Dienstag, 5. Juni 2018

*Neue Leseempfehlung*: Deichkind - Krimi - Moriz Boll


Der Schreibstil des Autors ist zwar aufmerksamkeitsfordernd, aber auch sehr eloquent und detailverliebt. Das ummantelt die Handlung mit einem faszinierendem Lokalkolorit, der die Lebensweise der Menschen in Nordfriesland einbezieht, aber auch gleichwohl das Mystische dieses besonderen Landstriches und des Geburtsortes/sozialen Lebensumfelds Theodor Storms, bildhaft rüberbringt.

Genial auch, wie Moriz Boll seine Gourmet-Gaumenfreuden der nordfriesischen Küche, den beiden Hauptprotagonisten, Hannah und Holk, angedeihen lässt und die beiden diese exklusive Küche genießen dürfen. Boll ist unter anderem der Haute Couture sehr zugetan und kleidet den größten Teil seiner Protagonisten dementsprechend ein – Kopfkino pur. Aber nicht nur da! Genauso spitzenmäßig ist der Einsatz der Ermittlungs-Flipchart im Buch, die Holk in seinem Laptop anlegt und der Leserschaft, in einigen Buchseiten zur Kenntnis gebracht wird.. Brillant auch seine Verknüpfungen sozial-politischer/kirchlicher Kritikpunkte der Nachkriegszeit, bis hinein in die Gegenwart – klar und deutlich gezeichnet, manchmal auch überzeichnet, damit die Leserschaft aufmerksam bleibt.

Hannah und Holk - die Hobbydetektive – ein apartes Pärchen,welches der Autor da geschaffen hat – charmant, charismatisch, sexy und auch ab und an einem Flirt und explizit Holk, einer Liaison nicht abgeneigt. Die Leser dürfen gespannt sein.

Kinder der Nachkriegszeit, die keiner wollte, die aufs Land abgeschoben wurden, die »Schwarze Pädagogik« dieses Zeitkolorits, ihre Ausuferungen und Ausschweifungen und die damit verbundene falsche Sozialisation – die daraus resultierenden posttraumatischen Belastungsstörungen, die im Verborgenen gedeihen und wuchern – ein Psychogramm – welches unter gegebenen Umständen, zum auslösenden Handeln wird, in welchem Opfer gleich Täter und Täter gleich Opfer sind.

Die ganze Handlung insgesamt, engmaschig mit dem friesischen Nationalsport »Boßeln« zu verbinden, ist gut gelungen. Ich gestehe, ich musste nachfragen und auch die Suchmaschine des Internets bemühen – ich weiß jetzt, was »Boßeln« ist.

Finden Sie, liebe Leserschaft es ebenfalls heraus und lesen Sie, warum die Urlauber aus Frankfurt - Hannah und Holk - plötzlich zu Hobbydetektiven werden und Hannah persönlich in Gefahr gerät. Finden Sie auch heraus, welch typisches Merkmal »Deichkind«, von Moriz Boll und »Der Schimmelreiter«, von Theodor Storm, gemeinsam haben. 

Lesen Sie das Buch, denn es ist ein illustres, nicht alltägliches Lesevergnügen, hinter all die Geheimnisse zu kommen und deren Auflösungen mitzuerleben. Ich empfehle das Buch sehr gern, allen Fans der Friesenkrimis, aber nicht nur denen, denn es ist kurzweilig, spannend und unterhaltend – deshalb ist »Deichkind« ein Buch für alle Krimi-Liebhaber und solche die es werden wollen.

Heidelinde Penndorf