Freitag, 3. Juli 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Die meisten Likes - Katharina Lindner



Katharina Lindner hat mit ihrem Buch ein kleines Meisterwerk geschrieben. Sie reflektiert in und durch die Handlung des Buchs, den Wahnwitz unserer Zeitepoche. Zeigt, dass das Internet – die Totalkommunikation – auch ein gefährliches Manipulationsinstrument sein kann, mit dessen Hilfe narzisstische Persönlichkeiten ihre Ziele durchsetzen wollen, monetär und machtbesessen. Es sind Menschenfänger und Seelenfänger, meist mit betörendem Charisma und Charme. Sie schrecken vor nichts zurück, beherrschen die Tricks der Suggestion und Indoktrination der Massen und bedienen sich im negativen Sinne der Psychologie. Das Anderssein, die Vielfalt – wird oft negativ besetzt. Menschen werden aufgeputscht, hochgeputscht und verführt und gezielt gelenkt, die Interessen dieser Manipulatoren zu vertreten, wenn es sein muss, auch gewaltbereit. Die Autorin hat gekonnt beschrieben, welcher Typ Mensch sich so beeinflussen lässt, dass sein eigenes Denken in den Hintergrund gedrängt wird – ja meist aussetzt – und er dann das Denken der Narzissten übernimmt – 100% geistige Beeinflussung.

Diese Narzissten kriegen Massen auf die Straße, verstehen es Hass zu schüren, die Leute soweit hoch zu peitschen, dass sie kaum oder gar nicht mehr zu halten sind, und sich ihre gewaltbereiten Gefühle irgendwann explosionsartig entladen. Sie zerstören sinnlos und manche lassen sich auch zu Tötungsdelikten anderer Mitmenschen hinreißen – sie sind kaum zu bändigen, wenn sie einmal soweit manipuliert sind. Das Tier im Menschen ist dann erwacht, auf der Suche nach Opfern!

Aber nicht nur das Internet bewegt sich durch diverse Beiträge auf dieser abscheulichen Schiene, sondern auch die Medien. Das völlige Öffnen der Schranken der Privatheit von Bürgerinnen und Bürgern macht im TV nicht einmal vor kranken Menschen halt. Voyeuristische Interessen, Sensationslust und medialer Exhibitionismus werden gnadenlos genutzt und bis aufs Äußerste hochgepeitscht – da ist es bis zur Ausgrenzung dieser Menschen gar nicht mehr so weit.

Und dies alles oft wegen der Einschaltquoten und der hohen Likes-Anzahl im Internet – weil da alle schauen – das muss ja gut und interessant sein – da will ich dabei sein, da mache ich mit.

Oft sind es Charaktere, die davon leben, andere kleinzumachen, weil sie sich damit erhöhen und sich groß und erhaben fühlen können. Es geht ihnen um Macht, Anerkennung – und sei sie auch noch so negativ besetzt und es geht ihnen auch um monetäre Interessen.

Ausgeuferte verrohende Spaßgesellschaft, die sich in Gewalt umkehren kann, die Menschen benutzt und manipuliert, wenn es jeder Einzelne zulässt und diese Machenschaften nicht durchschaut .

Es kann hier keiner sagen: ›Davon haben wir nichts gewusst!‹ Denn das Internet vergisst nicht!

Das Internet ist nicht nur eine große Wissens-Bibliothek und beherbergt soziale Netzwerke, in denen man Freundschaften schließen und sich austauschen kann, sondern es hat auf der anderen Seite auch ein hässliches Gesicht.

Die Autorin hat nicht nur die Gefahren des Internets aufgezeigt, sondern das ganze Thema auch noch in eine tolle, lebendige, überaus spannende und tiefgründige Story mit Thrilleffekten, mit sehr charismatischen Protagonisten und Antagonisten gepackt. 

Chapeau Katharina Lindner und Danke für dieses Buch. Es hat meine unbedingte Leseempfehlung. Das Buch sollten viele Menschen lesen, um sich mit dem Thema des hässlichen Gesichts des Internets auseinanderzusetzen, welches immer allgegenwärtig sein wird.

Heidelinde Penndorf

(Juli 2020)







Freitag, 26. Juni 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Herzgedanken - Heidelinde Penndorf



Ich gehöre zur Generation 60 Plus, bin verheiratet, habe einen Sohn, eine Tochter und bisher vier Enkelkinder. Meine berufliche Laufbahn war abwechslungsreich und bildungsintensiv - von der Krankenschwester, zur Marketingkauffrau, zur kaufmännischen Internetassistentin, zur leitenden Position eines Kfz-Betriebs, zur Kreditberaterin einer Bank, dann hauptberuflich Sozial- und Gesundheitspolitik und Leitung einer ehrenamtliche Sozialberatung und last but not least folgten verschiedene Praktika in Kleinverlagen. Dort erlernte ich die Grundregeln des Buchsatzes und des Buchlayouts und war einige Zeit als freie Mitarbeiterin eines kleinen Verlags tätig. Ich schreibe Rezensionen und setze ab und an noch für Autoren Bücher zum Druck. Zuversicht und Kraft geben mir meine Familie und unser kleines Biotop. Dort schreibe ich in Gedichten und Gedankensplittern nieder, was mich bewegt, was ich fühle und denke. Nun habe ich Mut gefasst, sie in einem kleinen Buch zu veröffentlichen.
Heidelinde Penndorf

Donnerstag, 25. Juni 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Der Geist und das Mädchen - Mildred Speet



Wer kennt sie nicht, die Gruselgeschichten die wir uns als Kinder am Lagerfeuer oder auch während der beliebten Nachtwanderungen im Ferienlager erzählt haben. Es war immer herrlich gruselig, man war in der Gemeinschaft und wusste genau, dass uns nichts passieren kann.

Das Unerklärliche, das dunkle Geheimnisvolle, übt auf uns Menschen eine eigenartige Faszination aus, so auch die Gruselgeschichte von Mildred Speet – der Angstkick, der uns Gänsehaut beschert, uns Schauer über den Rücken jagt und ein ziemlich grusliges Kopfkino beschert, der ist garantiert. Und das erst recht, wenn man diese Kurzgeschichte vor dem Einschlafen liest, so wie ich.

Eigentlich wünsche ich mir einen kurzen zweiten Teil, in welchem versucht wird, das Unrecht durch ein liebevolles Begräbnis zu heilen, damit die arme Seele zur Ruhe kommt.

Meine Leseempfehlung hat die kleine Minigruselgeschichte, sie hat alles was eine richtige Gruselgeschichte ausmacht.

Heidelinde Penndorf

(Juni 2020)





Mittwoch, 24. Juni 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Abwärtsspirale: Jaspers Weg - Valerie le Fiery & Frank Böhm



Jasper – ein Junge im Dazwischen, der die ganze Wucht des verkorksten Lebens seiner Eltern erfährt und in einem Jahr so viele tiefe Täler durchschreitet wie andere in ihrem ganzen Leben. Ein Junge an der Schwelle zum Erwachsenensein – ein Blatt im Wind, einer, dem die Kindheit beizeiten ausgetrieben wurde und der sich jenseits einer Wohlfühloase auf den Weg macht, um herauszufinden, wer er ist und was er will.

Einer, der sich bewusst wird, dass er anders ist als die meisten Jungen, einer, der auf Jungen steht – immer noch abseits der Gesellschaft im Heute, immer noch belächelt, von manchen geächtet, von manchen ausgenutzt und das während seiner gerade erwachenden Sexualität. Grausam!

Tiefgreifende Erlebnisse, die sein Leben wiederholt auf den Kopf stellen, verkraftet er nicht und er stürzt ab, richtig tief und richtig schlimm, fast bis zur Orientierungslosigkeit und Selbstaufgabe seines Seins. In allerletzter Sekunde geschieht ein unfassbares Wunder.

Was da im Einzelnen passiert, lesen Sie am besten selbst. Ich empfehle das Buch der Leserschaft sehr gerne weiter. Die Handlung des Buchs hat eine wahnsinnig beeindruckende, psychologische, emotionale Tiefe, geht unter die Haut und berührt Themen, die immer aktuell bleiben werden, solange die Menschen kein empathisches weitverzweigtes Miteinander pflegen werden. Und noch etwas – das Cover ist einfach toll, es hat was von James Dean und erzählt schon in Ansätzen Jaspers Geschichte. 

Chapeau Valerie le Fiery & Frank Böhm

Heidelinde Penndorf

(Juni 2020) 






Montag, 22. Juni 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: The Maybe Loop - Alva Furisto



Atemberaubende und dramatische Fortsetzung – Liebe die nur kurzzeitig einen Himmel voller Geigen erklingen lässt und das zart, zauberschön und bittersüß und dann wieder voller zwischenmenschlicher Spannungen daherkommt.

Auf der einen Seite erfährt die Leserschaft eine fantasievolle Leichtigkeit und Sanftheit und auf der anderen Seite dunkle Geheimnisse, Lügen und Versprechen, die fast die Seele brechen. Wir sind mittendrin, in der Ignoranz um die Gefühlswelt der Seele, erfahren die Macht des Wortes, des Geldes und der Öffentlichkeit. ´

Gigantisch, was da abgeht und gegen die Liebe aufgeboten wird. Es scheint sich eine unüberwindbare Barriere aufzutun, wie bei den beiden Königskindern, die nicht zueinander kamen, da das Wasser viel zu tief war und keiner der beiden schwimmen konnte. Tieftraurig.

Sich freischwimmen ist nicht, füreinander einstehen gelingt nicht, jeder bleibt in seiner Welt gefangen.

Ich frage mich auch: ›Ist es überhaupt Liebe, was Mann und Frau hier verbindet? Vielleicht ist es etwas ganz anderes? Vielleicht ist es eine dunkle anziehende emotionale Abhängigkeit, die beide füreinander empfinden?‹ Beide können nicht ohne den anderen, aber auch nicht miteinander.

Oder sind beide vielleicht doch nur zu feige, aus ihrer Welt, mit all den festgelegten Normen auszubrechen, um ihre Zweisamkeit zu leben? Finden Sie es selbst heraus. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter, es ist bestrickend gefühlvoll und sinnlich, absolut nicht kitschig, sondern offenbart die Tiefen, die schönen und die dunklen Seiten des zwischenmenschlichen Miteinanders.

Heidelinde Penndorf

(Juni 2020)



Samstag, 20. Juni 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Ensō: Im Kreis der Liebe - Radka van Bashuisen



Essenz des zweiten Teils von Ensō:

Eine junge Frau, die authentisch rüberkommt, wild und ungestüm. Eine, die das Leben liebt, eine welche die Liebe liebt und genießt und die alles in sich aufsaugt – das Gute und das weniger Gute, daraus lernt und doch nicht an der Vergangenheit festklebt – nicht an der ihrer Eltern und auch nicht ihrer eignen.

Auf der Suche nach dem eigenen entkernten Selbst, Das ist gar nicht so einfach, unter dem Mantel der anerzogenen Konditionierung, in sich hineinzuhören, sich selbst zu entdecken, in all seinen Facetten. Den ganz eignen Lebensweg suchen, kann wundervoll spannend sein, auch verletzend und traurig, auch richtig interessant, stürmisch und schön und immer ist es aufregend. Nie geradlinig, da gibt es zu viele Abzweigungen, zu viele dunkle Wege, die man gehen kann – und gerade die sind es, die den Geist erhellen und einen AHA-Effekt für die Lebenszeit bringen.

Nicht das machen, was alle tun und was von mir erwartet wird. Sondern einfach loslaufen und leben mit allem Drum und Dran – Liebe erleben und Freundschaft fühlen und noch tausendmal mehr an Gefühlen. Seine ganz eignen Erfahrungen machen, sich die Fragen stellen: ›Wer bin ich? Was will ich überhaupt? Was will ich in diesem Augenblick für mich?‹

Fest steht, dass ich mich nicht in eine vorgefertigte Schublade stecken lasse und dann lebe, wie es von mir erwartet wird, denn ICH bin ICH und somit einmalig und ich bin nicht Mama und nicht Papa und auch nicht meine Schwester und meine Großeltern.

Und am Ende schaut man auf sein Leben zurück, ist dankbar für die Wege, die es uns gezeigt hat und erkennt, dass man alles brauchte, das Dunkle, das Helle, das Frohe, das Glücklichsein und auch die Traurigkeit – dadurch ist man der Mensch geworden, der man ist. Abgeklärt und wenn alles gut ging, zufrieden und in sich ruhend und kann sich, so wie im Buch, dann ins Nirwana begeben, ausruhen, und sich später dann einen neuen Menschen suchen, zu welchem meine Seele passt, um wieder zu lernen, zu lieben und manchmal auch zu leiden – Erfahrungen sammeln eben.

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter, es ist eine bemerkenswerte, interessante, autobiografische und sehr lebendige Story, welche, wie schon im ersten Teil geschehen, die buddhistischen Weisheiten berühren. 

Heidelinde Penndorf

(Juni 2020)





Freitag, 19. Juni 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Erotische Miniaturen und Kurzgeschichten - Franck Sezelli & Franka Maria Monte & Illustrationen von Armgard Röhl



Frech, witzig, prickelnd, erotisch und sexy kommt das erste gemeinsame Buch des Geschwisterpaares daher. Es besticht in seiner Offenheit, zaubert mit frechen Dirty Talk-Einlagen ein buntes Kopfkino, und verpasst dem Gehirn noch einen fantasievollen Kick mit lyrischen Bonbons der besonderen Art. Die Illustrationen der Berliner Künstlerin Armgard Röhl unterstreichen auf wunderbare Weise die erotischen Geschichten und Gedichte und bilden eine feine Kulisse. Das Cover ist einfach fantastisch und erzählt schon allein eine Geschichte - insgesamt einfach herrlich anziehend, ausziehend erotisch.

Es ist ein Buch für Genießer, Träumer, Neugierige und Liebhaber erotischer Literatur, aber auch für die Leserschaft, die im Herzen jung ist und ein erotisches Miteinander immer noch schätzt.

Heidelinde Penndorf

(Juni 2020)





Dienstag, 16. Juni 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Nie im Leben: Auf der Suche nach Glück - Lutz Spilker



Stellen Sie sich vor, sie können gleichzeitig mit Mozart, da Vinci und Shakespeare durch die Zeit reisen, um herauszufinden, was Glück eigentlich ist. Einfach fantastisch, denn dieses Buch lädt sie dazu ein. Sie erleben mit den dreien eine abenteuerliche Zeitreise, in der sie weiteren historischen Persönlichkeiten begegnen und treten auf höherer geistiger Ebene sogar mental in Kontakt mit Konfuzius. Und am Ende des Romans machen sie eine einmalige Erfahrung – die fiktive Welt begegnet der heutigen realen Welt und gibt ein kleines Geheimnis preis, über welches sie genauso erstaunt sein werden, wie die Protagonisten.

Ich empfehle der Leserschaft das Buch sehr gerne weiter. Es ist tiefsinnige Lektüre. Sie erleben eine kleine sehr lebendige, aufregende und abwechslungsreiche Philosophiestunde über das Glück. Manchmal amüsant, manchmal nachdenklich und oft mit ernsten Nuancen. Interessant, genial, abenteuerlich und lehrreich, was in diesem kleinen Historical-Fantasy-Roman alles passiert, um dem Glück auf die Spur zu kommen. Finden Sie heraus, ob es für Sie persönlich einige Fragen über das Glück beantworten kann.

Heidelinde Penndorf

(Juni 2020)





Samstag, 6. Juni 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Kindheitshölle: Vom Vater verprügelt und missbraucht - Marie A. Böhm



Die Autorin sieht sich als therapeutische Erinnerungsarbeiterin, die schwierige Lebensthemen, insbesondere von Frauen, aufgreift und öffentlich macht – so auch die Kindheitserinnerungen Susannes

Sexueller Missbrauch – in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabu-Thema, bis es in die Öffentlichkeit gelangt. Deshalb ist es gut und richtig, dass immer mehr Opfer öffentlich sich ihrer ganz eigenen, persönlichen, biografischen Geschichte stellen, darüber berichten und Autorinnen und Autoren darüber schreiben.

Maria A.Böhm ist in diesem Buch die schriftliche Stimme von Susanne. Die grenzenlose, verbale Offenheit des Buchs hat mich geschockt. Ein Mann, der nie empathisch begriffen hat, was es bedeutet, Vater zu sein – einer, der seine erwachsene Überlegenheit ausgereizt hat bis zum Äußersten und seine psychische und physische Stärke benutzte, um seine Tochter Susanne zu demütigen – einfach zum Erbrechen gewissenlos, erbarmungslos. Und dann dazu noch die Mutter, die ihr Kind nicht schützte, die wegschaute und das jeden Tag aufs Neue und ihre Tochter sogar der Lüge bezichtigte.

Ich kann nicht beurteilen, ob es diese Susanne wirklich gibt, oder ob es eine fiktive Person ist, die für viele Missbrauchsopfer steht. Schockierend für mich, ist diese Brutalität, die da beschrieben wird und auch die genauen Handlungsbeschreibungen des Täters, gegenüber seines Opfers.

Es ist nicht das erste Buch, welches ich über dieses Thema lese und dadurch weiß ich, dass man als Missbrauchsopfer, diese Einzelheiten höchstwahrscheinlich für immer im Gedächtnis behält. Das ist erschütternd, zeigt es doch, wie groß die seelische Wunde der Betroffenen ist.
Eigene Recherche 
In diesem Buch kommt hinzu, dass der Missbrauch in der ehemaligen DDR begangen wurde. Sexueller Missbrauch fand in der DDR statistisch gesehen nicht statt, deshalb ist es auch so schwierig, dass die Opfer heutzutage anerkannt werden und Unterstützung bekommen. Es ist zwar möglich, einen Opferentschädigungs-Antrag zu stellen, doch das gilt regelhaft nur für die Fälle, die nach 1990 stattgefunden haben. Die Arbeit zwei anderer Fonds, in welcher die Sachlagen teils berücksichtigt worden waren, wurden 2018 eingestellt.
Ich empfehle das Buch gerne nervenstarken Lesern weiter – mit einem persönlicher Hinweis – der Inhalt des Buchs könnte sich psychisch als Trigger erweisen und einen Flashback bei Betroffenen auslösen.

Heidelinde Penndorf

(Juni 2020)




Mittwoch, 3. Juni 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Mein Weg aus dem Trauma - Christine Striebel



Dieses Buch hat mich sehr berührt, es ist einfach anders, als die bisherigen, die ich über das Thema Missbrauch gelesen habe. Die Autorin gibt der Tat, dem Täter und dessen Mitwissern (Mittätern) wenig Raum. Das Buch wird davon nicht beherrscht, denn sie kommen nur am Rande vor – dann, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt.

Der Autorin geht es darum, ihren Weg aufzuzeigen, der sie aus diesem Trauma und der damit verbundenen PTBS heraus, und hin zu einem neuen, würdevollen und glücklichen Lebensbeginn führte. 

Doch dazwischen liegen viele Jahre angefüllt mit Tränen, Depressionen und die labile Psyche der Autorin beeinflusste im großen Maße auch ihre physische Gesundheit. Die Leserschaft erfährt, wie der Missbrauch Jahrzehnte ihr Denken, Fühlen, ihr Handeln, ja ihr ganzes Leben beeinflusste und auch die zwischenmenschliche Liebe nicht vermochte, ihre Seele zu heilen.

Erst mit 58 Jahren fand sie für sich die Therapie, die ihr wirklich half, ihr Leben neu auszurichten. Den Weg, den sie nun mit Hilfe ihrer Therapeutin einschlug, er war nicht einfach, manchmal holprig und manchmal machte sie im Bewusstsein, zwei Schritte nach vorn und wieder einen zurück – aber vorwärts ging es irgendwie immer. Die Autorin hat durch diese Therapie eine neue Wirklichkeit für sich erarbeiten können, eine mit der es ihr gut geht.

Nicht mehr nur auf ihre Persönlichkeit fixiert, erkannte sie, wie schwierig die ganze Situation, über viele Jahre hinweg auch für ihren Partner gewesen war. Handlungsorientiert, um einander zu helfen, sich gegenseitig auch zu stärken, nahmen beide eine Paartherapie wahr. Und das war gut und richtig so, sie konnten immer besser in die Seele des anderen blicken und ihre positiven Gefühle zueinander, ihre gegenseitige Achtung und Liebe wieder auf sichere Füße stellen. Beide Therapien im gleichen Zeitraum durchzuziehen, war noch einmal eine ganz besondere Herausforderung für die Autorin.

Ich empfehle das Buch der Leserschaft sehr gerne weiter. Christine Striebel malt mit der Beschreibung ihrer Therapieabläufe, speziell des imaginären sicheren Ortes in ihrer Seele, Bilder jeder Farbschattierungen in den Kopf der Leserschaft – düstere, helle, bunte, leichte, lustige schwere, traurige und fröhliche. Beeindruckend und ausdrucksstark. Da ist im Gegensatz des erlebten Traumas eine Leichtigkeit zu spüren – man merkt, dass die Autorin in sich ruht, und genau das ist es, was das Buch so lebendig macht und womit es ihr gelingt, die Leserschaft in ihren Bann zu ziehen und anderen Betroffenen Mut und Hoffnung zu geben. Im Buch ist therapeutisches Fachwissen ebenso zu Hause wie persönliche Erfahrungswerte, deshalb ist es für Betroffene und Therapeuten gleichermaßen interessant, und auch eine Bereicherung für alle Leserinnen und Leser.

Heidelinde Penndorf

(Juni 2020)








Freitag, 29. Mai 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Das dreizehnte Amulett: Im Bann des Drachensteins (Galduron Saga 2) - Arthur Gustav Steyn



Die Handlung des Buchs beginnt zwei Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils. Chaos und Anarchie haben sich auf der Erde breit gemacht. Der Überlebenskampf ums Dasein hat begonnen, wobei im großen Maße die Überlegenheit des Stärkeren überwiegt und die anderen sich dem beugen, freiwillig und unfreiwillig. Mitten in diesem organisierten Durcheinander lernen wir Joschua, einen jungen IT-Spezialisten mit seinem ziemlich traurigen Lebensweg kennen. Hinzu kommt noch eine große Gruppe Antagonisten und eine Gruppe Optimisten, die das Land wieder aufbauen wollen – alle befinden sich im unmittelbaren soziale Handlungsumfeld Joschuas.

Und dann endlich, im zweiten Kapitel ist Oliver zusammen mit den guten Wesen der Anderswelt, wieder Teil der Handlung. Im Fortschreiten des Geschehens wurde immer deutlicher, dass Joschua im Kampf zwischen Gut und Böse eine Schlüsselrolle innehat. Ihm ist das gar nicht so bewusst und charakterlich noch nicht so gefestigt, schwankt er manchmal wie ein Halm im Wind.

Er und das 13. Amulett, welches ihm anvertraut wurde – diese stumme mentale Zwiesprache zwischen beiden, dieser stille, innere, bewegende und nachvollziehbare Kampf um Vernunft und dem Erliegen der magischen Anziehungskraft des Amuletts – eindrucksvoll beschrieben.

Die Geschichte ist fantasiereich, spannend, temperamentvoll und abwechslungsreich. Erst zum Schluss der Handlung entscheidet sich, ob das Gute oder Böse obsiegt.

Manches im Buch hätte ich mir ausführlicher gewünscht, grade was den Hintergrund einiger Charaktere betrifft, sowie einiges mehr über Olivers Sohn, da in ihm ja ein fremder magischer Geist zu Hause ist.

Ich empfehle Ihnen sehr gerne auch den zweiten Teil dieser Fantasy Saga, ist eigentlich ein Muss, wenn man den ersten Teil gelesen hat. Der Autor hat es verstanden, Spannung und Abenteuer innerhalb des Kampfes von GUT und BÖSE gekonnt in Szene zu setzen

Der für mich wichtigste Satz im Buch: »Gib acht, was es mit diesem ewigen Gut und Böse auf sich hat. Du bist selbst nur ein Werkzeug.«

Heidelinde Penndorf

(Mai 2020)




Im Video stellt der Autor sich und seine Galduron Saga vor

Medien


Montag, 25. Mai 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Taleán: Die Stadt der Diebe (Emberton und Taleán 2) - Emilia Cedwig



Wenn die reale Welt im Chaos zu versinken droht, man nicht mehr weiß, was oben und unten, rechts und links und richtig und falsch ist, dann sollte man sich entschleunigen und mal abtauchen, sich einen Rückzugsort schaffen.

Ich habe einen solchen gefunden. Die geniale wundervolle Welt von ››Emberton und Taleán‹‹ – ein Märchen in Reihe, für Erwachsene – geschaffen von zwei Autorinnen, die unter dem Pseudonym ›Emilia Cedwig‹ schreiben.

Die beiden haben sich mit diesem zweiten Teil selbst übertroffenen – berauschend schön, spannend und einfach zauberhaft geschrieben. Schwarze und weiße Magie ringen miteinander und manchmal ist es gar nicht so einfach, sich der magischen verführerischen Anziehungskraft des Bösen zu entziehen. Fast wie im richtigen Leben kommt es mit einer undurchdringlichen Maske der Freundlichkeit daher.

Ein wahrhaftiger Zauber, der dieses Märchen durchzieht und ein Kopfkino par excellence entführt die Leserschaft in eine fantastische Welt, in welcher ihnen Seelenlose, Gnome, Zwerge, Gestaltwandler, Elfen, Kämpfer, magische Maler, undurchdringliche Zaubernebel und Maskenträger der unterschiedlichsten Art begegnen.

Ich empfehle das Buch sehr gern weiter, tauchen Sie ab in eine Welt, die Sie für die Momente der Lesezeit, in ein zauberhaftes Reich der Fantasie entführt. Die Story ist spannend und sehr lebendig. Sie lernen sehr charismatische Charaktere kennen, können lachen und auch manchmal weinen und erfahren, ob das Gute obsiegt.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2020)






Donnerstag, 21. Mai 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Eisiger Kerker: Kanada-Krimi - Bernadette Calonego



Der Background des neuen Kanada-Krimis der Autorin bildet diesmal ein fiktiver Ort im Süden Labradors. Die intensive bildhafte Schreibweise führt uns in die wilde arktische Eiswüste dieses kanadischen Landstrichs und verzaubert mit wundervollen Bildern im Kopf – doch nicht nur das, manchmal konnte ich die arktische Kälte, die eisige Luft richtig spüren und das verzauberte Glitzern der Sonne des eisüberzogenen Ozeans flimmernd wahrnehmen – exzellent gelungen, dieses Kopfkino. Mit tiefgründigen eingeflochtenen Informationen bringt uns Bernadette Calonego die Lebensweise der Inuit nahe, beschreibt im Geschehen ihr zwischenmenschliches empathisches Miteinander, schildert die Tücken der Arbeitslosigkeit in diesem dünn besiedelten Gebiet, teils auch die Sitten und Gebräuche der Inuit und so manche amüsante Eigenheit des nachbarschaftlichen Zusammenlebens.

Fasziniert hat mich das sensible Hintergrundthema dieses Krimis – die soziale und berufliche Reintegration nach einer Hirnverletzung – betrifft hier die Polizeidetektivin Calista Gates – jung, willensstark, ehrgeizig, ausgestattet mit einem feinen Ermittlungsgespür und außerdem eine ausgezeichnete Profilerin. Strafversetzt, denkt sie sich, als sie in die Eiswüste Labradors versetzt wird, um sich beruflich zu bewähren. Dem ist nur am Rande so, denn sie ist eine von außen, eine die einen anderen Draufblick auf die laufenden Ermittlungsarbeiten eines grausigen Tötungsdelikts hat und nicht ins Landleben des Tatorts involviert ist – das ist ihr Vorteil, der manchmal auch zum Nachteil gereicht. Insgesamt kompliziert, ideenreich und im Fortschreiten der Handlung sehr interessant und überaus spannungsreich entwickelt sich die Story. Immer wieder gibt es neue Verwicklungen, Irrungen und Wirrungen, auch zwei neue Morde und kluge Täuschungsdelikte.

Es ist ein psychologisch dichter Krimi mit starken lebendigen Charakteren, gebrochenen Lebensbiografien, zerplatzen Träumen und Hoffnungen und Protagonisten, die nach neuen Lebenswegen suchen und anderen, die sich in scheinbarer Ausweglosigkeit in eine sinnfreie Täterschaft hineinbegeben. Gut gelungen finde ich die zwei wechselnden Erzählperspektiven – einmal die personale Ich-Erzählerin in der Rolle der Polizeidetektivin Calista Gates und die der auktorialen Erzählweise. So erfährt die Leserschaft viel über das Innenleben sämtlicher Protagonisten und Antagonisten, lernt deren Denk- und Handlungsweise kennen und vieles andere mehr.

Die Handlung bleibt aufregend und lebendig bis zum Schluss und der ist ziemlich überraschend und so gestaltet, dass ich denke, dass wir bald Neues von der sympathischen Polizeidetektivin Calista Gates lesen werden.

Ich empfehle das Buch sehr gerne der Leserschaft weiter.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2020)





Mittwoch, 20. Mai 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Abenteuer in den Wunderwelten - Lina George



Vom Thriller zum Kinderbuch – was für ein Genrewechsel - ist ja auch ein kompletter Schreibstilwechsel, sicher nicht einfach, dafür aber sehr gut gelungen. Lina George überrascht. Sie schreibt ein modernes Märchen für Leserinnen und Leser ab dem 12. Lebensjahr. Es ist eine Geschichte voller Magie und Abendteuer, in welcher das Portal zur Menschenwelt und der Wunderwelten offensteht und auf beiden Seiten das Gute und Böse miteinander ringen und es zu außergewöhnlichen Ereignissen in der Menschenwelt führt. Kinder verschwinden, Kobolde treiben in unserer Welt ihr lustiges Unwesen, eine Hexe vernebelt den Menschen den Verstand und der Weihnachtsmann schwebt in Gefahr. Eine tolle und originelle Geschichte mit einem fantastischen Finale, liebevoll und voller bunter Kreativität aufgeschrieben. Chapeau Lina George, richtig gut gelungen. Das Cover, designt von Tom Jay, hat etwas anziehend Märchenhaftes und ergänzt zusammen mit den Bildern im Buch die zauberschöne Geschichte. Abenteuer erleben – das kann man mit diesem Buch ganz sicher, denn es ist Kopfkino in bester Qualität.

Ich empfehle das Buch sehr gerne allen Kindern ab dem 12 Lebensjahr und auch allen Leserinnen und Lesern, die an die große Kraft der Freundschaft, der Liebe und an Wunder glauben – also der Leserschaft, die im Herzen jung sind.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2020)







Dienstag, 19. Mai 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Klingeltod und Kaiserschmarrn: Alpenkrimi - Kate Delore



Ein amüsanter Krimi mit bayrischem Lokalkolorit, geheimnisumwitterten lebendigen Charakteren und ernsten Hintergründen. Kate Delore rennt jedoch durch die Handlung. Zu schnelle Perspektiv/Szenenwechsel, erschweren der Leserschaft den Durchblick in den einzelnen Handlungssträngen. Die Hintergrundideen: ›militanterTierschutz, gesetzwidrige Eizellen-Entnahme, illegale Genetik-Forschung zur Änderung unseres Essverhaltens‹ - alles Themen, die ein hohes Potential haben. Schade, dass das nicht voll ausgeschöpft wurde. Der Schreibstil der Autorin ist ansonsten flüssig und sehr bildhaft, wenn es um lustige Szenen geht. Oma Birnbaum sorgte bei mir für so manchen Lacher und die Polizisten hätte ich gerne ab und an zu ihrer Arbeit geschubst, doch am Ende der Handlung, waren sie sehr rührig. Das bayrische Glossar des Buchs, finde ich richtig gut und das Rezept des legendären Kaiserschmarrns, werde ich sicher ausprobieren.

Nette Unterhaltung zur Entspannung für zwischendurch.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2020)








Montag, 18. Mai 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Mahatra - Franziska Oertel



Das ist einfach unglaublich – da schreibt die Autorin eine Geschichte nieder, die einer Heiligenlegende gleicht. Sie verzaubert mit ihrer spirituellen anmutigen lyrischen Sprache und führt die Leserschaft in eine mystische altindische Welt voller Geheimnisse. Und doch ist es kein einfaches Buch, denn das Thema ist ein ganz Großes – es geht um Selbstfindung, um das Gute und Böse in uns allen, um Neid, Missgunst, Gier, Hass und um gegenseitige Achtung und Respekt, es geht auch um Glaubensfragen und letztendlich um die Liebe, die die Menschheit eigentlich vereinen soll. Mahatra – ein Auserwählter, ein Weltenretter, der die die Welt von allem Bösen befreien soll, erfährt eine tief durchdringende aufwühlende innere Wandlung. Die Handlung ist ein dramatischer kathartischer (reinigender) Prozess seines ICHS. Am Ende steht die stoische Lebenshaltung des Auserwählten, der im Einklang mit sich selbst, den Sinn seines Daseins erkennt.

Die Autorin selbst schreibt: ››Eine Legende für alle, die sich durch das Gelesene wirklich verändern lassen wollen.‹‹ Genau aus diesem Grund ist das Buch empfehlenswert.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2020)





Montag, 4. Mai 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Ein starkes Stück - Reimer Boy Eilers



Originelle Einfälle, und die eigenwillige Schreibweise des Autors zeichnen diese Kurzgeschichten aus. Sie sind durchweg gekennzeichnet von der dunklen Seite des Lebens, eine von der die Menschen nicht gerne selbst berichten.

Die Storys erzählen vom eingefahrenen Alltagstrott, Lebensmüdigkeit, situationsbedingter Hilflosigkeit und Überforderung, sie erzählen auch von menschlichen Eitelkeiten, Mord, Selbstmord, Eifersucht, Hass, Rache, Schuld und Sühne und Gleichgültigkeit – ganz dunkle Gefühlswelten, die da rüberkommen. Absonderliche Lebensgestaltungen sind hier die Regel und nicht die Ausnahme. Oftmals sind es introvertierte Charaktere, denen irgendwann in Ausnahmesituationen alles zu viel wird und sie dann überreagieren.

Jedoch ist da auch eine Kleeblatt-Story dabei – ein Glücksbringer – ich vermute, ein Prokurist, der nach seiner Entlassung sich die Menschen auf der Straße anschaut, sieht wie sie beschaffen sind, sich dann den ein oder anderen aussucht und sie mit dem Geld eingelöster Firmenschecks beschenkt. Das ist meine Lieblingskurzgeschichte.

Eine andere ist das Essay im Buch, da stellt Reimer Boy Eilers Märchen und Krimis gegenüber, vergleicht das Wirkliche mit dem Unwirklichen, das Wahrscheinliche mit dem Unwahrscheinlichen und wie es unserer Seele damit geht. Wir erfahren auch, welche Gemeinsamkeiten zwischen dem modernen Krimi und der Märchenwelt besteht – Magie ist hier das Zauberwort.

Das Ganze ist abwechslungsreich untermalt mit schwarzem Humor, geschliffener tiefsinniger und manchmal diabolischer Ironie – und eines ist sicher, ich werde nie schwarzen Mehlpudding essen :).

Ich empfehle das Buch sehr gerne allen Fans skurriler Kurzgeschichten weiter, weil die so ganz anders sind und Einblicke vermitteln, die sonst im Verborgenen bleiben.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2019)