IT-Rentner Olaf kann es nicht lassen, den Privatdetektiv zu geben – diesmal allerdings ohne sein selbst programmiertes Handy-Virus. Fast ein wenig schade.
In seiner Wohnung wird es zunehmend eng: Sohn, Schwiegertochter und das Enkelbaby ziehen mangels bezahlbaren Wohnraums mit ein. Da kommt es ihm gerade recht, dass ein Freund für ein Jahr ins Ausland geht und ihm sein kleines Haus in einer Wohnsiedlung überlässt. Doch auch dort währt die Ruhe nicht lange – im Zuge der Ermittlungen wird es erneut beengt und unerwartet turbulent. Unterstützt wird Olaf von zwei Assistentinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Gerade diese Gegensätze sorgen für überraschende Wendungen und so manche vertrackte Entwicklung.
Robert Maier gelingt erneut ein fesselnder, lebendiger und zugleich humorvoller Krimi. Mit feinem Gespür verwebt er Spannung, gesellschaftliche Beobachtungen, zwischenmenschliche Eigenheiten und aktuelle Themen zu einer dichten, stimmigen Erzählung.
Im Zentrum steht ein brisanter Mordfall mit weitreichendem Dominoeffekt. Olaf und seine beiden Assistentinnen gehen ihm mit Scharfsinn, Menschenkenntnis und beharrlicher Neugier nach – und fördern dabei mehr zutage, als zunächst zu ahnen ist. Besonders reizvoll ist das Aufeinandertreffen verschiedener Welten: hessische Bodenständigkeit begegnet indischer Lebensphilosophie, moderne Technik trifft auf menschliche Abgründe. Immer wieder zeigt sich, wie trügerisch erste Eindrücke sind und welche Wahrheiten sich hinter unscheinbaren Fassaden verbergen. Der Krimi bietet weit mehr als bloße Unterhaltung. Zwischen den Ermittlungen entfalten sich leise, nachwirkende Reflexionen über Vorurteile, soziale Ungleichheit, Migration, Alter und Einsamkeit – unaufdringlich, aber eindringlich.
Die Handlung bleibt durchweg dynamisch, getragen von feinem Wortwitz und überraschenden Wendungen. Die Figuren gewinnen rasch an Tiefe, und Seite um Seite wächst der Drang, das Geflecht der Ereignisse zu entwirren. Robert Maier zeigt einmal mehr, wie facettenreich Kriminalliteratur sein kann: spannend, augenzwinkernd, gesellschaftskritisch und zutiefst menschlich – und gerade darin liegt seine besondere Stärke. Von mir eine klare Empfehlung
Heidelinde Penndorf
(Mai 2026)

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