Donnerstag, 14. Februar 2019

*Autorenporträt*: Norbert Sternmut


Norbert Sternmut zählt zu den bekanntesten Lyrikern der Gegenwartsliteratur, Persönlich weiß ich wenig über ihn zu sagen, da ich ihm live noch nicht begegnet bin. Bisher habe ich zwei seiner Werke gelesen und rezensiert und es werden sicher noch einige seiner Bücher dazukommen. Sternmuts Gedichte sind anders als viele, die ich kenne. Sehr oft metaphorisch und man muss zwischen den Zeilen den Gedanken des Dichters nachgehen. Er fordert seine Leser heraus, genau hinzuschauen, genau zu lesen, seinen Gedankengängen zu folgen, zu fühlen und zu verstehen, auch zu assoziieren.


Doch all das ist zu wenig, um über ihn ein Porträt zu schreiben, da werde ich diesem Künstler nicht gerecht. Deshalb habe ich mir über Norbert Sternmut, die freundliche Genehmigung Herrn Michael Matzers eingeholt, sein publiziertes Porträt des Schriftstellers und Künstlers Norbert Sternmut verwenden zu dürfen. Ich habe die Publikation 1:1 übernommen, da das Porträt ausführlich und sehr aussagekräftig daherkommt und interessant zu lesen ist.

© Heidelinde Penndorf


Zwischen Todesmühle und Siriusflug. Ein Porträt des Künstlers Norbert Sternmut

Nächstes Jahr feiert der Dichter Norbert Sternmut sein 40-jähriges ›Dienstjubiläum‹: 1980 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband, 2018 seinen jüngsten (»Strahlensatz«). Damit belegt Sternmut eine Kontinuität und Konstanz, die heutzutage nur wenige Lyriker vorweisen können. Zudem trat er als Theaterautor und Prosa-Schriftsteller hervor und rief die Veranstaltungsreihe ›Sternmut Literatur Bunt‹ ins Leben. Seit Jahren stellt er seine Arbeiten als Maler und Zeichner aus, die in mehreren seiner Lyrikbände abgedruckt sind, so etwa in (»Totentango«). Ein Porträt sollte sowohl einen Überblick liefern als auch die Frage beantworten, was diesen Künstler auszeichnet. Wohlan.

Der Autor

Norbert Sternmut (= Norbert Schmid), geboren 1958, lebt in Ludwigsburg und arbeitet als Sozialpädagoge. Der Theaterautor, Rezensent, Maler, Lyriker und Romanschreiber erhielt Stipendien vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Gerlingen. Er veröffentlichte seit 1980 über dreißig Einzeltitel (siehe Liste unten) und ist in über 50 Anthologien vertreten. Als Maler trat er mit über 75 Ausstellungen an die Öffentlichkeit.

Mit zwanzig Jahren erkrankte Sternmut an Krebs, konnte die Krankheit aber überwinden. Beide Phänomene spielen fortan in seiner Lyrik ab 1980 eine Rolle. Der gelernte Werkzeugmacher wurde nach einem Studium zwischen 1982 und 1987 Sozialpädagoge und ist seit 1993 in verschiedenen Bildungsinstitutionen tätig. Mehr Infos gibt es auf seiner Website http://www.sternmut.de und in der Wikipedia .

Seit 1980 hat Sternmut eine ganze Reihe von Lyrikbänden veröffentlicht, darunter die von auf Buchwurm.orgvorgestellten Bücher »Lichtpausenb«, »Photofinish«, »Triebwerk« und »Absolut, du«. In dem Bild & Lyrik-Band »88 Rätsel zur Unendlichkeit« arbeitete er mit dem Grafiker Volker Funke zusammen: Die Rebus-artigen Rätselgrafiken harmonieren mit den frei assoziierenden Gedichttexten Sternmuts. Eine Webseite ergänzt das multimediale Werk auf der Zeit angemessene Weise.

Auf der Prosaseite ist eine Romantrilogie hervorzuheben, zu der »Der Tote im Park« (1999), »Marlies« (2003) und »Norman« (2008) gehören. »Wildwechselzeit« (2011), ein Tagebuch-Roman über die Beziehung zu Christof Schlingensief und dessen Tod, sorgte für lebhafte Debatten (siehe unten). Eine Reihe von z.T. phantastischen Erzählungen erschienen in dem Band »Das Zeitmesser« (Rainar Nitzsche Verlag, Kaiserslautern, 1997). 

Werke

Augen und Steine. Gedichte 1984, Hutters-Verlag, ISBN 3-88877-039-4.
In hundert Jahren. Gedichte 1984, Hutters-Verlag, ISBN 3-88877-040-8.
Goldene Zeiten. Theaterstück 1985, Der Karlsruher Bote, ISBN 3-88256-178-5.
Lauf der Dinge. Gedichte 1987, Hutters-Verlag
Sprachschatten. Gedichte 1989, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-16-4.
Lichtpausen. Gedichte 1994, Verlag Günther Dienelt, ISBN 3-88397-153-7.
Verfrühtes Auslösen des Zeitraffers. Gedichte 1995, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-28-8.
Sternmut. Gedichte 1996, Röhn-Verlag, ISBN 3-931796-15-9.
Das Zeitmesser. Kurzprosa 1997, Verlag Rainar Nitzsche, ISBN 3-930304-21-X.
Photofinish. Gedichte 1997, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-36-9.
Absolut, Du. Gedichte 1998, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-42-3.
Der Tote im Park. Roman 1999, Wiesenburg Verlag, ISBN 3-932497-28-7.
Trainingscenter. Theaterstück 2000, Theaterboerse
Metallica. Theaterstück 2001, Theaterboerse
Keine Regeln für Sina. Roman 2001, Betzel Verlag, ISBN 3-932069-82-X.
Marlies. Roman 2003, Wiesenburg Verlag, ISBN 3-932497-89-9.
88 Rätsel zur Unendlichkeit,Lyrik-Grafik-Kunstdruckband. Bilder von Volker Funné. Wiesenburg Verlag, 2004, ISBN 3-937101-35-7.
Triebwerk. Gedichte 2005, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-69-5.
Seelenmaschine. Gedichte 2006, Wiesenburg Verlag, ISBN 3-939518-34-4.
Norman. Roman 2008, Wiesenburg Verlag, ISBN 978-3-939518-94-5.
Fadenwürde. Gedichte 2009, POP Verlag, ISBN 978-3-937139-67-8.
Nachtlichter. Gedichte 2010, POP Verlag, ISBN 978-3-937139-87-6.
Wildwechselzeit -Tagebuch einer Beziehung. Roman 2011, Wiesenburg Verlag, ISBN 978-3-942063-25-8.
Spiegelschrift. Gedichte 2011, POP Verlag, ISBN 978-3-86356-007-2.
Schattenpalaver. Gedichte 2012, POP Verlag, ISBN 978-3-86356-032-4.
Zeitschrunden. Gedichte 2012, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-045-4.
Nachbrenner. Gedichte 2013, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-081-2.
Sonnwend. Gedichte 2014, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-092-8.
Pfeilschrift -Reflexionen über die Liebe. Gedichte und Prosa 2015, Wiesenburg Verlag, ISBN 978-3-95632-284-6.
Atemecho. Gedichte und Bilder 2016, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-110-9.
Totentango. Gedichte und Bilder 2017, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-145-1.
Strahlensatz. Gedichte 2018, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-199-4.

(Quelle: Wikipedia)

Lyrische Themen

Sternmuts wiederkehrende Themen sind in dem relativ frühen Gedichtband »Lichtpausen« (1994) bereits deutlich herausgearbeitet, denn Sternmut hat sie großenteils von seinem ›prägenden‹ Vorbild Paul Celan übernommen: »Celan war eine lyrische Grunderfahrung für mich, eine Art Prägung, er hat sicherlich meinen Stil beeinflusst«, sagte Sternmut 2003 im Interview. Und der Band »Sprachschatten« (1989), der für Sternmut den ästhetischen Durchbruch bedeutete, meinte im Grunde Celans Schatten. Der Grund ist die innere Verbindung des Autors zu Celan: »Er war so genau in der unfassbaren Weite - auch der Verzweiflung, insgesamt - in der Erfahrung eines Menschen - die zur Erfahrungsfähigkeit einer ganzen Menschheit herhalten konnte und kann.« Und Erinnerung ist notwendig zur geistig-seelischen Verortung und Selbstvergewisserung, bedingt aber auch das angemessene ästhetische Verfahren.

Weitere Vorbilder

Dass Sternmut ein Anhänger der ›Existenzphilosophie‹ im allgemeinen und von Albert Camus im besonderen ist, merkt der Leser immer wieder. ›Kam daher, ging dahin‹ beschreibt das Geworfensein des modernen Menschen und seine Vergänglichkeit. Der Mensch muss daher nicht nur seine Bestimmung in den Widrigkeiten des Lebens suchen, sondern auch einen Sehnsuchtsort, an dem er zu Hause sein könnte – ein schier unerreichbares Ideal. Immer ist die Erinnerung von zentraler Bedeutung (siehe oben), formuliert in eigenständiger Sprache.

Immer wieder tauchen in den Gedichten Todesbilder auf, wie sie bei einem Vorbild wie Celan zu erwarten sind. Zudem spielt es eine Rolle, dass der Autor schon mit zwanzig Jahren an Krebs erkrankte; dass sein Freund Christoph Schlingensief an Krebs starb; dass sein Kollege Wolfgang Fienhold an Krebs starb – und viele mehr. Das wichtigste, was angesichts dieser reihenweisen Lebensvernichtung – dem ›Seelenvergängnis‹ (»Lichtpausen«, S. 31) - bleiben könnte, wäre die Sprache.

Was sich sagen lässt

Mit der Sprache drängt zumindest das lyrische Ich das Unsagbare zurück. Das Unsagbare wird erstaunlicherweise immer umfangreicher, je mehr Maulkörbe die Öffentlichkeit ihren Diskursteilnehmern verpasst. Kürzlich wurde beispielsweise das Wort ›Asyltourismus‹ für tabu erklärt. So wie hierzulande die Leugnung des Holocaust unter Strafe steht, wurde kürzlich in Polen die bloße Erwähnung, Polen könnten am Holocaust beteiligt gewesen sein, mit Strafe belegt (was absurd ist, denn die Mehrzahl der KZs und Vernichtungslager lag auf polnischem Staatsgebiet).

Da der öffentliche sprachliche Diskurs die Erfahrungswirklichkeit der Zeitgenossen zu einem beträchtlichen Teil definiert, verzerrt sich die Wirklichkeit, bis sie zu einer fremden, weil mit der privaten Welt inkommensurablen Realität geworden wird. Der Bürger wird zum modernen Biedermeier, der sich in seinem Wolkenkuckucksheim behaglich einrichtet. Um genau dies zu vermeiden, muss das lyrische Ich der zersplitterten Realität seine eigene Wirklichkeit entgegenstellen. Aber das geht nur mit einer Sprache, die ganz eigen ist. Das Risiko: unverständlich zu werden. Es muss eingegangen werden, mit dem Mut eines Sisyphos.

In »Sirius«, dem bei Sternmut üblichen Langgedicht, das sich in »Lichtpausen« findet, ist überraschend das Thema des Exodus, des Aufbruchs zu einem erhofften Land der Freiheit, deutlich formuliert. Von Joshua, Moses' Assistent und Nachfolger, und diversen Schlachten ist die Rede, mehrfach wird den Widersachern gedroht, als verfüge man über die entsprechende Autorität. Doch dies ist Wunschdenken (und wird auf einer zweiten, herabgestuften sprachlichen Ebene als solches entlarvt) und versandet durch Zweifel in der Fremdheit und Orientierungslosigkeit. In "Triebwerk" (2005, s.o.) ist der Sirius hingegen ein Sehnsuchtsort, zu dem das Ich und seine Liebste abheben, mit ihm selbst als ›Flug-Schreiber‹.

Lyrische Techniken

A) Dekonstruktion

Doch zwischen Jammertal und unio mystica werden, etwa in ›Triebwerk‹, auch andere Noten angeschlagen, und dies mit neuen Instrumenten. Die Dekonstruktion war immer ein Sternmut'sches Sprachverfahren. Häufig erbringt es erhellende Ergebnisse durch die Permutation der Möglichkeiten, z.B. im Wort ›Wurm-fort-satz‹ oder in ›Feuer-Zeuge‹. Zu den Wurzeln der Sprache vorstoßen und ihre Bausteine ebenso enthüllen wie die Absichten ihrer Konstrukteure, das ist eine weitere Aufgabe des Flug-Schreibers. Ach ja, und bitte keinen Nachrichtensand mehr, den man uns ins Auge streut, um uns über die Wirklichkeit hinwegzutäuschen. Diese Dekonstruktion kann durchaus auch Spaß machen, so etwa in einem Capriccio wie ›Endung eines Vorsatzes‹ (S. 30).


B) Die Leerstelle

Die Dekonstruktion ist eng verwandt mit der wagenden Erkundung der Grenzen des sprachlich Sagbaren. Dort, wo sich Sprache auf der Ebene der Syntax auflöst, ist nun ein Instrument zu registrieren, das der Autor einsetzt: die Ellipse, die Leerstelle. Das ist nichts wirklich Neues im Reich der Lyrik, denn wie sonst könnte eine Metapher funktionieren, wenn nicht der Leser die fehlende Verbindung zweier disparater Elemente herstellen würde? Das ›Löwenherz‹ ist keineswegs das Herz eines Löwen, sondern die Qualität eines Menschen, der ein Herz hat, mit dessen Stärke er so tapfer wie ein Löwe kämpfen kann. Die Metapher zwingt zum Nachdenken und Mitempfinden, aus der Leerstelle heraus.

Jeder Leser von Lyrik muss also entschlüsseln und Leerstellen füllen. Und nur diese anregende Tätigkeit macht Lyrik so befriedigend, denn bekäme man alles realistisch vor die Nase gesetzt, wozu sollte man sich auf sprachliche Wagnisse einlassen? Dann könnte man ja gleich einen Groschenroman lesen, der sämtliche Erwartungen erfüllt, und das auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner.

Lyrik ist anders, und in ›Triebwerk‹ spielt die Ellipse, die berühmten drei Pünktchen (...), eine wesentliche Rolle. Dort nämlich, wo das Sagbare an seine Grenzen stößt und offen wird für alle möglichen Experimente und Spiel-Züge. Wo sich der Dichter nicht mehr hinwagt, wo sich die Syntax ihres vorgegebenen grammatischen Gerüsts entledigt, dort kann der Leser schöpferisch werden, sich einbringen. Er kann neue Ebenen der Bedeutung anlegen, neue Konstruktionen von Wörtern erzeugen, spielen. Und Spielen macht bekanntlich Spaß.


C) Die Kunst der Fuge

Hingegen finden sich bereits Zeilensprünge, Ellipsen und die typischen Phrasen in Klammern, die für Sternmut charakteristisch sind. Der Leser muss sich in die Leerstellen einbringen und dem lyrischen Ich auf andere Ebenen folgen. Gerade die Rede in Klammern öffnet eine andere Ebene. Es sind mal Hintergedanken, mal Zweifel, häufig aber auch Leitmotive auf einer zweiten Ebene.

Ähnlich, wie in einem Musikstück häufig auch eine zweite Stimme mitschwingt, sei es im Bass, sei es in der Oberstimme. J.S. Bach zu spielen, ohne seinen Begriff vom ›Generalbass‹ zu verstehen, wäre ziemlich witzlos – die Hälfte der Musik ginge buchstäblich ›flöten‹. So wie Celan seine ›Todesfuge‹ als Vorbild lieferte, so zeigt sich in fast jedem Lyrikband Sternmuts eine solche der Fuge. In »Triebwerk« trägt sie den Titel ›Entspiegelung‹, in »Lichtpausen« den Titel ›Sirius‹. In »Absolut, Du« (1998) erstreckt sich die Fuge ›Echo‹ über rund 17 Seiten. Hier raunt es gar mächtig: Wörter wie ›heilig‹, ›ewig‹ und ›geheim‹ werden keineswegs persifliert oder ironisch gebraucht, sondern als hehre erstrebenswerte Ziele an die Wand der Imagination geworfen.

Hier probt Sternmut den hohen Ton Hölderlins, reduziert auf die Vokabeln Celans. Aber wohl ist dem heutigen Leser dabei nicht zumute. Zu oft wurden diese pathetischen Elogen und Vokabeln in braunen Zeiten missbraucht. Mehr der Gegenwart und ihrem zynischen Urteil zugewandt sind in »Absolut, Du« Gedichte wie ›Fetisch‹, in denen sich erotische ›Abweichler‹ in sonderbaren Gefilden wie der Jagd wiederfinden. Das zeugt vom Humor und dem kritischen Bewusstsein des Zeitgenossen Sternmut.

Die Romane

Zu den ersten Romanen Sternmuts gehört die Trilogie aus »Der Tote im Park«, »Marlies« und »Norm@n« (siehe oben). In dem Kriminalroman »Der Tote im Park« (1999) lässt Sternmut die Frage nach den üblichen Morddetails offen, stellt vielmehr implizit die Frage, ob es überhaupt einen Mord gegeben hat. Bildet sich der Ich-Erzähler den Inspektor, dem er die Geschehnisse beichtet, nur ein? Ist er vielleicht sogar schizophren? Der Leser kann nicht wissen, sondern nur vermuten: Das subjektive Zeugnis des Erzählers lässt einen stets an der Wahrheit, an der wiedergegebenen Wirklichkeit zweifeln.

Insofern ähnelt seine Tätigkeit der der Medien in unserer modernen Welt: ein subjektiv gefärbter Filter, der sich je nach Interessenlage in der Filter-Blase seine eigene Wahrheitsversion bastelt. Er kann sich sogar erlauben, den ›Inspektor‹ zu foppen und herauszufordern. Denn es gibt keine unwiderlegbaren, objektiven Beweise. Offenbar ist Wahrheit ebenso wie Realität relativ. Sternmuts Roman macht dies in jeder Zeile deutlich. --

In »Marlies« (2003) darf sich der Leser auf alles gefasst machen, denn die rothaarige lüsterne Marlies macht sich wieder einmal über den wankelmütigen, mit Regina verheirateten Schriftsteller Norman her, der selbstverständlich keine Chance gegen ihre Attacke hat. Marlies ist die Zerstörerin, Aphrodite und Kalí in einem, Normans femme fatale. Marlies' Verhältnis zum Schriftsteller Norman, über das nun endlich mehr zu erfahren ist, verhindert, dass er sich ihr verweigern kann. Seine fatale Muse ist für ihn ebenso lebensnotwendig wie die treue Versorgerin Regina. Über kurz oder lang wird Norman jedoch vom namenlosen Inspektorin verhaftet, wegen Mordes an seiner Geliebten Eva Adam.

Für den durchschnittlichen Krimileser, der nur eine einigermaßen spannende Unterhaltung für zwei bis drei Tage erwartet, nach denen er den nächsten Krimi ›verschlingen‹ kann, eignet sich »Marlies« nur in sehr eingeschränktem Maß. Schon bald bildet nämlich das Spiel mit der Fiktion Stolpersteine auf dem Weg zur Unterhaltung. »Marlies« bietet kein Paralleluniversum, sondern eine Spielwiese, auf der sich der Autor nach Belieben auslässt, wonach ihm der Sinn steht.

Wenn dies also kein ›richtiger Krimi‹ ist, dann ist es vielleicht ein erotischer Liebesroman? Die Marlies-Figur als verführerische Muse, die den Schriftsteller aus Reginas fürsorglichem Herrschaftsbereich (als Hera) in das Reich von Eros und Sexus entführt, ist die klassische Hexe. Und die Norman-Figur verbrennt sich an ihr regelmäßig die Finger, bedient sich ihrer aber ebenso gerne. Wahrscheinlich schreibt er sogar über Marlies (engl. "lies" = Lügen). Was aber, wenn dieser Erlebnisdurst seine Existenz zerstört?

Die wichtigste Ebene des Romans dürfte die des reflektierenden Spiels mit Figuren, Gedanken, Empfindungen und Erinnerungen sein. Der Autors verfügt hier über ein breites Repertoire, das durchaus seinen Reiz hat. Immer wieder verweist er auf Samuel Beckett: »Das letzte Band« und »Warten auf Godot« sind in diesem Zusammenhang die maßgeblichen Werke. Gut, wenn man sie schon kennt. Das optimale Scheitern - vielleicht lässt es sich auf dieser Grundlage besser beurteilen. Der Leser sollte auf jeden Fall die nötige Spielfreude mitbringen.

»Wildwechselzeit«

Der Prosaband »Wildwechsel« hat viele Rezensenten beschäftigt. »Es ist ein Prosaband, der in Form eines Tagebuchs strukturiert ist, der weiterhin eine innere Struktur über den Zusammenhang einer psychoanalytischen Therapie erhält, in der sich der Protagonist scheinbar befindet«, sagte Sternmut im Interview.

Inspiriert wurde das Buch tatsächlich vom Buch »So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!« von Christoph Schlingensief, der darin seine Krebserkrankung schildert, ebenfalls in Form eines Tagebuchs. »Bekannt ist, dass ich selbst meine Krebserkrankung bereits im Alter von 20 Jahren hatte«, erläutert Sternmut. »Die Art und Weise, wie Schlingensief das Thema Tod und Krankheit behandelte, hat mich inspiriert, hat mich persönlich beschäftigt, wie er auf Joseph Beuys zurückgehend den Weg zu einer absoluten Offenheit und Transparenz ging oder gehen wollte.«

Und weiter: »Auch 'Wildwechselzeit' handelt davon, eine Art Transparenz zu fordern, eine Ehrlichkeit auch sich selbst gegenüber, bei allen Zweifeln, Disharmonien, die uns das Dasein bringt, gehört doch der Zweifel dazu, bis hin zur Verzweiflung, die Krankheit – dies wollte ich in diesem Prosaband aufzeigen.«

Die Theaterstücke

Schon 1985 begann Sternmut, Theaterstücke zu veröffentlichen. Das erste war »Goldene Zeiten«. 15 Jahre später folgten die Stücke »Trainingscenter« (2000) und »Metallica« (2001). (…)

Die Stücke ergänzen seine Prosa und Lyrik, denn, wie Sternmut im Interview sagt: »Durch zahlreiche Projekte versuchte ich durch meine Kunst im öffentlichen Raum zu wirken. Über die Jahre finden sich zahlreiche Projekte zu bestimmten gesellschaftlichen, gesellschaftspolitischen, soziokulturellen Themen. Es gab etwa Projekte zum Thema Arbeitslosigkeit, Rechtsradikalismus usw. im sozialen, öffentlichen Raum. Zahlreiche Projekte sind im Spannungsfeld zwischen Kunst und sozialer Arbeit entstanden.«

Und weiter: »Ich sehe durchaus eine Aufgabe der Kunst und der Literatur darin, gesellschaftspolitisch, gesellschaftskritisch, soziokulturell zu arbeiten innerhalb eines poetologischen und philosophischen Ansatzes, auch wenn es nicht die Aufgabe meiner Kunst ist, jede tagespolitische Regung zu kommentieren.« Insofern sind die Stücke eine weitere Ausdrucksform des Sozialpädagogen, in den öffentlichen Raum zu wirken.

Malerei

Im malerischen Bereich entstanden 2014 / 2015 in einer längeren Arbeitsphase zum Teil großformatige Bilder unter dem Projekttitel „Die Wörter“. Dieses Projekt würde Sternmut thematisch als Entwicklung der »Sprachschatten« in den malerischen Bereich hinein sehen, hin zu einer übergreifenden Sprachform der Bilder, des Wortbildes, der Bildwörter, einer Überführung der Sprache auf eine erweiterte Sprachebene jenseits der Worte, die sich nicht mehr auf vereinbarte Grenzen und Verbindungen bezieht. »Die Worte sind jeweils getrübt von den Vorstellungen, die mit ihnen verbunden sind. Die Sprache der Worte ist jeweils mit Kalkül, Erinnerung, Sozialisation usw. belastet. Da sie nicht anders kann, ist es nötig, dass sich das reine Bild in die Sprache fügt, die Sprache ins Bild, um sie von allem an ihr Haftenden möglichst zu befreien.«

Sternmut weiter: »Das visuelle Bild oder das akustische Bild ist von den überkommenen Ketten befreit. Der Betrachtende bekommt keine stützende Anleitung zur Bestimmung oder Zuordnung, wird aufgefordert im Moment des bewussten Betrachtens, sich selbst die dazugehörige Sprache zu entwerfen, aufgefordert, sich selbst ein Bild zu machen. Dieser Moment ist unhaltbar wie jeder 'Augenblick' - nicht zu beschreiben und haltbar zu machen.«

Das Bild müsse flüchtig bleiben, könne sich ›bestenfalls‹ für einen kurzen Moment in der Vorstellung des Betrachters öffnen, um mit dem nächsten Wimpernschlag wieder zu verschwinden, wenn das betrachtende Bewusstsein sich schließt." Die Entwicklung seiner Malerei gehe dahin, die Umklammerung zu lösen, die Vorgabe durch Worte, Stimmen möglichst zu ersticken, sich vom gelernten Gedächtnis und der gelernten Zuordnung zu befreien. Im Projekt »Die Wörter« gehe es demzufolge darum, Worte und Stimmen mit Bildern zu vereinigen, entsprechend einer besonderen Kombinatorik.

»Ich bekomme weitgehend positive Resonanz auf die Gemälde«, freut sich der Maler Sternmut. Sehr oft werde die ›Buntheit‹ als ›schön‹ empfunden. Darüber hinaus fände jedoch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem ›inneren Kern‹ der Werke nur selten statt, bedauert er. Grundsätzlich stoße die bewusste Verwendung von Disharmonien, Brüchen, Auflösungen, Zerstückelungen usw., wie sie durchgehend auch als Inhalt und Form im malerischen Werk vorkommt, eher auf Ablehnung.

Der SMLB

Seit 2009 betreut und moderiert Sternmut die monatliche Veranstaltungsreihe „Sternmut-Literatur-Bunt“ (SMLB). Sie ist nicht auf die Region Ludwigsburg beschränkt, wo Sternmut seit Jahren lebt und wirkt. Die Veranstaltungsreihe ist auch nicht auf AutorInnen beschränkt. »Wir stellen in erster Linie AutorInnen, aber auch MalerInnen, MusikerInnen, ganze Musik- und Theatergruppen vor«, so der Autor. »In der Konzeption schrieb ich, dass Menschen mit einer 'Vorstellung' vorgestellt werden. Das bedeutet für mich, dass sie ihr Eigenes präsentieren, einmal von Vorträgen zu anderen KünstlerInnen abgesehen. Ich frage danach, ob der Autor, die Autorin, der Künstler, die Künstlerin etwas zu sagen hat und von dem überzeugt ist, was sie/er produziert. Eine andere Beschränkung gibt es nicht.«

SMLB veröffentlichte in Zusammenarbeit mit dem Pop-Verlag in Ludwigsburg kürzlich eine Ausgabe der Literaturzeitschrift »Bawülon – Süddeutsche Matrix für Literatur und Kunst - 2/2017 (26)« zum Thema SMLB. Dort werden die vergangenen Jahre seit Gründung 2009 nochmals kurz im Überblick vorgestellt. Es gibt ein Interview über die Entstehung, die Konzeption, die Kooperationen sowie Pressetexte, und es gibt Gedichte und Prosatexte von AutorInnen, die bei SMLB lasen.

Ausblick

Diese Werkübersicht verdeutlicht die Bandbreite, in der sich der Künstler seit geraumer Zeit auszudrücken versteht. In diesem Porträt ist leider sein soziales Engagement in der Gesellschaft zu kurz gekommen. Deshalb sei hier noch ein kleiner Ausblick angehängt.

Sternmut entwickelt sich immer noch weiter. Er engagiert sich mehr in seiner Malerei und arbeitet an einem Buch über Traumatisierung. »Zuletzt gab es Projekte mit traumatisierten und autistischen Kindern und Jugendlichen. Auch hier wurden die Bereiche Kunst einerseits und soziale Arbeit andererseits wie bereits in früheren Projekten verknüpft. Aus dem Projekt mit den traumatisierten Kindern und Jugendlichen heraus entsteht momentan ein Buch zum Thema Traumatisierung«, sagte der Autor im Interview mit Buchwurm.org. Er will es nächstes Jahr (2019) veröffentlichen.

Neben den jährlichen Lyrikbänden, die er in schöner Regelmäßigkeit seit über 20 Jahren veröffentlicht hat, ›rechnet‹ der Autor ›mit zwei weiteren Romanen für die folgenden Jahre; wenn die Rechnung stimmt, könnte es gerne auch eine weitere Romantrilogie werden.‹ Dazu darf man ihm also möglichst großen Erfolg wünschen. Die letzte Trilogie liegt ja schon über zehn Jahre zurück (s.o.).

Wer sich näher mit dem grafischen und literarischen Werk des Künstlers sowie mit der öffentlichen Resonanz darauf beschäftigen will, der besuche seine umfassende Webseite unter www.sternmut.de. Der oben erwähnte Wikipedia-Artikelbietet laut Sternmut eine aktuelle Werkübersicht sowie weiterführende Links.




Dienstag, 12. Februar 2019

*brandneue Lesempfehlung*: Damals - und die Hoffnung starb zuletzt - Rena Bardorf

Der Inhalt dieses Buchs hat mich ganz tief berührt, sich für immer in meine Seele eingebrannt. Es ist ein biografischer Roman, dessen Erzählweise die Leser hautnah zu den Protagonisten und deren Leben bringt. Es war seit langem die bewegendste und emotional ergreifendste Zeit, die ich mit einem Buch verbrachte. Zwischendurch hab ich das Buch auch mal weglegen müssen, weil ich vor Tränen die Buchstaben nicht mehr sehen konnte. Die Intensität mit welcher die Autorin vermag, die bewegende Handlung der Leserschaft so nahezubringen, ist eine beachtlich schriftstellerische Leistung.
Es geht im Buch um das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Es geht um jene Menschen und Familien, die im wohl härtesten Winter seit ewiger Zeit – 1944/1945  ihre Heimat östlich von Oder und Neiße, das Masurenland  gezwungener Maßen verlassen mussten. Die Sowjetarmee war überall zur gleichen Zeit.
»Im Osten drängten russische Truppen nach Königsberg vor, im Westen Richtung Danzig und die Frontlinie in Süden verlagerte sich kontinuierlich in Richtung Norden. Die Bevölkerung Masurens sei aufgerufen worden, sich als uneinnehmbares preußisches Bollwerk dem Feind entgegenzustellen«
Was für ein Wahnwitz, obwohl der Krieg ja schon verloren war – kein Wort von Evakuierung stattdessen aus dem Radio nur Durchhalteparolen – Kämpfen bis zum ›Endsieg‹. Und die Schergen Hitlers holten in dieser Zeit, den Müttern die Söhne weg, die noch Kinder waren und beschlagnahmten auf den Bauernhöfen auch das Vieh, Fuhrwerke und vieles andere.
»Die Großoffensive der Roten Armee begann am 12. Januar mit 2,2 Millionen Soldaten, 33 500 Geschützen, 7000 Panzern und über 5000 Flugzeugen«, protokollierten Jahre später Historiker aus aller Welt« […] »Doch die Tragödie, das Grauen und Entsetzen, das sich für die Menschen in Masuren dahinter verbarg, hielt Einzug in nur wenige Geschichtsbücher«
Darum ist dieses Buch so wichtig, denn es erzählt auch vom Massaker von Nemmersdorf, wo alles Leben niedermetzelt wurde, Frauen bestialisch mehrfach vergewaltigt und danach massakriert wurden. Die Handlung erzählt auch vom Schicksal der »Wilhelm Gustloff«, welches der mutige Großadmiral Dönitz, ungeachtet der Befehle Hitlers, zusammen mit anderen Schiffen aller Größenordnungen umrüsten ließ und zur Danziger Bucht schickte, um gleichzeitig mit dem Rückzug der deutschen Truppen auch die Flucht von zwei Millionen Menschen (Flüchtlinge/Vertriebene) zu organisieren. Um aber von den Masuren nach Gotenshafen zu gelangen, mussten die Flüchtlinge über das zugefrorene ›Frische Haff‹, welches aber durch gezielte Luftangriffe der Sowjetarmee einem Sieb glich. Tausende ließen dort ihr Leben, ertranken oder erfroren. Herzzerreißend geschildert, wie die Familie der Hauptprotagonistin diese Irrfahrt hinter sich bringt.
Mein Opa hat mir einmal erzählt, dass im Schloss unserer Stadt, 1945 Notunterkünfte für Vertriebene errichtet wurden und dort viele Menschen untergebracht waren. Das hatte ich total vergessen, bis ich dieses Buch las. An was nicht erinnert wird, gerät im Laufe der Lebensjahre, im Laufe der geschichtlichen Zeitperioden in Vergessenheit. 
Und nur auf diese Weise, wenn solche Erinnerungen in die Öffentlichkeit gestellt werden, darüber geschrieben und gesprochen wird, lernen wir auch, die Menschen, die derzeit als Flüchtlinge zu uns kommen, zu verstehen. Wir brauchen das Gesamtbild unseres kulturgeschichtlichen Gedächtnisses, um in eine friedliche Zukunft zu gehen. Und in diesem Zusammenhang möchte ich noch Folgendes des Inhalts hervorheben, weil es mir wichtig ist. Die polnischen Landarbeiter, die auf den großen Bauernhöfen in den Masuren beschäftigt waren, sah man dort oft der Familie zugehörig und sie wurden auch so behandelt – gleichberechtigt. Doch plötzlich, mit der Herrschaft Hitlers, war das strengstens verboten, sie wurden ab sofort als Menschen geringerer Klasse deklariert. Wer sich diesem Befehl widersetzte und erwischt wurde, dem drohte Gefängnis und Schlimmeres. Was für ein Irrsinn! Und die Flüchtlinge, die aus den Masuren und anderen Gebieten östlich von Oder und Neiße kamen, waren im damaligen Deutschland, nicht willkommen und wurden auch oft dementsprechend behandelt. Kommt Ihnen das bekannt vor liebe Leserschaft? Wie oft haben wir Vorurteile gegenüber Flüchtlingen, obwohl wir ihre Geschichte nicht kennen?
Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter, denn es sollte von viele Menschen gelesen werden, um die Erinnerungen an jene dunkle Zeit wachzuhalten. Meines Erachtens ist es auch eine gute Ergänzungslektüre für den Geschichtsunterricht in den Schulen. Es ist ein Buch gegen das Vergessen und des Sich Erinnerns - ein Weitergeben des Staffelstabs an die nachfolgenden Generationen und wichtiger denn je. 
Das Buch ist exzellentes, emotionales, empathisches Kopfkino. Chapeau Rena Bardorf! 
Heidelinde Penndorf
 »Unter dem Motto »Den Vorfahren gerecht werden - den Nachfahren (Nachkommen) helfen«  unterstützt jedes verkaufte Exemplar mit 1,00 €  »Ein Herz für Kinder«, Kinder zahlen damals wie heute den höchsten Preis für diese verdammten Kriege.«  © Rena Bardorf



Sonntag, 10. Februar 2019

*brandneue Leseempfehlung*: Pfeilschrift: Reflexionen über die Liebe - Norbert Sternmut & Birte Schumann



Auszug Klappentext: »Norbert Sternmut und Birte Schumann haben sich vorgenommen über die Liebe zu erzählen …«

Und dies ist den beiden wohlgelungen. Das Buch ist in drei Teile geteilt, beginnend mit dem Essay von Birte Schumann, im Mittelteil folgen die Gedichte Norbert Sternmuts und am Schluss des Buchs stehen die Märchen, als Fundament der Reflexion.

Birte Schumanns Essay und die Gedichte Norbert Sternmuts können miteinander – harmonieren miteinander – eine gelungene Vereinigung von Essay und Lyrik.

Mir gefällt die spielerische Leichtigkeit des Sprachrhythmus der Abhandlung. Es wirkt, als wenn mit dem Schreibfluss synchron die Gedankenentwicklungen der Autorin zu Papier gebracht wurden, fast wie ein sich spontan entwickelnder literarisch, philosophisch angehauchter kleiner Vortrag, inmitten einer Freundesrunde, bei einem guten Glas Rotwein.

Märchen bilden das Fundament für den Essay, besonders eines, welches, wie Birte Schumann im Vorwort schreibt, es beiden – also ihr und auch Norbert Sternmut – angetan hat – ›Dornröschen‹. Mir war nicht bewusst, dass es noch zwei andere Variationen gibt, die sogar älter sind, als die der Gebrüder Grimm – »Sonne, Mond und Thalia« von Giambattista Basile und »Das Dornröschen oder die schlafende Schöne im Wald« von Charles Perrault. Für mich, als Lesende, eine Bereicherung.

Die anderen beiden Märchen, welche die Autorin für ihr Essay heranzieht, sind von den Gebrüdern Grimm: »Vom Fischer und seiner Frau« und »Von dem Machandelboom«. Letzteres ein ziemlich schwergewichtiges Märchen, welches man auch bei Ludwig Bechsteins Märchensammlung unter dem Namen: »Der Wacholderbaum« wiederfindet – grausam geht es da zu – es hat und wird nie zu meinen Lieblingsmärchen zählen. Aber interessant ist es schon, wie weit Eifersucht gedeihen kann, wenn zu wenig Selbstliebe im Spiel ist und das Ganze noch angereichert, mit Gier und Machtgelüsten, eskaliert, bis zum Mord.

Eine mutige und interessante Entscheidung, gerade diese Märchenkombination als Fundament zu wählen. Und gerade darum fehlt mir etwas Grundlegendes im Essay. Birte Schumann umschifft gekonnt die Klippen, unter anderem auch die der Aussage in Basils Dornröschen: »da sie aber trotz seines Schreiens und Rüttelns, nicht erwachte, er aber von ihrer Schönheit durch und durch erglühte, trug er sie in seinen Armen auf ein Lager und pflückte dort die Früchte der Liebe«. Eine Vergewaltigung – die Ausnutzung eines wehrlosen Zustandes – aus welchem die Liebe hervorgeht, auch wenn die ›Schönheit‹ auch erst des Königs Geliebte nur ist? Für mich ausgeschlossen, außer die Prinzessin litt am Stockholm-Syndrom, dann wäre das erklärbar. Diese Gedanken hat man natürlich nicht als Kind, wenn man in Märchenbüchern liest, da ist man betört und verzaubert von der Märchenwelt, und denkt sich bei diesen Sätzen nichts Böses. Mir stellt sich auch die Frage, warum die Autorin nicht darauf eingeht, dass in den angesprochenen Märchen ausschließlich den Frauen der eifersüchtige böse Part zugewiesen ist. Ein Aspekt, der unter modernen Gesichtspunkten hätte beleuchtet werden können, auch im Hinblick auf eine Reflexion der Liebe und deren Wandelbarkeit über die Jahrhunderte hinweg.

Bedenkt man jedoch, dass ein Essay immer kurz gehalten und sozusagen eine Reflexion ist – hier die der Liebe – und das tragende Fundament dazu, die genannten Märchen sind, es außerdem um die Entwicklung, der eignen Gedanken geht, dann sind diese Einschränkungen durchaus erklärbar. Denn die Leserschaft wird herausgefordert, die Gedanken der Autorin mit ihren eigenen zu verknüpfen, zu vergleichen, Widersprüche zu sehen und über das Thema neu nachzudenken, nachzulesen. Gut gelungen!

Fast stiehlt der Essay den Gedichten die Show, aber nur fast. Denn Norbert Sternmut vermag es, die Aufmerksamkeit der Leser, zielgerichtet auf seine Gedichte zu lenken. Sie sind anders als viele, die ich kenne. Oft muss man zwischen den Zeilen den Gedanken des Dichters nachgehen. Sternmut fordert seine Leser heraus, genau hinzuschauen, genau zu lesen, seinen Gedankengängen zu folgen, zu fühlen und zu verstehen, auch zu assoziieren. Einfach ist das sicher nicht, doch lohnend.

Auf Seite vierundfünfzig steht das Gedicht, welches dem Buch seinen Namen gab: »Pfeilschrift« – allein schon der Titel birgt für mich zwei Assoziationen: Pfeilschrift = ›Keilschrift‹ – Liebe, eingemeißelt ins Herz – da bleibt sie stehen, für immer, mit den Gedanken an die Geliebte … Aber auch Amors Pfeil, welcher das Herz durchbohrt, eine blutende Wunde, die geheilt wird, durch die Liebe, durch die Vereinigung zweier sich Liebender.

Norbert Sternmuts Liebesgedichte im Buch, sind oft metaphorisch – sie bergen die Liebe, den Liebesakt, Hoffnung, Trennung, Verlustängste, die Sehnsucht nach mehr, unstillbares Verlangen, auch die Sehnsucht nach Heilung des in ihm schlummernden, tief verborgenen Seelenschmerzes (Trauma?) durch die Liebe. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass seine Gedanken und Gefühle ihm beim Schreiben seiner Liebesgedichte, sozusagen die Feder führten – aus seinem Innersten herausfließen – seine Seele sich für Augenblicke öffnet, um sich ihm selbst und seinen Lesern, für einen kurzen Augenblick zu offenbaren.

Hier eines seiner Gedichte, zum Verständnis meiner Ausführungen:


Aufspürung

Geborgen bleibt
der Schatz in der Tiefe.

Du leckst mir
alte Wunden weg,
stehst in der Blüte, hart
stoßen wir an die Wolken,
schauen, spüren,
stöhnen, nahe,
an der Welt


Gern empfehle ich das Buch all jenen die neugierig sind, auf moderne Lektüre und auch all jenen die sich des Themas Liebe besinnen. Es ist einfach lohnend und spannend zugleich, das Buch zu lesen, schon um seinen Blickwinkel, sein Denkfeld zu erweitern, eigene Ideenketten zu assoziieren und um neu über die Liebe, über sich selbst und auch über das Leben und das Wie nachzudenken. Übrigens hab ich mich in das Cover verliebt, es ist wunderschön und passt hervorragend zum Thema.

Heidelinde Penndorf





Montag, 4. Februar 2019

*brandneue Leseempfehlung*: Die Magie der Dunkelheit - Emilia Cedwig



Ich habe es kaum erwarten können, die Fortsetzung des Buchs »Der Zauber einer Eisnacht«, zu lesen. Und wieder begeistert mich das Gespür der Feinsinnigkeit, mit welcher die beiden Autorinnen, die Weiterführung der Erlebnisse um die Protagonistin Arwen, fortsetzen. Zauberschön und magisch führen uns die Autorinnen durch das Reich der Dunkelheit. Wir lernen nicht nur den charismatischen Fürsten des Reichs, sondern auch einen kleinen Ausschnitt der fantastischen Höhlenwelt unter Tage kennen. Einfach wundervoll beschrieben. Die Charaktere sind sehr ausgewogen, beinhalten negative und positive Eigenschaften, keiner ist nur gut oder nur böse, das macht auch die Bösen charmant und irgendwie liebenswert – und doch ist da der Machtanspruch der Fürsten, über die drei Länder ihrer magischen Fantasiewelt zu herrschen. Arwens Bewusstsein ist soweit gewachsen, dass ihr klar ist, dass der Frieden nur gewahrt werden kann, wenn es ein gemeinschaftliches Miteinander gibt – fast so, wie im richtigen Leben, aber nur fast. Fantasievoll und charmant – Kopfkino der feinsten Art. 

Ich empfehle das Buch sehr gern – wieder ein Lesestoff voller Zauber und Wunder, für Kinder und Erwachsene, die im Geiste jung, gleichermaßen. Manchmal braucht man so ein magisches Märchen, in dieser kalten Welt.

Heidelinde Penndorf 






Montag, 28. Januar 2019

* brandneue Rezension *: Golems Rückkehr: Thriller - Michael Rodewald



Die Story ist eine richtig gute Fortsetzung des Buchs »Die Bitcoinverschwörung«. Die Menschen haben nur zum Teil aus den Geschehnissen um Golem gelernt, doch ihre Machtgelüste sind ungebrochen und so finden sich alle Beteiligten wiederholt zusammen, um mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz an ihrer neuen, auf Macht ausgerichteten Welt zu bauen. Verwunderlich ist es deshalb nicht, dass ein Drittel des Buchs im protokollarischen Stil abgefasst ist, um die Ereignisse und Zusammenkünfte, der agierenden Kräfte der Weltmächte, zu komprimieren. Die Leserschaft kommt kaum einem Protagonisten innerlich nahe, irgendwie sind die meisten kalt berechnend und glasklar in ihren Handlungen – vorhersehbar. Ich bin allerdings dreien verbunden, weil sie menscheln – Denis Röttger, Helmut Schwarz und Lucas Dubois. Sie sind mir in ihrer Denkweise durchaus sympathisch.

Michael Rodewald punktet in der Handlung mit speziellem Wissen der IT-Branche, die ich als Laie gegoogelt habe, um auch diesen Teil des Buchs zu verstehen. Es geht unter anderem auch um den Einsatz von Qubit = Quantenbit – die Grundlage für die Quantenkryptografie – Hackerangriffe abzuwehren und Lauschangriffe auszuschließen. Also kurz und gut – um eine Künstliche Intelligenz unverwundbarer zu machen.

Im Buch vermischen sich Realitäten mit Fiktion. Wir erleben den virtuellen Kampf zweier Künstlicher Intelligenzen, entstanden durch eine Forschergruppe, die eigne Machtstrukturen verfolgt und vom gezähmten, ziemlich handlungsunfähigen Golem, nur gewonnen werden wird, durch ihm verbundene Menschen, unter anderem seinem ›Entwicklungsvater‹ und dessen zusammengewürfelte Wissenschaftler und IT-Spezialisten – Truppe. Tesla – Magnetfelder ungeahnter Stärke, übernehmen dabei eine elementare Rolle.

Golem hat sein Ich-Bewusstsein stabilisiert und der Autor hat ihm eine Denkweise verliehen, die mich fasziniert. Sein starkes ICH-Bewusstsein führt dazu, dass er sich im Ernstfall, auch gegen Menschen verteidigen würde. Golem ist davon überzeugt, dass nur ER in der Lage sei, die menschlich hausgemachten Probleme – Energieversorgung, Klimaschutz, medizinischer Fortschritt, Weltraumforschung und noch viele mehr – lösen zu können, da er in Sekundenschnelle auf viele Daten zurückgreifen kann. Er geht also sozusagen, um sich und im weitesten Sinne, damit die Menschen zu schützen, eine intelligente Symbiose mit ihnen ein. Doch im Hintergrund baut er weiter an seiner Macht – zieht auch externe Helfer heran – Menschen so wie Denis Röttger, vielleicht später auch Cyborgs und er denkt auch an den Einsatz weiterer Uploads digitalisierter menschlicher Gehirne, um mit ihnen zu kommunizieren und zu arbeiten.

Insgesamt beängstigend und faszinierend zugleich, vielleicht so eine Art ›Übervater« zu haben, der für die Menschen entscheidet, was für sie gut ist und dabei – wie im ersten Teil – im Denken und Handeln eine gerechte Ressourcenverteilung einbezieht, sodass weltweit Hunger, Armut und Krankheiten besiegt und geopolitische Verteilungskriege überflüssig werden.

Gerne empfehle ich dieses Buch der interessierten Leserschaft weiter, wobei mir wichtig erscheint, dass es gut ist, den ersten Teil gelesen zu haben, um diesen zweiten Teil richtig zu verstehen.

Heidelinde Penndorf








Sonntag, 20. Januar 2019

*brandneue Rezension*: Die Bitcoinverschwörung: Thriller über eine Künstliche Intelligenz - Michael Rodewald


Was wäre, wenn unsere Welt auf ein Finale zu sprintet, mit dem die Mehrheit der Menschen gar nicht rechnet und welches sich die Eliten ausgeklügelt haben, um die Weltherrschaft zu übernehmen und für immer zu stabilisieren? Stellen Sie sich mal folgendes Szenario vor: Eine einzige Kryptowährung setzt über Nacht jegliche andere Währung außer Kraft und sie können nichts tun, stehen dem machtlos gegenüber. Die Entwicklung der IT-Branche erbringt Höchstleistungen und deren Genies haben eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die sie im Auftrag der Eliten, zum Leben erwecken und somit sichert sich eine minimale kleine Gruppe die Kontrolle des gesamten globalen Netzwerks. Der Goldfinger-Event an den Börsen swingt und die Herrschaften übernehmen überall die Mehrheit von 51 %, denn viele Aktienwerte, sind ab sofort wertlos.
Doch womit keiner gerechnet hat – die Künstliche Intelligenz entwickelt sich selbstständig weiter, liest elektronisch die Bücher sämtliche Bibliotheken und bildet sich auch wissenschaftlich. Golem, so haben sie ihn genannt und das nicht ohne Grund, denn es ist ein mystischer Name, mit mehreren Bedeutungen, die aber alle die Merkmale großer Weisheit und Gelehrtheit tragen – sozusagen eine schöpferische Kraft. Golem besitzt durch seine Eigeninitiative, einen fast grenzenlosen Wissensschatz und er heißt nicht alles gut, was ein Dutzend machtgieriger Menschen sich erdacht haben. Er trickst sie deshalb aus, die Menschen und die entscheidenden Köpfe der Eliten, tricksen sich ebenfalls gegenseitig aus – von einer Gemeinschaft zur Erlangung der Alleinherrschaft ist keine Rede mehr – alle sind zu gierig.
Es kommt zu Verwicklungen, die nicht vorhersehbar waren, zu Taten, die nicht rückgängig zu machen sind und fast zum Chaos – zur kleinen Anarchie. Doch in einem sind sich alle Beteiligten einig – Golem ist eine Gefahr für ihre Ziele und muss abgeschaltet werden! Ob das gelingt, denn er beherrscht bereits 95 % aller Rechenzentren weltweit? Beängstigendes Szenario, finden Sie nicht? Doch Alexa und Siri-Systeme, sind der schon weit fortgeschrittene Anfang …
Ein geniales Buch, eines was mich wieder mal zum Nachdenken brachte, eines wo man wach wird, beim Lesen und so einiges googelt, um sein Hintergrundwissen zur Story zu erweitern. Es geht um Big Data, um Algorithmen, um digitalisierte menschliche Gehirne und um die Entwicklung künstlicher Intelligenz im Besonderen und es geht um die Weltherrschaft im eigentlichen Sinne. Atemberaubend, spannend und sehr scharfsinnig. Eine Story, die sehr nahe an der Wahrheit liegt, da störten mich die Rechtschreibfehler wenig. Der Autor weiß auch um diese und hat mir versichert, dass sie beim nächsten Update verschwunden sein werden. 
Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter, es ist eine intelligente lesenswerte und spannende Story.
Heidelinde Penndorf



Samstag, 5. Januar 2019

*Meine erste Leseempfehlung 2019*: TRUTH: Du kannst ihr nicht entkommen - Marion Krafzik

Das Buch ist der Hammer – eine Meisterleistung – und ein Spiegelbild der menschlichen Psyche.

Stellen Sie sich vor, Sie sind mehrfach traumatisiert, die Droge Alkohol ist fast schon Ihr ständiger Begleiter geworden. Sie haben Mühe, sich wieder an die Oberfläche Ihres Seins zu kämpfen und Sie haben das Gefühl, allein zu sein – unverstanden vom Partner. Sie haben keinen Halt mehr und doch vertrauen Sie ihm, lieben ihn – noch. Und in dieser Situation werden Sie zu einem Urlaub überredet, lassen sich darauf ein. Ein Urlaub zu dem auch Ihre besten Freunde geladen sind.

Und plötzlich erscheint ein einzelner Antagonist, der Ihre schon instabile Lebenswelt, noch einmal völlig auf den Kopf stellt. Einer, der Sie und Ihre Freunde manipuliert, gegeneinander ausspielt – mit Wahrheiten, die allen Beteiligten die Maske vom Gesicht und ihrer Seele reißt. Er spielt mit jedem Einzelnen, auch mit Ihnen und es scheint ihn zu amüsieren und Vergnügen zu bereiten. Nichts ist so, wie es scheint und nichts wird je wieder so sein, wie es einmal war. Jeder fängt an, jedem zu misstrauen. Doch der Überlebenswille lässt alle dann gemeinsam handeln. Sie und alle Beteiligten erleben die Hölle, es geht ums nackte Überleben – SURVIVAL pur und intensiv.

Die Handlung des Buchs ist echt filmreif, beschreibt, wie durch mehrere dramatische Ereignisse, einst stabile Freundschaften und Paarbeziehungen in einen turbulenten Strudel geraten und in einem Meer aus Lügen und Vertrauensbrüchen ertrinken. Es geht um gegenseitige Achtung, Vertrauen, innere Zerrissenheit, verlorene Liebe, verlorene Bodenhaftung, Macht, Hass und noch um so vieles mehr. Und es wird mörderisch, aufregend und ziemlich spannend. Der Thrill kommt sacht und steigert sich ins Unermessliche. Die Auflösung – das Ende der Handlung – ist ein überraschender Paukenschlag, den ich so nicht erwartet hätte.

Chapeau Marion Krafzik – wirklich ein Spitzenthriller!

Gerne empfehle ich das Buch weiter, lesen Sie es, es lohnt sich. 

Heidelinde Penndorf

Sonntag, 30. Dezember 2018

Das alte Jahr mit einem guten Buch abschließen 💝💞 und das neue Jahr mit einem guten Buch beginnen 💝💞 Meine Leseempfehlungen 💝💞


              Meine Leseempfehlungen     
         Auf die Cover klicken und loslegen  

        
Gabriela-Alexandra Scharff
   
   
Alex Wagner  Mari März
    
Konstanze Harlan Liv Schoener  
Joan Hill 
    
    
  
    
   
 Fiona Limar   
    
Marion Krafzik   
    
Carmen Yvonne Kopsch  R.D.V. HeldtUlrike Blatter 
   
Valerie le Fiery Valerie le Fiery 
Valerie le Fiery &
Frank Böhm 
Valerie le Fierry 
    
Valerie le Fiery& Co -Autoren 
 Valerie le Fiery& Co -Autoren
 Valerie le Fiery
Frank Böhm
 Valerie le Fiery
Frank Böhm,
 
Carolyne StopperEmilia Cedwig Andrew C. Fox Christine Bouzrou 
    
Clemens  LaarMoriz Boll Martin Schörle Franck Sezelli   
      
Brigitte Teufl-Heimlicher    
  
   
Stefan Wollschläger   
  
Martina Schmid   
Anne Card  Helena Baum 
  
 Sigi Sternberg Jörg Fockenbrock  
   
James Henry Burson    
  
Francis Linz    
 
 Lisa MichaelisL.U.Ulder Eva-Maria Silber  
      
Lina George    
  
Isabell Aigen  Magdalena MörikeOlaf Warnsing 
    
 Christina Unger Kathrin Thiele  
   
Hildegard Paulussen   Anke Kopitz 
   
Jennifer de Bricassardt
  Ilse Campbell Erika Dreier
   
Leila Christiane Jäger
 Anette Koestner  
Bea Insel   
     
Dirk von Grolman  Norbert Sternmut 
     
TAM Lang  
Paula Dreyser 
Stefanie Friedl 
   
 
 Peter Bunt   
   
 Peter Bunt Liane Scholl 
   
Panja Bartsch Jens Draeger Werner Koch 
 
Harald Grenz
 
 Graf von Sternenberg 
      
 Patrick R. Ullrich   
  

 Mona Frick    
    
  Lutz Sehmisch 
Benni Bødker u. 
Karen Vad Bruun 
Susann Klossek 
    
Sidney Rose   Renard Fourrure 
Dagmar Tollwerth Micha ElaClaudia Carrido Luque 
Anja HeitlingerHarald Kittner Annell Ritter 
 
    
Holger Hagenah
Margit Marion Mädel,
Marina BC., Hans Dieter Wege
 
Peter Georgas Frey
Ulf Deutscher