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Montag, 29. Juni 2026

⭐neue Leseempfehlung ⭐ : Der Bonbon-Mord zu Köln - Eva- Maria Silber & Kirsten Wilczek



Mit „Der Bonbon-Mord zu Köln“ legen Eva-Maria Silber und Kirsten Wilczek den fesselnden zweiten Band ihrer historischen Kriminalreihe vor. Auch in dieser Fortsetzung spürt man sofort, wie viel intensive Recherche und sorgfältige Detailarbeit in jeder Szene steckt. Das historische Köln des Jahres 1848 wird eindrucksvoll lebendig geschildert – eine Zeit des Umbruchs, in der die sozialen Gegensätze zwischen Arm und Reich deutlich hervortreten.

Im Zentrum der Handlung steht eine ebenso elegante wie rätselhafte Frau, die als Giftmischerin auftritt und mit erschreckender Raffinesse versucht, die Gerichtsbarkeit zu täuschen, um der Guillotine zu entgehen. Der Fall selbst hat mich sofort gepackt: Mit Strychnin versetzte Schokoladenbonbons sorgen für Angst und Schrecken in der Stadt. Besonders tragisch ist das Schicksal eines kleinen Jungen, der durch das Gift stirbt, während andere Betroffene zwar schwer erkranken, sich aber glücklicherweise wieder erholen.

Besonders eindrucksvoll fand ich die Darstellung der Gerichtsverhandlungen. Die Verteidiger Bas Sello und Dr. Venedey müssen ihr ganzes Können aufbieten, um ihre Mandantin zu retten. Dabei wird nicht nur Spannung erzeugt, sondern auch eine für die damalige Zeit erstaunlich moderne Frage verhandelt: die der Schuldfähigkeit. Es entbrennt ein psychologisches deliziöses Verwirrspiel welches inhaltlich kaum zu überbieten ist und zu einer ziemlich überraschenden Wende führt.

Eingebettet ist diese Kriminalhandlung in den faszinierenden historischen Hintergrund eines Deutschlands, das noch vom französischen Recht geprägt ist. Besonders spannend fand ich hierbei die Schilderung der ersten politischen Versammlungen und die Rolle Karl Marx', der für viele Menschen als Hoffnungsträger erscheint. Vor allem während einer Zusammenkunft bei einem gemeinsamen Essen habe ich ihn als erstaunlich impulsiv erlebt – fast greifbar in seiner Leidenschaft und Unruhe.

Was diesen Roman für mich besonders auszeichnet, ist seine ungeschönte und dichte Atmosphäre. Das Buch führt dem Leser schonungslos die immense Armut vor Augen, die damals in der Stadt herrschte, und beleuchtet die tiefen Gräben zwischen den gesellschaftlichen Schichten. Auch die unzureichenden, oft katastrophalen hygienischen Bedingungen der damaligen Zeit werden eindringlich greifbar. Die Kulisse des noch unvollendeten Doms und das geschäftige Treiben der Stadt werden durch das stimmig eingebundene Kölsch authentisch untermalt, ohne den Lesefluss zu stören. Gleichzeitig sorgen kleine, fein gesetzte humorvolle Szenen für angenehme Auflockerung.

Fazit:
Für mich ist dieses Buch kein Krimi, den man nebenbei liest. Ich habe jede Seite bewusst genossen – und am Ende blieb nicht nur die Spannung nach dem letzten Kapitel, sondern auch das Gefühl, ein Stück dieser unruhigen, widersprüchlichen Zeit mitgenommen zu haben, das noch lange nachhallt. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für Fans anspruchsvoller historischer Romane!

Heidelinde Penndorf

(Juni 2026)








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