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Samstag, 17. Januar 2026

⭐neue Leseempfehlung:⭐Ich höre dich, du hörst mich nicht - Gert Richter



Psychologisch messerscharf, moralisch provokant – ein Roman über die Grenzen des Zuhörens

Gert Richters Roman webt ein dichtes Netz aus Schuld, Nähe und Verantwortung um Frank Maria Sellin, einen bezahlten Zuhörer in einem altbürgerlichen „Zuhörbüro“. Hier entladen Klienten ihre Lebensgeschichten – von Seitensprüngen bis zu existenziellen Familiendramen –, ohne Rat zu erwarten, nur mit neutralem Protokoll. Sellin wahrt professionelle Distanz, bis Anne auftaucht: dynamisch, verletzlich, fordernd.

Annes Geschichte – der Unfalltod von Mann und Sohn, eine verdrängte Schuld, die Begegnung mit Klara – reißt ihn aus seiner Haltung des Sich-Raushaltens. Zwischen Nähe und Verweigerung entsteht eine sanfte Liebesbeziehung auf Distanz, die jedoch an Emmas moralischer Krise zerbricht: Mieterhöhungen im Lohnerviertel verlangen Haltung und Handlung. Anne fordert Engagement, Sellin verweigert dieses – und verliert sie.

Stärken sind die präzise Psychologie der Figuren, der dialoggetriebene, mündlich frische Stil und das konsequent durchgespielte Leitmotiv „Zuhören ohne zu handeln“. Die Bezüge zum barmherzigen Samariter und zur Ruanda-Episode wirken nicht aufgesetzt, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Bequemlichkeit. Der reale Hintergrund bezahlter Zuhör-Dienste verleiht der Fiktion zusätzliche Schärfe.

Fazit: Ein anfangs irritierender, sehr interessanter und lange nachhallender Roman. Seine größte Stärke liegt darin, dass er unbequem ist – und dazu zwingt, über die eigene moralische Bequemlichkeit nachzudenken.

Der Autor ist sehr vielseitig, unter anderem zeichnet/malt er die Cover zu seinen Büchern selbst. Die grellen Rot- und Gelbtöne dieses Buchcovers brechen wie Funken aus der Dunkelheit hervor und suggerieren Momente scheinbarer Nähe, etwa wenn der Zuhörer die Sorgen anderer aufnimmt. Gleichzeitig erzeugt das überwältigende Schwarz ein Gefühlschaos, das Isolation und Überforderung ausdrückt – ein Sog, der alles verschlingt, ohne echte Verbindung herzustellen.

​Genau dieses Chaos spiegelt die einseitige Dynamik wider: Nähe durch Zuhören, doch Chaos durch fehlende Gegenseitigkeit, was die empathische Belastung der Protagonisten greifbar macht und auch die Zerrissenheit der scheinbaren Nähe spürbar werden lässt.

Sehr gern empfehle ich dieses Buch der Leserschaft weiter.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2026)










Freitag, 16. Januar 2026

⭐neue Leseempfehlung:⭐Der Blutmensch zu Köln - Eva-Maria Silber & Kirsten Wilczek



Ein historischer Kriminalroman, der lange nachhallt

Der Blutmensch zu Köln hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Vor dem eindrucksvollen Panorama des Kölns im Jahr 1847 entfaltet sich ein Kriminalfall, der weit mehr ist als reine Spannung: Er erzählt von Vorurteilen, Macht, Zweifel – und vom zeitlosen Ringen um Wahrheit und Gerechtigkeit.

Der Roman überzeugt durch seine außergewöhnlich dichte Atmosphäre. Der noch unvollendete Dom, die engen Gassen, die sozialen Gegensätze und die Härte des damaligen Rechtssystems werden so lebendig beschrieben, dass man sich mitten in der Stadt wähnt. Besonders stimmig ist dabei der gezielte Einsatz der kölschen Mundart, die in Dialogen immer wieder aufscheint und den Figuren zusätzliche Authentizität verleiht. In den Gerichtsszenen hingegen dominiert bewusst das Hochdeutsche – ein wirkungsvoller Kontrast, der die formale Strenge und Macht der Justiz eindrucksvoll unterstreicht.

Besonders beeindruckt hat mich die Protagonistin Mathilde von Tabouillot. Klug, mutig und zugleich menschlich verletzlich steht sie für all jene, die sich gegen festgefügte Strukturen behaupten müssen. An ihrer Seite agiert ein vielschichtiges Ensemble, das der Geschichte Tiefe und emotionale Kraft verleiht.

Ein Höhepunkt des Romans ist die ausführlich geschilderte Gerichtsverhandlung. Trotz ihres Umfangs bleibt sie durchgehend spannend und zeigt eindringlich, wie schmal der Grat zwischen Wahrheit und Interpretation ist – ein Thema, das erschreckend aktuell wirkt.

Sprachlich ist das Buch hervorragend gestaltet: dicht, atmosphärisch und dennoch sehr gut lesbar. Auch das Cover fügt sich stimmig in das Gesamtbild ein und lädt direkt in die historische Welt Kölns ein.

Ein außergewöhnlich gelungener historischer Kriminalroman mit Herz, Verstand und historischer Tiefe. Uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die Spannung mit Atmosphäre und Relevanz schätzen.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2026)









Donnerstag, 15. Januar 2026

⭐neue Leseempfehlung:⭐Fluch der Hexenschwestern: Liebe überwindet alles - Christine Engel



Ich habe das Buch Der Fluch der Hexenschwestern mit großem Interesse gelesen. Bereits auf den ersten Seiten entfaltet sich eine besondere Magie, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Die Geschichte lebt von vielschichtigen Spannungen sowie geheimnisvollen, kraftvollen Gefühlen und stellt zwei sehr unterschiedliche Kräfte ins Zentrum, deren Gegensätze einen faszinierenden Widerstreit zwischen Licht und Schatten erzeugen.

Besonders gelungen empfand ich die Verknüpfung von Fantasie mit historischen Anklängen, die der Erzählung Tiefe und Atmosphäre verleihen. Motive wie Verlust und Wiederfinden, Eifersucht, Nähe und die verbindende Kraft der Liebe geben dem Roman eine emotionale Dimension, die weit über reine Unterhaltung hinausgeht.

Einen kleinen Kritikpunkt möchte ich dennoch anmerken: Vor allem in längeren Dialogpassagen hätte ich mir stellenweise eine feinere, dynamischere Ausdrucksweise gewünscht. Dieser Aspekt schmälert den Gesamteindruck jedoch kaum. Insgesamt überwiegt das Positive deutlich – eine mitreißende Geschichte, die mich bis zur letzten Seite in ihrer magischen Welt gehalten hat.

Gern empfehle ich das Buch der Leserschaft weiter.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2026)









Dienstag, 13. Januar 2026

⭐neue Leseempfehlung:⭐ Du wirst die Nächste sein - Sabine Schumacher



Schon das Cover ist interessant, macht neugierig – schlicht, aber eindringlich. Der Drohbrief als zentrales Motiv ist mehr als nur Dekoration: Er verweist bereits auf die unterschwellige Bedrohung, die sich durch das gesamte Buch zieht.

Sabine Schumacher entwirft mit „Du wirst die Nächste sein“ einen Spannungsroman, der ohne übertriebene Brutalität auskommt und gerade dadurch seine Wirkung entfaltet. Ich habe mich beim Lesen oft gefühlt, als stünde ich direkt neben Linda Osterbruck, dieser jungen Justizangestellten, deren Alltag von einer Sekunde auf die andere aus den Fugen gerät. Ich spürte ihre Angst, ihr Misstrauen, aber auch ihre Entschlossenheit.

Der Schreibstil ist flüssig, atmosphärisch dicht und dabei angenehm unaufgeregt. Die Schauplätze wirken lebendig – vom sommerlichen München bis hin zur ländlichen Stille, die alles andere als beruhigend ist. Besonders gelungen finde ich, dass die Handlung zunächst etwas rätselhaft beginnt, sich aber Stück für Stück zu einem stimmigen Ganzen hinzufügt.

Mehrmals glaubte ich, den Verlauf der Geschichte zu kennen – nur um mich jedes Mal aufs Neue überraschen zu lassen. Das Ende ist unerwartet, dabei vollkommen schlüssig und sehr befriedigend.

Fazit:

Ein fesselnder, gleichzeitig gefühlvoller Spannungsroman mit subtiler Psychologie, atmosphärischer Dichte und einer Protagonistin, deren Ängste und Stärke man wirklich spürt. Ideal für alle, die Krimis mögen, die mehr auf Kopf und Herz als auf Blut setzen. Von mir eine klare Leseempfehlung.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2026)