Links zu meinen Seiten, einschließlich Homepage

Dienstag, 31. März 2026

⭐neue Leseempfehlung ⭐ : Die Schuldigen: Teil III - Macht & Ohnmacht - Ava J. Thompson



Mit „Macht & Ohnmacht, dem dritten Band der „Schuldigen“-Reihe von Ava J. Thompson, wird die Geschichte der Duarte-Familie nicht nur fortgesetzt, sondern sie trifft mich emotional mitten ins Herz – intensiver, schmerzlicher als je zuvor. Der nächtliche Angriff auf Duarte Island erschüttert mich tief: Emilio Duarte, das unerschütterliche Oberhaupt, wird hingerichtet, vierzehn Soldaten getötet. Die Insel liegt „saubergeräumt“ da – und doch bleibt nur die erdrückende Leere, die mich als Leserin lange nicht loslässt.

​Der Titel berührt mich zutiefst, denn er spiegelt genau das wider, was ich fühle. Matteo, der gebrochene Erbe, sinkt unter der Nachricht vom Tod seines Vaters zusammen – ich spüre seine Ohnmacht, seine Unfähigkeit, den Familienapparat zu führen, fast körperlich mit.

Howard, sein bester Freund und adoptierter Duarte, greift interimistisch zu den Zügeln, doch auch er zerreißt fast zwischen Loyalitätspflicht, eigener Trauer und privater Zerrissenheit.

Thompson entlarvt Macht als zerbrechliches Konstrukt in einer Welt, wo Angehörige und Angestellte keine austauschbaren Figuren sind. Die Duartes leben ihre Werte – Familie, Loyalität, Schutz der Ihren – und gerade diese Humanität macht sie so verwundbar. Ich ertappe mich dabei, wie ich diese Verbrecherfamilie liebgewonnen habe, sie mir nahe ist, obwohl sie ein Mafiabund ist.

​Die Autorin erzählt nicht linear, sondern wechselt zwischen den Figuren, und so wird die psychologische Dichte für mich greifbar. Matteos Schockstarre berührt mich direkt, seine Panik wird zu meiner. Howards pragmatische Härte rührt mich durch seine Zwiespältigkeit zwischen der leidenschaftlichen Nicoletta und der jugendlichen Mariana.

Sogar Nebenfiguren wie die schwangere Witwe Josepha oder die stille Louisa gewinnen für mich Kontur und Nähe. Besonders eindrucksvoll ist die Reise nach Kolumbien zur Beerdigung: Die Mariachi-Klänge, die den Sarg durch Popayán tragen, die Novene-Gebete – hier fühle ich eine katholische Mafiafamilie in ihrer Zeremonialstrenge und so tiefen Menschlichkeit, dass es mich berührt.

​Die Liebesstränge sind für mich kein romantischer Ausgleich, sondern Spiegel der Machtpolitik, die mich mitfühlen lässt. Liebe wird zur Ressource, zum Tauschmittel, zur Zerreißprobe. Thompsons Sprache bleibt nah an den Figuren – direkt, ohne Klischees – die Dialoge berühren durch ihre Authentizität, die Actionszenen fesseln mich präzise. Sie erzählt Unterhaltung mit literarischer Substanz, bei der Figurenpsychologie wichtiger ist als bloße Handlung.

​ „Macht & Ohnmacht“ markiert für mich einen Höhepunkt der Reihe. Der Tod des Patriarchen ist ein Wendepunkt zwischen Tradition und Individuum, Pflicht und Menschlichkeit, der in mir lange nachhallt. Thompson schreibt hart, mitreißend, menschlich – ein Roman, der mich bewegt und sehnsüchtig auf die Fortsetzung warten lässt.

​Gern empfehle ich auch den dritten Teil der Leserschaft – Das Buch ist eine emotionale Wucht.

Heidelinde Penndorf

(März 2026)








Sonntag, 29. März 2026

⭐neue Leseempfehlung ⭐ : Narben erinnern mich an das Erlebte, aber sie definieren nicht meine Zukunft - Dorothea Hesse-Swikle



Mit diesem Buch legt die Autorin einen Text vor, der sich bewusst klassischen Autobiografie-Erwartungen entzieht. Statt chronologischer Ordnung entsteht ein eindringlicher Mit diesem Buch legt die Autorin einen Text vor, der sich bewusst klassischen Autobiografie-Erwartungen entzieht. Statt chronologischer Ordnung entsteht ein eindringlicher Erfahrungsbericht, der zwischen Zeugnis, Anklage und Selbstvergewisserung wechselt– und dadurch eine eigene, schwer einzuordnende literarische Form gewinnt. Im Kern steht die Erzählerin im Konflikt mit Institutionen: Behörden, Gerichten, medizinisches System. Prägend ist ihr Gefühl, vom Recht nicht erfasst worden zu sein – nicht nur durch Urteile, sondern als tiefes Missverhältnis zwischen formaler Prüfung und existenzieller Erfahrung.

Die Langzeitfolgen partnerlicher Misshandlungen bleiben aus ihrer Sicht juristisch ungreifbar; Prozesse wirken wie Fortsetzung des Unverstandenseins.Formal spiegelt der Text dies: verbindenend, durchsetzt von Rückgriffen, Exkursen und Kommentaren, ohne straffe Dramaturgie. Erinnerungen grenzen an medizinische Erläuterungen, Beobachtungen an Reflexionen. Was zunächst unruhig scheint, erweist sich als konsequente Form für einen Stoff, der sich der Linearität verweigert.

Gewichtig ist die körperliche Wiedergewinnung: Ausführliche Schilderungen von Therapien, Diagnosen und Deutungsversuchen – geprägt vom Mangel an äußeren Antworten. Nahrungsergänzungsmittel als Stabilisator werden nicht triumphierend, sondern als selbstbestimmtes Suchen nach Kontrolle dargestellt.

Literarisch bleibt der Text rau, uneinheitlich, sich wiederholend – doch von hoher Dringlichkeit. Seine Stärke liegt in der Unmittelbarkeit der Innenperspektive. Wer Ausgewogenheit sucht, mag irritiert sein; wer sich einlässt, gewinnt ein eindringliches Dokument über Gewalt, Krankheit und institutioneller Erfahrung. Am Ende fehlt Auflösung oder Versöhnung mit sich selbst und der Situation – stattdessen kehrt Leben zurück: Die Autorin nimmt sich wieder richtig wahr, lebt wieder auf. Doch zur Aussöhnung ist noch ein weiter Weg.

Gern empfehle ich das Buch weiter - es ist erfahrungsreich.

Heidelinde Penndorf

(März 2026)





Samstag, 28. März 2026

⭐neue Leseempfehlung:⭐Herings-Hypnose: Ein Fall für Moewe & Fish (Nr.4) - Jörg Piesker



Mit HeringsHypnose habe ich einen Küstenkrimi gelesen, der mich von der ersten Seite an mit seiner skurrilen Mischung aus Humor, Spannung und leichter Absurdität gepackt hat. Heringsdorf wird hier nicht einfach nur als idyllische Ostseekulisse gezeigt, sondern als Bühne für einen Fall, in dem Wellness, Wahn und Wahrheit auf höchst vergnügliche Weise aufeinandertreffen.

Besonders gefallen hat mir der originelle Einstieg in die Geschichte. Schon früh wird klar, dass dieser Roman sich nicht mit gewohnten Krimipfaden begnügt, sondern mit einer ordentlichen Portion Ironie und Fantasie arbeitet. Der Hypnose-Guru Dr. Magnus Bernstein, der tote Teilnehmer und das merkwürdige Hering-Ritual sorgen für ein Geschehen, das ebenso schräg wie spannend ist. Gerade diese Mischung macht für mich den Reiz des Buches aus.

Sehr überzeugend fand ich auch das Ermittlerduo. Mowe und Fish ergänzen sich wunderbar: Er eher nüchtern, stoisch und mit trockenem Humor, sie lebendig, impulsiv und voller Energie. Zusammen tragen sie die Handlung mit einer Dynamik, die mir beim Lesen viel Freude bereitet hat. Auch die Nebenfiguren sind liebevoll überzeichnet und tragen dazu bei, dass der Roman so lebendig und eigenwillig wirkt.

Die Sprache des Buches ist flott, bildreich und oft sehr humorvoll. Besonders mochte ich, wie die Ostseekulisse nicht verklärt, sondern mit all ihren schrägen und komischen Seiten eingefangen wird. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die gleichzeitig leichtfüßig und eigenständig ist. Für mich ist das genau die Art von Krimi, die nicht nur einen Fall erzählt, sondern auch mit Figuren und Sprache spielt.

Wenn ich etwas anmerken möchte, dann vielleicht, dass die Fülle an Figuren und Einfällen stellenweise fast ein wenig überbordet. Doch selbst das empfinde ich hier eher als Teil des Charmes. HeringsHypnose will nicht brav und ordentlich sein, sondern bunt, laut, originell und mit spürbarer Lust am Erzählen.

Für mich ist das ein unterhaltsamer, ungewöhnlicher und sehr sympathischer Küstenkrimi, der sich angenehm vom Gewohnten abhebt. Wer Freude an skurrilen Figuren, norddeutschem Flair und einer guten Portion Humor hat, wird an diesem Buch sicherlich Gefallen finden. Gern empfehle ich diese Küstenkrimi weiter.

Heidelinde Penndorf

(März 2026)









Samstag, 14. März 2026

⭐neue Leseempfehlung:⭐Schönheit, Schnee und Limoncello: Ein Gardaseekrimi (2) - Viola Eigenbrodt



„Schönheit, Schnee und Limoncello“ ist ein atmosphärisch dichter Gardasee-Krimi, der mit starkem Lokalkolorit und einer vielschichtigen Figurenwelt überzeugt, dessen sehr komplex konstruiertes Geflecht aus Handlungssträngen jedoch gelegentlich zulasten der Übersicht geht.

​Viola Eigenbrodt beginnt mit einem scheinbar „kleinen“ Fall: Ein toter Terrier wird im Hafen von Riva del Garda gefunden, beschwert und ins Wasser geworfen – eine grausame Tat, die rasch deutlich macht, dass hier mehr im Spiel ist als bloße Tierquälerei. Von diesem Schockmoment aus breitet sich ein Netz aus Bedrohungen, Erpressung und alten Schuldgeschichten rund um die wohlhabende Familie Carbone und ihr Limoncello-Imperium aus, in dem auch ein entführter Unternehmer und ein getötetes Pferd eine Rolle spielen.

​Besonders gelungen ist die Ermittlerin Brigadiera Patti Mayrhofer, die mit Professionalität, Intuition und einer leisen Verletzlichkeit agiert und dadurch sehr nahbar wirkt. Auch die Nebenfiguren – vom trauernden Ispettore Messner über das Carabinieri-Team bis hin zu der undurchschaubaren Giovanna Carbone – sind plastisch gezeichnet und tragen viel zur psychologischen Dichte des Romans bei.

​Der Schreibstil ist flüssig, farbig und mit vielen Details versehen, ohne seicht zu werden. Eigenbrodt fängt sowohl das mediterrane Flair des Gardasees als auch die winterliche Kälte sehr überzeugend ein: Zitronenhaine, Likörmanufaktur, verschneite Berge und mondhelle Nächte ergeben ein eindrucksvolles Panorama, vor dem die menschlichen Abgründe umso schärfer hervortreten. Das Lokalkolorit – von kulinarischen Genüssen bis zu Einblicken in Zitronenanbau und Wintersport – wirkt sorgfältig recherchiert und authentisch, wodurch sich der Roman deutlich von „austauschbaren“ Regionalkrimis abhebt.

​Spannung entsteht weniger durch blutige Gewaltexzesse als durch das stetige Nachziehen einer Schlinge: Drohbriefe, Symbolhandlungen an Tieren, ein mysteriöser Skiunfall, alte Verbindungen und nicht ausgesprochene Wahrheiten fügen sich nach und nach zu einem dunklen Bild. Die vielen Puzzleteile, falschen Fährten und Verknüpfungen sind grundsätzlich reizvoll – man muss als Leserin aber bereit sein, konzentriert dabei zu bleiben.

​Hier liegt zugleich der Kritikpunkt, der für meine Bewertung entscheidend ist: Der Roman ist sehr reich bestückt mit Nebengleisen, Nebenfiguren und biografischen Exkursen (etwa zu Messners Vergangenheit, Lukrezias Vorgeschichte oder Familienkonstellationen im Umfeld der Carbones). Das ist inhaltlich interessant, nimmt dem eigentlichen Kriminalfall aber bisweilen den Fokus. Stellenweise hatte ich das Gefühl, den roten Faden kurz aus den Augen zu verlieren, weil zu viel gleichzeitig angespielt und erst spät wieder aufgegriffen wird. Wer stringente, klar gebündelte Ermittlungsplots schätzt, könnte sich hier gelegentlich etwas „überladen“ fühlen.

​Auch das Ende ist stimmig und logisch, wirkt aber im Verhältnis zur zuvor fein aufgefächerten Komplexität fast etwas knapp – manche Andeutungen hätte man gerne noch klarer aufgelöst gesehen.

​Viola Eigenbrodt schreibt atmosphärisch stark, charaktertief und stilistisch sicher; der winterliche Gardasee, die feinen Milieubeobachtungen und die ungewöhnliche Ausgangslage (Hund statt Menschenleiche) machen den Roman zu einer besonderen Lektüre. Gleichzeitig führt die Fülle an Themen, Figuren und biografischen Seitensträngen dazu, dass der zentrale Fall zeitweise in den Hintergrund rückt und die Übersicht ein wenig leidet.

​Für mich ist „Schönheit, Schnee und Limoncello“ ein sehr guter, aber nicht ganz makelloser Krimi – atmosphärisch ein Genuss, plottechnisch an wenigen Stellen etwas überfrachtet.

Gern empfehle ich das Buch der interessierten Leserschaft weiter.

Heidelinde Penndorf

(März 2026)