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Donnerstag, 28. Mai 2026

⭐neue Leseempfehlung ⭐ : Mit eigenen Händen: Unser Hausbau in der DDR - Matthias Härtel



Mit eigenen Händen ... ist ein kleines Buch von großer Wärme. Es erzählt nicht einfach vom Bau eines Hauses, sondern vom Bau eines Lebens: mit Schweiß, Einfallsreichtum, Familienkraft und jenem trotzig-zuversichtlichen Willen, aus wenig etwas Bleibendes zu schaffen.

Zwischen Beton, Brettern und alten Erinnerungen leuchtet immer wieder das Menschliche auf. Da ist der Vater als kraftvolle, beinahe mythische Gestalt, die Mutter als stille, unermüdliche Hüterin des Ganzen — und beide zusammen bilden das Herz einer Geschichte, die zugleich privat und zeitgeschichtlich ist.

Besonders schön ist der Ton des Buches: liebevoll, manchmal augenzwinkernd, immer nah am Leben. Die vielen kleinen Szenen und Erinnerungen machen daraus kein bloßes Dokument, sondern ein lebendiges Stück gelebter Vergangenheit.

So entsteht ein feines Zeitbild voller Wärme, Stolz und Dankbarkeit. Ein Buch, das nicht laut sein muss, um zu berühren — weil es von Menschen erzählt, die ihr Leben mit den eigenen Händen getragen haben. Sehr gern empfehle ich das Buch der Leserschaft weiter.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2026)







Dienstag, 19. Mai 2026

⭐neue Leseempfehlung ⭐ : Mischa - Liebe ist universell - Valerie le Fiery & Frank Böhm



In ihrem Roman „Mischa – Liebe ist universell“ nimmt uns das Autorenduo Valerie le Fiery und Frank Böhm mit in ein kleines bayerisches Dorf, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Es wirkt ein wenig wie damals bei meinen Großeltern – geprägt von Tradition, Arbeit und unausgesprochenen Erwartungen.

Der zwanzigjährige Mischa steht vor einer Zukunft, die andere längst für ihn geplant haben: Nach alter Tradition soll er den elterlichen Bauernhof übernehmen. Doch hinter dieser Fassade aus Pflicht und Gewohnheit brodelt ein innerer Konflikt.

Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der den Mut aufbringt, aus einem vorgezeichneten Leben auszubrechen, um Antworten auf die Fragen nach seiner eigenen Identität und seiner Liebe zu finden.

Schon nach wenigen Seiten stellte sich dieses leise, eindringliche Gefühl ein, Mischa nicht nur zu begleiten, sondern ihn zu kennen. Seine Gedanken tasten sich vorsichtig durch Zweifel und Sehnsucht, seine Unsicherheit legt sich wie ein feiner Schatten über jede Entscheidung. Zwischen Pflicht und innerem Verlangen gefangen, wirkt sein Ringen so wahrhaftig, dass es sich beim Lesen beinahe wie ein eigenes Erinnern anfühlt. Dabei wird auch ein Generationenkonflikt spürbar, der sich durch viele leise, aber gewichtige Momente zieht.

Die Enge des Dorfes liegt schwer auf seiner Seele – sie zeigt sich in Blicken, in unausgesprochenen Erwartungen und im Schweigen der Familie. Und doch durchzieht alles eine stille, fast zerbrechliche Sehnsucht: nach Freiheit, nach Liebe, nach einem Leben, das nicht länger verborgen bleiben muss.

Besonders berührend ist die behutsame, fast zärtliche Annäherung an das Thema Selbstfindung. Mischa kämpft nicht laut, sondern in sich hinein – gegen Zweifel, gegen Angst, gegen das Bild, das andere von ihm haben. Gerade diese leisen inneren Bewegungen, dieses fragile Schwanken zwischen Hoffnung und Verlorenheit, verleihen der Geschichte eine Tiefe, die lange nachklingt.

Der Bauernhof und das Dorf sind dabei weit mehr als nur Kulisse. Sie bilden ein Geflecht aus Gerüchen, Geräuschen, Routinen und Spannungen, das den Leser umschließt. Inmitten von Arbeit, Blicken und kleinen Begegnungen wächst eine emotionale Intensität, die sich still entfaltet und nachhaltig wirkt.

Schließlich führt Mischas Weg ihn fort vom Dorf nach Köln. Dort begegnet er einer ganzen Vielfalt menschlicher Charaktere und findet auch seine Liebe. Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft des Romans: gleichgeschlechtliche Liebe ist nichts Verpöntes, sondern etwas Natürliches, Echtes und zutiefst Menschliches. Mischa erkennt, dass er so, wie er ist, genug ist.

Dieses Buch erzählt keine einfache Liebesgeschichte. Es erzählt vom Mut, sich selbst zu begegnen – von der Zerbrechlichkeit des eigenen Ichs und von der leisen, unaufhaltsamen Kraft, es dennoch zu befreien. Ein stilles, ehrliches und zutiefst menschliches Werk.Sehr gern empfehle ich dieses Buch der Leserschaft weiter, es berührt sehr und erweitert den zwischenmenschlich-.sozialen Blickwinkel.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2026)









Montag, 11. Mai 2026

⭐neue Leseempfehlung ⭐ : Die Reben im Sturm (Die Winzerfrauen-Saga 1) - Elisabeth Marienhagen



Dieses Buch sollten besonders jene lesen, die Krieg oder Konflikte leichtfertig glorifizieren. „Reben im Sturm" führt eindringlich vor Augen, dass Krieg niemals eine Lösung ist, sondern immer Leid, Zerstörung und langfristige Folgen für ganze Generationen mit sich bringt. Der Erste Weltkrieg war nicht nur ein europäischer Konflikt – die Kolonialmächte mit ihren globalen Rivalitäten um Rohstoffe, Märkte und Territorien in Afrika, Asien und anderswo bildeten den tiefen Ursprung dieses Weltenbrandes.

„Reben im Sturm" von Elisabeth Marienhagen ist ein packender historischer Liebesroman und zugleich der Auftakt einer Saga, der die Zeit vor und während des Ersten Weltkriegs eindringlich einfängt. Im Mittelpunkt steht die junge Magdalena Scholtes, die in einer Winzerfamilie an der Mosel aufwächst und zwischen Alltagsrealität, ersten Liebesgefühlen und den Schrecken des Krieges ihren Weg finden muss. Ohne zu spoilern: Der Roman zeichnet ein nuanciertes Bild von Hoffnung, Verlust und unerschütterlicher Lebenslust inmitten tiefgreifender historischer Umbrüche.

Besonders eindrucksvoll ist, wie der Erste Weltkrieg alle Figuren trifft – von einfachen Winzern bis hin zu ihren Nachbarn. Der Konflikt zerstört Existenzen, reißt Familien auseinander und zwingt vor allem die Frauen im Dorf dazu, neben ihrem ohnehin harten Alltag plötzlich auch die schwere körperliche Arbeit der Männer zu übernehmen. Diese Darstellung verleiht der Geschichte eine zusätzliche Tiefe und macht die Belastungen dieser Zeit greifbar. Ebenso erschütternd sind die Schilderungen der menschlichen Schicksale, die von Armut, Verlust und Krankheit geprägt sind. Nicht nur der Krieg selbst fordert Opfer, sondern auch seine Folgen: Verwundete und traumatisierte Soldaten, Amputationen sowie die Ausbreitung von Krankheiten wie der Spanischen Grippe, die sowohl an der Front als auch in der Heimat zahlreiche Menschenleben fordert.

Das zwischenmenschliche Miteinander wird dabei realistisch und vielschichtig dargestellt – mit all seinen Facetten wie Neid, Solidarität und Gier. Der Roman zeigt eindrucksvoll, dass sich an diesen grundlegenden menschlichen Eigenschaften bis heute wenig geändert hat.

Eine zentrale Botschaft des Buches ist die bittere Erkenntnis, dass vor allem die Wohlhabenden von solchen Krisenzeiten profitieren, während die einfachen Menschen die Hauptlast tragen. Diese Parallelen zur Gegenwart verleihen der Geschichte zusätzliche Relevanz und regen zum Nachdenken an.

Insgesamt ein emotionaler und atmosphärisch dichter Auftakt einer Saga, der unter die Haut geht und lange nachwirkt – eine klare Empfehlung für alle, die historische Geschichten mit Tiefgang schätzen.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2026)










Freitag, 8. Mai 2026

⭐neue Leseempfehlung ⭐ : Handkäs Masala: Krimi- Robert Maier



IT-Rentner Olaf kann es nicht lassen, den Privatdetektiv zu geben – diesmal allerdings ohne sein selbst programmiertes Handy-Virus. Fast ein wenig schade.

In seiner Wohnung wird es zunehmend eng: Sohn, Schwiegertochter und das Enkelbaby ziehen mangels bezahlbaren Wohnraums mit ein. Da kommt es ihm gerade recht, dass ein Freund für ein Jahr ins Ausland geht und ihm sein kleines Haus in einer Wohnsiedlung überlässt. Doch auch dort währt die Ruhe nicht lange – im Zuge der Ermittlungen wird es erneut beengt und unerwartet turbulent. Unterstützt wird Olaf von zwei Assistentinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Gerade diese Gegensätze sorgen für überraschende Wendungen und so manche vertrackte Entwicklung.

Robert Maier gelingt erneut ein fesselnder, lebendiger und zugleich humorvoller Krimi. Mit feinem Gespür verwebt er Spannung, gesellschaftliche Beobachtungen, zwischenmenschliche Eigenheiten und aktuelle Themen zu einer dichten, stimmigen Erzählung.

Im Zentrum steht ein brisanter Mordfall mit weitreichendem Dominoeffekt. Olaf und seine beiden Assistentinnen gehen ihm mit Scharfsinn, Menschenkenntnis und beharrlicher Neugier nach – und fördern dabei mehr zutage, als zunächst zu ahnen ist. Besonders reizvoll ist das Aufeinandertreffen verschiedener Welten: hessische Bodenständigkeit begegnet indischer Lebensphilosophie, moderne Technik trifft auf menschliche Abgründe. Immer wieder zeigt sich, wie trügerisch erste Eindrücke sind und welche Wahrheiten sich hinter unscheinbaren Fassaden verbergen. Der Krimi bietet weit mehr als bloße Unterhaltung. Zwischen den Ermittlungen entfalten sich leise, nachwirkende Reflexionen über Vorurteile, soziale Ungleichheit, Migration, Alter und Einsamkeit – unaufdringlich, aber eindringlich.

Die Handlung bleibt durchweg dynamisch, getragen von feinem Wortwitz und überraschenden Wendungen. Die Figuren gewinnen rasch an Tiefe, und Seite um Seite wächst der Drang, das Geflecht der Ereignisse zu entwirren. Robert Maier zeigt einmal mehr, wie facettenreich Kriminalliteratur sein kann: spannend, augenzwinkernd, gesellschaftskritisch und zutiefst menschlich – und gerade darin liegt seine besondere Stärke. Von mir eine klare Empfehlung

Heidelinde Penndorf

(Mai 2026)








Samstag, 2. Mai 2026

⭐neue Leseempfehlung ⭐ : Sehnsucht nach Sunny Grove – Kotsoteka - Charles M. Shawin



Mit „Sehnsucht nach Sunny Grove – Kotsoteka“, dem zweiten Band, entwirft Charles M. Shawin eine eindringliche Erzählung über innere Konflikte, Lebensentscheidungen und die fragile Balance zwischen Zugehörigkeit und Aufbruch. Im Zentrum steht Sara, die seit Jahren bei den Kotsoteka-Comanchen lebt und dort als „Nadua“ – die sich wohlfühlt – ihren Platz gefunden hat. Doch ich hatte beim Lesen schnell das Gefühl, dass diese Ruhe trügerisch ist: Alte Bindungen, Einsamkeit und unerfüllte Sehnsüchte holen sie immer wieder ein und stellen ihre gewählte Heimat infrage.

Besonders stark empfand ich den historischen Kontext, der die gesamte Handlung trägt. Während des 18. Jahrhunderts begann die systematische Verdrängung der indigenen Bevölkerung Nordamerikas. Reservate wurden eingerichtet – scheinbar zum Schutz, tatsächlich jedoch zur Landnahme durch weiße Siedler. Die massenhafte Bisonjagd entzog den Plains-Indianern ihre Lebensgrundlage, und ich musste beim Lesen immer wieder innehalten, weil mir die Tragweite dieser Entwicklungen so deutlich vor Augen geführt wurde. Es fiel mir nicht leicht, diese Einschnitte zu akzeptieren – zu existenziell erscheinen die Verluste an Freiheit und Lebensweise, selbst wenn man sie im historischen Zusammenhang betrachtet.

Gleichzeitig habe ich den Roman als eine vielschichtige Geschichte des Erwachsenwerdens und der Selbstfindung erlebt. Für mich stehen dabei auch die zwischenmenschlichen Beziehungen im Mittelpunkt – insbesondere die Freundschaft zweier junger Frauen, die in eine erste tiefgreifende Krise gerät. Ihr Ringen um Vertrauen, Nähe und Eigenständigkeit hat mich besonders berührt, weil es die Zerbrechlichkeit, aber auch die Stärke solcher gewachsener Verbindungen zeigt.

Auch die ersten zarten Erfahrungen von Liebe und Bindung im Prozess des Erwachsenwerdens sind fein in die Handlung eingewoben. Sie wirken nicht als klassische Liebesgeschichte, sondern vielmehr als Teil einer inneren Entwicklung, geprägt von Unsicherheiten, Hoffnungen und dem Wunsch, den eigenen Weg zu finden. Begegnungen und erneute Konfrontationen – insbesondere mit zwei Männern aus der Vergangenheit – verleihen der Handlung zusätzliche Spannung. Ich empfand diese Passagen als besonders eindringlich, weil sie zeigen, wie sehr Vergangenes in die Gegenwart hineinwirkt.

Die Figur Emma bringt für mein Empfinden eine eigene Dynamik in den Roman. Ihr Weg – vom Abschied über die Rückkehr bis hin zu einem gereiften Blick auf das Leben – steht für Veränderung und Neubeginn. Ich mochte besonders die Idee, dass mit ihr nicht nur Beziehungen neu geordnet werden, sondern auch ein Ort wie Sunny Grove wieder aufblühen kann. Gleichzeitig schwingt darin die Hoffnung mit, dass sich Wege, die getrennt schienen, doch wieder zusammenfinden.

Beim Lesen hat mich vor allem die stille, fast zurückhaltende Intensität des Romans beeindruckt. Es sind nicht die lauten Ereignisse, sondern die leisen Zwischentöne, die bei mir nachgewirkt haben. Ich hatte immer wieder das Gefühl, zwischen den Zeilen zu lesen und mich den Figuren innerlich anzunähern.

„Sehnsucht nach Sunny Grove – Kotsoteka“ ist für mich ein Roman, der weniger durch äußere Spannung als durch emotionalen Tiefgang überzeugt. Er wirkt durch seine vielschichtigen Charaktere, durch das sensible Zusammenspiel von Freundschaft und den zwischenmenschlichen Beziehungen im und durch die nachklingende Frage, wo ein Mensch wirklich zuhause ist – im Herzen, in der Erinnerung, an der Seite eines anderen, eines Ortes oder vielleicht in all dem zugleich. Sehr gern empfehle ich das Buch der Leserschaft weiter - es ist, obwohl fiktiv, ein geschichtlicher Einblick in Geschichte der indigenen Bevölkerung - der Indiander.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2026)