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Freitag, 24. Oktober 2025

⭐neue Leseempfehlung:⭐ Sonnen und Kometen: Erzählungen - Max Schatz



Es gibt Bücher, die nicht laut sprechen, sondern leise leuchten, so wie dieses Buch. In diesen Erzählungen fühle ich als Leserin die zwischenmenschliche Nähe und gleichzeitig Fremdheit, Licht und Schatten, und auch die feinen Risse des Menschseins. Die Figuren, meist Menschen mit russlanddeutschem Hintergrund, tragen die Spuren historischer Umbrüche in sich. Sie bewegen sich zwischen Herkunft und Ankunft, zwischen Erinnerung und Zukunft, oft am Rand der Gesellschaft und doch mitten im Leben. Nie ganz angekommen, nie ganz fort. In den Geschichten spiegelt sich das 20. Jahrhundert, in ihren Träumen das stille Ringen um Zugehörigkeit. Schatz schaut sie nicht von oben herab, sondern von innen her: mit einer Empathie, die uns Leser zu Zeugen ihrer stillen Kämpfe macht. Ihre Lebensentwürfe sind zerbrechlich, ihre Hoffnungen tastend – und gerade darin liegt ihre stille Kraft.

Sonnen und Kometen erzählt von Verlust, Hoffnung, Identität, vom zähen Ringen um einen Ort im Leben. Doch die Geschichten verweigern jede einfache Deutung. Sie sind Momentaufnahmen des Daseins, fragile Gebilde aus Schweigen, Erinnerung und Sehnsucht.

Max Schatz gelingt es, der Leserschaft im engen Raum der Kurzgeschichte Welten zu öffnen. Seine Sprache ist direkt, von Bildern getragen, die nachhallen. Mit feiner Beobachtungsgabe verdichtet er im kleinen Format der Kurzgeschichte große Themen: Verlust und Neubeginn, Identität, Fremdheit, das beharrliche Suchen nach einem Ort, den man Heimat nennen kann. Seine Prosa ist von einer klaren Wahrheit, die nichts beschönigt und doch immer einen Funken Licht bewahrt – das kleine, unbeirrbare Leuchten menschlicher Würde.

Ein Buch, das emotional bewegt und zum Nachdenken über das Menschsein anregt. Ich empfehle das Buch sehr gern weiter. Es ist eines, welches nicht einfach gelesen, sondern erlebt wird: still, berührend, nachwirkend.

Heidelinde Penndorf

(Oktober 2025)








Mittwoch, 22. Oktober 2025

⭐neue Leseempfehlung:⭐Im Bann des Vaterlandes: Der Algorithmus des Widerstands - Kevin Riemer-Schadendorf



Es gibt Romane, die nicht nur erzählen, sondern warnen. Kevin Riemer-Schadendorfs Im Bann des Vaterlandes gehört zu ihnen. Der Autor formuliert keine ferne Zukunftsvision, sondern eine konsequent zu Ende gedachte Gegenwart – eine Gesellschaft, in der künstliche Intelligenz längst über Wahrheit, Meinung und Moral bestimmt. Was bleibt, ist ein bedrückend plausibles Bild der Selbstabschaffung demokratischer Werte.

Im Mittelpunkt steht Micha Rebesky, Journalist einer zunehmend gleichgeschalteten Zeitung. Er erlebt, wie KI-basierte Systeme öffentliche Debatten steuern, Texte umschreiben und Opposition unsichtbar machen. Rebeskys Entschluss, unter Pseudonym Widerstand zu leisten, wird zum Kern einer Handlung, die zwischen politischem Thriller und moralischem Gleichnis changiert. Der Autor zeigt dabei eindrucksvoll, wie Zivilcourage selbst in digitaler Dichte leise überleben kann.

Riemer-Schadendorf schreibt mit journalistischer Klarheit und literarischer Feinheit. Seine Sprache ist präzise, manchmal fast dokumentarisch, und gewinnt gerade daraus ihre poetische Tiefe. Details wie das KI-Überwachungssystem SKALV oder die stillen Akte der Revolte wirken erschreckend vertraut – so sehr, dass man das Buch kaum als reine Fiktion lesen kann. Der Roman steht in der Tradition von Orwell und Bradbury, ohne sie zu kopieren: Er übersetzt die Mechanismen der Kontrolle in das digitale Zeitalter.

Besonders stark ist Im Bann des Vaterlandes dort, wo es das Politische mit dem Persönlichen verschränkt. Micha Rebeskys Blick bleibt menschlich – zweifelnd, verletzlich, mutig. Er macht erfahrbar, wie aus technischer Überlegenheit moralische Schwäche wird, wenn Gesellschaft Verantwortung an Systeme delegiert.

Dieses Buch ist ein literarischer Weckruf. Es fordert auf, genauer hinzusehen – auf Sprache, Medien, Machtverhältnisse. Demokratie, deutet der Autor an, stirbt nicht spektakulär, sondern leise, in Routinen und Bequemlichkeit. Ein Roman, der bewegt, beunruhigt und zum Denken zwingt – hochaktuell, klug komponiert und eindringlich geschrieben.

Sehr gern empfehle ich dieses Buch der Leserschaft weiter.

Heidelinde Penndorf

(Oktober 2025)








Montag, 13. Oktober 2025

⭐neue Leseempfehlung:⭐Miesepeter, Muscheln & Mord: Ein Fall für Moewe & Fish - Jörg Piesker



Salzig, schillernd, schräg – ein Lesevergnügen der besonderen Art

In „Miesepeter, Muscheln & Mord“ bin ich eingetaucht in eine charmante Ostsee-Welt, die mich sofort mit eigenwilligen Figuren und einem ganz eigenen Erzählton eingefangen hat. Was diesen Cosy Crime so besonders macht, ist das ständige Dazwischenfunken von Vadder und seinem Alpaka – kaum glaube ich, einen klaren Gedanken zu fassen, kommt schon die nächste schräge Szene und wirbelt alles durcheinander.

Die Ermittlungen rund um den Mord im Edel-Restaurant sind spannend und überraschend verschlungen. Verdächtige gibt es zuhauf, und ich habe während des Lesens mehr als einmal meinen Verdacht gewechselt – um am Ende doch völlig überrascht zu werden, wer tatsächlich hinter dem Verbrechen steckt.

Manchmal geriet die Fülle der Verwicklungen fast außer Kontrolle: Zwischen Küchenchaos, Influencer-Allüren und den absurden Nachbarn verlor ich kurz den Überblick. Doch genau diese überbordende Verspieltheit macht den Reiz des Buches aus. Es ist keine seichte Urlaubslektüre, sondern eine vergnügliche Herausforderung für Leserinnen und Leser, die Lust auf Verwirrung, Witz und skurrile Wendungen haben.

Die Figuren sind zum Schmunzeln und Staunen, der Stil ist so eigenwillig, dass ich mich immer wieder dabei ertappte, wie ich schmunzelnd oder kopfschüttelnd weiterblätterte. „Miesepeter, Muscheln & Mord“ ist eine gelungene Mischung aus Wohlfühl-Krimi und kauzigem Lokalkolorit – eine Leseerfahrung voller Überraschungen, bei der man nie so recht weiß, was als Nächstes passiert.

Unterm Strich vergebe ich vier von fünf Muscheln – aus vollem Herzen für einen Krimi, der so salzig und schillernd ist wie die Ostsee selbst,

Heidelinde Penndorf

(Oktober 2025)








Donnerstag, 9. Oktober 2025

⭐neue Leseempfehlung:⭐ über(s)leben Lyrikmomente & Kalligrafien - Prof. Monika Mayer-Pavlidis



„über(s)leben – Lyrikmomente & Kalligrafien“ von Prof. Monika Mayer-Pavlidis ist eine außergewöhnliche Kombination aus zeitgenössischer Lyrik und kunstvoller Kalligrafie, die den Leser auf eine tiefgehende poetische Reise mitnimmt. Mit feinfühliger Leichtigkeit verbindet die Autorin moderne, kraftvolle Gedichte mit den kunstvollen Linien von Renate Welte. Diese Symbiose aus Wort und Bild schafft eine ästhetische Erfahrung, die das Herz berührt und die Sinne anspricht.

Der Text lässt die Leser die Leichtigkeit in den Momenten ebenso spüren wie die Schwere des Seins – ein Balanceakt, der durch die harmonische Setzweise der Zeilen unterstrichen wird. Der Band beeindruckt durch seine klare Sprache, die sowohl berührt als auch zum Nachdenken anregt. Die kunstvollen Kalligrafien ergänzen die Texte perfekt und vertiefen das poetische Erlebnis, wodurch das Buch zu einem besonderen Schatz für jene wird, die das Leben in seiner ganzen Tiefe erkunden wollen.

Monika Mayer-Pavlidis gelingt es, in diesem kleinen, aber feinen Werk existenzielle Themen mit sensibler Poesie und visueller Kunst zu verbinden – eine Einladung, innezuhalten und das Leben in all seinen Facetten zu fühlen. Ein echter Schatz, der in seiner poetischen Kraft bleibt, den ich sehr gern weiter empfehle.

Heidelinde Penndorf

(Oktober 2025)









Mittwoch, 1. Oktober 2025

⭐neue Leseempfehlung:⭐ Mittwoch um drei - Gert Richter



Professor David leidet unter der Eintönigkeit seiner langjährigen Ehe. In der Therapeutin Julia findet er neue Nähe, doch diese Gefühle stürzen seine Frau Alice in Schmerz und Resignation. Eine zentrale und vom Autor bewusst betonte Rolle nimmt Davids Beziehung zu seiner Hündin Lea ein. Die innigen Gespräche mit ihr gehen weit über gewöhnliche Verständigung hinaus und wirken wie eine berührende Meditation über Kommunikation, Verlust und das, was im Zwischenraum von Beziehungen wirklich zählt. Der Hund wird so zu einer stillen Zeugin, ja fast Therapeutin, und zugleich zu einer kraftvollen Metapher für Vertrauen, Offenheit und existentielle Verbundenheit.

Besonders faszinierend ist die poetische und dennoch klare Sprache, mit der der Autor die Nuancen von Bindung und Resonanz einfängt. Die authentische Darstellung des Wissenschaftsbetriebs und des privaten Umfelds bildet einen spannenden Rahmen, der die inneren Konflikte noch deutlicher hervortreten lässt. Sprachliche Bilder wie „kalter Leim“ oder „kalter Rauch“ transportieren eindringlich die Unausweichlichkeit von Zerfall und Veränderung.

Der Text verlangt der Leserschaft jedoch einiges ab: Längere Passagen voller Reflexionen und Monologe können die Spannung mindern, und die oft düstere Sicht auf Beziehungen bietet nur wenige versöhnliche Momente. Doch gerade diese Mischung aus psychologischer Tiefe, literarischer Eleganz und existenzieller Schwere macht den Roman zu einer besonderen Erfahrung.

Fazit: „Mittwoch um drei“ ist keine bloße Geschichte über Untreue, sondern ein tiefgründiges Werk über Liebe, Identität und die Fragilität von Bindungen. Die Beziehung zu Hündin Lea verleiht dem Roman eine einzigartige Dimension und macht ihn zu einer intensiven, nachdenklich stimmenden Lektüre jenseits von Klischees. Die Erzählung ist insgesamt eine literarische Studie über Liebe, Bindung und Identität.

Heidelinde Penndorf

(Oktober 2025)