Samstag, 12. Januar 2013

Gefangen in Afrika - Hera Lind- Lesetipp

Ein  stark berührendes Buch über eine tapfere, mutige, charismatische Frau – Gerti Bruns - ein Nachkriegskind. Es gibt einige Parallelen zum Lebensweg „Ditte Menschenkind“ von Martin Andersen Nexö, obwohl die Handlung in einem anderen Land und eine völlig andere Zeitschiene beschreibt.

Viele Passagen des Buches lassen die Leserschaft nachdenklich innehalten, berühren die Seele und verursachen Gänsehaut. Doch es bleibt auch ein Staunen, ein sich Wundern zurück, dass nach Ende des zweiten Weltkriegs die Menschen untereinander oft unsolidarisch waren, sich selbst in Sparten "Arm - Reich" einteilten, obwohl sie es gerade durch das erlittene Leid besser wissen müssten.

Das Kind Gerti lernt sehr zeitig und schnell, dass jedes Gefühl glücklich, ausgelassen und auch mal übermütig zu sein, ein sofortiger Grund ist, geschlagen und bestraft zu werden. Geboren zu sein und zu leben, bedeutete für das kleine Mädchen, schuften, leiden, hungern und erdulden und bloß keine Aufmerksamkeit erregen! Bildungswege sind ihr verschlossen und das führt später, unter anderem, oftmals zu  falschen Lebensentscheidungen.

Und ein Gefühl begleitet Gerti fast ihr ganzes Leben: „ Ich habe alles falsch gemacht, ich bin nichts wert“!
Der Lebensweg der Protagonistin des Buches „ Gefangen in Afrika“ ist überaus steinig, angefüllt mit körperlich schwerer Arbeit und psychischer und physischer Gewalt. Ihr Leben ist ein einziger Kampf ums Überleben, von Geburt an.

Ihre Ehe, anfangs unbeschwert und glücklich, entwickelt sich zum Martyrium, nachdem sie ihrem Mann nach Afrika folgte.

Die goldene Ära für die Schaffung wirtschaftlicher Existenzen in Afrika ist schon längst vorbei. Durch die südafrikanische Apartheid Politik  wurde die  „Rassentrennung“ ab dem Spätsommer 1968 Realität. Fast alle Schwarzen hausten in „Townships“. Ihr Zorn  wuchs, man merkte unterschwellig, wie es brodelte und dass sich die Unterdrückten von der weißen Fremdherrschaft befreien wollten. Immer wieder kam es zu gewalttätigen Zwischenfällen. Das schöne unbeschwerte Leben der deutschen Landsleute, auf Kosten der Unterdrückten, neigte sich dem Ende zu.

Ihr Mann verliert in Südafrika sämtliches Geld durch Selbstüberschätzung  in wirtschaftlich gescheiterte Projekte. Er scheut auch nicht davor, das Geld von Freunden, Eltern und auch Schwiegereltern dafür einzusetzen und hat dadurch den finanziellen Bankrott seiner eigenen und auch fremder Familien zu verschulden. Doch damit nicht genug, völlig realitätsfremd, sieht er nicht, in welcher Gefahr er seine Familie bringt. Gerti Bruns vertraute ihm Anfangs blind und unterschrieb vertrauensvoll und naiv Schriftstücke, unter anderem auch die Beantragung der  afrikanischen Staatsbürgerschaft.

Die Rechte, die ein Ehemann in Afrika über seine Ehefrau hat, sind fast grenzenlos- die Frau ist praktisch des Mannes Leibeigene.

Der Leidensdruck und die Angst vor einer ungewissen Zukunft stiegen ins Unermessliche, als sie erfährt, dass ihr Mann sich den Luxus einer Zweitfamilie gönnt!

Für Gerti Bruns bleibt nur die Flucht aus Afrika! Mit Hilfe verlässlicher Freunde gelingt ihr zusammen mit ihren Kindern die Flucht  nach Deutschland.

Und zurück in Deutschland ist das Leben für die kleine Familie ein einziger Kampf. Gerti fängt wiederholt völlig bei null an, kämpft ums Überleben, um ihre Kinder, um die Scheidung.

Und sie hat die späte Erkenntnis, dass ihre Eltern sie und ihre Schwester doch lieben, es nur nie zeigten, eben auch auf Grund des Kampfes ums nackte Überleben und weil sie es nicht anders wussten und kannten. Sie sind für sie da, geben ihr letztes Geld, um ihrer Tochter beizustehen.

Gerti schafft es, sie gewinnt den Kampf! Doch glücklich und froh, ist sie noch lange nicht, der Kampf frisst sie fast auf - physisch und psychisch.

Innehalten, in sich Ruhen, die Seele baumeln lassen? Fehlanzeige! 

Ja Fehlanzeige, bis sie Jürgen begegnet, von da ab wird alles anders.

Ein tolles Buch, sehr lesen – und empfehlenswert