Freitag, 10. Mai 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Das Böse zeigt sein Antlitz - Renate Lehnort



Wir lernen Anja kennen, zerbrechlich, traumatisiert, therapiert, entzückend lieb und ohne Selbstvertrauen. Sie lernt Peter kennen, älter, reich, charismatisch, charmant und snobistisch selbstbewusst. Liebe auf den ersten Blick! Anja hat keine Chance, sich in der Ehe zu entfalten, sie hat eine hauchzarte Seele und ordnet sich seiner Stärke unter. Regie im Familienleben führen die erwachsenen Stiefkinder Anjas. Beides sind ausgesprochene Narzissten mit antisozialem Verhalten, geldgierig und machtbesessen. Und plötzlich erfährt Anja statt dem siebten Himmel, die Hölle eines ausgeklügelten Psychoterrors. Die junge Frau erlebt durch die Stiefkinder ein neues Trauma und einen schmerzhaften Verlust, der sie fast an den Rand des Wahnsinns bringt und landet in der Psychiatrie.

Dort zeigt Anja eine dissoziative Identitätsstörung und Lisa übernimmt nun größtenteils die Führung über Anja – sie fliehen aus der Psychiatrie. Lisas Persönlichkeit ist so stark ausgeprägt, dass sie in weiten Teilen Anjas Ich unterdrückt. Sie kleidet sich anders, genießt das Leben in wilden Zügen, trinkt, nimmt Drogen und hat Sex mit mehreren Männern. Die nutzt sie aus, für ihre Rachepläne. Diese betreffen Anjas Stiefkinder. Sie sollen leiden, für dass, was sie Anja angetan haben. Lisas Hass geht soweit, dass sie Peters Kinder entführt, grausam misshandelt und ermordet. Anjas zweites Ich hat Lisa völlig unter Kontrolle.

Wie kommt Anja aus dieser Situation wieder heraus? Wie kann sie nach diesen schrecklichen Ereignissen wieder in greifbare Nähe eines normalen Lebens gelangen? Wird ihr Mann sich nicht von ihr abwenden?

Renate Lehnort löst diese Situation pfiffig, intelligent und gekonnt auf. Respekt!

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter. Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und interessant, die lebendigen Protagonisten und Antagonisten überraschen mit Irrungen und Wirrungen und führen uns auf verschlungenem Weg zum auflösenden Ende des Buchs. Wirklich bemerkenswert gut gelungen, finde ich die Schilderung der typischen Eigenschaften einer dissoziativen Identitätsstörung.

Heidelinde Penndorf

(10.05. 2019)





Montag, 6. Mai 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Tabun - Thriller - Michael Paul



Tabun – eigentlich als Insektizid auf Basis organischer Phosphorverbindungen entwickelt, aber zu toxisch, um es in der Landwirtschaft anzuwenden, wurde umfunktioniert zu einem der giftigsten und tödlichsten Nervengase der Welt, hergestellt im Jahr 1936 in Nazideutschland. Ein chemischer Overkill – der Gott sei Dank im dunkelsten Kapitel der Geschichte unseres Landes nie zum Einsatz kam.

Und genau dieses hochtoxische Nervengift Tabun hat Michael Paul in den Mittelpunkt seines gleichnamigen Romans gestellt. Ein packender, fesselnder auf Hintergrundwissen und Tatsachen beruhender Öko-Politikthriller, mit fiktionalem Einschlag, der es in sich hat. Er zeigt auf, dass wir auf der größten Zeitbombe und den größten Umweltskandal der Nachkriegszeit sitzen und kaum einer weiß es, kaum einer schreibt und spricht darüber. Immerhin wurden u.a. etwa 12.000 Tonnen Tabun hergestellt und verarbeitet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Unmengen an Munition, so auch die mit Tabun befüllten Bomben und Granaten in der Ostsee versenkt. Sie sind also weg, nicht mehr sichtbar!

Im Buch ist auch zu lesen, dass der Fischbestand durch dieses Toxin immer mehr geschädigt wird, dass wir diesen Fisch essen, der vielleicht verseucht ist, dass manche Fischer beim Fischfang durch die chemischen Gifte in Lebensgefahr geraten sind und es immer wieder passiert und Politik schweigt und unternimmt nichts! Und Fische wohlgemerkt, kennen keine Ländergrenzen.

Totgeschwiegen wird auch, dass der begonnene Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 durch die Ostsee deshalb auch eine immense Gefahr darstellt. Genauso, dass viele Bernsteinfunde gar kein Bernstein, sondern weißer Phosphor sind, der von der tonnenweisen phosphorhaltigen Munition in Nord- und Ostsee stammt, die damals im Meer verklappt wurde und immer öfter an die Oberfläche und den Strand gespült wird. Davor warnen die Kurverwaltungen eher verhalten, weil er zu Selbstentzündungen führen kann – doch Politik schweigt auch hier.

Dass nicht der ganze tödliche Giftstoff in der Ostsee landete, ist in der Handlung des Buchs eine Fiktion, liegt aber vielleicht nahe bei der Wahrheit, wie ich bei meiner Recherche zum Buchinhalt feststellte. Denn 2009 fand man in Wittenberge, ein völlig verrostetes Fass, aus dem Gas austrat. Ein Test ergab, dass eine wichtige Eigenschaft auf Tabun hinwies und man musste es mit einem Spezialkommando entsorgen.

Was würde passieren, wenn solche Funde in die Hände jener Menschen gelangen würden, die es benutzen wollen, um damit ihre abstrusen Visionen, ihre Gier und Machtgelüste durchzusetzen? Im Buch begegnen wir einem hochintelligenten Antagonisten, der genau dies vorhat! Ihm in den Weg stellt sich die ehemals gefürchtetste Oberstaatsanwältin Deutschlands, Katharina König. Sie übt ihren Beruf nicht mehr aus, seit sie durch ein Attentat erblindet ist. Ihr zur Seite gestellt wurde der etwas verwuschelter Assistent und Jazzmusiker Elias, welcher in schwierigen Situationen über sich hinauswächst. Beide sollen da genauer hinsehen, wo Politik, Justiz und Polizei scheinbar wegschauen.

Michael Paul wollte es genau wissen, wie man sich fühlt, was man wahrnimmt und wie man zurechtkommt, wenn man nicht sehen kann. Er wagt das Experiment und macht sich für eine Woche sozusagen blind, um im Roman die Authentizität einer blinden Ermittlerin rüber zu bringen, sogar eine Trainerin hat er dafür organisiert. Und der Autor hat viel gelernt in dieser kurzen Zeit und es im Buch gut umgesetzt, denn die Hauptprotagonistin kommt absolut charismatisch und glaubwürdig rüber. Sie findet sich gut zurecht, denn durch ihre Blindheit hat sie ihre anderen Sinne geschärft und kaum einer merkt ihr an, dass sie blind ist. Sie ist immer tadellos frisiert, geschminkt und geschmackvoll gekleidet. Im Laufe der Ermittlung erstaunt ihr Assistent immer wieder, wie aufmerksam, konzentriert und aufnahmefähig Katharina König Umwelteindrücke wahrnimmt und verarbeitet. Einige wichtige Tatsachen wären ihm ohne ihre geschulten Fähigkeiten gar nicht aufgefallen.

Spannend und fesselnd kommt die Story rüber. Der Autor legt sogar noch mal nach und die Spannung erreicht ein hohes Level, als die ehemalige Staatsanwältin dem Mann gegenübersteht, der für ihre Blindheit verantwortlich ist. Dann überschlagen sich die Ereignisse, nehmen einen überraschenden dramatischen Verlauf. Den Lesern wird ein Endzeitszenario vor Augen geführt – aufreibend, beklemmend, aktionsreich und fesselnd bis zum Ende.

Ich hatte bis dato auch keine Ahnung, welch Damoklesschwert über uns schwebt und Danke dem Autor für das Wissen, was er vermittelt und das noch so gut gekonnt und interessant, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann, bis die letzte Seite gelesen ist.

Meine Meinung im Besonderen: Bevor wir alle anderen Umweltprobleme, die wir durchaus haben, angehen, sollte dieses in den Meeren gelöst werden, da es uns sonst einmal um die Ohren fliegt – eine tickende Zeitbombe in der Ostsee, die jederzeit explodieren könnte, mit schwerwiegendsten Folgen für uns und unsere Erde.

Das Buch hat meine absolute Leseempfehlung, lesen Sie es unbedingt! Die Protagonisten und Antagonisten sind sehr lebendig und charismatisch, die Story ist so spannungsgeladen, dass einem fast die Luft wegbleibt.

Heidelinde Penndorf

(06.05.2019)






Montag, 29. April 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Katjuscha - Thriller - Jean P.



Der Autor nimmt sich eines Themas an, welches nur in die Schlagzeilen gerät, wenn etwas Spektakuläres passiert. Frauenhandel – ein Thema mit vielen Grauzonen und eines, welches zu einem beachtlichen Wirtschaftsfaktor und von der Politik und Wirtschaft oft tabuisiert und doppelmoralisch diskutiert wird.

Es ist ein fiktiver, spannender dramatischer und subtiler Psycho-Thriller, einer, der mich nicht zur Ruhe kommen ließ und mich auch des Nachts noch beschäftigte. Es gibt so einige Schockmomente und überraschend inszenierte Wendungen im Roman. Die Sprünge zwischen den Kapiteln sind manchmal irritierend, sorgen aber für so einige Cliffhänger. Denn die Handlung ist nicht linear angelegt, sondern beschreibt das Tun und Denken der beiden Hauptprotagonisten und ihres jeweiligen sozialen Umfelds immer abwechselnd zur Situation.

Jean P. bedient sich vieler Flashbacks und emotionale Trigger-Erlebnisse, auch um herauszustellen, dass Svetlana, die Hauptprotagonistin einen inneren Kampf mit sich ausficht, weil zu lang Verdrängtes sich in ihre Träume und ihre dramatische Ist-Situation hineindrängt – durch eine Droge noch verstärkt, weiß sie oftmals nicht, was Fiktion und was gerade Realität ist. Doch irgendwie hat sie das alles schon einmal erlebt … dieses Willenlose, diese Gefügigkeit und so viel mehr an Grausamkeit.

Doch damit nicht genug, der Autor nutzt situationsbedingt auch viele metaphorische Elemente – da ist das Labyrinth, wo beide Hauptprotagonisten dann getrennte Lebenswege gehen, aber immer noch verbunden durch den sprichwörtlich roten Faden ihres gemeinsamen Lebens, verbunden auch durch ihre telepathische Zusammengehörigkeit. Da ist auch Jakobs Kampf am Jabbok und Homers Odyssee – der Kampf und die lange Reise, um sein eigenes Selbst zu finden und Joseph Freiherr von Eichendorffs: »Mondnacht« und letztendlich unter anderem auch das russische Lied »Katjuscha«, welches dem Buch seinen Namen gab. Es sind Elemente, die beide Protagonisten irgendwie immer miteinander verbinden und für ihren Kampf und auch ihre Liebe stehen.

Immer spannend und aufregend kommt die Story rüber, sehr lebendig ist sie, genauso die Protagonisten und Antagonisten – erzeugt ein ziemlich dramatisches Kopfkino, welches ich nach dem Lesen der letzten Seite nicht so ohne Weiteres abschalten konnte, zumal der Schluss ziemlich rasant gestaltet ist. Das Cover passt hervorragend zur Story.

Sind Sie neugierig geworden? Dann lesen Sie das Buch, liebe Leserinnen und Leser – ein Thriller, der es in sich hat und ein brisantes Thema berührt. Ich empfehle es Ihnen sehr gern.

Heidelinde Penndorf

(29.04.2019)





Mittwoch, 24. April 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Tiranorg: Schwertliebe (1) - Judith M. Brivulet



Es ist eine interessante fiktionale irisch-keltische mythologische Anderswelt, eine zu der, laut Mythologie, an Samhain das Tor offensteht, und man diese Welt dann betreten kann …

Die Leser lernen das Land Tiranorg kennen, welches Cernovia, das Land der Graselfen, Gwyneddion, das Land der Waldelfen, auch das Land der Meerelfen und auch den Geheimbund der Arsuri beheimatet. Faszinierende Protagonisten und Antagonisten bevölkern diese fantastische Welt.

Es geht um Macht, Besitzansprüche, Missgunst, Neid, Hass, Begierden, Gier, verletzen Stolz, Zerwürfnisse, um geopolitische Interessen, Verrat, List und Tücke, Unterdrückung, Schutz und Verteidigung, Freundschaft und Liebe – ganz so, wie bei uns Menschen auch – nur dass es bei uns keine weiße und schwarze Magie gibt, um zum Ziel zu kommen, um zu heilen und Frieden zu stiften, oder auch um seine negativen Gelüste durchzusetzen.

Spannend wird es, als sich zwei herausragende Protagonisten zweier unterschiedlicher Länder in Liebe vereinen und dann ein kleines Mädchen aus dieser Verbindung hervorgeht. Es hat was von ›EIN KIND WIRD GEBOREN‹, denn das Interesse des Königs von Gernovia, der Meerelfen und des Geheimbundes der Arsuri ist groß, diesem Kind und seiner Mutter habhaft zu werden. Beide werden zum Spielball der Macht und der verschiedensten Interessen. Warum Mutter und Kind so wichtig sind, löst sich in der Handlung nach und nach auf und erzeugt einen AHA-Effekt. Es beginnt ein Wettrennen mit der Zeit, ein Kampf um Leben und Tod, ein Kampf um Gut und Böse, ein Kampf, in welchem sich Freundschaft bewährt und falsche Freunde sichtbar werden – ein Kampf, der kräftezehrend ist und viele Opfer kostet und in welcher die schwarze Magie oftmals am Siegen ist. Doch sie hat zwar Siege errungen, aber die Schlacht nicht – letztendlich gewinnt im ersten Teil der mitreißenden Geschichte das Gute, die Liebe und die starke Freundschaft.

Sehr gefallen hat mir die Zwiesprache der werdenden Mutter mit ihrem ungeborenen Kind und später auch dessen Vater – echt berührend, genauso die Beschreibung der verschiedenen Emotionen zwischen den zwei Liebenden. Die beschriebenen Sex- und Liebesszenen geben der Handlung einen sinnlich erotischen Kick und sorgen bei all dem Kampfgetümmel zwischendurch für etwas Entspannung. Gut fand ich auch, dass Mutter und Kind über ein Portal in die Menschenwelt gerettet wurden, die Zeit der sieben Menschenjahre, die sie dort verbrachten, hätten ein bissel ausführlicher sein können – doch was dann bei der Rückholung passierte, ist so spannend, dass es dieses kleine Manko wieder wettmacht.

Spannende fesselnde High Fantasy, mit sehr lebendigen charismatischen Protagonisten und Antagonisten – richtig gut gelungen. Kompliment an die Autorin Judith M. Brivulet!

Meine Leseempfehlung hat das Buch, denn es ist ein aufregendes spannendes Lesevergnügen von 610 Seiten (eBook), welches Freunde der High Fantasy sich nicht entgehen lassen sollten.

(24.04.2019)

Heidelinde Penndorf






Donnerstag, 18. April 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Deutschland, Deine Schuldner: Wie Bürger zwischen Konsum, Billigkrediten und Obrigkeitsdenken verheizt werden - Andreas Puderbach



Da ist einer, der hat Zivilcourage und schreibt ganz unverblümt die Wahrheit und belegt sie auch noch, mit Fakten, Zahlen und an Hand von Beispielen aus der erlebten Praxis. Wieder einer der aufklärt, wie es sich in unserem Staat lebt, wenn man sozial stigmatisiert wird. Wieder ein Denker, der sich in die Reihen derer einreiht die durchblicken, wie zum Beispiel Richard David Precht, Dirk Müller und Prof. Dr. Christoph Butterwegge. Und vieles was der Autor Andreas Puderbach schreibt, liegt auch ganz nah bei Karl Marx – wer »Das Kapital« gelesen hat, wird das sicher bestätigen können. Und wieder werden die Politiker, die Lobbyisten und die Wirtschaftsbosse der großen Konzerne das ganze verharmlosen, belächeln und aus ihrem Kopf entsorgen – Deutschland geht es ja gut – wir sind ja Exportweltmeister … wir haben mit das beste Sozialsystem. Das war einmal, vor vielen, vielen Jahrzehnten. Die sind alle blind und taub gegenüber der Wahrheit und reden sich die Armut schön, verharmlosen sie und tabuisieren sie.

Willkommen in der utopischen, surrealen Sichtweise der deutschen Politiker, Lobbyisten und Konzerne. Wir erleben eine Politik, Wirtschaftskonzerne und Lobbyisten, denen die Empathie abhandengekommen ist, wenn sie denn je welche besessen haben.

In unserem Land wird eine Sozialpolitik gegen die Masse unserer Bevölkerung gemacht, es ist eine Politik, die den Mittelstand den Boden unter den Füßen wegzieht, Kinderarmut und Altersarmut produziert und die Obdachlosigkeit ansteigen lässt – statistisch gesehen ist jeder achtzigste Bewohner unseres Landes obdachlos – eine Zahl, die für sich spricht.

Immer mehr steuerliche Belastungen erreichen nun auch den Mittelstand – eigentlich war der mal die Säule unserer Wirtschaft – das ist schon lang nicht mehr so im Turbo-Kapitalismus, da wird den Großkonzernen gehuldigt. Es ist auch eine Politik, die nicht daran interessiert ist, dass unsere Kinder lebenstauglich aus den Schulen entlassen werden. Unser Schulsystem wurde kaputt rationalisiert und ist schon lange nicht mehr auf dem neuestem Bildungsstand.

Von den Ärmsten wird abgezockt, dass sie grad so überleben können, aber ausgeschlossen sind vom sozial/kulturellem Leben. Weil sie es sich nicht leisten können.

Andreas Puderbach nennt Fakten, Fallbeispiele und Zahlen. Erklärt wie es in unserem System funktioniert und auch, dass Menschen die Schulden haben, Menschen, die arm sind, oft auch durch die Maschen der Sozialgesetze und unseres Rechtssystems fallen – denn bist Du arm, bist Du auch rechtlich eingeschränkt und es warten die Inkasso-Systeme, die dich an den Rand des Wahnsinns treiben können. Manche werden sagen – selbst schuld, wenn es so ist, selbst schuld an der Armut – dass auch dies in den meisten Fällen nicht so ist, belegt dieses Buch detailliert. Der Autor schreibt auch, wie die staatlichen Institutionen mit solchen Menschen oftmals umgehen – sie werden als Bittsteller abgestempelt, denen man ein Almosen zugesteht – armes Deutschland!

Ich wünsche mir, dass Menschen, wie Andreas Puderbach und die oben genannten, auch Sozialwissenschaftler und auch solche Menschen wie Götz Werner zusammen eine Lobby für die Armen bilden – denn Armut hat in unserem Land keine Lobby und es wäre gut, wenn sie endlich eine bekäme.

Und ich wünsche mir, dass viele dieses Sachbuch lesen, weil es mit Fakten und Hintergrundwissen gespickt ist, wie es viele nicht haben. Deshalb empfehle ich dieses Buch sehr gerne weiter – Lesen Sie es, es ist wichtig – Verschließen Sie auch die Augen nicht vor der Wahrheit, wenn sie auskömmlich leben können in unserem Land.

Heidelinde Penndorf

(18.04.2019)





Sonntag, 14. April 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Wenn Mauern fallen - Hilde Willes



Eine emotionale Wucht ist da auf mich eingestürmt … sensibel und leise und doch so laut, so lebendig, so real, so menschlich – die Gefühlsskala rauf und runter – amüsant, manchmal überaus lustig und dann wieder ganz ernst – lachen und weinen, so nah beieinander – manchmal märchenhaft zauberschön und manchmal so realistisch erschreckend kalt und traurig. Doch immer fesselnd, immer spannend – es ist ein Buch mit vielen Reibungspunkten, ein Buch, in dessen Inhalt man versinkt, ein Buch, welches nachdenklich stimmt.

Wenn Mauern fallen … der Titel, der birgt so viel – die Euphorie, während die innerdeutschen Grenzen fallen und die Ostdeutschen, wie Heuschrecken in die ›ehemaligen westdeutschen Zonenrandgebiete‹ ausschwärmten, die Läden leerkauften und nicht nur da. Fremde Menschen sich plötzlich in den Armen liegen und zusammen feiern. Wir sind eins – ein Volk.

Und dann die Faschingszeit – der Clown mit der aufgemalten Träne, der da mahnt: ›So bleibt es nicht‹. Wie recht er doch hatte – die Euphorie sie hat sich verflüchtigt, in der Jetztzeit. Das reale Erleben der Menschen, in den ehemaligen ›westlichen Zonenrandgebieten‹, das kannte ich bisher nicht und auch nicht, was sie in der Jetztzeit fühlen, denken und erleben – es zu lesen, hat mich tief berührt. Der Aufbau Ost hat auch ihnen wirtschaftliche und dadurch auch persönliche Veränderungen abverlangt, die nicht immer gut waren. So manches Dorf verwaiste, verlor seine wirtschaftliche Kraft … Verluste, also in Ost und West – auf beiden Seiten – Verlierer des Mauerfalls. Und in so manchen von uns, türmen sich wieder neue Mauern, diesmal in den Köpfen …
Und Mitten in diesem Durcheinander, in welchen Politik und Wirtschaft ihre Fäden ziehen, begegnet Conny, beheimatet in einem kleinen hessischen Ort, nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze, ihrem Traumprinzen Jo, von dem sie schon immer träumte – Ost vereinigt sich in Liebe mit West. Eine Liebe, die so innig und tief ist, dass sie nie enden soll. Doch mit brachialer Urgewalt dringt das Unheil in diese kleine, heile Welt. Eine Zukunft ohne Jo – ohne Vater – für ihre Tochter und den noch ungeborenen Sohn. Die junge Frau fällt ins Bodenlose, verliert ihre innere Sicherheit, da fallen keine Mauern – sie baut welche – damit sie überleben und funktionieren kann – für ihre Kinder. Und Jo – ihre große Liebe, den stellt sie ganz hoch auf einen Sockel – wenn sie auch nicht begreifen kann, was da passiert ist, mit ihm. Und nach und nach kehrt sie ins Leben zurück – aber anders als bisher – introvertierter. Sie funktioniert, muss das ja, schon wegen ihrer Kinder und auch wegen ihrer Freunde, die sie unterstützten, als sie abstürzte und denen sie auch immer zur Seite steht – ein Geben und Nehmen beiderseits.

Und dann kam der Tag, an welchem sich das Rätsel löste, warum Jo gegangen war, für immer. Auch in seiner Seele fiel eine schon morsche, fast kaputte Mauer – die Mauer des Vertrauens zu seiner geliebten Frau – sie krachte zusammen. Jo´s Tun – eine sensible, nicht vorhersehbare Schockreaktion – Kurzschlussreaktion

Da hat einer Schuld auf sich geladen, weil er das Misstrauen über Monate, über Jahre hinweg gesät hatte – bei dem waren alle Mauern gefallen, auch die der Ehrlichkeit, weil er Conni liebte und für sich haben wollte – der falsche Weg, um jemandes Liebe zu erringen. Ein zweifelhafter Weg, den dieser Mann gegangen war, der im Endeffekt den Kindern den Vater und der Frau den Mann nahm. Und doch alles in allem auch ein Protagonist, den ich mag – er hat nur für sich die falsche Entscheidung gefällt und Jo wiederum ebenfalls.

Fünf Tage lag Conni nach diesem Geständnis flach, fünf Tage verweigerte sie den Kontakt zur Außenwelt und ihrem sozialen Umfeld … Freunde kümmerten sich um die Kinder, keiner fragte nach, was passiert war. In diesem fünf Tagen fielen die Mauern in ihr – zu lange war sie schon in ihrer Komfortzone – nun räumte sie in sich auf. Stellte fest, dass Jo auch nur ein Mensch war und kein Prinz, sonst hätte er den Lügen Stand gehalten und ihr vertraut. Sie holte Jo von seinem Sockel herunter und sie begann wieder richtig zu leben, weil sie wach geworden war. Sie fühlte sich wieder, mit allen Sinnen.

Ein wundervolles Buch, geschrieben in einer sehr bildhaften Sprache, mit emotionaler Tiefe, und überaus lebendigen Hintergründen und Protagonisten – Kopfkino par excellence.

Sehr gern empfehle ich das Buch an die Leserschaft weiter.

Heidelinde Penndorf

(13.04.2019)









Mittwoch, 10. April 2019

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