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Freitag, 10. Mai 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Das Böse zeigt sein Antlitz - Renate Lehnort



Wir lernen Anja kennen, zerbrechlich, traumatisiert, therapiert, entzückend lieb und ohne Selbstvertrauen. Sie lernt Peter kennen, älter, reich, charismatisch, charmant und snobistisch selbstbewusst. Liebe auf den ersten Blick! Anja hat keine Chance, sich in der Ehe zu entfalten, sie hat eine hauchzarte Seele und ordnet sich seiner Stärke unter. Regie im Familienleben führen die erwachsenen Stiefkinder Anjas. Beides sind ausgesprochene Narzissten mit antisozialem Verhalten, geldgierig und machtbesessen. Und plötzlich erfährt Anja statt dem siebten Himmel, die Hölle eines ausgeklügelten Psychoterrors. Die junge Frau erlebt durch die Stiefkinder ein neues Trauma und einen schmerzhaften Verlust, der sie fast an den Rand des Wahnsinns bringt und landet in der Psychiatrie.

Dort zeigt Anja eine dissoziative Identitätsstörung und Lisa übernimmt nun größtenteils die Führung über Anja – sie fliehen aus der Psychiatrie. Lisas Persönlichkeit ist so stark ausgeprägt, dass sie in weiten Teilen Anjas Ich unterdrückt. Sie kleidet sich anders, genießt das Leben in wilden Zügen, trinkt, nimmt Drogen und hat Sex mit mehreren Männern. Die nutzt sie aus, für ihre Rachepläne. Diese betreffen Anjas Stiefkinder. Sie sollen leiden, für dass, was sie Anja angetan haben. Lisas Hass geht soweit, dass sie Peters Kinder entführt, grausam misshandelt und ermordet. Anjas zweites Ich hat Lisa völlig unter Kontrolle.

Wie kommt Anja aus dieser Situation wieder heraus? Wie kann sie nach diesen schrecklichen Ereignissen wieder in greifbare Nähe eines normalen Lebens gelangen? Wird ihr Mann sich nicht von ihr abwenden?

Renate Lehnort löst diese Situation pfiffig, intelligent und gekonnt auf. Respekt!

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter. Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und interessant, die lebendigen Protagonisten und Antagonisten überraschen mit Irrungen und Wirrungen und führen uns auf verschlungenem Weg zum auflösenden Ende des Buchs. Wirklich bemerkenswert gut gelungen, finde ich die Schilderung der typischen Eigenschaften einer dissoziativen Identitätsstörung.

Heidelinde Penndorf

(10.05. 2019)





Montag, 6. Mai 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Tabun - Thriller - Michael Paul



Tabun – eigentlich als Insektizid auf Basis organischer Phosphorverbindungen entwickelt, aber zu toxisch, um es in der Landwirtschaft anzuwenden, wurde umfunktioniert zu einem der giftigsten und tödlichsten Nervengase der Welt, hergestellt im Jahr 1936 in Nazideutschland. Ein chemischer Overkill – der Gott sei Dank im dunkelsten Kapitel der Geschichte unseres Landes nie zum Einsatz kam.

Und genau dieses hochtoxische Nervengift Tabun hat Michael Paul in den Mittelpunkt seines gleichnamigen Romans gestellt. Ein packender, fesselnder auf Hintergrundwissen und Tatsachen beruhender Öko-Politikthriller, mit fiktionalem Einschlag, der es in sich hat. Er zeigt auf, dass wir auf der größten Zeitbombe und den größten Umweltskandal der Nachkriegszeit sitzen und kaum einer weiß es, kaum einer schreibt und spricht darüber. Immerhin wurden u.a. etwa 12.000 Tonnen Tabun hergestellt und verarbeitet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Unmengen an Munition, so auch die mit Tabun befüllten Bomben und Granaten in der Ostsee versenkt. Sie sind also weg, nicht mehr sichtbar!

Im Buch ist auch zu lesen, dass der Fischbestand durch dieses Toxin immer mehr geschädigt wird, dass wir diesen Fisch essen, der vielleicht verseucht ist, dass manche Fischer beim Fischfang durch die chemischen Gifte in Lebensgefahr geraten sind und es immer wieder passiert und Politik schweigt und unternimmt nichts! Und Fische wohlgemerkt, kennen keine Ländergrenzen.

Totgeschwiegen wird auch, dass der begonnene Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 durch die Ostsee deshalb auch eine immense Gefahr darstellt. Genauso, dass viele Bernsteinfunde gar kein Bernstein, sondern weißer Phosphor sind, der von der tonnenweisen phosphorhaltigen Munition in Nord- und Ostsee stammt, die damals im Meer verklappt wurde und immer öfter an die Oberfläche und den Strand gespült wird. Davor warnen die Kurverwaltungen eher verhalten, weil er zu Selbstentzündungen führen kann – doch Politik schweigt auch hier.

Dass nicht der ganze tödliche Giftstoff in der Ostsee landete, ist in der Handlung des Buchs eine Fiktion, liegt aber vielleicht nahe bei der Wahrheit, wie ich bei meiner Recherche zum Buchinhalt feststellte. Denn 2009 fand man in Wittenberge, ein völlig verrostetes Fass, aus dem Gas austrat. Ein Test ergab, dass eine wichtige Eigenschaft auf Tabun hinwies und man musste es mit einem Spezialkommando entsorgen.

Was würde passieren, wenn solche Funde in die Hände jener Menschen gelangen würden, die es benutzen wollen, um damit ihre abstrusen Visionen, ihre Gier und Machtgelüste durchzusetzen? Im Buch begegnen wir einem hochintelligenten Antagonisten, der genau dies vorhat! Ihm in den Weg stellt sich die ehemals gefürchtetste Oberstaatsanwältin Deutschlands, Katharina König. Sie übt ihren Beruf nicht mehr aus, seit sie durch ein Attentat erblindet ist. Ihr zur Seite gestellt wurde der etwas verwuschelter Assistent und Jazzmusiker Elias, welcher in schwierigen Situationen über sich hinauswächst. Beide sollen da genauer hinsehen, wo Politik, Justiz und Polizei scheinbar wegschauen.

Michael Paul wollte es genau wissen, wie man sich fühlt, was man wahrnimmt und wie man zurechtkommt, wenn man nicht sehen kann. Er wagt das Experiment und macht sich für eine Woche sozusagen blind, um im Roman die Authentizität einer blinden Ermittlerin rüber zu bringen, sogar eine Trainerin hat er dafür organisiert. Und der Autor hat viel gelernt in dieser kurzen Zeit und es im Buch gut umgesetzt, denn die Hauptprotagonistin kommt absolut charismatisch und glaubwürdig rüber. Sie findet sich gut zurecht, denn durch ihre Blindheit hat sie ihre anderen Sinne geschärft und kaum einer merkt ihr an, dass sie blind ist. Sie ist immer tadellos frisiert, geschminkt und geschmackvoll gekleidet. Im Laufe der Ermittlung erstaunt ihr Assistent immer wieder, wie aufmerksam, konzentriert und aufnahmefähig Katharina König Umwelteindrücke wahrnimmt und verarbeitet. Einige wichtige Tatsachen wären ihm ohne ihre geschulten Fähigkeiten gar nicht aufgefallen.

Spannend und fesselnd kommt die Story rüber. Der Autor legt sogar noch mal nach und die Spannung erreicht ein hohes Level, als die ehemalige Staatsanwältin dem Mann gegenübersteht, der für ihre Blindheit verantwortlich ist. Dann überschlagen sich die Ereignisse, nehmen einen überraschenden dramatischen Verlauf. Den Lesern wird ein Endzeitszenario vor Augen geführt – aufreibend, beklemmend, aktionsreich und fesselnd bis zum Ende.

Ich hatte bis dato auch keine Ahnung, welch Damoklesschwert über uns schwebt und Danke dem Autor für das Wissen, was er vermittelt und das noch so gut gekonnt und interessant, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann, bis die letzte Seite gelesen ist.

Meine Meinung im Besonderen: Bevor wir alle anderen Umweltprobleme, die wir durchaus haben, angehen, sollte dieses in den Meeren gelöst werden, da es uns sonst einmal um die Ohren fliegt – eine tickende Zeitbombe in der Ostsee, die jederzeit explodieren könnte, mit schwerwiegendsten Folgen für uns und unsere Erde.

Das Buch hat meine absolute Leseempfehlung, lesen Sie es unbedingt! Die Protagonisten und Antagonisten sind sehr lebendig und charismatisch, die Story ist so spannungsgeladen, dass einem fast die Luft wegbleibt.

Heidelinde Penndorf

(06.05.2019)






Montag, 29. April 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Katjuscha - Thriller - Jean P.



Der Autor nimmt sich eines Themas an, welches nur in die Schlagzeilen gerät, wenn etwas Spektakuläres passiert. Frauenhandel – ein Thema mit vielen Grauzonen und eines, welches zu einem beachtlichen Wirtschaftsfaktor und von der Politik und Wirtschaft oft tabuisiert und doppelmoralisch diskutiert wird.

Es ist ein fiktiver, spannender dramatischer und subtiler Psycho-Thriller, einer, der mich nicht zur Ruhe kommen ließ und mich auch des Nachts noch beschäftigte. Es gibt so einige Schockmomente und überraschend inszenierte Wendungen im Roman. Die Sprünge zwischen den Kapiteln sind manchmal irritierend, sorgen aber für so einige Cliffhänger. Denn die Handlung ist nicht linear angelegt, sondern beschreibt das Tun und Denken der beiden Hauptprotagonisten und ihres jeweiligen sozialen Umfelds immer abwechselnd zur Situation.

Jean P. bedient sich vieler Flashbacks und emotionale Trigger-Erlebnisse, auch um herauszustellen, dass Svetlana, die Hauptprotagonistin einen inneren Kampf mit sich ausficht, weil zu lang Verdrängtes sich in ihre Träume und ihre dramatische Ist-Situation hineindrängt – durch eine Droge noch verstärkt, weiß sie oftmals nicht, was Fiktion und was gerade Realität ist. Doch irgendwie hat sie das alles schon einmal erlebt … dieses Willenlose, diese Gefügigkeit und so viel mehr an Grausamkeit.

Doch damit nicht genug, der Autor nutzt situationsbedingt auch viele metaphorische Elemente – da ist das Labyrinth, wo beide Hauptprotagonisten dann getrennte Lebenswege gehen, aber immer noch verbunden durch den sprichwörtlich roten Faden ihres gemeinsamen Lebens, verbunden auch durch ihre telepathische Zusammengehörigkeit. Da ist auch Jakobs Kampf am Jabbok und Homers Odyssee – der Kampf und die lange Reise, um sein eigenes Selbst zu finden und Joseph Freiherr von Eichendorffs: »Mondnacht« und letztendlich unter anderem auch das russische Lied »Katjuscha«, welches dem Buch seinen Namen gab. Es sind Elemente, die beide Protagonisten irgendwie immer miteinander verbinden und für ihren Kampf und auch ihre Liebe stehen.

Immer spannend und aufregend kommt die Story rüber, sehr lebendig ist sie, genauso die Protagonisten und Antagonisten – erzeugt ein ziemlich dramatisches Kopfkino, welches ich nach dem Lesen der letzten Seite nicht so ohne Weiteres abschalten konnte, zumal der Schluss ziemlich rasant gestaltet ist. Das Cover passt hervorragend zur Story.

Sind Sie neugierig geworden? Dann lesen Sie das Buch, liebe Leserinnen und Leser – ein Thriller, der es in sich hat und ein brisantes Thema berührt. Ich empfehle es Ihnen sehr gern.

Heidelinde Penndorf

(29.04.2019)




Mittwoch, 24. April 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Tiranorg: Schwertliebe (1) - Judith M. Brivulet



Es ist eine interessante fiktionale irisch-keltische mythologische Anderswelt, eine zu der, laut Mythologie, an Samhain das Tor offensteht, und man diese Welt dann betreten kann …

Die Leser lernen das Land Tiranorg kennen, welches Cernovia, das Land der Graselfen, Gwyneddion, das Land der Waldelfen, auch das Land der Meerelfen und auch den Geheimbund der Arsuri beheimatet. Faszinierende Protagonisten und Antagonisten bevölkern diese fantastische Welt.

Es geht um Macht, Besitzansprüche, Missgunst, Neid, Hass, Begierden, Gier, verletzen Stolz, Zerwürfnisse, um geopolitische Interessen, Verrat, List und Tücke, Unterdrückung, Schutz und Verteidigung, Freundschaft und Liebe – ganz so, wie bei uns Menschen auch – nur dass es bei uns keine weiße und schwarze Magie gibt, um zum Ziel zu kommen, um zu heilen und Frieden zu stiften, oder auch um seine negativen Gelüste durchzusetzen.

Spannend wird es, als sich zwei herausragende Protagonisten zweier unterschiedlicher Länder in Liebe vereinen und dann ein kleines Mädchen aus dieser Verbindung hervorgeht. Es hat was von ›EIN KIND WIRD GEBOREN‹, denn das Interesse des Königs von Gernovia, der Meerelfen und des Geheimbundes der Arsuri ist groß, diesem Kind und seiner Mutter habhaft zu werden. Beide werden zum Spielball der Macht und der verschiedensten Interessen. Warum Mutter und Kind so wichtig sind, löst sich in der Handlung nach und nach auf und erzeugt einen AHA-Effekt. Es beginnt ein Wettrennen mit der Zeit, ein Kampf um Leben und Tod, ein Kampf um Gut und Böse, ein Kampf, in welchem sich Freundschaft bewährt und falsche Freunde sichtbar werden – ein Kampf, der kräftezehrend ist und viele Opfer kostet und in welcher die schwarze Magie oftmals am Siegen ist. Doch sie hat zwar Siege errungen, aber die Schlacht nicht – letztendlich gewinnt im ersten Teil der mitreißenden Geschichte das Gute, die Liebe und die starke Freundschaft.

Sehr gefallen hat mir die Zwiesprache der werdenden Mutter mit ihrem ungeborenen Kind und später auch dessen Vater – echt berührend, genauso die Beschreibung der verschiedenen Emotionen zwischen den zwei Liebenden. Die beschriebenen Sex- und Liebesszenen geben der Handlung einen sinnlich erotischen Kick und sorgen bei all dem Kampfgetümmel zwischendurch für etwas Entspannung. Gut fand ich auch, dass Mutter und Kind über ein Portal in die Menschenwelt gerettet wurden, die Zeit der sieben Menschenjahre, die sie dort verbrachten, hätten ein bissel ausführlicher sein können – doch was dann bei der Rückholung passierte, ist so spannend, dass es dieses kleine Manko wieder wettmacht.

Spannende fesselnde High Fantasy, mit sehr lebendigen charismatischen Protagonisten und Antagonisten – richtig gut gelungen. Kompliment an die Autorin Judith M. Brivulet!

Meine Leseempfehlung hat das Buch, denn es ist ein aufregendes spannendes Lesevergnügen von 610 Seiten (eBook), welches Freunde der High Fantasy sich nicht entgehen lassen sollten.

(24.04.2019)

Heidelinde Penndorf






Donnerstag, 18. April 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Deutschland, Deine Schuldner: Wie Bürger zwischen Konsum, Billigkrediten und Obrigkeitsdenken verheizt werden - Andreas Puderbach



Da ist einer, der hat Zivilcourage und schreibt ganz unverblümt die Wahrheit und belegt sie auch noch, mit Fakten, Zahlen und an Hand von Beispielen aus der erlebten Praxis. Wieder einer der aufklärt, wie es sich in unserem Staat lebt, wenn man sozial stigmatisiert wird. Wieder ein Denker, der sich in die Reihen derer einreiht die durchblicken, wie zum Beispiel Richard David Precht, Dirk Müller und Prof. Dr. Christoph Butterwegge. Und vieles was der Autor Andreas Puderbach schreibt, liegt auch ganz nah bei Karl Marx – wer »Das Kapital« gelesen hat, wird das sicher bestätigen können. Und wieder werden die Politiker, die Lobbyisten und die Wirtschaftsbosse der großen Konzerne das ganze verharmlosen, belächeln und aus ihrem Kopf entsorgen – Deutschland geht es ja gut – wir sind ja Exportweltmeister … wir haben mit das beste Sozialsystem. Das war einmal, vor vielen, vielen Jahrzehnten. Die sind alle blind und taub gegenüber der Wahrheit und reden sich die Armut schön, verharmlosen sie und tabuisieren sie.

Willkommen in der utopischen, surrealen Sichtweise der deutschen Politiker, Lobbyisten und Konzerne. Wir erleben eine Politik, Wirtschaftskonzerne und Lobbyisten, denen die Empathie abhandengekommen ist, wenn sie denn je welche besessen haben.

In unserem Land wird eine Sozialpolitik gegen die Masse unserer Bevölkerung gemacht, es ist eine Politik, die den Mittelstand den Boden unter den Füßen wegzieht, Kinderarmut und Altersarmut produziert und die Obdachlosigkeit ansteigen lässt – statistisch gesehen ist jeder achtzigste Bewohner unseres Landes obdachlos – eine Zahl, die für sich spricht.

Immer mehr steuerliche Belastungen erreichen nun auch den Mittelstand – eigentlich war der mal die Säule unserer Wirtschaft – das ist schon lang nicht mehr so im Turbo-Kapitalismus, da wird den Großkonzernen gehuldigt. Es ist auch eine Politik, die nicht daran interessiert ist, dass unsere Kinder lebenstauglich aus den Schulen entlassen werden. Unser Schulsystem wurde kaputt rationalisiert und ist schon lange nicht mehr auf dem neuestem Bildungsstand.

Von den Ärmsten wird abgezockt, dass sie grad so überleben können, aber ausgeschlossen sind vom sozial/kulturellem Leben. Weil sie es sich nicht leisten können.

Andreas Puderbach nennt Fakten, Fallbeispiele und Zahlen. Erklärt wie es in unserem System funktioniert und auch, dass Menschen die Schulden haben, Menschen, die arm sind, oft auch durch die Maschen der Sozialgesetze und unseres Rechtssystems fallen – denn bist Du arm, bist Du auch rechtlich eingeschränkt und es warten die Inkasso-Systeme, die dich an den Rand des Wahnsinns treiben können. Manche werden sagen – selbst schuld, wenn es so ist, selbst schuld an der Armut – dass auch dies in den meisten Fällen nicht so ist, belegt dieses Buch detailliert. Der Autor schreibt auch, wie die staatlichen Institutionen mit solchen Menschen oftmals umgehen – sie werden als Bittsteller abgestempelt, denen man ein Almosen zugesteht – armes Deutschland!

Ich wünsche mir, dass Menschen, wie Andreas Puderbach und die oben genannten, auch Sozialwissenschaftler und auch solche Menschen wie Götz Werner zusammen eine Lobby für die Armen bilden – denn Armut hat in unserem Land keine Lobby und es wäre gut, wenn sie endlich eine bekäme.

Und ich wünsche mir, dass viele dieses Sachbuch lesen, weil es mit Fakten und Hintergrundwissen gespickt ist, wie es viele nicht haben. Deshalb empfehle ich dieses Buch sehr gerne weiter – Lesen Sie es, es ist wichtig – Verschließen Sie auch die Augen nicht vor der Wahrheit, wenn sie auskömmlich leben können in unserem Land.

Heidelinde Penndorf

(18.04.2019)





Sonntag, 14. April 2019

⭐brandneue Rezension⭐: Wenn Mauern fallen - Hilde Willes



Eine emotionale Wucht ist da auf mich eingestürmt … sensibel und leise und doch so laut, so lebendig, so real, so menschlich – die Gefühlsskala rauf und runter – amüsant, manchmal überaus lustig und dann wieder ganz ernst – lachen und weinen, so nah beieinander – manchmal märchenhaft zauberschön und manchmal so realistisch erschreckend kalt und traurig. Doch immer fesselnd, immer spannend – es ist ein Buch mit vielen Reibungspunkten, ein Buch, in dessen Inhalt man versinkt, ein Buch, welches nachdenklich stimmt.

Wenn Mauern fallen … der Titel, der birgt so viel – die Euphorie, während die innerdeutschen Grenzen fallen und die Ostdeutschen, wie Heuschrecken in die ›ehemaligen westdeutschen Zonenrandgebiete‹ ausschwärmten, die Läden leerkauften und nicht nur da. Fremde Menschen sich plötzlich in den Armen liegen und zusammen feiern. Wir sind eins – ein Volk.

Und dann die Faschingszeit – der Clown mit der aufgemalten Träne, der da mahnt: ›So bleibt es nicht‹. Wie recht er doch hatte – die Euphorie sie hat sich verflüchtigt, in der Jetztzeit. Das reale Erleben der Menschen, in den ehemaligen ›westlichen Zonenrandgebieten‹, das kannte ich bisher nicht und auch nicht, was sie in der Jetztzeit fühlen, denken und erleben – es zu lesen, hat mich tief berührt. Der Aufbau Ost hat auch ihnen wirtschaftliche und dadurch auch persönliche Veränderungen abverlangt, die nicht immer gut waren. So manches Dorf verwaiste, verlor seine wirtschaftliche Kraft … Verluste, also in Ost und West – auf beiden Seiten – Verlierer des Mauerfalls. Und in so manchen von uns, türmen sich wieder neue Mauern, diesmal in den Köpfen …
Und Mitten in diesem Durcheinander, in welchen Politik und Wirtschaft ihre Fäden ziehen, begegnet Conny, beheimatet in einem kleinen hessischen Ort, nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze, ihrem Traumprinzen Jo, von dem sie schon immer träumte – Ost vereinigt sich in Liebe mit West. Eine Liebe, die so innig und tief ist, dass sie nie enden soll. Doch mit brachialer Urgewalt dringt das Unheil in diese kleine, heile Welt. Eine Zukunft ohne Jo – ohne Vater – für ihre Tochter und den noch ungeborenen Sohn. Die junge Frau fällt ins Bodenlose, verliert ihre innere Sicherheit, da fallen keine Mauern – sie baut welche – damit sie überleben und funktionieren kann – für ihre Kinder. Und Jo – ihre große Liebe, den stellt sie ganz hoch auf einen Sockel – wenn sie auch nicht begreifen kann, was da passiert ist, mit ihm. Und nach und nach kehrt sie ins Leben zurück – aber anders als bisher – introvertierter. Sie funktioniert, muss das ja, schon wegen ihrer Kinder und auch wegen ihrer Freunde, die sie unterstützten, als sie abstürzte und denen sie auch immer zur Seite steht – ein Geben und Nehmen beiderseits.

Und dann kam der Tag, an welchem sich das Rätsel löste, warum Jo gegangen war, für immer. Auch in seiner Seele fiel eine schon morsche, fast kaputte Mauer – die Mauer des Vertrauens zu seiner geliebten Frau – sie krachte zusammen. Jo´s Tun – eine sensible, nicht vorhersehbare Schockreaktion – Kurzschlussreaktion

Da hat einer Schuld auf sich geladen, weil er das Misstrauen über Monate, über Jahre hinweg gesät hatte – bei dem waren alle Mauern gefallen, auch die der Ehrlichkeit, weil er Conni liebte und für sich haben wollte – der falsche Weg, um jemandes Liebe zu erringen. Ein zweifelhafter Weg, den dieser Mann gegangen war, der im Endeffekt den Kindern den Vater und der Frau den Mann nahm. Und doch alles in allem auch ein Protagonist, den ich mag – er hat nur für sich die falsche Entscheidung gefällt und Jo wiederum ebenfalls.

Fünf Tage lag Conni nach diesem Geständnis flach, fünf Tage verweigerte sie den Kontakt zur Außenwelt und ihrem sozialen Umfeld … Freunde kümmerten sich um die Kinder, keiner fragte nach, was passiert war. In diesem fünf Tagen fielen die Mauern in ihr – zu lange war sie schon in ihrer Komfortzone – nun räumte sie in sich auf. Stellte fest, dass Jo auch nur ein Mensch war und kein Prinz, sonst hätte er den Lügen Stand gehalten und ihr vertraut. Sie holte Jo von seinem Sockel herunter und sie begann wieder richtig zu leben, weil sie wach geworden war. Sie fühlte sich wieder, mit allen Sinnen.

Ein wundervolles Buch, geschrieben in einer sehr bildhaften Sprache, mit emotionaler Tiefe, und überaus lebendigen Hintergründen und Protagonisten – Kopfkino par excellence.

Sehr gern empfehle ich das Buch an die Leserschaft weiter.

Heidelinde Penndorf

(13.04.2019)









Sonntag, 7. April 2019

*brandneue Rezension*: Raureifzeit: Historischer Roman (Cearas Wege 2) - Cornelia Briend



Ein packender, epischer, gut recherchierter Frühmittel-alterroman, welcher das Zeitkolorit um das Jahr 985 der Normandie und Irlands beschreibt. Faszinierend und sehr eindrucksvoll kommt die Geschichte rüber. Eine Story, die nicht nur durch die lebendige Handlung und ihre charismatischen Protagonisten beeindruckt, sondern auch zeitgeschichtliches Wissen vermittelt. Geopolitisch war es eine Zeit des Umbruchs, der Völkerwanderung und der Aufteilung der Gebiete unter den Sippen. Schon damals ging es um Macht, Besitzstandswahrung und Erweiterung, Neid und Missgunst, List und Tücke – man sieht, die Menschheit bewegt sich immer im Hamsterrad.

Interessant finde ich die damalige Teilung der Kindererziehung – die Kinder blieben höchstens bis zum siebten Lebensjahr bei den Eltern und wurden dann in die Obhut ihrer neuen Erzieher (Ausbilder) diverser Clans gegeben. Mädchen meist, um hauswirtschaftliche Dinge zu lernen, auch erhielten sie eine Ausbildung entsprechend ihrer Neigungen und Anlagen. Jungen wurden in den Kampfarten ausgebildet und auch zusätzlich ihren Anlagen entsprechend.

Die Ziehkinder erlernten sozusagen auf diese Weise ihre späteren Berufe – man gab sein Wissen an die jüngere Generation weiter – irgendwie ziemlich intensives Lernen. Und ihre Zieheltern waren oft die Oberhäupter der Clans, mit denen die Eltern befreundet oder verwandt waren, aber auch jene, mit denen man wirtschaftliche und politische gemeinsame Ziele hatte, oder jene, mit denen man sich gut stellen und verbünden wollte.

Mädchen wurden, kaum den Kinderschuhen entwachsen, dem Mann zur Frau gegeben, von dessen Sippe/Clan man sich wirtschaftliche und politische Vorteile versprach und hatten reichlich Nachkommen zu gebären.

Herzog Richard sorgte für den Wiederaufbau der Kirche und auch dafür, dass die kirchlichen Ämter neu besetzt wurden. Schon damals prangerte die Kirche ›das Anderssein‹ eines Menschen, zum Beispiel gleichgeschlechtliche Sexualität und Liebe, als verwerflich an.

Dies alles und noch viele andere interessante Details sind eingebettet in die Geschichte um die junge mutige Frau Ceara, die sich durch den Tod ihres Mannes selbst verlor und in der Vergangenheit feststeckte. Dann jedoch durch einschneidende Erlebnisse gezwungen war, sich zu entscheiden, welchen Weg sie fortan gehen will. Ceara wächst über sich selbst hinaus, begräbt alte Träume, findet ihre innere Mitte und so auch neue Wege und Ziele und am Ende eine neue innige Liebe.

Das Buch ist die Fortsetzung des historischen Romans »Brombeerblut«, aber ein in sich geschlossener Roman. Es ist keine Lektüre, mal so zwischendurch, sondern eine, die die damalige Historie, deren Lebensbedingungen, das damalige soziale Gefüge und existierende reale Schauplätze, mit einer interessanten abenteuerlichen Story verbindet – ein kleiner Wissensschatz für die Leserschaft.

Ich empfehle das Buch sehr gern an die Liebhaber historischer Romane weiter – Lesen Sie das Buch, es ist in einer feinen visuellen lebendigen Sprache geschrieben, die der Leserschaft ein exzellentes Kopfkino schenkt

Heidelinde Penndorf

(07.04.2019)





Donnerstag, 4. April 2019

*brandneue Rezension*: 20.000 Morde unter dem Meer: Penny Küfer ermittelt - Alex Wagner



Penny Küfer hat es geschafft und ihre Ausbildung als Privatdetektivin erfolgreich abgeschlossen. Und schon hat sie einen neuen Auftrag, der sie diesmal auf ein Luxus-U-Boot eines Literaturliebhabers des Genres Krimi führt. Echt genial – der Besitzer beherbergt dort eine riesige Bibliothek mit ausgesuchten und teuren Raritäten dieses Genres – eben ca. 20 000 Bücher – also 20 000 Morde  gut gewählter Titel. Ein Traum, aber nicht nur diese Buchschätze, sondern auch dieses Luxus-U-Boot – Unterwasserwelt live erleben. Da hätte ich mir mehr Ausschmückungen gewünscht, von dieser besonderen Welt, die nur wenige zu sehen bekommen. Ein schneller Roman, ohne das Denkmuster der Jung-Detektivin zu beleuchten – fast so ein bissel wie bei Inspektor Columbo – der ja auch nie preisgab, zu welchen Rückschlüssen seine Beobachtungen und Ermittlungen führten. In dieser Art löste dann Penny Küfer auch diesen dritten Fall und doch war sie irgendwie gebremst in ihrer Art. Geschrieben ist dieser Kurzkrimi wieder in der lockeren, spritzigen, lebendigen Schreibweise, die ich so mag und die das Markenzeichen der Autorin ist.

Ich mag die Serie mit der jungen flippigen intelligenten Privatdetektivin und auch wenn sie diesmal nicht so zum Zuge kam und es bei mir nicht ganz so gefunkt hat, wie in den anderen beiden Teilen. ich empfehle das Buch gerne weiter – ein schnelles Lesevergnügen für zwischendurch und es gehört einfach auch in die Sammlung dieser Reihe.

Heidelinde Penndorf

(03.04..2019)







Samstag, 30. März 2019

*brandneue Rezension*: Friesenjagd: Ostfriesen-Krimi (Diederike Dirks ermittelt 6) - Stefan Wollschläger



Die Ausgangssituation ist schaurig – ein Bräutigam, der während der kirchlichen Trauung stirbt – doch das ist noch nicht alles – denn es gibt drei weitere Tote und alle weisen ein gemeinsames Merkmal auf. Doch sonst scheinen sie in keiner Verbindung zueinander zu stehen.

Diederike Dirks und Oskar Breithammer erleben bei den Ermittlungsarbeiten mehrere Verdächtige mit komplizierten Lebenslagen. Da sind eine Patchworkfamilie, deren Vater in ziemlich aggressiver Weise die älteste Tochter von allen abschirmt, niemanden an sie heranlässt. Diese allerdings ist spontan und lebenshungrig und will ihre eigenen Wege gehen. Die Leser lernen auch ein Freundschaftsquartett kennen, welches die Schulzeit überdauerte und bis zu den mörderischen Taten zusammenbleibt, eine fremdgehende Ehefrau, die alles aufs Spiel setzt, sich ihrer selbst nicht sicher ist und erpressbar wird. Und alle haben irgendwie mit den Taten zu tun – eine Sisyphusarbeit – die auf das Ermittlungsteam wartet und sie vor große Herausforderungen stellt.

Mittendrin taucht noch eine ominöse Kreditkarte auf und ein durchgeknallter Scharfschütze. Der liefert sich mit dem Ermittlungsduo eine mörderische Verfolgungsjagd und schießt dabei wild und mit sicherer Hand um sich. Breithammers noch instabile Psyche (beim letzten Einsatz wurde er lebensgefährlich verletzt), gerät ins Wanken und nur mit Mühe bewahrt er die Fassung. Dirks muss sich außerdem privat noch einem gut getarnten Bestechungsversuch stellen, was die Ermittlungen dann aber im Endeffekt voranbringt. Die Auflösung des mörderischen rasanten Spektakels war für mich total überraschend.

Absolut empfehlenswert, spannend und lebendig geschrieben, mit überaus interessanten Charakteren, entsprechendem Feingefühl und guter Recherche. Man muss dran bleiben beim Lesen, denn die verzwickten Ermittlungen verlangen die volle Aufmerksamkeit. Besonders ein Täter-Schicksal hat mich stark berührt – Psychose, durch Drogen ausgelöst – echt bedrückend, wenn die Seele so krank ist. Gut geschrieben!

Heidelinde Penndorf 

(30.03.2019)






Freitag, 29. März 2019

*brandneue Rezension*: Schwesternblut - Fiona Limar



Ein ungewöhnlicher Thriller, der mit einem Paukenschlag beginnt, dann leise Töne anschlägt und ein Thema berührt, welches im Alltagseinerlei kaum wahrgenommen wird, außer man wird mit der Nase darauf gestoßen oder hineingeschubst in den Wust der Probleme, die sich in Kinderseelen auftun.

Stets gibt es zwischen den leisen Tönen neue erschütternde Wendungen und Schockerlebnisse in der Handlung, die einen fast umhauen. Grausam und mörderisch.

Das Täterprofil ist nicht zu fassen, den Ermittlern läuft die Zeit davon. Fiona Limar führt uns auf verschlungene Ermittlungswege – nichts ist so, wie es scheint, denn jede Spur führt auch zu Tätern, aber nicht zu dem, der so unbarmherzig und überlegt gemordet hat – Sackgassen ohne Ende.

Und die Auflösung am Ende dann eine Überraschung – so etwas wie der Kain und Abel und Romulus und Remus-Effekt. Die Hintergründe zu den eiskalten grausamen Morden sind die individuellen Beziehungsmuster zwischen Kinder und Eltern und Geschwister untereinander, das ungleiche Verteilungsmuster der sozialen Ressourcen, also alles in allem tiefgreifende psychologische Aspekte. Täter werden zu Opfern und Opfer zu Tätern – die einen im sozial empathischen Bereich und die anderen werden gemordet.

Ich empfehle das Buch sehr gern weiter – eine geniale Mischung aus Spannung, psychologischer Tiefe, charismatischen Protagonisten, rätselhaften Irrwegen und einer guten Portion Thrill.

Heidelinde Penndorf

(28.03.2019)






Montag, 25. März 2019

LBM 2019 - Impressionen vom 23.03.2019 - Heidelinde Penndorf



Ich hatte mich ja im Vorfeld der LBM als Buch-kritikerin und Berichterstatterin akkreditieren lassen und schon war dieses Mal alles ein bisschen anders. Früh um neun fand ich mich im Pressezentrum ein. Da saßen sie nun, die Blogger, Journalisten und Berichterstatter der Zeitungen und der verschiedenen TV-Sender. Es war ziemlich still in diesem großen Raum, sogar an der Rezeption sprach man gedämpft, fast hätte man eine Stecknadel zu Boden fallen hören können. Manche frühstückten und andere schrieben schon fleißig auf ihren Tablets und Notebooks.

Ich habe mich angemeldet, bekam eine Hülle und Band für den Presseausweis und schlenderte dann durch die Glasgänge zur Halle eins. Da warteten schon drei junge Männer – Sicherheitskontrolle – Taschenkontrolle war angesagt. Ich so: »Sie wissen doch, wie das ist – Frauenhandtasche – Inhalt gleich Chaos – mein ganz persönliches – ich krieg das nie hin«. Ich entlockte allen dreien ein Lächeln, doch hereinschauen in mein Chaos mussten sie schon und grinsten dann – danach durfte ich passieren.

Zwischenzeitlich war es halb zehn, noch eine halbe Stunde bis zur offiziellen Einlasszeit für die Messebesucher – Zeit um durch die einzelnen Ausstellungshallen in Ruhe zur Halle fünf zu gelangen und ab und zu einen kleinen Plausch zu machen. Die Aussteller waren schon emsig am Wuseln, manche tranken entspannt den letzten Kaffee vor dem großen Besucheransturm. Und der kam dann auch – die LBM erlebte dieses Jahr einen neuen Besucherrekord – insgesamt 286.000 Gäste kamen auf das Messegelände und zum dazugehörigen Festival »Leipzig liest«. Echt der Hammer. Es war Gute-Laune-Messewetter, die Sonne lachte vom Himmel und man konnte auch ab und an draußen vor den Hallen in der Wärme pausieren, um sich dann mit neuer Energie erneut in den Messetrubel zu stürzen.

In Halle fünf traf ich dann endlich auch das Autorenduo Valerie le Fiery & Frank Böhm – seit vier Jahren ist das Usus, dass wir uns auf der LBM sehen, uns austauschen und dann gemeinsam über die Messe bummeln. Auch die Autorin Lina George und Bloggerin und Autorin in spe – A.C.LoClair (Flohhoppchen) – waren auf der LBM zum zweiten Mal bei diesen obligatorischen Treffen dabei. Verabredet war ich auch mit den Autorinnen Anne Card, Heidemarie Pläschke und Alex S. Judge – drei sehr sympathische, charismatische Frauen – es waren kurze, wunderschöne Begegnungen und inhaltsreiche Momente.Liana George und ich überraschten Valerie le Fiery noch mit einen besonderen Dankeschön, weil sie immer kollegial hilft, wenn wir um Hilfe bitten. Sie ist eine ganz herzige und liebe Person.

Ich besuchte die Signierstunde der Autorin Mari März – sie war umringt von ihren lesebegeisterten Fans, die unbedingt ein Autogramm und Goodies von ihr erhaschen wollten. Da blieb für ein Gespräch keine Zeit. Ähnliches erlebte ich, als der Autor Tommy Herzsprung an den Stand trat – die Zeit reichte für eine kurze liebevolle Umarmung und dann bestürmten ihn schon seine weiblichen Fans. Deshalb gibt es von ihm im Video auch nur ein verwackeltes Foto – aber besser als gar keines.

Alex S. Judge erlebte ich dann noch live bei einer Lesung, die sie mit Bravour gemeistert hat, trotz der Hektik und Lautstärke ringsherum. Einmal nur war sie unsicher, genauso ich, weil einige Zuhörer aufstanden und gingen. An ihrer Lesung konnte es nicht liegen, denn die ausgesuchten Textschnipsel waren interessant und sie las auch richtig gut. Das Rätsel löste sich dann später auf – nebenan war ein sogenannter politischer Stargast: ›Franz Müntefering‹ - der rigorose Befürworter des SGB II (Harzt IV) – Naja jedem Besucher sein Pläsierchen …

Ab Mittag waren einige Glasübergänge zu den anderen Hallen wegen Überfüllung gesperrt und man musste weite Umwege in Kauf nehmen, um in die anderen Hallen zu gelangen, oder ließ sich mit der Masse einfach im unteren Bereich mitschieben. Ich mit meiner Größe von 1.56 m, sah nur noch Köpfe, Füße und Taschen. Und so kam es, wie es kommen musste. Ich ging mehrmals verloren. Lina George und ihr Begleiter und auch das Autorenduo Valerie le Fiery und Frank Böhm verloren mich aus den Augen und ich sie. Einmal irgendwo kurz stehen geblieben im Stau der Besucher und husch waren die anderen weg. Doch wiedergefunden haben wir uns immer wieder.

Dieses Such und Find-Spiel hat mich auf eine Idee gebracht. Vielleicht kaufe ich mir für die nächste LBM so ein Sicherheitswimpel für Kinderfahrräder und bastle mir einen Stirnreif dafür, sodass ich dann über die Köpfe der Besucher weithin sichtbar sein werde.

Fazit: Es war ein wunderschöner, reicher, hektischer Tag, mit interessanten Begegnungen und Gesprächen, ein Tag voller Freude und Spaß und insgesamt eine Hommage für das Buch, alle Schreiberlinge, Verlage und auch Selbstverleger. Die Buchbranche ist immer in Bewegung und der anstehende Verkauf von KNV (Koch, Neff & Volckmar GmbH – Grossist des Barsortiments) sorgt gerade bei den kleinen Verlagen für immense Verunsicherung und wird den Strukturwandel sicher schneller vorantreiben. Wohin? Das ist die jedoch die alles entscheidende Frage.

Doch Schreiberlinge – Autoren – wird es immer geben, denen Schreiben ein Bedürfnis ist und die mit ihren Werken Botschaften übermitteln – Leser wird es immer geben – und deshalb wird es auch immer Bücher geben. Der Buch-Markt ist im Wandel, aber er lebt und sein Herz schlägt tausendfach jedes Jahr auf der LBM in Leipzig. Bücher, sie sind ein Vermächtnis und das Erbe für die nächste Generation.

Heidelinde Penndorf

Medien


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Donnerstag, 21. März 2019

*brandneue Rezension*: Zerstört - Angst ohne Ausweg: Nachfolger zu »Different - Minas Hölle« - Lina George




Das Thema Kinderhandel und Versklavung zum Zweck der Zwangsprostitution, lässt Lina George nicht los und sie präsentiert ihrer Leserschaft wieder einen erschütternden, neuen Roman dieser Problematik.

Menschen- und Sklavenhandel floriert mehr denn je. Es ist ein lukratives Geschäft, auch in Europa und die Liberalisierung des Sex-Marktes in unserem Land, hat der internationalen Kriminalität in dieser Hinsicht, die Türen weit aufgemacht. In die Öffentlichkeit kommt dieses Thema nur, wenn wieder einmal ein Verbrechen geschehen ist, welches die Medien nicht mehr unter dem Deckel der Verschwiegenheit halten können. Lina George legt wiederholt einen ganzen Roman in diese klaffende eitrige Wunde – zwar frei erfunden, aber nahe der Realität.

Die Handlung der neuen Story geschieht zeitgleich zu den Geschehnissen des Buchs »Different – Minas Hölle« und so ist es nicht verwunderlich, dass wir unter anderem auch einigen alten Bekannten – Verbrechern, Menschenhändlern, Opfern und Ermittlern – begegnen.

Stellen Sie sich vor, liebe Leserinnen, sie finden als junges Mädchen den perfekten Partner, der sie auf Händen trägt und sie abgöttisch liebt, der sogar wartet, bis sie volljährig sind und sie dann heiratet. Erst Jahre später merken Sie, dass Sie sozusagen den Teufel in Menschengestalt geheiratet haben – einen, der seine abartigen sexuellen Bedürfnisse, sogar an Minderjährigen stillt, sie gefangen hält und daraus ein florierendes Geschäft/Handel entwickelt – zwar nicht ganz freiwillig, aber das auch nur, weil er erpressbar ist, denn er tötete Ihre beste Freundin.

Doch Sie merken von alldem nichts, vertrauen ihm blind. Hinzu kommt, dass Sie keine Kinder bekommen können und er serviert Ihnen auf dem Präsentierteller ein reizendes Baby – eine angebliche genehmigte Adoption. Sie sind ihm dankbar und lieben ihn umso mehr. - fast ist er ein kleiner Gott für Sie. Ja – bis Ihnen eines Tages die perfekte Ähnlichkeit ihres Sohnes mit ihrer jüngeren verschwunden Schwester auffällt und Sie einen DNA-Test machen lassen – das Ergebnis ist der Horror für Sie. 

Dies ist nur eine umrissene, dramatische, sich durchziehende Handlung des Buchs, doch derer gibt es zahlreiche – das Buch ist lohnend, zumal auch wegen des Themas. Die Story ist gnadenlos hammerhart, dramatisch und spannend bis zum Ende und nichts für schwache Nerven – ziemlich aufwühlendes Kopfkino.

Meine Leseempfehlung: Für die Leserschaft ab 16 Jahre, mit starken Nerven und Psychothriller – Fans sehr zu empfehlen.

Heidelinde Penndorf

(21.03.2019)






Mittwoch, 20. März 2019

*brandneue Rezension*: Bad Bitch by Banana: Achtung, Rutschgefahr! (3Bee by Banana, Band 2) - Alva Furisto



Mit dem zweiten Teil der 3Bee by Banana-Reihe, überrascht Alva Furisto die Leserschaft mit einer abgefahrenen außergewöhnlichen Geschichte. Es ist eine rasante, überaus lebendige Story. Die Zeit vergessend habe ich des Nachts gelesen, es ging gar nicht anders, denn ich war völlig abgetaucht in diese bunte, fantasievolle und abenteuerliche Welt der Protagonisten.

Mir liebgewordene Akteure des ersten Teils haben es in das Fortsetzungsbuch geschafft und veranstalten da so einigen Wirbel – besonders Ruth – die es wahrscheinlich nicht lassen kann, sich in die Lebenswelten anderer einzumischen. Die meisten Geschehnisse mit einem negativ exzentrischen Touch gehen auf ihre Kappe.

Die bekannten und neuen Charaktere der Protagonisten und Antagonisten ergeben eine hochexplosive Mischung: ›Himmel und Hölle, Verführung und Leidenschaft, Exzentrik und Mystik, Klamauk und Ernsthaftigkeit, Enttäuschung, Verrat und Selbstfindung‹. Alles vorhanden, was eine gute Story auszeichnet und richtig gut geschrieben, sehr interessant, abwechslungsreich und durchweg lebendig. Es gibt nicht nur GUT und BÖSE - die Charaktere sind vielschichtig und das macht das Ganze so spannend.

Es ist ein modernes, kreatives Märchen mit realistischen Einschlägen, psychologischen Tiefgängen und Dramatik. Ich empfehle das Buch sehr gern der Leserschaft weiter und wer den Sandmann mag, für den ist der zweite Teil der 3 Bee Reihe der Autorin sowieso ein Muss.

Doch auch so ist es ein Wegleser – ein richtiger Hammer – denn im Hintergrund kocht die Relativitätstheorie Einsteins ein richtig gutes Süppchen. Da gibt es sozusagen Parallelwelten und geschlossene Zeitschleifen – es ist also auch eine Geschichte zwischen Raum und Zeit, Tod und Leben, Glück und Unglück und Liebe und Freundschaft. Wer sich auf die Geschichte einlässt, erlebt ein fantastisches, nicht alltägliches Abenteuer. Sie müssen es einfach lesen, liebe Leserinnen, sonst lernen Sie Lando nicht kennen und den muss man erlebt haben, zumindest im Buch.

Heidelinde Penndorf

(20.03.2019)