Donnerstag, 12. Juli 2018

*Neue Leseempfehlung*: Der Psi-Effekt - 6:42 Uhr und Der Overview-Effekt - 6:42 Uhr - Alva Furisto



Eine Wahnsinnsgeschichte, so unwahrscheinlich, dass sie grad deshalb wahr sein könnte.

Die Bücher, erster und zweiter Teil, sind eine Einheit und wären meines Erachtens, ein Bestseller, wenn man die Kriterien am Inhalt und nicht an den Verkaufszahlen festzurren würde.

Um was geht es in dieser Story?

Es ist eine Geschichte, um die Ambivalenz der gesellschaftlichen, politischen, kirchlichen und finanziellen Macht – Ihr Stellungsgefüge im 21. Jahrhundert. Es geht um die zwei Seiten der Macht und um die Frage einer modernen, düsteren Weltherrschaft, unter Einbeziehung der globalen IT-Infrastruktur und der Nutzung des Algorithmus.

Die Geschichte ist ein Narrativ, welches das momentane globale Gefüge fast deckungsgleich widerspiegelt und die Ängste, Nöte und auch indirekt, die Auswirkungen des Klimawandels und der geopolitischen Macht, rigoros zeigt. Die Handlung versinnbildlicht auch, welche zerstörerische Macht Terroranschläge haben und welche negativen, globalen Auswirkungen narzisstische Machtbesessenheit hervorbringt. Das Buch ist sozusagen ein Gradmesser unseres gegenwärtigen Zeitkolorits und es ist auch ein Indikator unserer Gesellschaft. Darüber hinaus, hat es die Autorin verstanden, eine besondere, bemerkenswert interessante und spannende Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, in welcher die Leserschaft, überaus lebendige, charismatische Protagonisten findet – und zwar auf beiden Seiten – der guten und der bösen. Es ist auch eine Geschichte, die an Beispielen aufzeigt, warum sich Menschen eine Maske aufsetzen, um ihre wahre Persönlichkeit zu verstecken. Und es ist eine Story, in der geliebt, gelacht, geweint, gehasst, geneidet, verletzt, gestorben und getötet wird, und in welcher unsere inneren Ängste und Emotionen an die Oberfläche gelangen. All das macht ein Bestseller aus.

Alva Furisto schreibt sehr lebendig, zeichnet ihre Protagonisten so, dass sie der Leserschaft existent sind. Die Handlung ist sehr interessant, faszinierend, abwechslungsreich, vermittelt auch Wissen und hat einen hohen Spannungsbogen von Anfang bis Ende. Man wird als Leser direkt in die Handlung hineingezogen, kann nicht aufhören zu lesen, vergisst alles andere ringsum.

Verwendete Bibelsprüche, als Metaphern, zur Ist-Situation unseres Planeten und des menschlichen Miteinanders, verleihen dem Inhalt eine brillante Würze. Echt Wahnsinn, wie viel da passt! Grandios auch die kurze Beschreibung des Overview-Effekts – ein Blick auf unsere Erde aus dem All – welcher das Denken und Handeln der Menschen positiv verändert, und mit Liebe zu unserem Planeten erfüllt. Die Autorin führt die Leserschaft, fast am Ende der Handlung, zu einem Ausweg aus unserer jetzigen globalen Situation – die Leser müssen nur dazu bereit sein. dies zu erkennen und zu nutzen.

Chapeau Alva Furisto!

Meine Leseempfehlung: Lesen Sie beide Teile, es ist ein spannendes, nachdenkenswertes, interessantes und aufregendes Lesevergnügen, welches Langzeitwirkung hat.

Heidelinde Penndorf












Dienstag, 26. Juni 2018

*Neue Lesempfehlung*: Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« und »Einladung zum Klassentreffen«: Zwei Theaterstücke - Martin Schörle



Ich habe ewig keine Theaterstücke mehr gelesen. Die letzten waren Macbeth, Romeo und Julia von William Shakespeare und Faust von Johann Wolfgang von Goethe. Deshalb war ich sehr neugierig auf das Buch von Martin Schörle. Obwohl neuzeitlich, wurde ich nicht enttäuscht. Der satirische kabaretteske Monolog – das eigentümliche Gedankenwirrwarr des Beamten Hans Fredenbek, ist einfach köstlich, hat mich schmunzeln und lachen lassen. Die Radiergummimetapher ist richtig gut gelungen, auch sein Urlaubsaufenthalt in Italien – einmalig gut, so auch die anderen Episoden des Vollblutbeamten. Das muss man erst einmal spielen können, hab ich so gedacht – so trocken humorvoll und unterhaltend. Hatte Kopfkino und sah die karge Bühnengestaltung in Form der Büroeinrichtung des Vollblutbeamten und ihn – Herrn Fredenbek – direkt vor mir. Gut geschrieben!

Auch das zweite Theaterstück »Einladung zum Klassentreffen«, hat mir sehr gefallen. Diese Missverständnisse, die beim Telefonieren entstehen, weil Mimik und Gestik fehlen – richtig gut rüber gebracht. Zwei Leben, deren Verbindungen, deren Hohen und Tiefen – Freud und Leid – in einem Telefonat erzählt, sogar mit Rückblenden, unter Einbezug einer Therapeutin – eine gute Idee und genial umgesetzt. Die verhaltende Neugier der Fahrgäste, deren Anteilnahme, die zwischenmenschlichen Gefühle, die da rüber kommen und die Identifizierung mit Marina und Carsten, den beiden Gesprächspartnern am Telefon, brillant gelungen – wobei die Fahrgäste sich ja den Teil des Gesprächs, welches vom Gesprächspartner Carsten ausging – fantasievoll aus den Antworten Marinas zusammenstellen mussten. Witzig finde ich auch, das aufschlussreiche Ende des zweiten Theaterstücks.

Tragik, Situationskomik, Zweideutigkeiten, empathische Wertegefühle, Wortwitz und Satire, kommen in beiden Theaterstücken nicht zu kurz und führen auch durch den Schreibstil des Autors, zu einem charmanten, lustigen und auch nachdenklichem Lesevergnügen.

Ich empfehle das kleine Büchlein sehr gern weiter, an jene Leserschaft, die mal auf andere Art und Weise, nachempfundene Lebensgeschichten lesen möchten.

Heidelinde Penndorf








Donnerstag, 21. Juni 2018

*Neue Leseempfehlung*: Mordflüsterer - Thriller - Fiona Limar


Das Buch ist der Hammer. Die Handlung hat alle Elemente eines Psychothrillers. Fiona Limar ist es exzellent gut gelungen, in dem Täterprofil, welches während der Handlung Gestalt annimmt, die instabilen, narzisstischen und übersteigerten egomanischen Züge eines Psychopathen aufzuzeigen.

Die Leserschaft erkennt, dass eine antisoziale Persönlichkeit, sehr wohl in der Lage ist, die Gefühle der Menschen zu erkennen, sie aber nutzt, um seine potenziellen Opfer, zu manipulieren und zu täuschen, Was dabei im Endeffekt mit ihnen passiert, ist solch einer Person, völlig gleichgültig. Hier in diesem Fall, sind es fehlgeleitete Gefühle - Neid, Missgunst, Hass – die zu mehreren Katastrophen führen.

Die Opfer sind ausgesuchte Menschen, mit einer instabilen Psyche und sie sind nur Mittel zum Zweck, denn das eigentliche Opfer ist Britta – sie soll psychisch leiden, alles verlieren, was ihr lieb ist – ihre Zulassung als Psychologin, ihre Tochter, Freunde und ihr Heim. Warum? Das lesen Sie am besten selbst, es ist lohnend!

Die lebendige Handlung, die interessanten Charaktere der Protagonisten, eingebaute Überraschungseffekte, das Spiel der Gefühle, die eigne Wahrnehmung und Interpretation der Handlung, all das sorgt für Nervenkitzel und Spannung, auf hohem Niveau. Ich bin beeindruckt und empfehle das Buch sehr gern weiter – ein spannendes packendes und mitreißendes Lesevergnügen!

Heidelinde Penndorf





Mittwoch, 13. Juni 2018

*Neue Leseempfehlung*: Nytrax: Das Phönixsiegel - Andrew C. Fox



Die Geschichte ist gut, sehr gut sogar, sie hat etwas von Tolkiens »Herr der Ringe«, Roland Emmerichs »Stargate«, auch etwas von Cornelia Funkes »Tintenherz« und ist doch so ganz anders. Sie besitzt das ganz gewisse eigne ›Etwas‹, welches die Leserschaft in ihren Bann zieht – tiefgründig und vielschichtig eben, à la Andrew C. Fox.

Es ist eine Reise zwischen Zeit und Raum und berührt damit die Relativitätstheorie Einsteins. Eine Geschichte von Archetypen, des inneren Werdens und Reifens, eine Geschichte des menschlichen Egos, welches immer wieder an seine engen Grenzen stößt und es zwingend, durch diverse Gefahren, vom ICH zum WIR geführt wird.

Es ist auch eine Geschichte fremder, fantasievoller Welten, die von geheimnisvollen Schattenwesen, feenartigen Zeitenwächtern, Sehern, Drachen, seelenlosen Körpern und entmachteten grausamen Herrschern, erzählt – eine Geschichte in der das Gute gegen das Böse ankämpft, in der fast jeder ein Geheimnis mit sich führt, aus vergangenen Zeiten, oder seines existenten gegenwärtigen ICHS und es ist eine Geschichte des sich Findens in einer Gemeinschaft, in welcher einer dem anderen zur Seite steht, um die Menschheit zu retten – wieder vom Dunkeln des Erdinneren, ins Licht zu führen.

Die Geschichte um Nytrax, dem 16-jährigem ›Erlöser‹ und seinem Team, ist faszinierend, interessant, und überaus spannend, sie hat meines Erachtens mythischen Charakter und stellt Bücher – als Wissensschatz – in den Mittelpunkt, beschäftigt sich auch mit dem Unterbewusstsein, unseren tiefsten Ängsten, Träumen und Hoffnungen.

Andrew C. Fox Schreibstil ist sehr lebendig, flüssig und intensiv gefühlvoll, die Charaktere sind illustrativ gut gezeichnet, der Spannungsbogen enorm hoch, flacht nie ab – Kopfkino pur!

Das Cover des Buchs ist eine Augenweide und unterstreicht den Buchinhalt auf künstlerische Weise. Ich freue mich auf die Fortsetzung der Geschichte und empfehle das Buch sehr gern, denn es ist ein lohnendes, überaus spannendes und abwechslungsreiches Lesevergnügen.

Heidelinde Penndorf







Freitag, 8. Juni 2018

*Neue Leseempfehlung*: Der Zauber einer Eisnacht - Emilia Cedwig



Was für ein wundervolles zauberhaftes Märchen. Jede einzelne Figur, die Handlung, die Natur und Gebäude so toll beschrieben, dass die Bilder im Kopf sehr lebendig werden – Kopfkino par excellence!

Ein Märchen für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, die im Geiste jung, eine Geschichte zum Wegträumen, hinein in eine glitzernde fantastische Fantasiewelt. Eine Geschichte, die vom wachsenden Selbstvertrauen und Liebe erzählt, auch vom Gleichgewicht der Natur, der Ausgewogenheit der Macht und Gerechtigkeit. Eine Geschichte um vergangene Kriege, der Stabilität des Friedens und der Ausgeglichenheit der Länder – weil jeder Herrscher seines Reichs, sich ein Stück weit zurücknimmt, manchmal zwar nur gezwungenermaßen, aber immerhin tun sie es. 

Die Geschichte ist echt zauberschön, sie könnte verfilmt, zu Weihnachten, vielen Menschen Freude bereiten – ähnlich, wie »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel«.

Ich empfehle das Buch sehr gern – Lesestoff voller Zauber und Wunder, für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Heidelinde Penndorf






Dienstag, 5. Juni 2018

*Neue Leseempfehlung*: Deichkind - Krimi - Moriz Boll


Der Schreibstil des Autors ist zwar aufmerksamkeitsfordernd, aber auch sehr eloquent und detailverliebt. Das ummantelt die Handlung mit einem faszinierendem Lokalkolorit, der die Lebensweise der Menschen in Nordfriesland einbezieht, aber auch gleichwohl das Mystische dieses besonderen Landstriches und des Geburtsortes/sozialen Lebensumfelds Theodor Storms, bildhaft rüberbringt.

Genial auch, wie Moriz Boll seine Gourmet-Gaumenfreuden der nordfriesischen Küche, den beiden Hauptprotagonisten, Hannah und Holk, angedeihen lässt und die beiden diese exklusive Küche genießen dürfen. Boll ist unter anderem der Haute Couture sehr zugetan und kleidet den größten Teil seiner Protagonisten dementsprechend ein – Kopfkino pur. Aber nicht nur da! Genauso spitzenmäßig ist der Einsatz der Ermittlungs-Flipchart im Buch, die Holk in seinem Laptop anlegt und der Leserschaft, in einigen Buchseiten zur Kenntnis gebracht wird.. Brillant auch seine Verknüpfungen sozial-politischer/kirchlicher Kritikpunkte der Nachkriegszeit, bis hinein in die Gegenwart – klar und deutlich gezeichnet, manchmal auch überzeichnet, damit die Leserschaft aufmerksam bleibt.

Hannah und Holk - die Hobbydetektive – ein apartes Pärchen,welches der Autor da geschaffen hat – charmant, charismatisch, sexy und auch ab und an einem Flirt und explizit Holk, einer Liaison nicht abgeneigt. Die Leser dürfen gespannt sein.

Kinder der Nachkriegszeit, die keiner wollte, die aufs Land abgeschoben wurden, die »Schwarze Pädagogik« dieses Zeitkolorits, ihre Ausuferungen und Ausschweifungen und die damit verbundene falsche Sozialisation – die daraus resultierenden posttraumatischen Belastungsstörungen, die im Verborgenen gedeihen und wuchern – ein Psychogramm – welches unter gegebenen Umständen, zum auslösenden Handeln wird, in welchem Opfer gleich Täter und Täter gleich Opfer sind.

Die ganze Handlung insgesamt, engmaschig mit dem friesischen Nationalsport »Boßeln« zu verbinden, ist gut gelungen. Ich gestehe, ich musste nachfragen und auch die Suchmaschine des Internets bemühen – ich weiß jetzt, was »Boßeln« ist.

Finden Sie, liebe Leserschaft es ebenfalls heraus und lesen Sie, warum die Urlauber aus Frankfurt - Hannah und Holk - plötzlich zu Hobbydetektiven werden und Hannah persönlich in Gefahr gerät. Finden Sie auch heraus, welch typisches Merkmal »Deichkind«, von Moriz Boll und »Der Schimmelreiter«, von Theodor Storm, gemeinsam haben. 

Lesen Sie das Buch, denn es ist ein illustres, nicht alltägliches Lesevergnügen, hinter all die Geheimnisse zu kommen und deren Auflösungen mitzuerleben. Ich empfehle das Buch sehr gern, allen Fans der Friesenkrimis, aber nicht nur denen, denn es ist kurzweilig, spannend und unterhaltend – deshalb ist »Deichkind« ein Buch für alle Krimi-Liebhaber und solche die es werden wollen.

Heidelinde Penndorf




Dienstag, 29. Mai 2018

*Neue Leseempfehlung*: Tränen gibt es überall - R.D.V. Heldt



Eine Geschichte, die mich alles ringsum vergessen ließ, und die Gegenwart total ausblendete. Dafür sorgte unter anderem auch der Schreibstil der Autorin – es war, als wenn ich das Tagebuch einer lieben Freundin las. Eine Geschichte, die unter die Haut geht, die mich gefesselt hat, von der ersten bis zur letzten Seite.

Es ist eine Geschichte, des »Sich-Hinein-Fühlen-Könnens« in menschliche Ausnahmesituationen (Empathie). Es ist eine Geschichte des Glaubens, eine Geschichte menschlicher Größe, voller Achtung und Respekt, voller Hoffnung, Zuversicht und voller Liebe. Eine Geschichte der ganzen Gefühlsskala rauf und runter. Es ist eine Geschichte der Menschlichkeit und Nächstenliebe. Die Autorin hat aufgeschrieben, was möglich ist, wenn man diese Werte lebt – Liebe ist immer die Antwort.

Chapeau und Danke JO Heldt!

Sehr gut gelungen, ich empfehle das kleine Büchlein sehr gern, dessen Cover eine Augenweide und völlig passen gewählt ist.

Heidelinde Penndorf





*Neue Leseempfehlung*: Bekenntnis blutrot: Marzanskys 4. Fall (Krimi aus der Vulkaneifel) - Jörg Fockenbrock


Ich bin durch Zufall vom ersten Fall Marzanskys gleich in den 4. Fall gestolpert und hab es nicht bereut, da gelandet zu sein. Ein Krimi mit charmantem Lokalkolorit der ziemlich spannend daherkommt. Die Charaktere der beiden Hobbydetektive  und des polizeilichen Ermittlungsteams Kyllerstals sind ausgereifter und lebendiger.

Die Handlung ist verzwickt – ein Mord der 15 Jahre zurückliegt und ein junger Mann, der durch Falschaussagen der damaligen Zeugen, 15 Jahre unschuldig in der JVA verbrachte. Ein ungesühnter Doppelmord und vier neue Morde, viele beweiserhebliche Tatsachen, immer wieder neu auftauchende Motive und weitere Falschaussagen führen das Polizeiteam und auch Marzansky immer wieder in die Irre und lassen sie oftmals auf der Stelle treten.

Die Leserschaft spürt regelrecht die inneren wachsenden Zweifel, welche Marzansky mit sich ausficht, als es um seine Mandantschaft-Übernahme eines Verdächtigen geht. Kompliziert wird es für Strafverteidiger erst recht, nachdem die Hinweise sich verdichten, dass auch sein Schwiegersohn in die ganze Geschichte involviert scheint und eine wichtige Zeugin ermordet wird, weil sie dem eigentlichen Täter, durch ihre privaten Ermittlungen, zu nahe kommt. Erst auf den letzten Seiten sorgt Jörg Fockenbrock für Aufklärung und das ziemlich gekonnt und mit überraschendem Ergebnis für die Leser.

Ein flüssig geschriebener Krimi, mit hohem Spannungsbogen, guten lebendigen Charakteren, der die Aufmerksamkeit der Leser fordert und den es zu lesen lohnt.
Ich empfehle das Buch sehr gern.

Heidelinde Penndorf







Samstag, 26. Mai 2018

*Neue Leseempfehlung*: Allahs Feuersturm - Thriller - Sigi Sternberg



Das Buch ist ein bisschen wie »Commissario Brunetti« und wiederum doch so ganz anders. Realistisch und fiktiv zu gleich, erzählt der Autor eine atemberaubende spannende Geschichte, mitten im Herzen Italiens. Die Handlung hat das Flair eines italienischen Regionalkrimis, die Leser verspüren die Leichtigkeit des Seins, das anziehend Charmante, Charismatische von Land und Leuten. Und man gibt sich mit Sarah, der deutschen Protagonistin, der Faszination des Lago Maggiore hin, erlebt mit ihr die Schönheit der einzigartigen Berg- und Seenlandschaft.

Doch plötzlich ist da ein Toter im Meer und die deutsche Journalistin lernt durch diesen Umstand, Commisario Luca Foscari kennen. Sarahs Journalisteninstinkt ist geweckt und sie ermittelt nach mehreren Unstimmigkeiten, gemeinsam mit dem Commisario.

Bemerkenswert gut hat es Siggi Sternberg verstanden, seine Charaktere mit der Handlung reifen und wachsen zu lassen, sie wirken dadurch überaus lebendig und lebensnah. Luca und Sarah geraten immer mehr in den Sog weitreichender Korruptionsstränge, bis ins kleinste Beamtentum und sogar bis weit in die Polizei hinein. Beide bekommen die Verquickungen der größten transnationalen Konzerne zu spüren, eben jenen, welche ihre finanzielle Macht nutzen, um ihren Einfluss auf die Politik zu vergrößern und das weltpolitische Gefüge, in ihrem Sinne zu lenken.

Das Leben beider Protagonisten und auch das Leben ihres unmittelbaren sozialen Umfelds, gerät immer mehr aus den Fugen und zunehmend auch in Gefahr. Die Leserschaft wird von der Handlung mitgerissen, beklemmende Ängste werden mit der fiktiven Darstellung des Endzeitszenarios der Menschlichkeit geweckt, welches durch das beherzte Eingreifen mutiger Menschen in letzter Sekunde verhindert wird.

Wieder ist es der endlose, nie endende ausufernde Fanatismus, um die Macht der Religionen, die Menschen zum Töten und unendliches Leid mit sich bringt. Am Ende des Buchs ist man als Leser froh, dass dieses Szenario nur eine Fiktion und keine Gewissheit ist. Bemerkenswert im Buch sind auch die tiefgründigen Liebesszenen, sie geben der Handlung eine leicht sinnlich-erotische Würze – passt ganz gut, inmitten der ganzen dunklen Grausamkeit, denn Liebe, Liebe ist immer die Antwort auf das abgrundtief Böse.

Das Buch wartet mit sehr gut recherchiertem Hintergrundwissen auf, die sehr lebendigen Charaktere, der leserfreundliche Schreibstil des Autors und die Hammer-Handlung, machen das Buch zu ein exklusives Leseerlebnis. Ich empfehle das Buch sehr gern.

Heidelinde Penndorf





*Neue Leseempfehlung*: Du siehst sie nicht: Außer sie zeigen sich - James Henry Burson



Ungewöhnlich und unkonventionell setzt sich James Henry Burson, in diesem kleinen Büchlein, mit dem Thema Demenz auseinander.

Eine Geschichte um den Protagonisten Paul, die spannend, oft locker und mit viel Munterkeit erzählt wird. Und trotzdem, verliert der Autor nie die Ernsthaftigkeit des Themas aus dem Auge, im Gegenteil.

Bewusst führt er die Leserschaft auch an die Klippen von Situationsängsten, die sehr real sind und mit denen man sich beim Lesen auch auseinandersetzen muss. Burson ist der Spagat gelungen, ein sehr ernstes Thema humor- und respektvoll, in eine fiktive Geschichte einzubinden und somit auf wache Weise, auf die Thematik der Demenz aufmerksam zu machen, die man im Alltag meist oft weit von sich wegschiebt.

Das Cover ist sehr passend gewählt.

Ich empfehle dieses Buch der Leserschaft sehr gern.

Heidelinde Penndorf




*Neue Leseempfehlung*: Färbst du noch oder lebst du schon? - Bea Insel



Superoriginell, Bea Insels Erstlingswerk, gefällt mir sehr gut. Sie tritt unmittelbar mit ihrer Leserschaft in Kontakt, redet und plaudert mit ihnen, fordert sie in bestimmten Bereichen zu ergänzenden Mitmachaktionen auf.

Die Leserschaft erhält einen kleinen Einblick in die Geschichte des Haarefärbens, auch der jeweiligen Technik und Chemie, der weiblichen Schönheitsideale und der aufgezwungenen Mainstreamnormen und Trends. Die Autorin geht auch ein, auf die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken, und ganz wichtig, auch auf die Psyche derer, die ihre Haare färben oder färben lassen. Selbstachtung und Selbstliebe spielen da eine nicht unwesentliche Rolle.

Das alles ist normalerweise trockener Lesestoff, doch Frau Insel versteht es, das Ganze locker und leicht in die Geschichte zwei Protagonistinnen unterschiedlicher Generation einzubinden. Wir erfahren auch, wie wichtig es ist, die Farben unseres eignen Typs zu finden und dass eine ganzheitliche Farb-Beratung oftmals einen AHA-Effekt auslöst.

Insgesamt kommt der Inhalt des Buchs sehr authentisch, lebendig und flüssig rüber und man fühlt sich als Leserin durch diese Spontanität direkt angesprochen. Mir hat es den letzten Kick gegeben, mein schon im Kopf gefastes Vorhaben, nun direkt umzusetzen. Ich hab jetzt einen Kurzhaarschnitt, lasse mein naturfarbenes Haar rauswachsen und fühl mich damit sehr wohl.

Ich empfehle das kleine Büchlein sehr gern allen Frauen und auch Männern, die zu sich selbst stehen möchten und vielleicht einen letzten Anstoß brauchen, um sich zu trauen.

Heidelinde Penndorf





Freitag, 27. April 2018

Neu*Neu*Neu*: Friesenlohn - Ostfriesenkrimi - Stefan Wollschläger



Stefan Wollschläger übertrifft sich selbst und liefert der Leserschaft ein brillanten vierten Teil der Krimiserie um die Oberkommissarin Diederike Dirks und ihrem Kollegen Oskar Breithammer. Das Buch zeichnet sich durch den typisch ostfriesischen Charme aus, ist sehr spannend und streckenweise auch witzig. Und das finde ich gut, zeigt es doch, dass die Protagonisten mit ihrer ostfriesischen Heimat tief verwurzelt sind und der Humor auch in guten Kriminalromanen durchaus seinen Platz findet.

Die Story ist so verrückt, dass sie schon wieder wahr sein könnte – ein tödlich verlaufender Autounfall, der dann doch keiner war, ein Auftragsmord und ein gefundener Koffer voller Geld bringen sieben Menschen und ihr soziales Umfeld in arge Schwierigkeiten. Die betroffenen Protagonisten sind allesamt undurchschaubare Charaktere, deren Geheimnisse erst am Ende der Handlung offenbart werden. Eine betagte Lady, die falsch spielt, eine verzweifelte Auftragsmörderin, eine falsche Kommissarin und ein gewiefter Erpresser erschweren die Ermittlungen, führen Diederike Dirks und ihren Kollegen zu falschen Spuren und zu potenziellen Tätern, die dann doch keine sind.

Die Leser sind hier im hohen Maße gefordert, doch das Ausschlussprinzip funktioniert nicht, weder für das Ermittlerduo, noch für die Leserschaft. Es bleibt spannend und knifflig bis zum Schluss. Erst die letzten Seiten bringen die Auflösung, die überraschend und nicht vorhersehbar ist.

Ein intelligentes Krimirätsel, mit einer exzellenten verquickten Handlung, einem hohem Spannungsbogen und sehr lebendige Charakteren, gekonnt in Szene gesetzt! Die irre witzigen und prickelnden Szenen, um eine rätselhafte Chipstüte, der friesische Charme und der einfallsreiche Schreibstil Stefan Wollschlägers, sorgen für ein abwechslungsreiches Lesevergnügen.

Meine Leseempfehlung: Unbedingt lesen!

Heidelinde Penndorf





Neu*Neu*Neu*: Des Teufels sanfter Kuss - Valerie le Fiery und Frank Böhm



Inhaltsangabe Auszug Klappentext:

Darius Reimann scheint das Glück nicht wirklich hold zu sein. Erst kürzlich hat er seinen Job verloren und nun gibt ihm auch noch sein Freund Roger zugunsten eines anderen Mannes den Laufpass. Seine karge Wohnung und die ohnehin meist frustrierende Stellensuche scheinen die einzigen Optionen zu sein, die ihm zu diesem Zeitpunkt bleiben.

Rezension:

Eine charmante Idee, dass der Teufel Charakter und Nerven zeigt, ihm die zwischenmenschlichen Gefühle imponieren und er seine Opfer schont. Witzig die Idee, dem Teufel eine bisexuelle Neigung zu verpassen und seine enorme sexuelle Neugier auf Männer zu befriedigen. Gelungen finde ich das Pendant zum Garten Eden. Mystisch und ein bissel schaut da auch Gesellschaftskritik durch, die wirtschaftlichen Unternehmungen der Finanzelite unter Führung des Teufels zu stellen – der Gedankengang hat was, irgendwie.


Die Charaktere sind diesmal ziemlich einfach ausgestattet, wahrscheinlich situationsbedingt, sonst hätte ja der Teufel kein leichtes Spiel, ihre Seelen zu bekommen.

Leichte Unterhaltungslektüre, ohne dass die Leserschaft groß nachdenken muss. Manchmal genau das Richtige, so zwischendurch.

Heidelinde Penndorf




Freitag, 20. April 2018

Neu*Neu*Neu*: Anthony Noll und der falsche Auserwählte - Francis Linz



Anthony ist erwachsen geworden, 20 Jahre ist er jetzt. Aber nicht nur er, sondern auch die Geschichte über ihn. Schon längst hat sie sich gewandelt, ist aus den Kinderschuhen heraus gewachsen und nun eine ziemlich ernste, zu ernst, um noch eine für Kinder zu sein. Eigentlich ist das Buch ein Spiegel unserer Welt, manchmal in vielen Teilen fast deckungsgleich, in welcher Macht, Gier, Neid, Hass und Krieg gegen Freundschaft, Frieden und Liebe kämpfen. Wir erleben den Aufbau einer Elitearmee, die alles und jeden töten wird, um die Macht des Imperators aufrechtzuerhalten. Grausam, denn man hat den Mitgliedern alles genommen, was gut in ihnen war – sie sind willfährige hörige Befehlsempfänger, die nur zum Töten konzipiert wurden.

Anthonys Leben verläuft immer noch zweigeteilt, einmal in Robotanien und zum anderen auf der Erde.

Auf der Erde kommt er dem Rätsel seiner Herkunft sehr nahe, zwitscht deshalb auch in ein Spiegeluniversum. Da gibt es eine zweite Erde, fast ein Zwilling unserer Erde. Aber nur fast, denn sie weist so einige Anomalien auf. Im letzten Augenblick wird er von den Seelenfängern daran gehindert, die Identität seiner Geburt aufzuklären.

In Robotanien hat das Team mit der Biene auf der Brust, so einige Abenteuer zu bestehen. Das 5. Semester hat begonnen, die Abschlussprüfungen laufen und Doktor Wustlonom wurde zum Leiter der Schule bestimmt. Unter dessen Leitung nun doch die Schulwettkämpfe stattfinden, um den Besten der Besten zu finden, der dann aber nicht gekürt, sondern getötet werden soll, weil Glomps Widersacher, Ralpanin eingeredet hat, dass nur der Beste der Besten der Erlöser sein kann, welcher die Macht des Imperators beenden wird.

Um die einzelnen Teams genauestens zu überwachen, ließ der Schulleiter sogar Kameras in ihrem zu Hause installieren, welche eine ungestörte Privatsphäre und persönliche Gespräche stark einschränken.

Beides zusammen, die Prüfungen und die Wettkämpfe sind eine immense Herausforderung für Anthonys Team und bei den Wettkämpfen haben sie einige Verluste zu beklagen. Außerdem geht da einiges nicht mit rechten Dingen zu. Doch plötzlich ist Glomp wieder da. Das Team mit der Biene auf der Brust, ist überaus glücklich, ihn wieder in ihrer Mitte zu haben, ist er doch fast ein Vater für sie. Er leitet und lenkt nicht nur das gesamte Team, sondern wird, wie so oft schon, wieder Anthonys Lehrer, um seine Ausbildung zu vollenden und ihn auf seine Aufgaben, der Rettung des Teams und als Führer der Revolution betreffend, vorzubereiten.

Und eines Tages nimmt er Anthony mit in eine besondere Welt – Glomps Refugium – traumhaft schön, friedlich und sonderbar wolkig. Im Laufe des Gesprächs dort wird Anthony klar, dass Glomp sie allein lassen wird – ein Abschied für immer, also. Denn Glomp ist alt, sehr sehr alt und er ist müde und muss nun auch ihm – Ant Nr. 5 – Platz und Raum geben sich voll zu entfalten. Er gibt sozusagen, den Staffelstab weiter, an seinem vorherbestimmten Nachfolger – als den nun größten Zauberer des Universums. Deshalb geht er über die Regenbogenbrücke, nicht ohne Ant vorher noch mit Ratschlägen zu versorgen und sich liebevoll zu verabschieden.

Ich war ebenso traurig, wie Ant und seine Freunde des Teams mit der Biene auf der Brust, denn auch ich als Leserin, hatte Glomp mächtig lieb gewonnen, im Laufe der fünf dicken Bände der Geschichte um Anthony Noll. Doch so ganz weg ist er ja dann doch nicht, er hat seine Jacke da gelassen für Anthony, in dessen tiefen Taschen der junge Zauberer, in der Not, immer eine Antwort auf seine Fragen finden wird.

Ants Team wurde bei den Wettkämpfen auseinandergerissen, ich hoffe, dass sie sich im sechsten und letztem Teil wieder finden, denn sie haben sich ja geschworen: Einer für Alle und Alle für Einen – und außerdem sind sie emotional so verbandelt, dass eigentlich keiner, ohne den anderen, mehr sein kann.

Beide Teile des Buchs haben Seele, fast möchte ich sagen, mehrere – immer wieder lugt Glomps Seele um die Ecke, auch die Albert Einsteins irgendwie und auch die des gesamten Teams mit der Biene auf der Brust und die des Autors ist zu spüren, denn Anthony Geschichte, die er aufschreibt, die ist mit Herzblut geschrieben. Der Schreibstil des Autors hat sich der Ernsthaftigkeit des 5. Buchs angepasst, die Verspieltheit ist nun ganz verschwunden und doch ist der Schreibstil markant und lebendig, die Protagonisten sowieso. Danke für dieses Buch, lieber Francis Linz.

Was passiert im sechsten Teil mit dem Team? Wird Anthony, die Revolution zum Sieg führen? Wird er nun für immer ein Bewohner Robotaniens bleiben, oder treffen alle auf der Erde wieder zusammen? Wird der Junge mit seinem zweigeteiltem Leben, das Rätsel seiner Herkunft lösen können?

Fragen über Fragen, die ich habe – Glomps tiefe Taschen seiner Jacke, würden mir vielleicht die Antwort geben, doch die habe ich nicht. Also muss ich auf den sechsten und letzten Teil warten, der die Geschichte zu Ende erzählt.

Um mit Francis Linz zu sprechen: »Anthony Nolls Geschichte, ist ein modernes Märchen für all die, die im Geiste jung. Aber natürlich auch für all die, die an die große Kraft der Freundschaft glauben, und daran, dass eine Seele immer schön ist, egal in welcher Brust sie liebt und lebt.«

Deshalb empfehle ich das Fünfte Buch gern auch der Leserschaft, die im Geiste jung, für alle die an die Kraft der Freundschaft glauben und auch allen die daran glauben, dass eine Seele immer schön ist und ja klar auch allen, die grad neugierig auf Anthony Geschichte geworden sind.

Eine Wahnsinnsgeschichte, die tief berührt, die die Leserschaft weinen und lachen lässt – Abenteuer erleben – ja, dass kann man mit diesem Buch ganz sicher, denn es ist Kopfkino in bester Qualität.

Heidelinde Penndorf







Dienstag, 17. April 2018

Neu*Neu*Neu*: Forgotten Girl - Thriller - Eva-Maria Silber



Kurze Inhaltsangabe, Auszug Klappentext:

Fünf Teenager zelten am Karfreitag 1984 am Totenmaar. Am nächsten Morgen sind drei von ihnen tot – sie wurden auf grausame Art und Weise ermordet. Die anderen beiden überleben schwer verletzt. Sebastian behauptet, nichts gesehen zu haben und Katharina hat durch das Trauma ihr Gedächtnis verloren. Der Täter wurde nie gefunden. 30 Jahre später werden die Morde von Ermittlerin Janna Habena als ›cold cases‹ wiederaufgenommen. Bei der erneuten Befragung trifft Katharina nach all den Jahren wieder auf Sebastian und die beiden verlieben sich ineinander. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen? Spielt Sebastian ihr nur etwas vor, weil er Angst hat, dass sie sich erinnert? Und weiß er mehr als er zugibt?

Forgotten Girl basiert auf einem authentischen, ungelösten Mordfall aus Finnland.

Rezension:

Das Buch mag man nicht aus der Hand legen, ehe man es nicht zu Ende gelesen hat. Eva-Maria Silber versteht es, ihre Leserschaft zu fesseln und mit ihnen zu spielen. Legt falsche Fährten, lässt ihre Leser zappeln bis zum Ende, nie weiß man, wer der Täter ist. Die oftmals langwierige Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei, gestaltet sie inhaltlich so interessant, dass die Leser neugierig am Ball bleiben.

Die Autorin unterfüttert die Handlung mit profundem Fachwissen, nichts kommt oberflächlich daher. Und sie zeigt auf, was im Ernstfall passieren kann, wenn drei sehr unterschiedliche Charaktere, zum falschen Zeitpunkt, in einer psychischen Ausnahmesituation aufeinandertreffen.

Da ist der charismatische, charmante, gut aussehende Sebastian, mit seinem übersteigerten aufgeblähten Ego, welches er bisher immer im Schach gehalten hat, weil ihm, in seinem jungen Leben, bisher alles zufiel. Erfolgsverwöhnt, entwickelt er tief greifende narzisstische Züge, die ihm aber selbst nicht bewusst sind.

Wir treffen auch auf Britta, eine kleinen Lolita, die sehr bewusst, bis zu einem gewissen Grad mit den Jungs spielt, sie lockt und sich dann verweigert, einfach, weil es ihr Spaß macht.

Und die Leserschaft lernt die Pfarrerstochter Katharina kennen, das Pummelchen. Sie ist durch die überstrenge Erziehung ihres Vaters falsch konditioniert und entwickelt ein schüchternes unscheinbares Selbst, sieht nur ihre körperlichen Unzulänglichkeiten und findet nicht zu ihrer inneren Stärke. Sie mag sich auch gar nicht, kann sich nicht annehmen und entwickelt starke Minderwertigkeitskomplexe.

Die drei gehen mit noch einer Freundin und einem Freund der gleichen Klasse, also auch des gleichen Alters, zelten, um in Brittas 15. Lebensjahr hinein zu feiern

Jede Menge Valium, Alkohol, unterschwellige sexuelle Spannungen, verletzte Gefühle, verletzter Stolz, verletzte Eitelkeiten und aufsteigender Hass und Neid, lässt die Anfangs fröhliche Stimmung kippen und es kommt zu einer ungehemmten Entladung dieser hochexplosiven Mischung. Die Leser erleben eine Horrornacht, nach der es nur zwei schwerverletzte Überlebende gibt.

Die Polizei sucht fieberhaft nach dem Täter – ergebnislos! Auch nach 30 Jahren noch, bleiben die drei Morde unaufgeklärt. Doch Eva-Maria Silber lässt die Leser am Ende der Handlung wissen, wer die drei Jugendlichen auf bestialische Weise ermordete.

Katharina ist eine der Überlebenden, sie entwickelt eine schwere PTBS (posttraumatische Belastungsstörung), verbunden mit einer retrograden Amnesie, die sie ihr ganzes Leben lang begleiten. Ihre retrograde Amnesie, manchmal durch Flashbacks unterbrochen, löst sich zum Ende der Handlung auf und die junge Frau versinkt danach für immer, im geistigen Nirgendwo. Die einzigen, die im Endpunkt dann wissen, was Katharina in jener Nacht damals erlebt und gesehen hat, bleiben die Leser - ein grandioser Leseeffekt!

Übrigens kommt die Leserschaft der Protagonistin Katharina menschlich sehr nahe, da diese in der Ich-Form Erzählung, nach dieser Horrornacht, ihre Lebensereignisse mit uns teilt. Man glaubt sie zu kennen, und das auch ziemlich gut. Genial umgesetzte Idee der Autorin.

Insgesamt präsentiert uns Eva-Maria Silber einen düsteren, fesselnden, sehr spannenden Kriminalroman, welcher sich mit den Tiefen und Abgründen menschlicher Charaktere, verschiedener Persönlichkeitsstrukturen und Konditionierungen auseinandersetzt und zu einer überraschenden Auflösung führt, die ich so nicht vermutet und erwartet habe. Ein Buch, dessen Handlung die Leserschaft, über das Lesen hinaus beschäftigen wird, ein Buch, welches eindrucksvoll nachwirkt.

Chapeau Eva-Maria Silber!

Ich empfehle das Buch der Leserschaft sehr gern: Lesen Sie es!

Heidelinde Penndorf