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Samstag, 6. Februar 2016

Heut ist Zeit um Anthony Noll zu besuchen


Ein wundervolles Buch!

Francis leicht verspielte, manchmal fast lyrische Schreibweise, der unterschwellige ernste, zeitweilige dramatische Unterton zog mich sofort in das Geschehen um den achtjährigen Anthony hinein. Es ist eines jener Bücher, welches die Leser verführt, es, ringsherum alles vergessend, in einem Zug von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen.

Anthony – ein kleiner Junge, der in einem sozial instabilen Elternhaus aufwächst. Nur mit dem Allernötigstem versorgt, doch seelisch sehr vereinsamt, versteht er es, sich durch sein introvertiertes Wesen fast unsichtbar zu machen, wenn zu Hause mal wieder die Luft brennt und seiner Mutter einmal mehr die Hand ausrutscht.

In seiner Klasse ist er aufgrund seines sozialen Hintergrunds, seiner Schüchternheit und auch wegen sehr intensiven, realistischen Träumereien, ein Außenseiter und seine Mitschüler lassen ihn dies natürlich spüren.

Doch er hat in der Schule einen ganz großen Freund – einen Baum – auf dem Schulhof. Intuitiv holt Anthony sich seine seelische Kraft aus der Natur und wurde bisher nie enttäuscht. Sein Baum weiß immer eine Antwort.

Ein sehr nachhaltiges, lebensbedrohliches Schlüsselerlebnis lässt es zu, dass Anthony sich in eine andere Welt träumt. Er ist jetzt ein kleiner Roboterjunge, der auf einem fremden Planeten, in einer kleinen Gruppe von Roboterkindern lebt. Alle gehen liebevoll und kameradschaftlich miteinander um. Jeder steht für den anderen ein, einschließlich ihres Betreuers. Anthony fühlt sich dort richtig wohl. In seiner Seele geht die Sonne auf.

Er besucht das Erstsemester der Eliteschule für Roboterkinder. ›Ant‹, wie er in dieser Welt genannt wird, soll ein Zauberer werden. Andere aus seinem Team: Kämpfer, Körperwandler oder Weiser.

Gemeinsam erleben er und seine Klassenkameraden viele Abenteuer, bis Anthony wieder in seiner realen Welt landet. Oft führen ihn seine Träume tagelang von einer Welt in die andere, wobei das Leben in der Welt, die er verließ, derweil still steht, bis er wieder dort aufwacht. Er führt sozusagen zwei verschiedene Leben in zwei verschiedenen Welten.

Durch mehrere intensive Aha-Erlebnisse als Roboterkind und der beginnenden Freundschaft zu seiner Mitschülerin Mathilda, ändert sich Anthony‘s Status quo in beiden Welten nachhaltig. Er gewinnt an Selbstvertrauen, findet Mut und steht nun auch für seine Freunde ein. Und was wichtig ist: Er fühlt sich wohl damit.

Im letzten Drittel der Handlung spielen sich dramatische Szenen ab, in welchen Anthony mithilfe seiner Freundin auf das Gelände einer Spezialklinik gelangt. Dort rettet er, aus dem Labor für genetische Versuche, neben allerlei Nagetieren, auch eine ganz besondere Ratte, die dort ein grausiges Dasein fristete, aus ihrem Käfig.

Der Autor sagt uns zwischen den Zeilen, woran unsere Gesellschaft krankt und welche wichtigen sozialen, empathischen Werte immer mehr den Bach runter gehen. Freundschaft, Hilfsbereitschaft, gegenseitiges Vertrauen, Achtung und Respekt und füreinander einstehen, werden oftmals mit Füßen getreten. Ersetzt durch Gefühlskälte, Aggressivität, und Egoismus. Anderssein wird oft belächelt und Menschen werden aus der Gemeinschaft ausgrenzt.

Anthony und seine Freunde erinnern die Leser daran, dass wir uns selbst unsere eigene Welt schaffen. So wie sie ist. Und auch, dass wir selbst dafür verantwortlich sind, wie wir miteinander umgehen.

Möchten Sie mehr über Anthony wissen? Was es mit dieser Ratte auf sich hat? Welche Erfahrungen er in beiden Welten im Einzelnen sammelt? Welche Abenteuer er mit seinen Freunden besteht? Dann kaufen Sie das Buch!

Ein Buch, welches ich für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen uneingeschränkt empfehle. Auch zum Vorlesen für jüngere Altersstufen sehr geeignet, kann man doch dann auftauchende Fragen sehr anschaulich erklären. 

Das Buchcover ist ein sehr futuristisch gelungenes kleines Kunstwerk.

Danke für ›Anthony‹ lieber Francis Linz!