Samstag, 23. September 2017

Neu*Neu*Neu*: Karlsruhe in den Jahren 1945 - 1954 Wiederaufbau und Neubeginn einer Stadt im Nachkrieg - Dirk von Grolman



Kurze Inhaltsangabe Klappentext:

Karlsruhe in den Jahren 1945 - 1954 Wiederaufbau und Neubeginn einer Stadt im Nachkrieg Erinnerungen Berichte Dokumente Bilder und Gedanken zur Stadtgeschichte für die Zeitgenossen und kommenden Karlsruher gesammelt u. dargestellt von Dr. jur. Dr. phil. Adolf von Grolman bearbeitet, bebildert u. herausgegeben von Dirk G. W. von Grolman Hannover 2017.

Rezension:

Und wieder halte ich ein literaturhistorisches Werk von Dirk von Grolman in den Händen, welcher liebevoll die Erinnerungen, Berichte und Dokumente seines Onkels zur Geschichte der Stadt Karlsruhe der Jahre 1945 bis 1954 aufbereitet und neu verlegt hat.

Ein Buch, in dessen Inhalt sich die Liebe widerspiegelt, die der Literaturkritiker Adolf von Grolman für seine Heimatstadt Karlsruhe in seinem Herzen trug. Zusammengetragene Erinnerungen, Berichte, Dokumente, Bilder und Gedanken, welches das Zeitkolorit der ersten neun Nachkriegsjahre der Stadt zeigt.

Man merkt dem damaligen Dr. jur. Dr. phil. Adolf Grolman in bestimmten Kapiteln des Buchs, seine Erschütterung an, die der Zweite Weltkrieg in den Seelen der Menschen und in der Seele Karlsruhes hinterlassen hat. Sachlich und ernsthaft setzt er sich mit den Geschehnissen auseinander. Der Autor übt auf leise Weise Kritik, hinter der auch die Traurigkeit spürbar ist, die Grolman empfunden hat. Spiegelt in seinen Worten die damalige Seele der Stadt – trist, zerstört, krank, manchmal auch noch verirrt und doch zum Neubeginn bereit.

Statistisch wertvolles Zahlenmaterial, die Beschreibung des Lebens der Menschen in Karlsruhe von 1945 bis 1954, der Wiederaufbau der Stadt, die Entwicklung der Kultur, Gerichtsbarkeit, Politik, Wirtschaft und das Bestreben nach Wohlstand sind ein Bestandteil des Buchinhalts, genauso wie wertvolles Bildmaterial, ergänzend mit liebevollen und kenntnisreichen Beschreibungen der kulturhistorischen Hintergründe bestimmter Bauten und Sachlagen.

Erwähnenswert ist auch die Einstellung des Autos Adolf von Grolman, der im Buch schrieb, dass bestimmte zerstörte Bauten als kulturhistorische Ruinen ihren eignen mahnenden Charme ausstrahlen und es wert sind, als Ruinen erhalten und baulich als solche gepflegt zu werden.

Das Buch ist stilistisch bemerkenswert gut, aber auch in diesem Buch ist der Zwiespalt Grolmans zum weiblichem Geschlecht, zum Feminismus, spürbar:

Zitat:

Die Stadt Karlsruhe hat 1945 erst zögernd und dann mit fester und männlicher Entschlossenheit einen ganz bestimmten Weg zu gehen unternommen.

Zitatende

Ein imposantes zeitgeschichtliches Dokument, dieses Buch. Es ist nicht nur eine Chronik – sondern bemerkenswert mehr. Es zeigt die ureigensten Wechselbezüge, die verschiedensten Konnexionen, sei es geschichtlich, politisch, kulturell und zwischenmenschlich auf, die den besonderen Charakter Karlsruhes in den Nachkriegsjahren ausmachten. Zugleich ist das Buch auch ein Liebeserklärung des Literaturkritikers und Autors Adolf von Grolman an seine Heimatstadt.

Heidelinde Penndorf