Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, Autorinnen und Autoren persönlich zu begegnen, deren Bücher mich schon zuvor begleitet und berührt haben. Zur Leipziger Buchmesse traf ich Helena Baum – eine Begegnung, die so intensiv war wie ihre Romane selbst. Sie überreichte mir ihr neues Buch mit der Bitte um eine Rezension. Und was soll ich sagen: Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass mich diese Geschichte nicht mehr loslassen würde.
Auf 230 Seiten entfaltet sich eine bewegende Geschichte über Nähe und Distanz, Verlust und Neubeginn. Ella und Jasper – ein Paar, das an den Grenzen seiner Beziehung steht – wirken in ihrer Verletzlichkeit und Lebendigkeit so echt, dass man mit ihnen lacht, weint, zweifelt und hofft. Ich erlebte ihre Welt, als wäre ich Teil davon: Zeugin eines Gefühlschaos, das zugleich zum Weg in die eigene Tiefe führt.
Besonders eindrucksvoll schildert Helena Baum den Prozess einer Paartherapie. Der Therapeut ist dabei kein allwissender Retter, sondern ein feinfühliger Begleiter, der hilft, aufgestaute Emotionen zu lösen, alte Wunden zu benennen und den Mut zum Neubeginn zu finden. Ich hatte das Gefühl, selbst im Raum zu sitzen, Zeugin dieser inneren Klärung zu sein – zwischen Zweifel, Zärtlichkeit und der vorsichtigen Rückkehr zum Vertrauen.
Beide, Ella und Jasper, beginnen, ihre Träume neu zu leben, ihre Gedanken zu wandeln – und gerade dadurch finden sie wieder zueinander. Indem sie loslassen, was schmerzt, entsteht ein ehrlicher, reifer Neubeginn – nicht nur für ihre Liebe, sondern für ihr gesamtes familiäres Gefüge.
Helena Baum schreibt mit feinem psychologischem Gespür und einer bemerkenswerten sprachlichen Klarheit. Unverstellt zeigt sie, wie Alltag, Schweigen, unausgesprochene Sehnsüchte und die ständige Rücknahme eigener Wünsche eine Beziehung erodieren können – und doch, wie in dieser Brüchigkeit Hoffnung keimt.
Ein Roman, der nicht nur berührt, sondern zum Nachdenken über die eigene Beziehung, über Nähe, Verletzlichkeit und Stärke anregt. Tief, wahrhaftig und von stiller Intensität.
Von Herzen empfohlen für alle, die Authentizität schätzen.
Heidelinde Penndorf
(April 2026)

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