Donnerstag, 15. August 2019

⭐ neue Leseempfehlung ⭐: Sommer in der Toskana: ein erotisches Abenteuer - Franck Sezelli



Es ist kein sinnlicher, erotischer Roman mit ernstem Hintergrund und doch hat er was, dieser Roman. Ein leichte unbeschwerte Handlung, es geht um Spaß am Sex, um Verführung und um Lust des Spiels mit vielen Varianten...

Die interessierte Leserschaft erlebt viele kleine, voyeuristische, prickelnde Lesemomente, die sie in eine freizügig offene Künstlerkolonie der Toskana führt, in welcher man der Freikörperkultur frönt – nur gut, dass es ein heißer Sommer ist – im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur die Temperaturen sind es, sondern auch die Einblicke, die uns der Autor in das unbeschwerte, zwischenmenschliche, erotischen Sex- und Liebesleben, der dort wohnenden Künstler und ihren Gästen gewährt. Drei Mädels und ein junger Mann, gestandene Abiturienten, verbringen in dieser Künstlerkolonie ihre Ferienzeit als Praktikanten, stehen den Künstlern Model. Hautnah erleben wir, wie Daniel seine Unschuld verliert und sexuell auftaut. Der Spaß am Sex und die Lust und Anziehung aufeinander, zaubert den jungen Menschen und dem Künstlerteam immer wieder neue Lustspiele in den Kopf, die sie miteinander ausprobieren. Erfahrung gepaart mit Ungezwungenheit und Neugier. Oh làlà! Heißblütig, wild, freizügig und unbeschwert geht es in dieser Story zu, ohne dabei ins Vulgäre abzurutschen. Nur die wundervolle vielfältige Natur- und Kulturlandschaft der Toscana kommt im Buch etwas zu kurz, aber ist ja auch verständlich auf Grund der interessanten Gruppe, die ja fast Tag und Nacht zwischenmenschlich aufeinander fliegen und mit sich beschäftigt sind.

Mit einem Augenzwinkern frage ich mich, wie viel eigene gelebte Erfahrung des Autors, steckt in dieser Geschichte? Ich empfehle das Buch gern an alle Leser weiter, die dieses Genre mögen und auch an Leser, die grade neugierig geworden sind.

Heidelinde Penndorf

(15.08.2019)






Freitag, 9. August 2019

⭐neue Leseempfehlung ⭐: Dunstkreis - Krimi - Birgit van Troyen



Liebe Leserinnen und Leser, stellen Sie sich folgendes Szenario vor:

Irgendwie haben Sie schon immer gewusst, dass in ihrem Leben etwas fehlt, schon als Kind und später als Jugendlicher und auch als Erwachsener. Den richtigen Draht zu ihren Eltern hatten Sie nie – irgendetwas war da dazwischen – ein unsichtbares Hindernis, nicht zu bezwingen, sondern stetig wachsend. Nie fühlten Sie sich vollständig und wussten nicht warum. Und plötzlich stehen Sie geschockt vor Ihrem eigenen Grab und lesen Ihren Namen. Und als Sie die Bilder des Toten dann bei der Kripo sehen, schauen Sie in Ihr Gesicht. Sie sind erschüttert und alles zieht Sie zu dem toten Unbekannten. Es ist wie ein Sog, dem Sie nicht widerstehen können, denn Sie fühlen sich dem Toten auf geheimnisvolle Weise verbunden und zum ersten Mal vollständig und doch irritiert. Dieses schockierende Erlebnis müssen Sie erst einmal verarbeiten. Doch dazu kommen Sie nicht. Sie sind ruhelos und getrieben, denn Sie wollen wissen, was passiert ist mit Ihrem anderen Ich und geraten in die Machenschaften der ›Ndrangheta‹ – der italienischen Mafia.

So geschehen ist es Maik Bender, dem Hauptprotagonisten im Buch. Wie die Story ausgeht, lesen Sie am besten selbst. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter. Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und interessant, die charismatischen Protagonisten und Antagonisten führen uns durch eine rasante Story mit überraschenden Wendungen.

Heidelinde Penndorf

(10.08.2019)




Medien




Montag, 5. August 2019

⭐neue Leseempfehlung ⭐: ENSO: Der Kreis öffnet sich - Radka van Bashuisen



Ein interessantes und kurzweiliges Leseerlebnis. Die Autorin nutzt das Genre eines Unterhaltungsromans, um der Leserschaft die Essenz des Buddhismus nahezubringen. Die Lesezeit war für mich eine Zeit des AHA-Effektes und des Wiedererkennens diverser Lebensregeln, die ich seit sieben Jahren in mein Leben einbeziehe und mich auch damit wohlfühle.

Zu wissen, dass jegliche positiven und negativen Gefühle und auch unser Handeln, unser Tun, großen Einfluss auf Psyche und Physis haben, bestätigt sich oft, nur die meisten Menschen bringen dies nicht in einem Zusammenhang miteinander. Wie wir leben, wie wir zwischenmenschlich miteinander umgehen, wirkt sich auf unser Leben aus, bis in unsere Zukunft hinein – positiv oder negativ – dadurch erklärt sich vieles, auch die zahlreichen verschiedenen inneren und äußeren persönlichen Umstände unseres sozialen Umfeldes. Das deckt sich auch mit einigen Thesen Einsteins, auch mit den Thesen des Wissenschaftlers Roger D. Nelson – Alles ist miteinander verbunden – und bezieht auch das Gesetz der Resonanz mit ein. Einfach fantastisch.

Und all das erfährt die Leserschaft, weil sich in der Handlung des Buchs, zwei Seelen vor ihrer Reinkarnation treffen und unterhalten. Eine weise, uralte Seele und eine unerfahrene Seele. Die Erstere gibt ihr Wissen an Letztere weiter. Die weise Seele erzählt über ihre verschiedene Leben auf der Erde, in welchen und wie vielen Personen sie lebte und welche großen Fehler sie in ihren jeweiligen Leben machte, und die dann in weiteren Leben korrigierte.

Bemerkenswerte Story, die, wie ich in einem Kurzinterview der Autorin Radka van Bashuisen las, autobiografische Hintergründe hat. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter, die Leserinnen und Leser können sich viel für ihr persönliches Leben mitnehmen.

Heidelinde Penndorf

(05.08.2019)







Mittwoch, 31. Juli 2019

⭐neue Leseempfehlung ⭐: Als hätte der Himmel mich vergessen: Verwahrlost und misshandelt im eigenen Elternhaus - Amelie Sander



Eine schockierende und erschütternde Autobiografie, die oft das Maß des Erträglichen überschreitet und ich deshalb das Buch mehrmals aus der Hand legen musste, um das Gelesene erst einmal zu verarbeiten. Gnadenlos rekonstruiert die Autorin Schritt für Schritt, ihre Vergangenheit, vor den Augen der Leserschaft und schafft somit eine Nähe, von der man sich nicht distanzieren kann.

Wir sehen die völlig entblößte Unmenschlichkeit einer Stiefmutter und eines Vaters, die weit über die in Märchen beschriebene böse Stiefmutter und den duldenden Vater hinausgeht. Die Autorin wurde knappe zwei Jahrzehnte physisch und psychisch von den beiden misshandelt, gefangen gehalten und isoliert – unter den übelsten Umständen – ›Schwarze Pädagogik‹ nenne ich das – den Willen des Kindes brechen, es gefügig machen – für was auch immer.

Alle haben weggeschaut und wollten die Wahrheit wahrscheinlich auch nicht sehen – denn die Fassade war gut bürgerlich. Das Mädchen war halt zurückgeblieben, geistig behindert – so die Aussage der Stiefmutter und des Vaters – alle glaubten den beiden – Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, und Ärzte – keiner erkundete die Hintergründe der traurigen Augen, keiner die Hintergründe ihres Schweigens, ihres Ernährungs/Gesundheitszustandes. Die Menschen ihres sozialen Umfeldes glaubte den Lügen der Stiefmutter und bedauerten diese, welche Last sie doch zu tragen habe.

Keiner, nicht einer, hört die stummen Schreie und Hilferufe des Mädchens, keiner hört ihre Seele weinen.

Die Autorin ist einundzwanzig, als sie ihrer Hölle entfliehen kann und viele alltäglichen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, die man in diesem Alter voraussetzt, erst einmal lernen muss. Für sie erschließt sich eine völlig neue Welt, die anderen Menschen ihres Alters selbstverständlich ist, doch ihr selbst bis dahin, verschlossen war.

Meines Erachtens ziemlich spät, öffnet sie sich einer Psychologin, und dies, weil die Auswirkungen der Symptome einer PTBS immer stärker werden – auch ihre jahrelange erduldete Qual, permanent körperliche Auswirkungen zeigt. Bestärkt erstattet sie in dieser Phase, Anzeige gegen ihre Peiniger – doch deren Taten sind verjährt – grotesk und für mich ein NO GO – wer Kinderseelen bricht, nimmt den Kindern die Zukunft – solche Taten dürfen nicht verjähren. Übrigens ist die ›Schwarze Pädagogik‹ wieder im Kommen – ›Elternschule‹ – ein Dokumentarfilm von Jörg Adolph & Ralf Bücheler – Wehret den Anfängen, sag ich da nur!

Es sind Psychopathen und Soziopathen, die so etwas tun, weil sie sich klein fühlen, sich nicht wert fühlen und sich selbst nicht lieben – und sich durch solche Gräueltaten auf einen Sockel stellen – sie leben davon, andere zu erniedrigen und Kinder wehren sich meist nicht, sie sind willkommene Opfer.

Für mich ist es ganz normal, dass die Autorin, viele Dinge im Buch wiederholt, erstens, weil sie sich immer wieder wiederholen und zweitens, ich das schon mehrmals erlebt habe, dass Menschen, die von etwas stark berührt sind, dies oft tun – wie unter einem inneren Zwang. Gut finde ich, dass Buchsatz und Layout einzelne prägnante Abschnitte durch unterschiedlichen Schriftsatz unterstreichen.

Amelie Sander's Buch ist ein Befreiungsschlag und ein Bekenntnis zur Öffentlichkeit – wenn man solch seelische Bürde öffentlich macht, trägt man es nicht mehr allein! Die Autorin hat Courage - Chapeau Amelie Sander!

Hingucken, nicht wegschauen, einmischen und laut werden, wenn wir merken, dass Psychopathen/Soziopathen Kinderseelen brechen – das ist die Pflicht des empathischen zwischenmenschlichen Miteinanders.. 

Unter diesem Link finden Sie eine aktuelle Statistik über Kindesmisshandlungen in unserem Land: https://www.kindervertretung.de/downloads/Pressekonferenz%2005.%20Juni%202018%20PKS%202017%20web.pdf

Ich empfehle das Buch sehr gerne der Leserschaft weiter, auch jenen Lesern, die negieren, dass es solche Verbrechen in unserer modernen und aufgeklärten Gesellschaft noch gibt.

Heidelinde Pennndorf

(31.07.2019)





Montag, 22. Juli 2019

⭐neue Leseempfehlung ⭐: Vom Lamm zur Löwin: Die Bluttat (Band 1) - Liane Scholl



Ein ausgezeichneter historischer Roman, anspruchsvoll und trefflich recherchiert. Liane Scholl lässt ihre Leserschaft durch ihre bildhafte Schreibweise, das zwischenmenschliche Miteinander des Mittelalters, des heutigen Bundeslandes Nordrhein Westfalen erleben. Raffiniert verwebt sie in der Handlung wirklich gelebte historische Personen, mit fiktiven Protagonisten. Erzählt so eine spannende lebendige Geschichte, um die unfrei gewordene Müllerstochter Anna, die den Mord an ihrer Mutter sühnen will.

Ein lehrreicher und interessanter Ausschnitt der Historie, in welcher die Menschen ohne Elektrizität auskommen mussten. es noch keine WCs gab und die Hygiene sich auf das Nötigste beschränkte. Einfallsreich haben die Bauherren, die fehlende Wasserspülung auf den Burgen gelöst, doch es muss bestialisch gestunken haben.

Frauen galten überall als Menschen niederer Art und waren dem Mann rechtlich untergeordnet. Mit 16 Jahren waren sie oft schon verheiratet und hatten für Nachwuchs zu sorgen. Spannend auch die Schilderungen im Buch, wie bestimmte Gruppen (gesetzlich Ausgestoßene), sich das zum Leben Nötigste, verschafften und die durchs Land fahrende Zunft, wie zum Beispiel der Scherenschleifer, als Nachrichtenübermittler fungierte und man sich auch untereinander half.

Anhand des Protagonisten Prior Johannes, schildert die Autorin, wie gefährlich es ist, wenn ein Glaube ins Fanatische abgleitet. Auch schon zu dieser Zeit, schreckten solche Menschen vor nichts zurück, um ihr Ziel zu erreichen, auch nicht vor Mord. Bemerkenswert, wie Liane Scholl am Beispiel des Protagonisten Simon, die antisemitischen Anfeindungen des jüdischen Glaubens schildert. Wieder einmal zeigt sich, dass es die Menschen einfach nicht verstehen, friedlich miteinander zu leben, irgendeiner muss immer an irgendetwas schuld sein.

Diese ganzen historischen Hintergründe, gekonnt mit der Story der Müllerstochter Anna zu verweben, und die überaus charismatische Protagonisten und Antagonisten, machen das Buch zu einem illustrativen Lesehighlight. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung, möchte unbedingt wissen, wie es mit Anna und ihren Freunden weitergeht.

Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter.

Heidelinde Penndorf

(22.07.2019)







Mittwoch, 17. Juli 2019

⭐neue Leseempfehlung⭐: Hanzing: Nur tote Mädchen weinen nicht - Psychothriller - Martina Schmid



Schon allein, dass die Hauptprotagonistin Sarah Wenders in eine Doppelhaushälfte einzieht, welche eine Verbindungstür zum männlichen Nachbarn hat, die dieser jederzeit öffnen könnte, wäre mir unangenehm, genauso dass man dadurch zum Teil die alltäglichen Töne des Nachbarn vernimmt, dann plötzlich noch die geheimnisvollen Geräusche aus ihrem alten Bauernschrank und das Gefühl, des Nachts nicht mehr alleine zu sein – ein klassischer Alptraum. Sarah Wenders kommt nicht zur Ruhe und geht der Sache auf den Grund, stellt Nachforschungen an und stößt in dem kleinen bayrischen Dörfchen auf eine Mauer des Schweigens, auch ihr Jugendfreund, dem sie dort wiederbegegnet, benimmt sich zeitweise rätselhaft.

Eine geheimnisvolle düstere Aura liegt über dem Dorf, zwischenmenschliche Abgründe tun sich auf und das halbe Dorf schein involviert zu sein. Sarah gibt nicht auf, kommt dem Geheimnis auf die Spur und gerät nicht nur in Lebensgefahr, sondern auch an ihre psychischen Grenzen. Sie erlebt ein Déjà-vu und stellt fest, dass es gar keine Erinnerungstäuschung ist. Mit immensem Druck öffnen sich in ihr die Schleusen. Lange eingesperrte verkapselte Erinnerungen ihrer Kindheit, zwingen sie, sich damit auseinanderzusetzen. Die sind so grausam, dass sie sie gar nicht anschauen will und doch muss sie das tun.

Der kurze Thriller ist in einer lebendigen kurzweiligen Ich-Form der Hauptprotagonistin geschrieben. Dadurch erfährt die Leserschaft eine persönliche Nähe zu ihr und ist ihr irgendwie verbunden – gefällt mir sehr gut. Insgesamt ist die Story spannend und zeigt wieder einmal die Tiefe menschlicher Abgründe und menschlichen abstrusen Handelns auf.

Ich empfehle das Buch der Leserschaft sehr gerne weiter.

Heidelinde Penndorf

(17.07.2019)








Freitag, 12. Juli 2019

⭐neue Leseempfehlung⭐: Warum Tiny Houses keine Keller haben.: Geschichten aus dem ersten Tiny House Village Deutschlands (erster Teil) - Rolf P. Ullrich



Nachdem der Autor im letzten Drittel des Jahres 2017 der Steiermark den Rücken gekehrt hatte, bereiste er Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, verweilte dort bei guten Freunden, ehe er im Frühjahr 2018 zu neuen Ufern aufbrach. Fans und Freunde hörten ewig nichts von ihm und mit der Zeit machten sich alle Gedanken, warum er schweigt und ob mit und bei ihm alles in Ordnung ist.

Doch plötzlich ist er wieder da, überrascht Fans und Freunde mit der Präsentation eines neuen kleinen Buchs, in dem er seinen Lesern Einblicke in sein jetziges Leben gewährt. Ullrich lebt jetzt in seinem Tiny House im ersten Tiny House Village Deutschlands, im Fichtelgebirge. Ich bin begeistert vom Inhalt – da steckt Herzblut drin. Amüsant, kurzweilig, authentisch, mit seinem ganz eigenen Wortwitz und leisen ernsten Untertönen zaubert uns Rolf P. Ullrich sein Leben herbei.

Wir lernen auch die Mitbewohner des Tiny House Villages kennen und erleben das lebendige zwischenmenschliche Miteinander – Bilder nicht nur im Buch, sondern auch im Kopf der Leserschaft. Ich habe das Gefühl, dass ein oftmals ruheloser Geist, dort ausruhen kann, er sich dort zu Hause und wohlfühlt, angekommen ist und so ist es gut. Denn so kommen wir vielleicht in den Genuss, weiterer neuer guter Bücher aus seiner Feder.

Ich empfehle das Buch sehr gerne der Leserschaft weiter, die neugierig sind, auf das Leben in so einem Tiny House, auf das jetzige Leben des Autors und auch denjenigen Lesern, die wissen möchten, warum Tiny Houses keine Keller haben.

Heidelinde Penndorf

(11.07.2019)





Mittwoch, 10. Juli 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Töchter des Todes - Ulrike Blatter



Ein hochaktueller, politisch brisanter, sehr realistischer und interessanter Roman, in welchem sich das komplexe, vielfältige, soziale, politische und emotionale zwischenmenschliche Gefüge unserer Gesellschaft zeigt – in gewisser Weise ist es ein Spiegel, den Ulrike Blatter uns hinhält. Ein Spiegel, in welchen wir schon beim Lesen des Buchs hineinschauen und erst recht, wenn wir uns mit der Handlung des Buchs reflektierend auseinandersetzen.

Die Handlung ist jeweils aus den Blickwinkeln der handelnden Personen geschrieben, dafür nutzt die Autorin kurze prägnante Kapitel, welche jedes Mal mit einem Cliffhanger enden. Diese Schreibweise verdeutlicht die Bedeutsamkeit des Themas und führt die Leserschaft gekonnt durch die packende Story. Ulrike Blatters Roman zeigt Ausschnitte der Wirklichkeit, wie die IS-Terrormiliz mit Menschen umgeht, die ihrer Propaganda erlegen sind, erzählt von IS-Rückkehrern, und wie wir in unserem Land mit den Themen Terror und Flüchtlinge umgehen.

Wir erleben eine bosnische integrierte Flüchtlingsfamilien in Deutschland, schon richtig verwurzelt – angekommen eben – Freundschaften wurden geknüpft, die zwei Töchter haben in der Schule und Hochschule gute Bildungschancen, der Familie geht es insgesamt gut, alles läuft bestens. Doch von einer Sekunde zur anderen wendet sich das Blatt. Ein Shitstorm ungeahnten Ausmaßes überrollt die Familie – Telefonterror, eine SMS-Flut, persönliche Bedrohungen und Angriffe, die auch ihr Zuhause unsicher machen.

Unterschwellig waberndes, rechtspopulistisches Gedankengut, gelangt an die Oberfläche, organisiert sich, breitet sich aus, eskaliert und überrennt den kleinen fiktiven Ort Taufingen – alles ist am Durchdrehen, jede Manipulation wird für bare Münze genommen, Fremdenfeindlichkeit und blanker Hass richten sich gegen die Familie. Nicht nur eine Bombe explodiert, auch die in den Menschen schlummernde Angst, die Vorurteile gegenüber Flüchtlingen im Allgemeinen – das Städtchen ist ein emotionales Pulverfass.

Die Auflösung der Geschichte ist überraschend und hätte ich so nicht erwartet – sie ist diffizil und bringt zum Schluss des Buchs nochmals spannende Momente.

Reflexion des Buchthemas:

Ulrike Blatter nimmt sich in diesem Buch eines wichtigen Themas an: Fremdenfeindlichkeit und den damit verbundenen problematischen, zwischenmenschlichen Wechselbeziehungen. Angst ist es, die hinter allem steht – Angst im Allgemeinen – vor dem neuen Unbekannten, vor anderen Religionen, vor dem Anderssein der anderen Gegenüber. Es ist eine tief verwurzelte Angst, die wir schon ewig in uns tragen. Wir brauchen einen Sündenbock, für Dinge und Sachverhalte, die in unserem Land schieflaufen: ›Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, sozialer Abstieg, Kriminalität‹. Irgendjemand muss ja schließlich daran schuld sein! Diese Angst wird oft noch durch die Medien, soziale Netzwerke und Verschwörungstheorien geschürt. Sie wird auch gezielt ausgenutzt, durch rechtspopulistische Gruppierungen und Parteien, um ihre politischen Ziele durchzusetzen und um mehr politische Macht zu erlangen.

Gegen diese Angst hilft nur Wissen, je mehr Informationen wir über die Fremden, über die Flüchtlinge, ihre Sitten und Gebräuche erhalten, je mehr wir soziale Kontakte mit ihnen knüpfen, je mehr zwischenmenschliche Gemeinsamkeiten wir mit ihnen feststellen, um so weniger wird die Angst unser Denken beherrschen. Und genau hier hat unsere Regierung immense Fehler gemacht, sie hat die Bevölkerung zumeist desinformiert gelassen und damit den Rechtspopulisten freien Raum gegeben. Ich negiere nicht, dass es unter den Flüchtlingen auch Kriminelle gibt und durch IS-nahe Flüchtlinge die Terrorgefahr angestiegen ist. Doch Kriminelle gibt es überall, auch unter uns. Ich erinnere an die Terrorgefahr durch die RAF – hat es also alles schon gegeben, in unserem Land. Und wer geschichtlich zurückblickt, weiß, dass Europa schon immer ein Einwanderungsland war und es auch genügend Auswanderungen aus unserem Land, in andere Länder gab und immer geben wird. Jeder von uns sollte einmal nachforschen, wo seine ursprünglichen Wurzeln sind, ich denke da werden viele erstaunt sein.

Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt und sehr gerne an die Leserschaft weiter. Es erweitert den Horizont und lässt uns über unseren begrenzten obligatorischen Tellerrand blicken.

Chapeau Ulrike Blatter!






Sonntag, 7. Juli 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Emberton: Das Herz des Forstes - Emilia Cedwig



Wieder ein wundervolles Märchen für Erwachse, aus der Feder der beiden Autorinnen, die unter dem Pseudonym ›Emilia Cedwig‹ schreiben. Die Leserschaft erlebt ein buntes, fiktives, schillerndes und lebendiges Universum. Die Protagonisten und ihre Gegenspieler liefern sich zum Teil emotional ausgetragene Kämpfe auf geistiger Ebene. Schwarze und weiße Magie kreuzen die Klingen und sorgen für gute Unterhaltung.

Neid, Missgunst, Hass und Gier bedrohen eine friedliche, fantastische, bunte, naturbelassene Welt, die vielen Lebewesen eine Heimat gibt und die es zu beschützen gilt. Genau wie im richtigen Leben und doch ganz anders. Die magische Anziehungskraft des Bösen ist verführerisch, doch am Ende obsiegt die Liebe, zumindest im ersten Teil der Serie um das Herz des Forstes.

Ich empfehle das Buch sehr gern weiter, tauchen Sie ab in eine Welt, die Sie für die Momente der Lesezeit, in ein zauberhaftes Reich der Fantasie entführt.

Heidelinde Penndorf

(07.07.2019)





Sonntag, 23. Juni 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Sie nannten mich Joe: Ein Leben für die Musik - Verena Dahms



Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Traum, eine Vision, für die Sie alles aufgeben. Sie kündigen Ihren gut bezahlten Job und leben Ihren Traum. Doch plötzlich merken Sie, dass es gar nicht so leicht ist, wie gedacht, Ihrer Vision nahezukommen und Sie bedienen sich verbotener, süchtig machender Helferlein – Pillen und Drogen. Sie verlieren alles – alle Freunde, außer einem, Ihr Erspartes, die öffentliche Anerkennung, der Sie schon sehr nahe waren und Sie landen ganz unten, fallen ins Bodenlose, werden gerettet und sind Ihrem Ziel näher als zuvor. Doch ein intensives Erlebnis wirft Sie meilenweit zurück, schleudert sie endgültig in den Abgrund. Hätten Sie den Mut wiederholt aufzustehen?

Johannes vermochte es, denn ihm ist das alles passiert. »Ich werde es meinem Vater zeigen« – das ist der Satz in Joes Kopf, der ihn treibt, schon sein ganzes Leben. Der autoritäre Erziehungsstil seines dominanten Vaters brach Joes Selbstbewusstsein fast entzwei und zwang ihn in einen Lebensweg, den er nicht wollte. Ganz tief in ihm schlummert die Trauer, die Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung und der Wunsch sich auch selbst zu beweisen, dass er klar kommt im Leben – ohne seine Eltern und mit seiner Musik – dass er ganz groß rauskommt, als Bandleader, Musiker und Komponist. Er ist eigentlich auf der Suche nach Anerkennung seines Ichs, weil sie ihm im Elternhaus verwehrt wurde. Immer klein gehalten, will er nun ganz groß werden und hängt dafür seine Juristenkarriere an den Nagel, um nur noch für seine Band da zu sein, um genügend Songs für seine Band zu komponieren, Auftritte zu organisieren und um Ruhm zu erlangen.

Ohne es zu merken, entwickelt er ein übersteigertes Ego, aus der Angst heraus, nicht anerkannt zu sein, nicht wahrgenommen zu werden. »Ich werde es meinem Vater zeigen«. Und genau das wurde ihm zum Verhängnis. Von Anfang an setzte er sich und seiner Band sehr hohe Ziele. Das selbstauferlegte Arbeitspensum geht an die Substanz und Drogenexzesse sind an der Tagesordnung. Sehend und verstehend rast er zweimal auf den Abgrund zu. Beim zweiten Mal bleibt er liegen, landet auf der Straße, zwischen Müll und all den anderen Drogenabhängigen, bettelnd, verdreckt, verkommen, versifft.

Seine Freunde und Bandmitglieder wenden sich ab von ihm, er hat sie enttäuscht, sie lassen ihn fallen, außer einer – sein bester und ältester Freund. Der kämpft um ihn, zieht ihn aus dem Dreck! Hier zeigt sich, was richtige Freundschaft aushält, was und wie viel Menschen bereit sind, zwischenmenschlich zu investieren, zu geben, um gefallene Freunde wieder aufzurichten, wieder ins Leben zurückzuholen und auch, was aufrichtige Liebe dabei vermag. Und aus Joe wird Johannes, der an seinem neuen Leben baut, ihm zur Seite stehen sein bester Freund, auch neue Freunde, seine Liebe und ja, auch seine Eltern. Johannes hat sich gefunden, endlich und Gott sei Dank. Übrigens war mir Joe als Protagonist sehr nahe und oft verspürte ich das Bedürfnis, ihn bei der Hand zu nehmen, ihn wachrütteln und aus den unschönen Lebenssituationen hinauszuführen.

Eine Hammerstory – die Drogenszene, mit ihren schmuddeligen Treffpunkten in Berlin, die Szenenkneipen, die soziale Situation in der Szene – immens gut recherchiert.

Eine Handlung, die unter die Haut geht, die psychologische Tiefe und emotionale Vehemenz vereint. Die charismatischen, sehr lebendigen Charaktere und die bildgestaltende, realitätsnahe Erzählweise der Autorin ergänzen sich hervorragend. Das Buch ist ein spannendes und nahe gehenden Leseerlebnis. Beim Lesen des Buchs sah ich einen Film in meinem Kopf ablaufen – Kopfkino par excellence. Das Buch hat meine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Heidelinde Penndorf

(23.06.2019)






Dienstag, 18. Juni 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Waldstettener G'schichten: Tante Adelheids Schloss (Waldstettener G*schichten 1) - Brigitte Teufl-Heimhilcher


Ich lese die Gesellschaftsromane der Autorin sehr gerne. Sie sind nicht kitschig, die Charaktere oft sehr charismatisch und weiterentwickelnd und die Handlung nie langweilig. Und immer haben sie einen kleinen sozial-gesellschaftlichen Einschlag. Für mich ist der Kern dieses Buchs, das bedingungslose Grundeinkommen mit einer dazugehörigen Modellregion. Schade finde ich, dass Brigitte Teufl-Heimhilcher hier nur eine eingeengte Sichtweise des Themas berührt, und so den vielfältigen Vorurteilen des bedingungslosen Grundeinkommens Raum gibt. Um dieses Thema herum, ist es der Autorin trotzdem gelungen, eine humorige, nette, muntere und fiktive Geschichte zu gestalten.

Wie ist es, plötzlich und fast mittellos, Schlossherrn zu werden, sich mit den Vorurteilen der Dorfbewohner auseinandersetzen zu müssen und plötzlich weit ab einer Großstadt zu wohnen? Wie ist es, nach seinen Wurzeln zu suchen? Wie fühlt es sich an, mysteriösen Familiengeheimnissen und Liebschaften ihrer Ahnen auf die Spur zu kommen? Diese und andere Fragen werden Ihnen, liebe Leser beantwortet, wenn Sie dieses Buch lesen, denn trotz der eingeengten Sichtweise des bedingungslosen Grundeinkommens, ist es für Freunde des Gesellschaftsromans ein charmantes Lesevergnügen.

Heidelinde Penndorf

(18.06.2019)









Montag, 17. Juni 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Dir zu liebe - Helena Baum




Was für ein Buch – ein Buch mit großer emotionaler Intensität – ein Buch voller mitreißender emotionaler Explosionen und charismatischer Charaktere.

Eine intensiv zwischenmenschliche Handlung, die mich nachdenklich stimmte, mir die Tränen in die Augen trieb, mich aufwühlte und mich auch zurückblicken ließ, in meine, mir selbst verordnete Auszeit, auf dem Weg zu meinem Innersten, auf dem Weg zu mir selbst.

Helena Baum hat es meisterhaft verstanden anhand dieser berührenden Handlung aufzuzeigen, was passiert, wenn wir nicht verarbeitete seelische Verletztheit, Trauer, Schmerz, traumatische Erlebnisse, und auch das Zurückgewiesen werden unserer Liebe, immer in Schubladen stecken und den Schlüssel dazu wegwerfen, anstatt sich damit auseinanderzusetzen.

Ich glaube, jeder Mensch schleppt so einen Rucksack, so eine emotionale Last, mit sich herum und irgendwann ist es einfach zu viel und man explodiert voller Wut – wobei die Wut eigentlich das ist, wo man genau hinschauen sollte. Tut man das nicht, gibt man automatisch seinen Rucksack, seine Last, an seine Liebsten weiter und immer die Schwächsten von ihnen, zumeist die Kinder, haben darunter zu leiden und erhalten von uns ebenfalls eine emotionale Last aufgebürdet.

So geschehen ist es der Hauptprotagonistin Isabella und auch ihrem älteren Bruder Marco, durch ihre Eltern. Marco und auch Isabella haben sich dem entzogen, jeder auf seine Weise. Und doch hat beide es immer wieder eingeholt. Isabella war emotional soweit abgeglitten, dass sie im depressiven Affekt dabei war, diesen Rucksack auch an ihre kleine Tochter weiterzugeben und sie war seelisch so tief verwundet, dass sich ernste psychische und auch physische Auswirkungen zeigten. Bellas Psyche und Physis streikten, sagten Stopp – KEIN WEITER SO, kümmere Dich um uns, um Dich, schenke Dir Selbstliebe und Aufmerksamkeit.

Meine Schlussfolgerungen aus dem Buch und des eigenen Erlebens: Gut wäre es, das Schulfach ›Glück und psychische Gesundheit‹ in alle Schulen als Pflichtfach zu integrieren, damit Kinder sich voller Aufmerksamkeit selbst richtig kennenlernen, die vererbte und erlebte Last verarbeiten können und erfahren, dass sie alle wert sind.

Helena Baum lässt in ihre Bücher ihre Erfahrungen als Psychotherapeutin einfließen, so auch hier. Und wenn man zwischen den Zeilen liest, sieht man die feinen, versteckten und nützlichen Fingerzeige für uns Leserinnen und Leser.

Aus ››Dir zu Liebe‹‹ sollte eigentlich ein ›Mir zu Liebe‹ werden, um psychisch aus einer Zwickmühle herauszufinden.

Chapeau und Danke für dieses Buch Helena Baum, welches ich der Leserschaft sehr gerne weiterempfehle, denn es ist eines mit AHA-Effekt.

Heidelinde Penndorf

(17.06.2019)








Mittwoch, 12. Juni 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Das Zeitalter der KI beginnt: Thriller - Michael Rodewald



Im letzten Teil der Triologie um die künstliche Intelligenz Golem, zeichnet der Autor ein Bild der fiktionalen Wahrscheinlichkeit, in welcher die Eliten der globalen Weltmächte fast einvernehmlich ihre Wissenschaftler, IT-Spezialisten und Unternehmer in einem großen Team eingebunden haben, um das Projekt Golem erfolgreich fortzuführen. Und so begegnen der Leserschaft die bekannten Protagonisten, der zwei vorangegangenen Bücher – Schwarmintelligenz eben.

Golems Anspruch, als gleichberechtigter Partner anerkannt zu werden, steht nichts mehr im Wege, doch man hat zur Sicherheit einige Hürden eingebaut, die Golem aber nach und nach knackt. Im Hintergrund verborgen, verbindet er sich auch mit zwei weiteren KI’s, umgeht die Sperren und erweitert sein Wissen immens, da er auf fast alle Daten Zugriff hat.

Doch immer steht für Golem im Vordergrund, sein Wissen zum Wohle aller Menschen einzusetzen und auch Wege zu finden, die hausgemachten Probleme der Menschen – Energieversorgung, Klimaschutz, medizinischer Fortschritt, Wohnweltenforschung – zum Wohle aller Menschen zu lösen.

Die Weltmächte sehen das anders – da haben wir sie wieder, die Eigenschaften, die verhindern, dass Menschen aller Couleur zum Wohle der gesamten Menschheit, an einem Strang ziehen – Machtgier, Neid, Missgunst und Besitzstandserweiterung, um jeden Preis. Die Mitarbeiter der Teams der verschiedenen Nationen bringt dies oft in diverse zwischenmenschliche Zwickmühlen, sind sie doch ihrem Land verpflichtet.

Golem selbst löst das immer auf seine Weise, ziemlich diplomatisch und mit Druck fordernd. Den Eliten bleibt nichts anderes übrig, als sich zu beugen – sich mit ihm zu einigen, sodass am Ende von den entwickelten Errungenschaften alle profitieren. Oft hat er, obwohl durch Updates einer emotionalen Software Mühe, die Emotionen der Menschen zu begreifen und die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen – Emotionen bedeuten für ihn Fehlerquoten in seiner Arbeit.

Gut geschrieben ist das Buch und diesmal menschelt es auch in der Handlung, alle im Team sind auch zwischenmenschlich näher gerückt, nachdenkliche Emotionen der persönlichen Zukunft fließen ein und die Liebe findet ihren Weg ins Buch. Manche Stellen haben wiederholt einen protokollarischen Ablauf, welcher den fiktiven Handlungen und Absprachen der einzelnen Weltmächte geschuldet ist.

Nach dem Lesen des Buchs habe ich Fragen über Fragen im Kopf. Hier einige von ihnen:

Können KI‘s wirklich ein Bewusstsein entwickeln? Kann Mensch eine KI so programmieren, dass sie ihr Wissen, ihre Daten, wirklich zum Wohle der gesamten Menschheit einsetzt oder werden da immer eigne Macht-Interessen mit einprogrammiert werden? Inwieweit kommt die menschliche Intelligenz zum Erliegen, wenn Mensch sich immer mehr auf eine KI verlässt? Verlieren wir mit der Zeit nicht unsere eigene Individualität?

Ich empfehle das Buch sehr gerne an die Leserschaft weiter. Es ist eine Lektüre, deren Inhalt aktueller ist denn je. Denn das Zeitalter der KI hat schon begonnen, ist zwar noch in den Kinderschuhen, aber Alexa, Siri und selbstfahrende Autos zeigen schon auf, wie es sein könnte, wenn profitable Interessen, statt das Wohl der Allgemeinheit dahinterstehen. 

Übrigens, ich mag die KI Golem, so wie sie Michael Rodewald aufgebaut hat, da Golem ohne menschliche Interessenkonflikte daherkommt und nur zwei Wünsche hat, gleichberechtigter Partner der Menschen zu sein und ihnen zu helfen, eine neue bessere Welt, eine, ohne Armut, Hunger und Kriege zu gestalten und ihre hausgemachten Probleme zu lösen.

Heidelinde Penndorf

(11.06.2019)






Freitag, 7. Juni 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Bad Boss by Banana: Drei B in Sandmann (3Bee by Banana)



Die Leser erleben auch im dritten Teil der 3Bee by Banana-Reihe eine fantasievolle, flippige und hinreißende Geschichte um den Steuerberater Sandmann. Die Handlung ist ein faszinierender Stilmix aus modernem Märchen, einer eingearbeiteten Sage, mystischer Struktur und einer guten Portion Realität.

Die Leserschaft begibt sich in diesem Buch auf eine Reise durch Zeit und Raum, Glück und Unglück, wandernden suchenden Seelen zwischen Leben, Liebe und Tod und erfahren, bedingt dadurch, metamorphische Einschläge der besonderen Art.

Wundervolle Gefühlswelten, in denen man sich wiederfindet, in die man abtauchen kann, gespickt mit einer guten, erfrischenden Portion Humor, amüsanten Situationen und charismatischen lebendigen Charakteren, ergeben ein durchweg interessantes, aufregendes und abwechslungsreiches Lesevergnügen und führten bei mir auch zu einigen Lachflashs und einem Seufzer der Erleichterung, als endlich beim Sandmann der Groschen fiel, wessen Seele im Buchfink – Doro – zu Hause ist.

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter – es ist einfach genial.

Empfehlenswert ist es, auch Teil I und Teil II zu lesen. Die Ursprungsgeschichte und der Nachfolger Teil II erklären mit ihrer Handlung, die Reise durch Zeit und Raum und führen uns gekonnt zum Inhalt dieses Buchs.

Heidelinde Penndorf

(07.06.2019)








Freitag, 10. Mai 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Das Böse zeigt sein Antlitz - Renate Lehnort



Wir lernen Anja kennen, zerbrechlich, traumatisiert, therapiert, entzückend lieb und ohne Selbstvertrauen. Sie lernt Peter kennen, älter, reich, charismatisch, charmant und snobistisch selbstbewusst. Liebe auf den ersten Blick! Anja hat keine Chance, sich in der Ehe zu entfalten, sie hat eine hauchzarte Seele und ordnet sich seiner Stärke unter. Regie im Familienleben führen die erwachsenen Stiefkinder Anjas. Beides sind ausgesprochene Narzissten mit antisozialem Verhalten, geldgierig und machtbesessen. Und plötzlich erfährt Anja statt dem siebten Himmel, die Hölle eines ausgeklügelten Psychoterrors. Die junge Frau erlebt durch die Stiefkinder ein neues Trauma und einen schmerzhaften Verlust, der sie fast an den Rand des Wahnsinns bringt und landet in der Psychiatrie.

Dort zeigt Anja eine dissoziative Identitätsstörung und Lisa übernimmt nun größtenteils die Führung über Anja – sie fliehen aus der Psychiatrie. Lisas Persönlichkeit ist so stark ausgeprägt, dass sie in weiten Teilen Anjas Ich unterdrückt. Sie kleidet sich anders, genießt das Leben in wilden Zügen, trinkt, nimmt Drogen und hat Sex mit mehreren Männern. Die nutzt sie aus, für ihre Rachepläne. Diese betreffen Anjas Stiefkinder. Sie sollen leiden, für dass, was sie Anja angetan haben. Lisas Hass geht soweit, dass sie Peters Kinder entführt, grausam misshandelt und ermordet. Anjas zweites Ich hat Lisa völlig unter Kontrolle.

Wie kommt Anja aus dieser Situation wieder heraus? Wie kann sie nach diesen schrecklichen Ereignissen wieder in greifbare Nähe eines normalen Lebens gelangen? Wird ihr Mann sich nicht von ihr abwenden?

Renate Lehnort löst diese Situation pfiffig, intelligent und gekonnt auf. Respekt!

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter. Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und interessant, die lebendigen Protagonisten und Antagonisten überraschen mit Irrungen und Wirrungen und führen uns auf verschlungenem Weg zum auflösenden Ende des Buchs. Wirklich bemerkenswert gut gelungen, finde ich die Schilderung der typischen Eigenschaften einer dissoziativen Identitätsstörung.

Heidelinde Penndorf

(10.05. 2019)





Montag, 6. Mai 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Tabun - Thriller - Michael Paul



Tabun – eigentlich als Insektizid auf Basis organischer Phosphorverbindungen entwickelt, aber zu toxisch, um es in der Landwirtschaft anzuwenden, wurde umfunktioniert zu einem der giftigsten und tödlichsten Nervengase der Welt, hergestellt im Jahr 1936 in Nazideutschland. Ein chemischer Overkill – der Gott sei Dank im dunkelsten Kapitel der Geschichte unseres Landes nie zum Einsatz kam.

Und genau dieses hochtoxische Nervengift Tabun hat Michael Paul in den Mittelpunkt seines gleichnamigen Romans gestellt. Ein packender, fesselnder auf Hintergrundwissen und Tatsachen beruhender Öko-Politikthriller, mit fiktionalem Einschlag, der es in sich hat. Er zeigt auf, dass wir auf der größten Zeitbombe und den größten Umweltskandal der Nachkriegszeit sitzen und kaum einer weiß es, kaum einer schreibt und spricht darüber. Immerhin wurden u.a. etwa 12.000 Tonnen Tabun hergestellt und verarbeitet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Unmengen an Munition, so auch die mit Tabun befüllten Bomben und Granaten in der Ostsee versenkt. Sie sind also weg, nicht mehr sichtbar!

Im Buch ist auch zu lesen, dass der Fischbestand durch dieses Toxin immer mehr geschädigt wird, dass wir diesen Fisch essen, der vielleicht verseucht ist, dass manche Fischer beim Fischfang durch die chemischen Gifte in Lebensgefahr geraten sind und es immer wieder passiert und Politik schweigt und unternimmt nichts! Und Fische wohlgemerkt, kennen keine Ländergrenzen.

Totgeschwiegen wird auch, dass der begonnene Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 durch die Ostsee deshalb auch eine immense Gefahr darstellt. Genauso, dass viele Bernsteinfunde gar kein Bernstein, sondern weißer Phosphor sind, der von der tonnenweisen phosphorhaltigen Munition in Nord- und Ostsee stammt, die damals im Meer verklappt wurde und immer öfter an die Oberfläche und den Strand gespült wird. Davor warnen die Kurverwaltungen eher verhalten, weil er zu Selbstentzündungen führen kann – doch Politik schweigt auch hier.

Dass nicht der ganze tödliche Giftstoff in der Ostsee landete, ist in der Handlung des Buchs eine Fiktion, liegt aber vielleicht nahe bei der Wahrheit, wie ich bei meiner Recherche zum Buchinhalt feststellte. Denn 2009 fand man in Wittenberge, ein völlig verrostetes Fass, aus dem Gas austrat. Ein Test ergab, dass eine wichtige Eigenschaft auf Tabun hinwies und man musste es mit einem Spezialkommando entsorgen.

Was würde passieren, wenn solche Funde in die Hände jener Menschen gelangen würden, die es benutzen wollen, um damit ihre abstrusen Visionen, ihre Gier und Machtgelüste durchzusetzen? Im Buch begegnen wir einem hochintelligenten Antagonisten, der genau dies vorhat! Ihm in den Weg stellt sich die ehemals gefürchtetste Oberstaatsanwältin Deutschlands, Katharina König. Sie übt ihren Beruf nicht mehr aus, seit sie durch ein Attentat erblindet ist. Ihr zur Seite gestellt wurde der etwas verwuschelter Assistent und Jazzmusiker Elias, welcher in schwierigen Situationen über sich hinauswächst. Beide sollen da genauer hinsehen, wo Politik, Justiz und Polizei scheinbar wegschauen.

Michael Paul wollte es genau wissen, wie man sich fühlt, was man wahrnimmt und wie man zurechtkommt, wenn man nicht sehen kann. Er wagt das Experiment und macht sich für eine Woche sozusagen blind, um im Roman die Authentizität einer blinden Ermittlerin rüber zu bringen, sogar eine Trainerin hat er dafür organisiert. Und der Autor hat viel gelernt in dieser kurzen Zeit und es im Buch gut umgesetzt, denn die Hauptprotagonistin kommt absolut charismatisch und glaubwürdig rüber. Sie findet sich gut zurecht, denn durch ihre Blindheit hat sie ihre anderen Sinne geschärft und kaum einer merkt ihr an, dass sie blind ist. Sie ist immer tadellos frisiert, geschminkt und geschmackvoll gekleidet. Im Laufe der Ermittlung erstaunt ihr Assistent immer wieder, wie aufmerksam, konzentriert und aufnahmefähig Katharina König Umwelteindrücke wahrnimmt und verarbeitet. Einige wichtige Tatsachen wären ihm ohne ihre geschulten Fähigkeiten gar nicht aufgefallen.

Spannend und fesselnd kommt die Story rüber. Der Autor legt sogar noch mal nach und die Spannung erreicht ein hohes Level, als die ehemalige Staatsanwältin dem Mann gegenübersteht, der für ihre Blindheit verantwortlich ist. Dann überschlagen sich die Ereignisse, nehmen einen überraschenden dramatischen Verlauf. Den Lesern wird ein Endzeitszenario vor Augen geführt – aufreibend, beklemmend, aktionsreich und fesselnd bis zum Ende.

Ich hatte bis dato auch keine Ahnung, welch Damoklesschwert über uns schwebt und Danke dem Autor für das Wissen, was er vermittelt und das noch so gut gekonnt und interessant, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann, bis die letzte Seite gelesen ist.

Meine Meinung im Besonderen: Bevor wir alle anderen Umweltprobleme, die wir durchaus haben, angehen, sollte dieses in den Meeren gelöst werden, da es uns sonst einmal um die Ohren fliegt – eine tickende Zeitbombe in der Ostsee, die jederzeit explodieren könnte, mit schwerwiegendsten Folgen für uns und unsere Erde.

Das Buch hat meine absolute Leseempfehlung, lesen Sie es unbedingt! Die Protagonisten und Antagonisten sind sehr lebendig und charismatisch, die Story ist so spannungsgeladen, dass einem fast die Luft wegbleibt.

Heidelinde Penndorf

(06.05.2019)