Donnerstag, 17. Oktober 2019

⭐neue Leseempfehlung ⭐: Ricardos Weg: und weitere Erzählungen - Marc Schuhmacher



Diesmal überraschte mich der Autor mit einem beeindruckenden Rezensionsexemplar, welches vier Kurzgeschichten beinhaltet, die unter die Haut gehen, fast düster, wenn da am Ende nicht jedes Mal ein Ausweg und eine beginnende positive Lösung aufgezeigt wird. Die Geschichten beschreiben aus den Blickwinkeln junger Erwachsene unterschiedlicher sozialer Herkunft, dass Innere unserer Gesellschaft. 

Erfahrungswerte im zwischenmenschlichen Miteinander – Erfolgsdruck, der kaum auszuhalten ist und junge Menschen manchmal zu Hilfsmitteln/Rauschmitteln greifen, um das überhaupt auszuhalten, um weiter mithalten zu können, nach dem vorherrschendem Motto: ›Immer schneller, immer höher immer weiter, immer besser zu sein, als die anderen.‹

Das Buch erzählt von unserer Ellenbogengesellschaft, die diejenigen an die Wand drängt, die da nicht mithalten können, die einfach ausgesondert werden, deren Probleme man nicht sehen will, deren Seelen zertrampelt werden und die dann soviel Frust in sich ansammeln, dass sie dann austicken, wütend und unbeherrscht ihren Mitmenschen entgegenkommen – zum Beispiel in den Ämtern – Ausweglosigkeit.

Marc Schuhmacher schreibt auch über das Geschehen einer Liebe, die eigentlich nicht sein darf, weil einer der Partner anderen Glaubens mit strengen Sitten und Gebräuchen eines anderen Landes ist.

Überhaupt ist die Liebe der Lichtblick im Buch, denn alle beschriebenen Charaktere folgen am Ende ihrer Story, dem Pfad der Liebe und gehen einen neuen besseren Weg.

Es ist auch ein Buch, welches vom nicht loslassen der Vergangenheit erzählt, auch wie schwierig es ist, die persönliche falsche Konditionierung abzustreifen und das eigene Ich zu finden.

Und immer wieder begegnen den Leserinnen und Lesern im Buch der anarchistische Schriftsteller und Philosoph ›Dian the Sain‹ mit der Band ›Anarchonauten‹, die sich ziemlich kritisch mit unserer Gesellschaft und der Welt auseinandersetzen – düstere Texte, düstere Musik – passend zur Stimmung der jungen Menschen, die nicht mehr weiter wissen.

Die Storys bringen das Ganze sehr gut rüber, bringen es im Kern auf den Punkt, was in unserem Land schief läuft, an was unsere Gesellschaft krankt und was es manchmal mit den Menschen macht. Ein Buch welches unbequem ist, für Menschen, die das nicht sehen wollen und die nach dem Motto leben: ›Immer schneller, immer höher immer weiter, immer besser als die anderen‹. Der Ausweg aus alle gelebten Irrungen und Wirrungen, so zeigt es auch der Autor, ist immer die zwischenmenschliche Liebe; Freundschaft und der Weg zu sich selbst.

Heidelinde Penndorf

(17.10.2019)






Mittwoch, 16. Oktober 2019

⭐ neue Leseempfehlung ⭐: Spiegel der Angst - Thriller - Fiona Limar



Gleich zwei intensiv ethische, sensible und zwischenmenschliche Themen durchziehen die Handlung des Buchs, sorgen für Gänsehautfeeling und auch Nachdenklichkeit. 

Komplex ist das Fachgebiet der In-Vitro-Fertilisation mit Eizellen- und/ oder Samenspende und hilft vielen Ehepaaren, die sonst kinderlos blieben – in meinen Augen eine feine Sache. Doch in der Handlung führt die Autorin die Leser durch einen dramatischen Handlungsstrang, der sich mit einer unmoralischen, irrigen, menschlich dunklen Seite der In-Vitro-Fertilisation befasst. Diese verwerfliche Seite verkörpert eine fachliche Kapazität — ein Arzt— der sich gewissenlos als ›Schöpfer perfekter Kinder‹ sieht. Da spielt ein Mensch Gott und fühlt sich noch gut dabei. Er ist sogar davon überzeugt, das Beste für seine Patienten getan zu haben. Täter und Komplizen kommen skrupellos und eiskalt rüber – total ohne Gewissen! Die Folgen für alle Beteiligten sind enorm dramatisch, für manche sogar tödlich.

Der andere Handlungsstrang ist eng verwoben mit dem Thema und den handelnden Protagonisten und Antagonisten. Er führt die Leserschaft in eine private Psychiatrieklinik. Da passieren unheimliche Dinge. Wir begegnen Patienten, die keinen eigenen Willen mehr zu haben scheinen, vollgepumpt mit Medikamenten wirken sie apathisch und verwirrt – sie hören Stimmen und fühlen sich sichtlich unwohl, haben körperliche Missempfindungen und Angstzustände, dass dafür zum großen Teil eine Infraschall-Einspielung in ihrem Zimmer verantwortlich ist, können sie nicht wissen. Es scheint so, als sollen sie in den Wahnsinn getrieben werden. An diesem grausamen Ort landet auch eine unliebsame Zeugin – freiwillig überredet und fast hoffnungslos der Willkür des Personals ausgeliefert. Aber nur fast, denn sie hat einen immensen Überlebenswillen …

Fiona Limar gewährt den Leserinnen und Lesern einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Psyche. Es ist erschreckend, zu welchen Verbrechen Menschen fähig sind und welche niederen und auch fanatischen Beweggründe sie dazu bringen. Die Autorin spielt mit ihrer Leserschaft, schickt sie auf falsche Fährten, durchzieht die Handlung mit Irrungen, verzwickten Situationen und sorgt so mit Geschick für einen gut aufgebauten Spannungsbogen, der die Leserinnen und Leser bis zum Schluss in Atmen hält.

Alles in allem ist das Buch ein kompakter Mix aus Hochspannung, Wissenstransfer und spannender Unterhaltung. Ein interessanter und beeindruckender Psycho-Cocktail, mit einer überaus lebendigen Handlung und sehr gut gezeichneten Charakteren.

Ich empfehle das Buch sehr gern weiter, es ist ein fiktiver Thriller und doch durchaus vorstellbar, dass so etwas passieren könnte, in einer Welt, die zum großen Teil empathisch und zwischenmenschlich aus dem Fugen geraten ist – unserer Welt!

Heidelinde Penndorf

(15.10.2019)






Donnerstag, 19. September 2019

⭐ neue Leseempfehlung ⭐: An dir verstummt -Alva Furisto




›An Dir verstummt‹ ist ein fiktiver, atmosphärisch dichter, sehr spannender und mutiger Roman. Beklemmend und erschreckend real wirkt auf mich die politische und gesellschaftliche innere Zustandsbeschreibung eines fiktiven Landes, welches mich stark an Nordkorea erinnert. Dieser Personenkult, die Lebensmittelknappheit, die vorherrschende Armut und die Menschenrechtssituation – einfach grausam und unmenschlich. 

Ein stark belastendes Schlüsselerlebnis, die konfliktträchtige, dramatische, manchmal knallharte und sehr lebendige Handlung, in Kombination mit exzellenten, ausdrucksstarken Protagonisten und Antagonisten, ergibt ein ziemlich aufwühlendes Kopfkino par excellence! Doch es wäre kein richtiger Furisto-Roman, wenn die Liebe in der Handlung fehlen würde – grade die ist es, die zu überraschenden Wendungen führt und welche die Autorin veranlasst, ihrer Leserschaft am Ende des Buchs, ein bemerkenswertes Angebot zu machen, in welches ich eingestiegen bin.

Ich empfehle das Buch sehr gern weiter, es ist ein interessantes, überaus rasantes und intensives Leseerlebnis.

Heidelinde Penndorf

(18.09.2019)





Montag, 16. September 2019

⭐ neue Leseempfehlung ⭐: Eine Bonner Studentin aus Mali - Assitan Soumare



Ein wunderbares Buch, dieses Erstlingswerk der Autorin. Es vereint Kluges, Lehrreiches und Nachdenkliches, ist interessant, sehr ehrlich, lebendig, empathisch und amüsant geschrieben. Der westafrikanische Binnenstaat Mali ist mir ein Stück nahe gerückt. Ich habe einiges über dessen Geschichte und viel über die Sitten, Gebräuche und des sozialen Zusammenlebens einiger Ethnien der ländlichen Regionen und Vorstädte erfahren.

Das Buch ist eine kleine Brücke des Verstehens verschiedener Kulturen, Religionen und Gesellschaftsarten. Es wirbt auf sehr sympathische Art für mehr Toleranz, Weltoffenheit, für ein friedliches, integrierendes Miteinander und auch für eine Aneignung einer interkulturellen Kompetenz.

Einige Episoden der Handlung brachten mich zum Lachen, andere zum Staunen und wiederum andere machten mich sehr nachdenklich. Im Buch spiegelt sich größtenteils auch das soziale, amtliche und wirtschaftliche europäische und individuell das zwischenmenschliche Miteinander unseres Landes wider. Verständlicherweise war dies für die beiden Mädels aus Mali ein ziemlicher Kulturschock, den es zu verarbeiten galt.

Dieses Hasten und Eilen, als wären wir jede Minute unseres Lebens auf der Suche, dieser Konsumrausch, dem wir erlegen sind, die Wegwerfgesellschaft, zu der wir uns entwickelt haben, die Ellenbogengesellschaft, zu der wir mutiert sind – alles unschöne Entwicklungen des menschlichen Seins. Auch wie wir auf andere herabschauen, die da nicht mithalten können und wie wir größtenteils zwischenmenschlich miteinander umgehen, auch auf andere Kulturen herabsehen, ohne ihr Dasein zu erforschen, eigentlich beschämenswert für uns alle. Wenn die zwischenmenschlichen empathischen Werte in Europa auf Dauer größtenteils negiert werden, leben wir uns kaputt. Doch Gott sei Dank gibt es mittlerweile viele positive Ausnahmen in unserem Land und das ist gut so. Diese positiven Ausnahmen werden auch im Buch charmant beschrieben und zauberten mir ein Lächeln ins Gesicht.

Ich wünsche dem Buch sehr viele Leser und gebe ihm meine ausgesprochene Leseempfehlung. Der Inhalt des Buchs führt uns über unseren ureigensten Tellerrand hinaus und erweitert unseren Blickwinkel um wesentliche wissenserweiternde Punkte.

Chapeau Assitan Soumare für dieses Buch und viel Erfolg und Glück für Ihre Arbeit in Bamako.

Heidelinde Penndorf

(16.09.2019)



Samstag, 14. September 2019

⭐ neue Leseempfehlung ⭐: Die Frau des Zuckerhändlers - Nathalie C. Kutscher



Die Autorin streift in ihrem Buch ein Stück Weltgeschichte. Die Handlung berührt den transatlantischen Sklavenhandel genauso, wie die Kolonisierung und die Gründung von Handelsniederlassungen an den Küsten der Meere – hier die Insel Barbados, dessen Kolonialmacht England in der Zeit um 1788, wirtschaftlich in den Zuckerrohrhandel einstieg. Barbados war um diese Zeit eine der größten Zuckerproduzenten der Welt. Der Reichtum derer, die davon profitierten fußte auf den Rücken der Sklaven, die die Felder bearbeiteten und die Ernte einbrachten.

Im Buch geht es dann insbesondere um die Rechte der Frauen. Die waren zu dieser Zeit rechtlos, auch die der gehobenen Schicht. Sie wurden verheiratet, ihr Mitspracherecht bei der Wahl des Mannes war gleich null. Als Witwe durften sie die Geschäfte ihres Mannes nicht weiterführen, sondern mussten dafür einen Verwalter einstellen. Frauen sprach man das Verständnis für geschäftliche Angelegenheiten ab.

Eingebettet in dieses Zeitkolorit, erlebt die Leserschaft eine aufregende spannende Geschichte einer jungen Frau, die durch ihren Vater ziemlich selbstbewusst und frei erzogen wird. Sie führt zusammen mit ihm sein Geschäft und ihm auch die Bücher. Doch ihre Freiheit endet, als ihr Vater sich verspekulierte und glaubte, sein Geschäft nur retten zu können, indem er seine Tochter reich verheiratet. Die junge Dame hat keinerlei Einfluss auf die Wahl ihres Ehemannes. Sie erlebt vom ersten Tag an die Hölle auf Erden. Die Brutalität ihres Mannes kennt keine Grenzen, er ist zügellos ihr gegenüber. Es scheint keinen Ausweg zu geben, bis zu dem Tag, an welchem sie Jade, einer Kreolin begegnet, die ein Bordell führt. Doch bis beide Frauen ein freies, unabhängiges, gemeinsames Leben führen können, haben sie noch viele unschöne Erlebnisse und Hürden zu überwinden.

Die Einzelheiten der Story erfahren Sie, wenn Sie das Buch kaufen. Ich empfehle es Ihnen sehr gern weiter. Sie erleben ein Stück bedeutsame historische Zeitgeschichte. Die lebendigen Protagonisten und Antagonisten führen Sie durch die interessante, fiktionale, spannende und abenteuerliche Handlung.

Heidelinde Penndorf

(14.09.2019)









Montag, 2. September 2019

⭐ neue Leseempfehlung ⭐: Das zwölfte Amulett: Auserwählt im Kampf zwischen Gut und Böse (Galduron Saga 1) - Arthur Gustav Steyn



Rien ne va plus – nichts geht mehr, im wahrsten Sinne des Wortes – globaler Stromausfall. Etwas hat das Licht ausgeknipst – und nicht nur das – jeglicher zivilisierter Komfort ist nicht mehr nutzbar – kein fließend Wasser mehr, der öffentliche Nah -und Fernverkehr kommt zum Erliegen und Ihr Auto funktioniert auch nicht, genauso wenig wie Ihre Kreditkarte und Ihr Handy. Sämtliche Internetverbindungen sind gekappt und auch TV und Radio senden weder Ton noch Bild. Sie sind von der Außenwelt abgeschnitten – haben keinerlei Informationen, was überhaupt los ist. Sie erleben einen Zustand der Gesetzlosigkeit – Plünderungen – Beschaffungskriminalität – Chaos – Hilflosigkeit. Und das alles von jetzt auf gleich, es gibt keine Gewöhnungsphase. Wir müssen neu denken und leben lernen. Aber damit nicht genug – zeitgleich zu diesem verheerenden Ist-Zustand, öffnet sich noch das Tor der Anderswelt einer anderen Dimension und unsere Erde bevölkert sich mit Gnomen, Feen, Drachen und andren Geschöpfen. Ein Machtkampf zwischen Gut und Böse ist die Folge. Mittendrin der Hauptprotagonist Oliver – ein wichtiger Mann für beide Seiten.

Am Ende der Story wird ein Kind geboren. Steht es für Hoffnung und Neuanfang oder für das Böse an sich?

Das erfahren Sie mit Sicherheit, wenn Sie das Buch lesen. Ich empfehle Ihnen den Debüt-Roman und gleichzeitigen erste Teil dieser Fantasy Geschichte, sehr gerne, lesen Sie ihn. Der Autor hat es verstanden, Spannung und Abenteuer mit witzigen Szenen, gekonnt lebendig zu kombinieren.

Bemerkenswert ist, dass Arthur Gustav Steyn in seinem dystopischen Roman ein brisantes, wissenschaftlich begründetes Thema auf den Tisch der Leser bringt – Stromausfälle durch das Weltraumwetter.

Eine originelle Idee des Autors ist es, die Leserschaft zum Schluss des Buchs, auf seine Website zu lotsen. Dort finden Interessierte Hintergrundwissen zum Thema und auch ein kostenfreies eBook zum Download. Dessen Inhalt führt uns in die Anderswelt der anderen Dimension – richtig gut gelungen, dieses Überraschungsbonbon.

Heidelinde Penndorf

(01.09.2019)




Dienstag, 27. August 2019

⭐ neue Leseempfehlung ⭐: Schmetterlingsschwester: Ein Kretakrimi - Doris Köhl



Mit dem Buch ›Schmetterlingsschwestern‹ präsentiert die Autorin der Leserschaft ein interessantes, durchweg spannendes und lebendiges Debüt. Ein Kreta-Krimi mit immens psychologischer Dichte – erstaunlich realen Lebenswegen, individuellen zwischenmenschlichen Beziehungsmustern und fesselnden Charakteren. Eine bemerkenswerte aktiv gestaltete Handlung führt uns rasant durch das Buch.

Da sind unter anderem der jähzornige Kontrollfreak, der immer wieder ausrastet und seine Frau, die sich ihm völlig unterordnet, bis sie eines Tages aufwacht und aus ihrer Opferrolle aussteigt, dann dieser Womanizer, ein gefährlicher Psychopath, noch dazu ein Maskenträger mit falscher Identität und diabolisch anziehender Ausstrahlung, auf den die Frauen nur so fliegen, der natürlich auch nichts anbrennen lässt und seine viel ältere Lebensgefährtin, die aus einer anderen Zeit gefallen zu sein scheint, wie die Autorin selbst schreibt - eine Malerin, die durchweg düstere, anziehend gute Bilder malt, aber zwischenmenschlich etwas wunderlich und unnahbar wirkt. Dann ist da noch das frisch verliebte Pärchen, welches auf Kreta ihrem Hobby nach geht, dem Geocaching – einem Suchspiel – bei dem man mit Smartphone oder GPS Gerät ausgestattet, im unbekannten Gelände, mit durchgegebenen Koordinaten auf ›Schatzsuche‹ geht.

Insgesamt zeichnet Doris Köhl eine bunte Mischung menschlicher Profile, die durch verschiedene Interaktionen miteinander verbunden sind und im Finale eine Konstellation erfahren, die einige von ihnen nicht überleben werden.

Der Prolog ist ein raffinierter Cliffhänger, denn die erwartungsvolle Leserschaft, wird zuerst nach Deutschland des Jahres 1983 geführt, erfährt dort von einem Raubmord und einer Jugendlichen, welche im Zusammenhang mit der Tat, schwer verletzt gefunden wird.

In der darauffolgenden Handlung beamt uns Köhl aber in den Monat Oktober des Jahres 2016, auf die Insel Kreta, genau zu dem Zeitpunkt, als die beiden Geocacher einen grausigen Fund machen. Die Insel Kreta nicht verlassend, erfährt die Handlung nochmals einen kurzen Zeitsprung rückwärts, zum Ende des Julis 2016. Diese Cliffhänger sind erst verwirrend, aber durch die nachfolgenden Ereignisse durchaus schlüssig. Außerdem bringt das viel Lebendigkeit in die Handlungsstränge, die alle miteinander verbunden sind – eine Handlung zum aktiven Mitdenken.

Während des spannenden Zeitverlaufs, gibt es immer wieder Momente, in welchen wir die Schönheit der Insel und das Leben der Menschen dort kennenlernen. So wie die Autorin das zwischenmenschliche Zusammenleben beschreibt, gewinnen die Leser den Eindruck, dass die Kretaer gelassener und zufriedener mit ihrer sozialen Lebenssituation umgehen, irgendwie in sich ruhen und Gäste immer herzlich willkommen sind. Doris Köhl führt uns auch in das soziale Umfeld einiger Auswanderer, Aussteiger und Langzeiturlauber und vermittelt einen Draufblick, auf deren Lebenssituationen und warum gerade für diese Gruppe, Kreta der ideale Ort für einen Neuanfang ist.

Alles in allen eine runde Sache dieser Roman. Chapeau für dieses Debüt, Doris Köhl. Ich empfehle das Buch sehr gerne allen Krimifreunden und auch allen Leserinnen und Leser weiter, die jetzt, durch meine Rezension, neugierig auf die Handlung geworden sind. Die lebendige Schreibweise der Autorin sorgt für ein ausgesprochen gutes Kopfkino und die Leserschaft erlebt ein spannungsreiches unterhaltsames Lesevergnügen.

Heidelinde Penndorf

(26.08.2019)






Mittwoch, 21. August 2019

⭐ neue Leseempfehlung ⭐:Bonjour Deutschland! - Martine Lestrat



Ein Klassiker fürs Wartezimmer – kurzweilig, amüsant und humorvoll, gespickt mit einer guten Portion Ernsthaftigkeit, die nachdenklich macht und zur Selbsterkenntnis führt. Martine Lestrat zwischen ihrer Heimat Frankreich und ihrer Wahlheimat Deutschland, in welcher sie nun schon länger lebt, als in Frankreich – ankommen und heimisch werden. Gar nicht so einfach, in unserem Land und das liegt nicht nur allein an der Sprache. Es sind auch die unterschiedlichen Gewohnheiten, Kulturen, Sichtweisen und auch das zwischenmenschliche Miteinander des Verstehens – Barrieren im Kopf. Oft urteilt man über eine Nation und das meist nicht durch eigenes Erleben, sondern vom Hörensagen her, und vergisst das individuelle Selbst eines Menschen.

Taktvoll und charmant spiegelt die Autorin das Verhalten verschiedener Sachverhalte ihres Privat- und Berufslebens in Deutschland, unter anderem auch das Verhalten der Mitarbeiter einiger Ämter. Da schämt man sich manchmal schon fremd. Noch eines hat mich ins Grübeln gebracht: Die Mauer in den Köpfen der Menschen beider Länder – errichtet durch die mörderischen Ereignisse beider Weltkriege – wann wird die endlich fallen?

Und doch habe ich oft laut gelacht – im Wartezimmer meines Hausarztes – denn Lestrat hat es vermocht, ihre Erlebnisse mit uns, den deutschen Mitbürgern, sehr pointiert, in heiterer Weise niederzuschreiben. Auch einige Bonmot’s sind zu finden – einfach köstliche Unterhaltung.

Ich empfehle das kleine Buch sehr gern weiter - eben weil es uns auf beeindruckende, lebendige Manier, in den Spiegel schauen lässt und uns zur Selbsterkenntnis bringt.

Heidelinde Penndorf

(21.08.2019)









Donnerstag, 15. August 2019

⭐ neue Leseempfehlung ⭐: Sommer in der Toskana: ein erotisches Abenteuer - Franck Sezelli



Es ist kein sinnlicher, erotischer Roman mit ernstem Hintergrund und doch hat er was, dieser Roman. Ein leichte unbeschwerte Handlung, es geht um Spaß am Sex, um Verführung und um Lust des Spiels mit vielen Varianten...

Die interessierte Leserschaft erlebt viele kleine, voyeuristische, prickelnde Lesemomente, die sie in eine freizügig offene Künstlerkolonie der Toskana führt, in welcher man der Freikörperkultur frönt – nur gut, dass es ein heißer Sommer ist – im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur die Temperaturen sind es, sondern auch die Einblicke, die uns der Autor in das unbeschwerte, zwischenmenschliche, erotischen Sex- und Liebesleben, der dort wohnenden Künstler und ihren Gästen gewährt. Drei Mädels und ein junger Mann, gestandene Abiturienten, verbringen in dieser Künstlerkolonie ihre Ferienzeit als Praktikanten, stehen den Künstlern Model. Hautnah erleben wir, wie Daniel seine Unschuld verliert und sexuell auftaut. Der Spaß am Sex und die Lust und Anziehung aufeinander, zaubert den jungen Menschen und dem Künstlerteam immer wieder neue Lustspiele in den Kopf, die sie miteinander ausprobieren. Erfahrung gepaart mit Ungezwungenheit und Neugier. Oh làlà! Heißblütig, wild, freizügig und unbeschwert geht es in dieser Story zu, ohne dabei ins Vulgäre abzurutschen. Nur die wundervolle vielfältige Natur- und Kulturlandschaft der Toscana kommt im Buch etwas zu kurz, aber ist ja auch verständlich auf Grund der interessanten Gruppe, die ja fast Tag und Nacht zwischenmenschlich aufeinander fliegen und mit sich beschäftigt sind.

Mit einem Augenzwinkern frage ich mich, wie viel eigene gelebte Erfahrung des Autors, steckt in dieser Geschichte? Ich empfehle das Buch gern an alle Leser weiter, die dieses Genre mögen und auch an Leser, die grade neugierig geworden sind.

Heidelinde Penndorf

(15.08.2019)






Freitag, 9. August 2019

⭐neue Leseempfehlung ⭐: Dunstkreis - Krimi - Birgit van Troyen



Liebe Leserinnen und Leser, stellen Sie sich folgendes Szenario vor:

Irgendwie haben Sie schon immer gewusst, dass in ihrem Leben etwas fehlt, schon als Kind und später als Jugendlicher und auch als Erwachsener. Den richtigen Draht zu ihren Eltern hatten Sie nie – irgendetwas war da dazwischen – ein unsichtbares Hindernis, nicht zu bezwingen, sondern stetig wachsend. Nie fühlten Sie sich vollständig und wussten nicht warum. Und plötzlich stehen Sie geschockt vor Ihrem eigenen Grab und lesen Ihren Namen. Und als Sie die Bilder des Toten dann bei der Kripo sehen, schauen Sie in Ihr Gesicht. Sie sind erschüttert und alles zieht Sie zu dem toten Unbekannten. Es ist wie ein Sog, dem Sie nicht widerstehen können, denn Sie fühlen sich dem Toten auf geheimnisvolle Weise verbunden und zum ersten Mal vollständig und doch irritiert. Dieses schockierende Erlebnis müssen Sie erst einmal verarbeiten. Doch dazu kommen Sie nicht. Sie sind ruhelos und getrieben, denn Sie wollen wissen, was passiert ist mit Ihrem anderen Ich und geraten in die Machenschaften der ›Ndrangheta‹ – der italienischen Mafia.

So geschehen ist es Maik Bender, dem Hauptprotagonisten im Buch. Wie die Story ausgeht, lesen Sie am besten selbst. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter. Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und interessant, die charismatischen Protagonisten und Antagonisten führen uns durch eine rasante Story mit überraschenden Wendungen.

Heidelinde Penndorf

(10.08.2019)




Medien




Montag, 5. August 2019

⭐neue Leseempfehlung ⭐: ENSO: Der Kreis öffnet sich - Radka van Bashuisen



Ein interessantes und kurzweiliges Leseerlebnis. Die Autorin nutzt das Genre eines Unterhaltungsromans, um der Leserschaft die Essenz des Buddhismus nahezubringen. Die Lesezeit war für mich eine Zeit des AHA-Effektes und des Wiedererkennens diverser Lebensregeln, die ich seit sieben Jahren in mein Leben einbeziehe und mich auch damit wohlfühle.

Zu wissen, dass jegliche positiven und negativen Gefühle und auch unser Handeln, unser Tun, großen Einfluss auf Psyche und Physis haben, bestätigt sich oft, nur die meisten Menschen bringen dies nicht in einem Zusammenhang miteinander. Wie wir leben, wie wir zwischenmenschlich miteinander umgehen, wirkt sich auf unser Leben aus, bis in unsere Zukunft hinein – positiv oder negativ – dadurch erklärt sich vieles, auch die zahlreichen verschiedenen inneren und äußeren persönlichen Umstände unseres sozialen Umfeldes. Das deckt sich auch mit einigen Thesen Einsteins, auch mit den Thesen des Wissenschaftlers Roger D. Nelson – Alles ist miteinander verbunden – und bezieht auch das Gesetz der Resonanz mit ein. Einfach fantastisch.

Und all das erfährt die Leserschaft, weil sich in der Handlung des Buchs, zwei Seelen vor ihrer Reinkarnation treffen und unterhalten. Eine weise, uralte Seele und eine unerfahrene Seele. Die Erstere gibt ihr Wissen an Letztere weiter. Die weise Seele erzählt über ihre verschiedene Leben auf der Erde, in welchen und wie vielen Personen sie lebte und welche großen Fehler sie in ihren jeweiligen Leben machte, und die dann in weiteren Leben korrigierte.

Bemerkenswerte Story, die, wie ich in einem Kurzinterview der Autorin Radka van Bashuisen las, autobiografische Hintergründe hat. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter, die Leserinnen und Leser können sich viel für ihr persönliches Leben mitnehmen.

Heidelinde Penndorf

(05.08.2019)







Mittwoch, 31. Juli 2019

⭐neue Leseempfehlung ⭐: Als hätte der Himmel mich vergessen: Verwahrlost und misshandelt im eigenen Elternhaus - Amelie Sander



Eine schockierende und erschütternde Autobiografie, die oft das Maß des Erträglichen überschreitet und ich deshalb das Buch mehrmals aus der Hand legen musste, um das Gelesene erst einmal zu verarbeiten. Gnadenlos rekonstruiert die Autorin Schritt für Schritt, ihre Vergangenheit, vor den Augen der Leserschaft und schafft somit eine Nähe, von der man sich nicht distanzieren kann.

Wir sehen die völlig entblößte Unmenschlichkeit einer Stiefmutter und eines Vaters, die weit über die in Märchen beschriebene böse Stiefmutter und den duldenden Vater hinausgeht. Die Autorin wurde knappe zwei Jahrzehnte physisch und psychisch von den beiden misshandelt, gefangen gehalten und isoliert – unter den übelsten Umständen – ›Schwarze Pädagogik‹ nenne ich das – den Willen des Kindes brechen, es gefügig machen – für was auch immer.

Alle haben weggeschaut und wollten die Wahrheit wahrscheinlich auch nicht sehen – denn die Fassade war gut bürgerlich. Das Mädchen war halt zurückgeblieben, geistig behindert – so die Aussage der Stiefmutter und des Vaters – alle glaubten den beiden – Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, und Ärzte – keiner erkundete die Hintergründe der traurigen Augen, keiner die Hintergründe ihres Schweigens, ihres Ernährungs/Gesundheitszustandes. Die Menschen ihres sozialen Umfeldes glaubte den Lügen der Stiefmutter und bedauerten diese, welche Last sie doch zu tragen habe.

Keiner, nicht einer, hört die stummen Schreie und Hilferufe des Mädchens, keiner hört ihre Seele weinen.

Die Autorin ist einundzwanzig, als sie ihrer Hölle entfliehen kann und viele alltäglichen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, die man in diesem Alter voraussetzt, erst einmal lernen muss. Für sie erschließt sich eine völlig neue Welt, die anderen Menschen ihres Alters selbstverständlich ist, doch ihr selbst bis dahin, verschlossen war.

Meines Erachtens ziemlich spät, öffnet sie sich einer Psychologin, und dies, weil die Auswirkungen der Symptome einer PTBS immer stärker werden – auch ihre jahrelange erduldete Qual, permanent körperliche Auswirkungen zeigt. Bestärkt erstattet sie in dieser Phase, Anzeige gegen ihre Peiniger – doch deren Taten sind verjährt – grotesk und für mich ein NO GO – wer Kinderseelen bricht, nimmt den Kindern die Zukunft – solche Taten dürfen nicht verjähren. Übrigens ist die ›Schwarze Pädagogik‹ wieder im Kommen – ›Elternschule‹ – ein Dokumentarfilm von Jörg Adolph & Ralf Bücheler – Wehret den Anfängen, sag ich da nur!

Es sind Psychopathen und Soziopathen, die so etwas tun, weil sie sich klein fühlen, sich nicht wert fühlen und sich selbst nicht lieben – und sich durch solche Gräueltaten auf einen Sockel stellen – sie leben davon, andere zu erniedrigen und Kinder wehren sich meist nicht, sie sind willkommene Opfer.

Für mich ist es ganz normal, dass die Autorin, viele Dinge im Buch wiederholt, erstens, weil sie sich immer wieder wiederholen und zweitens, ich das schon mehrmals erlebt habe, dass Menschen, die von etwas stark berührt sind, dies oft tun – wie unter einem inneren Zwang. Gut finde ich, dass Buchsatz und Layout einzelne prägnante Abschnitte durch unterschiedlichen Schriftsatz unterstreichen.

Amelie Sander's Buch ist ein Befreiungsschlag und ein Bekenntnis zur Öffentlichkeit – wenn man solch seelische Bürde öffentlich macht, trägt man es nicht mehr allein! Die Autorin hat Courage - Chapeau Amelie Sander!

Hingucken, nicht wegschauen, einmischen und laut werden, wenn wir merken, dass Psychopathen/Soziopathen Kinderseelen brechen – das ist die Pflicht des empathischen zwischenmenschlichen Miteinanders.. 

Unter diesem Link finden Sie eine aktuelle Statistik über Kindesmisshandlungen in unserem Land: https://www.kindervertretung.de/downloads/Pressekonferenz%2005.%20Juni%202018%20PKS%202017%20web.pdf

Ich empfehle das Buch sehr gerne der Leserschaft weiter, auch jenen Lesern, die negieren, dass es solche Verbrechen in unserer modernen und aufgeklärten Gesellschaft noch gibt.

Heidelinde Pennndorf

(31.07.2019)





Montag, 22. Juli 2019

⭐neue Leseempfehlung ⭐: Vom Lamm zur Löwin: Die Bluttat (Band 1) - Liane Scholl



Ein ausgezeichneter historischer Roman, anspruchsvoll und trefflich recherchiert. Liane Scholl lässt ihre Leserschaft durch ihre bildhafte Schreibweise, das zwischenmenschliche Miteinander des Mittelalters, des heutigen Bundeslandes Nordrhein Westfalen erleben. Raffiniert verwebt sie in der Handlung wirklich gelebte historische Personen, mit fiktiven Protagonisten. Erzählt so eine spannende lebendige Geschichte, um die unfrei gewordene Müllerstochter Anna, die den Mord an ihrer Mutter sühnen will.

Ein lehrreicher und interessanter Ausschnitt der Historie, in welcher die Menschen ohne Elektrizität auskommen mussten. es noch keine WCs gab und die Hygiene sich auf das Nötigste beschränkte. Einfallsreich haben die Bauherren, die fehlende Wasserspülung auf den Burgen gelöst, doch es muss bestialisch gestunken haben.

Frauen galten überall als Menschen niederer Art und waren dem Mann rechtlich untergeordnet. Mit 16 Jahren waren sie oft schon verheiratet und hatten für Nachwuchs zu sorgen. Spannend auch die Schilderungen im Buch, wie bestimmte Gruppen (gesetzlich Ausgestoßene), sich das zum Leben Nötigste, verschafften und die durchs Land fahrende Zunft, wie zum Beispiel der Scherenschleifer, als Nachrichtenübermittler fungierte und man sich auch untereinander half.

Anhand des Protagonisten Prior Johannes, schildert die Autorin, wie gefährlich es ist, wenn ein Glaube ins Fanatische abgleitet. Auch schon zu dieser Zeit, schreckten solche Menschen vor nichts zurück, um ihr Ziel zu erreichen, auch nicht vor Mord. Bemerkenswert, wie Liane Scholl am Beispiel des Protagonisten Simon, die antisemitischen Anfeindungen des jüdischen Glaubens schildert. Wieder einmal zeigt sich, dass es die Menschen einfach nicht verstehen, friedlich miteinander zu leben, irgendeiner muss immer an irgendetwas schuld sein.

Diese ganzen historischen Hintergründe, gekonnt mit der Story der Müllerstochter Anna zu verweben, und die überaus charismatische Protagonisten und Antagonisten, machen das Buch zu einem illustrativen Lesehighlight. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung, möchte unbedingt wissen, wie es mit Anna und ihren Freunden weitergeht.

Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter.

Heidelinde Penndorf

(22.07.2019)







Mittwoch, 17. Juli 2019

⭐neue Leseempfehlung⭐: Hanzing: Nur tote Mädchen weinen nicht - Psychothriller - Martina Schmid



Schon allein, dass die Hauptprotagonistin Sarah Wenders in eine Doppelhaushälfte einzieht, welche eine Verbindungstür zum männlichen Nachbarn hat, die dieser jederzeit öffnen könnte, wäre mir unangenehm, genauso dass man dadurch zum Teil die alltäglichen Töne des Nachbarn vernimmt, dann plötzlich noch die geheimnisvollen Geräusche aus ihrem alten Bauernschrank und das Gefühl, des Nachts nicht mehr alleine zu sein – ein klassischer Alptraum. Sarah Wenders kommt nicht zur Ruhe und geht der Sache auf den Grund, stellt Nachforschungen an und stößt in dem kleinen bayrischen Dörfchen auf eine Mauer des Schweigens, auch ihr Jugendfreund, dem sie dort wiederbegegnet, benimmt sich zeitweise rätselhaft.

Eine geheimnisvolle düstere Aura liegt über dem Dorf, zwischenmenschliche Abgründe tun sich auf und das halbe Dorf schein involviert zu sein. Sarah gibt nicht auf, kommt dem Geheimnis auf die Spur und gerät nicht nur in Lebensgefahr, sondern auch an ihre psychischen Grenzen. Sie erlebt ein Déjà-vu und stellt fest, dass es gar keine Erinnerungstäuschung ist. Mit immensem Druck öffnen sich in ihr die Schleusen. Lange eingesperrte verkapselte Erinnerungen ihrer Kindheit, zwingen sie, sich damit auseinanderzusetzen. Die sind so grausam, dass sie sie gar nicht anschauen will und doch muss sie das tun.

Der kurze Thriller ist in einer lebendigen kurzweiligen Ich-Form der Hauptprotagonistin geschrieben. Dadurch erfährt die Leserschaft eine persönliche Nähe zu ihr und ist ihr irgendwie verbunden – gefällt mir sehr gut. Insgesamt ist die Story spannend und zeigt wieder einmal die Tiefe menschlicher Abgründe und menschlichen abstrusen Handelns auf.

Ich empfehle das Buch der Leserschaft sehr gerne weiter.

Heidelinde Penndorf

(17.07.2019)








Freitag, 12. Juli 2019

⭐neue Leseempfehlung⭐: Warum Tiny Houses keine Keller haben.: Geschichten aus dem ersten Tiny House Village Deutschlands (erster Teil) - Rolf P. Ullrich



Nachdem der Autor im letzten Drittel des Jahres 2017 der Steiermark den Rücken gekehrt hatte, bereiste er Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, verweilte dort bei guten Freunden, ehe er im Frühjahr 2018 zu neuen Ufern aufbrach. Fans und Freunde hörten ewig nichts von ihm und mit der Zeit machten sich alle Gedanken, warum er schweigt und ob mit und bei ihm alles in Ordnung ist.

Doch plötzlich ist er wieder da, überrascht Fans und Freunde mit der Präsentation eines neuen kleinen Buchs, in dem er seinen Lesern Einblicke in sein jetziges Leben gewährt. Ullrich lebt jetzt in seinem Tiny House im ersten Tiny House Village Deutschlands, im Fichtelgebirge. Ich bin begeistert vom Inhalt – da steckt Herzblut drin. Amüsant, kurzweilig, authentisch, mit seinem ganz eigenen Wortwitz und leisen ernsten Untertönen zaubert uns Rolf P. Ullrich sein Leben herbei.

Wir lernen auch die Mitbewohner des Tiny House Villages kennen und erleben das lebendige zwischenmenschliche Miteinander – Bilder nicht nur im Buch, sondern auch im Kopf der Leserschaft. Ich habe das Gefühl, dass ein oftmals ruheloser Geist, dort ausruhen kann, er sich dort zu Hause und wohlfühlt, angekommen ist und so ist es gut. Denn so kommen wir vielleicht in den Genuss, weiterer neuer guter Bücher aus seiner Feder.

Ich empfehle das Buch sehr gerne der Leserschaft weiter, die neugierig sind, auf das Leben in so einem Tiny House, auf das jetzige Leben des Autors und auch denjenigen Lesern, die wissen möchten, warum Tiny Houses keine Keller haben.

Heidelinde Penndorf

(11.07.2019)





Mittwoch, 10. Juli 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Töchter des Todes - Ulrike Blatter



Ein hochaktueller, politisch brisanter, sehr realistischer und interessanter Roman, in welchem sich das komplexe, vielfältige, soziale, politische und emotionale zwischenmenschliche Gefüge unserer Gesellschaft zeigt – in gewisser Weise ist es ein Spiegel, den Ulrike Blatter uns hinhält. Ein Spiegel, in welchen wir schon beim Lesen des Buchs hineinschauen und erst recht, wenn wir uns mit der Handlung des Buchs reflektierend auseinandersetzen.

Die Handlung ist jeweils aus den Blickwinkeln der handelnden Personen geschrieben, dafür nutzt die Autorin kurze prägnante Kapitel, welche jedes Mal mit einem Cliffhanger enden. Diese Schreibweise verdeutlicht die Bedeutsamkeit des Themas und führt die Leserschaft gekonnt durch die packende Story. Ulrike Blatters Roman zeigt Ausschnitte der Wirklichkeit, wie die IS-Terrormiliz mit Menschen umgeht, die ihrer Propaganda erlegen sind, erzählt von IS-Rückkehrern, und wie wir in unserem Land mit den Themen Terror und Flüchtlinge umgehen.

Wir erleben eine bosnische integrierte Flüchtlingsfamilien in Deutschland, schon richtig verwurzelt – angekommen eben – Freundschaften wurden geknüpft, die zwei Töchter haben in der Schule und Hochschule gute Bildungschancen, der Familie geht es insgesamt gut, alles läuft bestens. Doch von einer Sekunde zur anderen wendet sich das Blatt. Ein Shitstorm ungeahnten Ausmaßes überrollt die Familie – Telefonterror, eine SMS-Flut, persönliche Bedrohungen und Angriffe, die auch ihr Zuhause unsicher machen.

Unterschwellig waberndes, rechtspopulistisches Gedankengut, gelangt an die Oberfläche, organisiert sich, breitet sich aus, eskaliert und überrennt den kleinen fiktiven Ort Taufingen – alles ist am Durchdrehen, jede Manipulation wird für bare Münze genommen, Fremdenfeindlichkeit und blanker Hass richten sich gegen die Familie. Nicht nur eine Bombe explodiert, auch die in den Menschen schlummernde Angst, die Vorurteile gegenüber Flüchtlingen im Allgemeinen – das Städtchen ist ein emotionales Pulverfass.

Die Auflösung der Geschichte ist überraschend und hätte ich so nicht erwartet – sie ist diffizil und bringt zum Schluss des Buchs nochmals spannende Momente.

Reflexion des Buchthemas:

Ulrike Blatter nimmt sich in diesem Buch eines wichtigen Themas an: Fremdenfeindlichkeit und den damit verbundenen problematischen, zwischenmenschlichen Wechselbeziehungen. Angst ist es, die hinter allem steht – Angst im Allgemeinen – vor dem neuen Unbekannten, vor anderen Religionen, vor dem Anderssein der anderen Gegenüber. Es ist eine tief verwurzelte Angst, die wir schon ewig in uns tragen. Wir brauchen einen Sündenbock, für Dinge und Sachverhalte, die in unserem Land schieflaufen: ›Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, sozialer Abstieg, Kriminalität‹. Irgendjemand muss ja schließlich daran schuld sein! Diese Angst wird oft noch durch die Medien, soziale Netzwerke und Verschwörungstheorien geschürt. Sie wird auch gezielt ausgenutzt, durch rechtspopulistische Gruppierungen und Parteien, um ihre politischen Ziele durchzusetzen und um mehr politische Macht zu erlangen.

Gegen diese Angst hilft nur Wissen, je mehr Informationen wir über die Fremden, über die Flüchtlinge, ihre Sitten und Gebräuche erhalten, je mehr wir soziale Kontakte mit ihnen knüpfen, je mehr zwischenmenschliche Gemeinsamkeiten wir mit ihnen feststellen, um so weniger wird die Angst unser Denken beherrschen. Und genau hier hat unsere Regierung immense Fehler gemacht, sie hat die Bevölkerung zumeist desinformiert gelassen und damit den Rechtspopulisten freien Raum gegeben. Ich negiere nicht, dass es unter den Flüchtlingen auch Kriminelle gibt und durch IS-nahe Flüchtlinge die Terrorgefahr angestiegen ist. Doch Kriminelle gibt es überall, auch unter uns. Ich erinnere an die Terrorgefahr durch die RAF – hat es also alles schon gegeben, in unserem Land. Und wer geschichtlich zurückblickt, weiß, dass Europa schon immer ein Einwanderungsland war und es auch genügend Auswanderungen aus unserem Land, in andere Länder gab und immer geben wird. Jeder von uns sollte einmal nachforschen, wo seine ursprünglichen Wurzeln sind, ich denke da werden viele erstaunt sein.

Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt und sehr gerne an die Leserschaft weiter. Es erweitert den Horizont und lässt uns über unseren begrenzten obligatorischen Tellerrand blicken.

Chapeau Ulrike Blatter!