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Freitag, 15. April 2016

Ausblick auf den Sommer: »Summer in the City» - von Ron Hard





Heisse Tage
verdammt heisse Tage
am Himmel nicht die Spur einer Wolke
über den Dächern der Stadt flimmert die Luft
kein Windhauch

Die Katzen haben sich in die Kühle der letzten dunklen Winkel verzogen
um ihre Reserven für die lauen Nächte zu schonen
in denen ihr Liebesgejammer aus den Vorgärten tönt

Selbst die Schwalben fliegen langsamer als sonst
im Schongang
würden ihrer Beute lieber Fallen stellen
anstatt ihr hinterher zu jagen

Verwaiste Fußgängerzonen
wer nicht muss
geht nicht

Und wer es sich leisten kann
sucht den Schatten unter den großen Sonnenschirmen der Eiscafés
um sich bei kühlen Drinks und sahnegekrönten Eisbergen
der Illusion vom dolce vita hinzugeben
bevor er wieder in sein Hamsterrad zurück kriecht

Wer es sich nicht leisten kann
sucht den Schatten auf den Bänken am Bahnhof
unter den Bäumen
            dort
wo die Gescheiterten ihren Stammplatz haben
            an dem Brunnen
der dich mit seinem eintönigem Plätschern zum Dösen einlädt
und in dem sie Bier, Wein und Füße kühlen
            dort
wo ich in letzter Zeit immer öfter meinen Platz suche
            dort
wo man sich mit einem Kopfnicken begrüßt
weil es nichts zu sagen gibt
auf diesem Platz
am Bahnhof
im Schatten der Bäume
am eintönig plätschernden Brunnen
der dich zum Dösen einlädt

Manchmal
bietet mir einer eine Flasche aus seinem Sixpack an
manchmal
bringe ich auch ein Sixpack mit
und stelle es in den Brunnen zu den anderen
und manchmal
lese ich dann zwei oder drei von meinen Poemen vor
und sie sitzen da
und rauchen
und trinken
und hören zu
erkennen in den Sätzen ihre eigene Verlorenheit
und nicken wieder nur stumm mit dem Kopf
weil es nichts zu sagen gibt
auf diesem Platz
am Bahnhof
im Schatten der Bäume
am eintönig plätschernden Brunnen
der dich zum Dösen einlädt

Ab und zu bevölkern wie debile Idioten gekleidete Touristen den Platz
und benutzen den Brunnen als Motiv für ihre blödsinnigen Erinnerungsfotos
geflissentlich darauf achtend
niemanden von denen ins  Bild zu bekommen
für die sie nur ein Kopfschütteln übrig haben
die Tapferen unter ihnen, die Helden, auch mal das Wort
           
            „Bahnhofspenner“

im Weggehen
über die Schulter
meistens die linke

Ab und zu fährt eine Polizeistreife vorbei
langsam
scheinbar jeden Einzelnen musternd
ihre Präsenz demonstrierend
Doch niemand von denen die dort mit gesenkten Köpfen sitzen
und den ersten Rausch des Tages ausdünsten
nimmt Notiz von ihnen


Am Ersten
werde ich freilich wieder in die Eiscafés gehen
einen Espresso und eine Kugel Zitroneneis für drei Euro achtzig
mit Trinkgeld sind's dann vier
           
            ein paar Tage
           
dann werde ich wieder Sixpacks kaufen
für zweineunundzwanzig
plus Pfand
aber das Pfand bekomme ich wieder
und Trinkgeld gebe ich im Supermarkt keins

Und dort auf den Bänken
auf diesem Platz
am Bahnhof
im Schatten der Bäume
am eintönig plätschernden Brunnen
der mich zum Dösen einlädt
            dort
wo sich die Gescheiterten treffen
            dort
wo man sich die Sixpacks teilt
            dort
wo man sich mit Kopfnicken begrüßt
weil es nichts zu sagen gibt
            dort

fühle ich mich zuhause

© Ron Hard


Ron Hard ist ein authentisch schreibender Autor, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Seine Gedichte sind schnörkellos und stupsen die Leser auf die Härte des Lebens. Viele Leser werden sich mit seinen Texten identifizieren können. 

Wer mehr über den Autor wissen möchte, folgt diesen Link: Ron Hard- Hardstoff