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Mittwoch, 10. August 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: André: Psychiatrie-Novelle - Marc Gerhard



Der Autor hatte sich für längere Zeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nun präsentiert er sich mit neuem Namen und einer Neuauflage seines Buchs, welches ich in der alten Fassung im März 2019 gelesen und rezensiert hatte. Die Neufassung ist düsterer, oftmals bedrückend, denn die Verzweiflung des Protagonisten, seine Ratlosigkeit und sein innerer Zorn auf alles und jeden, markant spürbar. Die Gedanken, die er in sein Tagebuch schreibt, sind manchmal sehr lyrisch untersetzt, dann wieder voller Selbstzweifel, Angst und Hass.

Warum ist der junge André so drauf?

Bisher hat er der Leistungsgesellschaft immer mehr als nur genügt, doch plötzlich ist alles anders, von einem Tag auf den anderen – so fühlt es sich jedenfalls an. Doch er hat es nicht bemerkt – es begann schleichend und später konnte er es nicht mehr steuern – es steuerte ihn. Ausgebrannt, missmutig, lustlos, gleichgültig, interessenlos und dann wieder getrieben und impulsiv und ziemlich wütend – ein Pulverfass! Dann landet er in der Psychiatrie und später in sporadischen Therapiesitzungen, doch seine Probleme, die blieben, auch die Stimmen im Kopf wurden nur manchmal leise.

Die Handlung wird in Zehnjahres-Abschnitten erzählt, manchmal voller Enthusiasmus, dann wieder über die Maßen Lethargie und unbändiger Zorn, auf sich und alle Welt. Auch die Liebe wird ihn nicht retten und so endet die Geschichte unumkehrbar dramatisch. Beim Lesen musste ich manchmal innehalten und habe mich gefragt, wie viel Autor in dem Protagonisten steckt. Auch die kleine Bonusgeschichte am Ende des Buchs ist ähnlich gelagert, düster und dramatisch, voller Ausweglosigkeit.

Persönliche Anmerkung: Wenn man psychisch labil ist, vielleicht auch ein Trauma erlebt hat, oder auch bei einem Therapeuten oder stationär in der Psychiatrie ist, sollte man das Buch nicht lesen. Vorsicht, Triggergefahr!

Heidelinde Penndorf

(August 2022)





Samstag, 6. August 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Lass es zu!: Die Gegenwart - Jes Schön



Jes Schön präsentiert der Leserschaft einen exzellenten dritten Teil dieser außergewöhnlichen Tetralogie. Die Handlung ist gegenwärtig und überzeugt mit den beiden wechselnden personellen Erzählperspektiven der zwei Hauptcharaktere. Sie erzählen den Lesenden ihre beider gemeinsame Lebensgeschichte und nehmen uns mit in ihre Gefühls- und Lebenswelt. Es ist eine Story mit psychologischem Tiefgang. Wir erleben den psychischen und auch physischen Zusammenbruch der Hauptprotagonistin, deren Verdrängung sich gelöst hat, weil der Peiniger ihrer Kindheit teilweise wieder auf freiem Fuß ist und ein intelligentes kriminelles Netz um sie und ihrem Mann festzuzurren beginnt. Das Dunkel ihrer Kinderjahre hat sich gelichtet und ein Abgrund tut sich auf, realitätsnahe Flashbacks führen dazu, dass sie sich fast aufgibt. Doch die zwischenmenschliche Liebe ist stärker und gibt ihr Halt.

Das Thema Kindesmissbrauch steht hier im Mittelpunkt des Geschehens – es zeigt auf, was den Opfern, den Kindern in ihrer späteren persönlichen Entwicklung geschieht – Narben, die man nicht sieht und die nie ganz heilen und die für immer traumatisieren.

Ein starkes Buch, ein starkes und wichtiges Thema und trotz des ernsten Hintergrundthemas kommt die tiefe Liebe zwischen Mann und Frau, mit wunderbaren leidenschaftlichen, erotischen Augenblicken nicht zu kurz. Die Autorin vermag es, ihren Schreibstil situationsangepasst sehr fein zu nuancieren. Sie schafft so eine faszinierende Szenenstimmung, welche die Leserschaft in die dunklen Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt, sie jedoch auch die tiefe zwischenmenschliche Liebe und Freundschaft der Protagonisten erleben.

Gerne empfehle ich den dritten Teil der exzellenten Tetralogie weiter, er nimmt Sie mit in die Welt der Emotionen und zeigt auf, was wahre Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt alles vermögen.

Ein Hinweis – Vorsicht Triggergefahr in Bezug ob der Szenen des Kindesmissbrauchs!

Heidelinde Penndorf

(August 2022)






Samstag, 30. Juli 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Göttersprung: Mythologische Bonmots - Simon Gerhol

 

Es ist ein intellektuelles Buch – ein lebendiges, interessantes und unterhaltsames Denkabenteuer, ein Göttersprung in die Gegenwart. Simon Gerhol ist es gelungen, die griechische Mythologie in die Gegenwart zu übertragen und die Götter etwas zu entzaubern. Auch Götter sind nur Menschen. Sie erfahren, genau wie wir alle, Irrungen und Wirrungen im Denken und Handeln, haben Träume ihrer Lebenswege, die kurvenreich sind und sich nur wenig planen lassen, außer der Lobbyismus greift ein.

Und so werden kleine Geschichten erzählt, in welchen die Götter auf der Erde leben und ähnlich wie wir alle Erfahrungen sammeln und mal leicht und locker und dann wieder beschwerlicher durch das Leben gehen. Es wird erzählt, wie auch Götter zu zwischenmenschlichen Opfern werden, weil sie eben nicht nur emphatischen Menschen, sondern auch der Gier, die dem Menschen innewohnt, begegnen. Oftmals habe ich wegen vieler Gleichnisse geschmunzelt, doch gelegentlich blieb mir das Lachen auch fast im Halse stecken, wie so einige Geschichten an unser aller gegenwärtiges Leben erinnern.

Zu den kleinen Bonmots gibt es immer eine kleine Einführungsreise in die griechische Mythologie, damit sich die Leserschaft ein Bild von den handelnden Personen einprägen kann.

Das Nachwort ist literaturwissenschaftlich angelegt und zeigt auf, wie Schriftsteller und Komponisten der verschiedenen Zeitepochen die Mythologie interpretiert haben. Um die nachdenkliche Frage am Ende des Nachwortes zu beantworten: Ich denke, es wird immer Mythen geben, weil sie manchmal bedeutungsschwanger daherkommen, Lebensgeschichten verarbeiten und auch im übertragenen Sinne Orientierung und Hoffnungsträger in schwierigen Zeiten sein können.

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter, es hat mir sehr viel Lesefreude bereitet.

Heidelinde Penndorf

(Juli 2022)







Mittwoch, 20. Juli 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Todesleuchten: Schwedenthriller - Fiona Limar & Leif Eklund



Ein psychologisch sehr intensiver Thriller der Extraklasse – schon allein der Prolog, dessen Inhalt erschüttert, sich einprägt und mich nicht mehr losgelassen hat. Die Leserschaft erfährt durch die Handlung, wie Traumata die Wahrnehmung verändern können und das Sozialverhalten oft ein ausgeprägtes anderes ist, zumal, wenn die Betroffenen keine Hilfe erfahren und/ oder ihnen nicht geglaubt wird.

Narzisstisch, toxische Persönlichkeitsstrukturen, ein Netz aus Lügen und Intrigen, krankhafte Rachegelüste und die unheimliche, lautlose, fast unbemerkte Art zu töten, verfangen sich in der Handlung zu einem fast undurchdringlichen Dickicht. Diese Sachverhalte führen das sympathische, schwedische Ermittlungsteam mehrmals in die falsche Richtung. Ein interessanter Plot, vielschichtige Charaktere und ein hoher, nie abflachender Spannungsbogen machen das Buch zu einem perfekten, fesselnden Leseerlebnis.

Chapeau, Fiona Limar und Leif Eklund.

Das Buch hat meine absolute Leseempfehlung!

Heidelinde Penndorf

(Juli 2022)







Montag, 18. Juli 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Honigtod: Mord im Bienengarten. Ein bayerischer Heimatkrimi (Hinterdobler-Reihe 4) - Martina Schmid



Der vierte Teil der bayrischen Heimatkrimi-Serie um den kulinarischen Genussmenschen Kommissar Hinterdobler ist zwar ein wenig kurz geraten, doch besetzt ein interessantes Thema und stellt im Zusammenhang eines Mordes den schwarzblauen Ölkäfer und Honig in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Dieser schwarzblaue Ölkäfer war sogar das Insekt des Jahres 2020. Um ihn ranken sich viele Geschichten, wie auch in diesen Kurzkrimi.

Anmerkung: Die Veröffentlichung dieses bayrischen Heimtatkrimis wurde mit dem Stipendienprogramm 2021 der VG WORTNEUSTART KULTUR gefördert.

Gute, leichte, nette und wissensvermittelnde Sommerlektüre, die ich gerne der Leserschaft weiterempfehle, die bayrisch-humorige Heimatkrimis mögen.

Heidelinde Penndorf

(Juli 2022)









Samstag, 2. Juli 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Der Sonnensturm: SciFi-Roman - Andrew G. Berger



Der SF-Roman mit über fünfhundert Seiten ist eine Wucht – intensiv, faszinierend, bildgewaltig geschrieben, interessant, sehr spannend, emotional packend und vielschichtig. Zu 80 % dystopisch, doch mit einem Ende, welches Hoffnung gibt. Die Charaktere sind zum Teil sehr komplex, lernend und sich weiterentwickelnd. Es ist ein Roman, der unter die Haut geht, der beunruhigt, den man nicht vergessen kann. Ein Roman, der aufzeigt, wohin Fanatismus, krankhafter Ehrgeiz, missbrauchte Wissenschaft, zu viel Macht in einzelnen Händen und der KI vertrauend, führen kann, wenn Empathie und Liebe außen vor bleiben. Das Beste für die Menschheit gewollt und verblendet in den Abgrund geführt.

Wer meine vielen Buch-Rezensionen kennt, weiß, dass ich kaum spoilere, doch hier war es für mich mehr oder weniger ein MUSS, weil das Buch einfach atemberaubend ist, und ich viele Leserinnen und Leser dafür gewinnen möchte, es zu lesen. Einzelheiten der Handlung verrate ich Ihnen jedoch nicht! In manchen Teilen ist es gar nicht weit entfernt von der Realität. Die Handlung macht nachdenklich und wirft unter anderem die Fragen auf, wie wir alle in Zukunft leben werden/wollen. Und wie nah können wir künstliche Intelligenz in unser Leben lassen.

Es gibt im Jahr 2051 zwei Lebenswelten auf der Erde – eine naturnahe autarke und eine von KI und von wenig Menschen gesteuerte sterile Welt. Eine Welt, ohne Tiere, Pflanzen, ohne jegliche Krankheitskeime, Bakterien und Viren – geschaffen, um die Menschen vor Seuchen zu schützen.

Beide Lebenswelten haben keinen Kontakt zueinander.

In der sterilen Lebenswelt leben Kinder ab dem sechsten bis zum achtzehnten Lebensjahr komplett isoliert, jeder und jede für sich, ohne Bezugspersonen. Sie sehen sich, lernen und spielen nur virtuell miteinander. Sogar das Essen wird durch die Künstliche Intelligenz serviert, auch die Medikamente, die ihr Emotionslevel gen Null fährt.

Doch plötzlich ist alles anders, nichts funktioniert mehr und ein grausames Chaos bricht aus. Die Kinder und jungen und älteren Erwachsenen haben nie gelernt, für sich selbst zu sorgen. Ihre psychische Widerstandskraft ist der Situation nicht gewachsen, ihre ungestillten Bedürfnisse führen zu ziemlich starken negativen Emotionen und unmenschlichen Verhaltensweisen, sie benehmen sich zum Teil wie Tiere – ›Fressen oder gefressen werden‹. Da in der KI-Lebenswelt alle absolut keimfrei und steril gelebt haben, ist ein Immunsystem praktisch nicht vorhanden, was sich jetzt rächt, denn viele werden schwer krank, weil sie plötzlich der ›normalen‹ Welt ausgesetzt sind.

Ein junges Mädel und eine kleine Gruppe um sie, aber ist anders. Sie suchen den Kontakt zu der anderen Lebenswelt und es kommt zu zwischenmenschlichen Begegnungen positiver und auch negativer Art. Beide Gruppen lernen voneinander, auch neu zu überleben, sich zu vertrauen, Beziehungen aufzubauen und füreinander einzustehen.

Doch die artifizielle Intelligenz hat sich repariert, sich weiterentwickelt und sieht sich als alleiniger Herrscher über die Menschheit, versucht allen Widerstand zu brechen und die Menschen aus beiden Welten als Arbeitssklaven für den Neuaufbau der sterilen Welt zu unterjochen. Ob das der künstlichen Intelligenz gelingt, lesen sie am besten selbst.

Eines kann ich ihnen verraten, da ist viel Action, auf jeder Seite des Buchs passiert etwas, es ist ein Film in Buchformat, eines, das sich lohnt, zu lesen.

Chapeau, Andrew G. Berger!

Das Buch hat meine absolute Leseempfehlung!

Heidelinde Penndorf

(Juli 2022)






Freitag, 17. Juni 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Die Schwebfliege: Eine schmutzige Geschichte - Anja Gust



Ein beeindruckendes Buch mit gut recherchiertem Hintergrund, spannend, lebendig und interessant von der ersten bis zur letzten Seite. Die Autorin führt die Leserschaft in das Rotlichtmilieu Hamburgs. So erleben Leserinnen und Leser fast hautnah die sehr speziellen, komplizierten, zwischenmenschlichen Beziehungen und/oder Bindungen von Prostituierten und Zuhältern, erfahren auch welche Druckmittel eingesetzt werden, um die Frauen gefügig zu machen und auch wie engmaschig das Netz der Clans abgesteckt ist. Erschreckend, wie hier Politik wegschaut und teilweise tief im Sumpf des Milieus verbandelt ist.

Der Traum vom großen Geld, der Traum sich Wünsche erfüllen zu können, die man mit real verdientem Einkommen nicht finanzieren kann – oft zerplatzen diese Träume wie eine Seifenblase und führen immer mehr in den Abgrund, in Süchte und Abhängigkeiten. Wenigen nur gelingt der Ausstieg. Die handelnden Personen der Story sind vielschichtig und lebendig gezeichnet. Bemerkenswert nah fühlt man sich den Frauen, spürt ihre innere Zerrissenheit, ihre Resignation, ihre Hoffnungslosigkeit und ihre Angst. Erlebt mit ihnen ihre Wunschträume und Sehnsüchte nach Liebe und einem normalen Leben.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr lebendig und der Milieu-Szene angepasst. Aufgelockert wird die ziemlich ernste Story durch humorige Einlagen und so wird die Geschichte zu einem besonderen Leseerlebnis.

Was es nun mit der ›Schwebfliege‹ auf sich hat, wer sich dahinter verbirgt und was noch so alles passiert, lesen Sie am besten selbst, zumal auf den letzten Seiten des Buchs, eine echte Überraschung auf Sie wartet.

Sehr gern empfehle ich das Buch weiter. Prädikat: Lesenswert

Heidelinde Penndorf

(Juni 2022)






Dienstag, 14. Juni 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Projekt G 2000: Deine Gedanken gehören mir - Valerie le Fiery & Frank Böhm



Das Hauptgenre des Autorenduos Valery le Fiery & Frank Böhm ist Queere Literatur. Doch mit diesem kleinen Büchlein zeigen die beiden, dass sie auch anders können.

Science-Fiction, mit einem brisanten Thema – Experiment KI unter Nutzung des willigen Menschenmaterials unter Weglassung jeglicher ethischer Normen. Menschen werden zu gefügigen Arbeitssklaven umgeformt – Gedankenklau vorangestellt.

Macht und maximales Profitstreben stehen dabei im Fokus der Geschehnisse. Was mit starken Persönlichkeiten und Mitarbeitern geschieht, die sich mit ihrem angeborenen Instinkt, Misstrauen und ihrer Intelligenz dagegenstellen, ist abenteuerlich. Lesen Sie die kleine Kurzgeschichte am besten selbst.

Sehr gern empfehle ich das kleine Büchlein weiter. Es beschert der Leserschaft eine spannende, faszinierende, interessante und kurzweilige Lesezeit und regt zum Nachdenken an. Ich hoffe auf eine Fortsetzung.

Chapeau Valerie le Fiery und Frank Böhm!

Heidelinde Penndorf

(Juni 2022)








Montag, 13. Juni 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Nieren für St.Pauli - Reimer Boy Eilers



Ein unverwechselbarer Reimer Boy Eilers Hafen-Krimi – mit viel Hamburger Lokalkolorit, plattdeutschen Sprüchen in Hülle und Fülle und Wortwitz, der oft satirisch daherkommt. Die Leserschaft erlebt skurrile handelnde Personen, auf beiden Seiten, einen Privatdetektiv, der manchmal wirkt, als sei er etwas konfus, der auf der anderen Seite jedoch gut kombinieren kann und mittendrin die Themen Organhandel, Korruption und Geldwäsche. Themen, die eigentlich schwer, brisant und hochaktuell sind, auf diese Weise in den Mittelpunkt gestellt hat schon was – überraschend leicht und doch sehr spannend.

Nur muss man Plattdeutsch können, um alle die Sprüche und Begriffe richtig einzuordnen – manchen habe ich im Internet recherchiert und manches erraten.

Ich empfehle das Buch gerne weiter – ernste Themen mal anders angefasst.

Heidelinde Penndorf

(Juni 2022)






Dienstag, 24. Mai 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Unser Schutzengel Franky: zum Lesen und Träumen - Bettina Kleinelsen



Ein entflogener Wellensittich sucht sich eine neue Menschenfamilie. Da er sehr vorwitzig ist und gerne die Umgebung erkundet, sobald seine Tür und Fenster aufstehen, hat er viele Abenteuer zu bestehen. Dieses Geschichte gefällt mir ausgezeichnet, sie ist aus der Vogelperspektive des kleinen Wellensittichs Frankys geschrieben und untermalt mit zauberhaften Zeichnungen der Autorin Bettina Kleinelsen.

Ich empfehle das Buch in CD-Format gerne weiter. Ein Büchlein so für zwischendurch, für gesellige Familienrunden und als kleinen Mitbringsels zum Kindergeburtstag.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2022)










Montag, 23. Mai 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Rollator Blues: Vielleicht muss man ja doch nicht sterben - Wolfram Hänel



Ein bemerkenswerter Roman, der mich fasziniert und in das Geschehen hineingezogen hat. Ein Roman mit einer enormen emotionalen Wucht. Ich habe geweint, gelacht, war nachdenklich, hab gebangt und gehofft. Die Rollator-Szene zum Beispiel, da habe ich vor Lachen fast unter dem Tisch gelegen.

Es ist eine Handlung, welche die Generation 60 plus im Hier und Jetzt beschreibt, die es noch mal wissen wollen, die noch mal das Feeling der Jugend zurückholen möchten. Sensibel, leise, manchmal laut, selbstironisch und manchmal bittersüß.

Die Generation, die anmerkt, dass sie so manches richtig und auch vieles falsch gemacht hat – Selbstreflexion – das Lebensgefühl der 60er beschreibend – Babyboomer – Hippie-Szene eingeschlossen. Szenen, mit vielen Musiktiteln unterlegt und feinen melancholischen Tönen. Ein Roman, der auch erzählt, warum diese Generation so geworden ist, wie sie ist. Es ist die erste Generation, welche bisher keinen Krieg erlebt hat und die das Erbe des Krieges ihrer Eltern in ihren Genen tragen.

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter. Es ist eine Geschichte, die viele lesen sollten, um meine Generation besser zu verstehen und ein Roman, welcher es verdient hat, verfilmt zu werden.

Chapeau Wolfram Hänel

Heidelinde Penndorf

(Mai 2022)








Samstag, 21. Mai 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Breaking Through - Caitlyn Young



Es ist eine sehr berührende Geschichte, die die Autorin in ihrem lebendigen, einfühlsamen Erzählstil der Leserschaft nahebringt. Die Themen Rassismus, Gewalt, Homosexualität, soziale Schichten, soziale Milieus und Prostitution stehen im Mittelpunkt.

Wir erleben junge, lebendige, interessante Charaktere, die sich selbst verloren haben und durch ihre Entwicklung wachsen und reifen, zu sich selbst finden und die auch zwischenmenschlich Trennendes überwinden. Es geht jedoch auch um Eltern, deren ›Erziehungsstil‹ und die Überwindung von Vorurteilen.

Spannend, interessant, intensiv und authentisch erzählt. Ich empfehle das Buch der Autorin sehr gern weiter. Prädikat Lesenswert.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2022)








⭐neue Leseempfehlung⭐: Aus drei wird Liebe - Sabine Reifenstahl



Nitsches Zitat: ›Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse‹, ist der Geschichte vorangestellt und die rote Linie, die durch das Geschehen führt.

Es ist eine kontrastreiche und spannende Story, die unter die Haut geht. Eine, welche die Themen Missbrauch und Misshandlungen anfasst, die aufzeigt, was das mit Betroffenen macht, wie sich die Psyche verändert und wie Narben, die man nicht sieht, immer wieder aufbrechen und zu Reaktionen und Handlungen führen, die keiner vorhersehen kann. Es ist jedoch auch eine Story, die aufzeigt, wie kraftvoll und positiv ehrliche Liebe auf die Psyche wirkt, Grenzen, Hürden und Vorurteile überwindet und allumfassend sein kann.

Die Autorin beeindruckt wiederholt durch ihre gefühlvolle, feinfühlige, bildhafte Schreibweise und ihren charakterlich gut gezeichneten Protagonisten. Es gelingt ihr, mit Animositäten aufzuräumen und durch die Handlung zu zeigen, dass gleichgeschlechtliche Orientierungen wertvoll, empathisch und normal sind.

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter. Prädikat: Lesenswert

Heidelinde Penndorf

(Mai 2022)







Freitag, 20. Mai 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Von Zeit zu Zeit - Heinz Flischokowski



Heinz Flischikowskis Lyrik ist geprägt durch eine berührende, philosophische Reflexion des Lebens. Es sind die fast verheilten Narben auf der Seele, die Sehnsucht und die Suche nach der allumfassenden Liebe, der verhaltene sanfte Schmerz, der aus den Worten klingt, das Mitgefühl und auch die Nachdenklichkeit, die in seiner Lyrik mitschwingen und berühren.

Es ist auch der Blick auf unsere Welt als Ganzes, der Blick auf die Gegensätzlichkeit des Menschseins, der Blick auf das Altwerden und die Balance der Emotionen, des lyrischen Ichs, getragen durch die Liebe, die unter die Haut gehen und das Dunkle heller leuchten lassen.

Ich empfehle den kleinen Lyrikband sehr gerne weiter, er ist auch eine Reise durch unsere Gedanken und ein kleiner Wegweiser.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2022)







⭐neue Leseempfehlung⭐: Die Chroniken der Grenzlande 2 - Traumpfade - Johannes Freitag



Die Faszination des Auftaktbuchs durchzieht auch den zweiten Teil der Buchserie. Beeindruckend fantasievoll erlebt die Leserschaft einen immerwährenden Wechsel des realen Lebens zu den Grenzlanden, dem Traumland. Auch hier nutzt Johannes Freitag die Macht des Unterbewusstseins und zaubert mit seiner Geschichte den Leserinnen und Lesern lebhafte Bilder in den Kopf.

Ein wenig erinnern mich Teile des Geschehens an die Songlines respektive Traumpfade der Aborigines, denn wie im ersten Teil des Buchs durchziehen thematische Songtitel die Story und bilden unsichtbare Linien und mystische Wege, die uns durch die Handlung begleiten.

Dunkle und helle Mächte ringen miteinander, die Herausforderungen auf beiden Seiten sind enorm, werden noch vertieft durch undurchsichtige Masken-Charaktere und deren dunklen Seite. Das Mysterium der ominösen Liste, konnte ebenso wenig gelöst werden, wie die Fragen um die Bedrohung der realen Welt und die Wachheit des ICHS der Protagonisten. Es bleibt also spannend, ob der dritte Teil der Reihe, die Rätsel und den Kampf der Mächte zu lösen vermag.

Ein Hinweis an die Leserschaft: Diese Buchreihe kann man nicht unabhängig voneinander lesen, weil sie in sich nicht abgeschlossen sind und die Teile eine Einheit bilden.

Ich empfehle auch den zweiten Teil sehr gerne weiter. Prädikat: Lesenswert

Heidelinde Penndorf

(Mai 2022)






Mittwoch, 4. Mai 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Lass es zu! : Der Anfang - Jes Schön



Brillant kommt der zweite Teil der Buchserie ›LASS ES ZU‹ als Prequel daher. Die Fortsetzung folgt also nicht der chronologischen Abfolge der Handlung, sondern erzählt die Vorgeschichte des ersten Teils. Außergewöhnlich stark. Die Leserschaft erfährt einen interessanten Mix an Hintergrundinformationen der komplex handelnden Personen und teils auch, warum sie so sind, wie sie sind und, und warum sie nicht über ihren eigenen Schatten springen können.

Wir erleben in diesem Buch Extreme der inneren Angst, des Zweifelns, Auswirkungen verstörender Vergangenheitsbewältigung, aber auch das Schöne – die Entdeckung der Liebe und Selbstliebe. Wundervolle erotische Liebesszenen, sehr intime zwischenmenschliche Herzensmomente voller Vertrautheit und Verletzlichkeit bereichern die Handlung und malten mir beim Lesen ein zauberschönes Kopfkino. Spannend und absolut gelungen, ist auch der Wechsel zwischen den beiden personellen Erzählperspektiven - das ergibt ein wunderbares, klares Bild der Gefühlswelt, des Denkens und Handels beider Hauptprotagonisten, einfach genial.

Und schon hat Jes Schön ihre Leserinnen und Leser am berühmt-berüchtigten Haken, denn an der sensibelsten Stelle, lässt sie den zweiten Teil enden und stellt einen dritten Teil in Aussicht. Mit ihrem gehobenen, situationangepassten Wortschatz und ihrem flüssigen, anschaulichen Schreibstil wird das Prequel zu einem interessanten, spannenden Leseerlebnis. Ein wichtiger Hinweis an die Leserschaft: Die Bände kann man nicht unabhängig voneinander lesen, weil sie in sich nicht abgeschlossen sind und die Teile eine Einheit bilden.

Chapeau Jes Schön!

Ich empfehle auch den zweiten Teil der Buchserie sehr gerne weiter. Prädikat: Lesenswert.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2022)








Freitag, 29. April 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Im Morast der Lügen (Ein Harris & Morgan Thriller 2) - Marion Krafzik



Band II besticht mit einem hintergründig sozial-gesellschaftlichen Themenkomplex. High Society-Gier, die verführt, im Besitz dessen zu sein, was herausragend und einmalig ist. Menschen, mit normalen und/oder niedrigem sozialem Status, die ein Stück vom großen Kuchen abhaben wollen und bereit sind, dafür alles zu tun.

Toxische Rivalitäten, mafiöse Clanstrukturen, Neugier, Neuanfänge, die Jagd nach der perfekten Story, Verstrickungen, Intrigen und Lügen, all das ist verwoben zu einer stimmigen, spannenden, konfliktgeladenen, psychisch dichten und aufregenden Geschichte, die nach Namibia und London führt.

Ich habe mich gefreut, den zwei weiblichen Spürnasen des ersten Buchs zu begegnen. Beide können es nicht lassen einzugreifen, eben da, wo kriminelle Machenschaften Leben bedrohen. Frauen-Power im Doppelpack.

Sehr berührt hat mich die angerissene Lebensbiografie Annas, die eine Lebensrealität offenbart, die aufzeigt, was passieren kann, wenn Schuldgefühle zur Qual werden, Menschen in Abhängigkeit führen und wie holprig der Weg ist, der wieder ins normale Leben führt. Beeindruckend auch, wie warm und menschlich ein Arzt sein kann, wenn er denn voller Empathie auf seine Patienten zugeht.

Ein echter Krafzik Krimi, dynamisch und intelligent geschrieben. Die Autorin verleiht den Charakteren eine vielschichtige Lebendigkeit und führt ihre Leserschaft zu einer verblüffenden Auflösung, die ich habe so nicht kommen sehen.

Gern empfehle ich der Leserschaft das Buch weiter, es ist so nah an der Realität verschiedener Lebenswege.

Heidelinde Penndorf

(April 2022)






Dienstag, 12. April 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Mainhattan Krimi 12: b-ebene - Dietmar Cuntz



Ein Krimi, der viele psychologische Aspekte anspricht und ihnen nachgeht. Was kann passieren, wenn ein Täter die Verantwortung seines Tuns verdrängt, aus Angst, sich einzugestehen, dass seine Unachtsamkeit Menschenleben auslöschte und auch aus Angst, dafür Verantwortung übernehmen zu müssen? Da können Überlebende zu Tätern abgestempelt werden, obwohl sie keine sind.

Diese psychologische Selbstverleugnung des eigenen ICHS, mit allen Aspekten, die dazugehören, kann so weit gehen, dass der eigentliche Täter sich als Opfer inszeniert und dies seine ganz eigne verdrehte Wahrheit wird. Seine Tat verdrängend, sollen andere dafür auf mörderische Weise büßen und sie auf diese Weise sühnen. Was für eine kranke Psyche!

Der Delinquent hat sich ein kleines Netzwerk von Handlangern zugelegt, die geldhungrig ihm zu Willen sind, bis einigen ihr soziales Gewissen schlägt. Dadurch entstehen verzwickte und verzweigte Ermittlungswege und auch Gefahren für Ermittler und Opfer, die von Deutschland ausgehend, bis nach Bulgarien und Belgien führen. So erfahren die Leser auch ein wenig die sozialen Gegebenheiten und Möglichkeiten der beiden Länder.

››b-eben‹‹ – ein gut gewählter Titel für den Krimi, denn nur durch die Aufdeckung komplizierter Beziehungsebenen, kommt man der Tätergruppe und letztlich einer für mich überraschenden Täterperson auf die Schliche.

Ein unverwechselbarer Dietmar Cuntz-Krimi, denn die Leserschaft erfährt nicht nur eine spannende Story, mit sehr lebendigen Charakteren, sondern auch viel über das Familienleben der beiden Ermittler.

Dietmar Cuntz beschreibt sehr anschaulich, welche privaten Hürden sich auftun, wenn Mann und Frau mit Handicap plötzlich Eltern werden. Welche Herausforderungen kommen da körperlich und auch psychisch auf das Elternpaar zu? Und wie können Sie mithilfe der Großeltern und sozialer Einrichtungen gemeistert werden? Diese Kombination aus Krimi und des zwischenmenschlichen, sozialem Hintergrunds, finde ich beeindruckend gelungen.

Gern empfehle ich das Buch weiter. Prädikat lesenswert.

(April 2022)






Samstag, 9. April 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Verdammtes Blut: Schwedenthriller - Fiona Limar & Leif Eklund



Das Autorenduo Fiona Limar & Leif Eklund schreibt sich mit diesem dritten Schweden-Thriller ein paar Plätze höher, hin zum Bestseller. Ganz nah an der Realität perverser Verbrechen haben sie eine mitreißende Story geschrieben, treiben den Spannungsbogen durchweg in die Höhe und halten ihn bis auf die letzten Seiten. Die Protagonisten wissen fast immer nur so viel wie die Leserschaft und das macht das ganze Geschehen überaus prickelnd interessant.

Die mehrdimensionalen handelnden Personen kommen sehr überzeugend rüber. Manche Protagonisten und Antagonisten sind Maskenmenschen und man muss genau schauen, was Schein und Wahrheit ist, beeindruckend gelungen. Frühe Vergangenheit und Gegenwart reichen sich die Hand, als ein sadistischer Serienkiller sein Unwesen treibt.

Da ich oft in Bildern denke, haben die Beschreibung seiner Taten bei mir Bilder in den Kopf gezeichnet, die grausig waren – also nichts für schwache Nerven. Mehrere spannende Handlungsstränge führen in die Vergangenheit Gotlands und in die Gegenwart Göteborgs, wo das wirre Knäuel zu einem roten wegweisenden Faden wird, der zum Ermittlungserfolg führt.

Doch bis dahin ist es ein langer verzweigter Weg, der oft in chaotischen Irrwegen verzweigt und Ermittler und Protagonisten fast verzweifeln lässt. Es gibt auch emotionale, schicksalhafte Begegnungen mit Personen, die gleichzeitigen Opfer und Täter in einem sind. Die Auflösung des Ganzen erfolgt erst auf den letzten Seiten des Buchs, ist überraschend für die Leserschaft und aufregend spannend.

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter. Prädikat lesenswert.

Heidelinde Penndorf

(April 2022)










Samstag, 2. April 2022

⭐neue Leseempfehlung⭐: Friesenstern: Ostfriesen-Krimi (Diederike Dirks ermittelt 9) - Stefan Wollschläger



Wieder ein echter Wollschläger – Ostfriesen-Krimi und ein turbulentes und aufregendes Wiedersehen mit dem Ermittlungsteam um Diederike Dirks. Spannend, lebendig, auf Irrwege führend, gut ausgeprägte Charaktere mit psychologischer Dichte, viele soziale Interaktionen, die richtige Portion Dramatik und natürlich eine gute Dosis Lokalkolorit. Die Aufklärung eines grausigen Mordes hält das Team im Atem.

Was passiert, wenn Freigeist auf Narzissten trifft? Was kann geschehen, wenn Mensch als Kind im Elternhaus nur Härte, Schläge und Häme erlebt hat? Wie wirkt sich dies auf seine Psyche und sein Erwachsensein aus? Welche Probleme können sich auftun, wenn man Liebe mit emotionaler Abhängigkeit gleichsetzt oder wenn man aus Egoismus eine Wahrheit verschweigt, die letztlich ins Chaos führt.

All diese Fragen muss das Team nachgehen, um den Fall zu lösen. Die Auflösung des Ganzen ist überraschend anders, als ich dachte. Der lebendige Schreibstil, die Entwicklung der Handlungsbreite und die gut entwickelten Charaktere machen das Buch zu einem spannenden, abwechslungsreichen Lesevergnügen.

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter.

Heidelinde Penndorf

(April 2022)