschaft, sich auch dem Schmerz zu stellen und auszuhalten. (Vorsicht Triggergefahr)

Heidelinde Penndorf

(März 2026)






Sonntag, 12. April 2026

⭐neue Leseempfehlung ⭐ : BENSKI Die Jagd nach dem Artefakt - Thriller - Wolfram Benisch



Mit diesem Roman gelingt dem Autor Wolfram Benisch ein bemerkenswerter Spagat zwischen historischer Tiefe und temporeicher Gegenwart. Fiktion, die Schatten des Zweiten Weltkriegs, mythische Anspielungen der Artefakte und ein moderner Thriller-Impuls verschmelzen zu einer Geschichte, die mich von Beginn an in ihren Bann gezogen und gehalten hat.

Im Zentrum steht Benski, eine Figur, die nicht als Einzelgänger, sondern als Teil eines starken Gefüges erscheint. Kameradschaft, Zusammenhalt, Freundschaft und Liebe tragen die Handlung ebenso wie Kenntnisse, Intelligenz und die Fähigkeit, einander zu ergänzen – genau daraus gewinnt der Roman seine besondere Spannung, Stärke und Glaubwürdigkeit.

Besonders reizvoll ist der Umgang mit den Artefakten des Zweiten Weltkriegs. Sie sind hier nicht bloß historische Requisiten, sondern geheimnisvolle Träger einer Vergangenheit, die bis in die Gegenwart hineinwirkt. Der Roman entwickelt dabei einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann.

Insgesamt überzeugt mich das Buch als ebenso spannendes wie vielschichtiges Leseerlebnis. Es erzählt nicht nur von Gefahr und Rettung, sondern auch davon, was Menschen stark macht: Vertrauen, Mut und das Wissen, dass sich unterschiedliche Begabungen zu etwas Größerem verbinden können – aber auch, was die Sucht nach Macht und Größenwahn anrichten kann und welch große Gefahr davon ausgeht. Sehr gern empfehle ich diesen spannenden und abwechslungsreichen Thriller der Leserschaft weiter.

Heidelinde Penndorf

(April 2026)