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Freitag, 27. November 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Lieb mich lieber Morgen: Sommertrilogie Band 2 - Lily Winter




Die Leserschaft erlebt in der Fortsetzung ein buntes und liebevolles Zusammenwachsen der Patchworkfamilie. Eine schöne Idee, dass die Tochter Annas und der Sohn Ralfs, ähnliches miteinander erleben, wie Anna und Ralph im ersten Buchteil. Sozusagen Stimulus-Response-Lernen – Eltern-Kind – Lerneffekt. Beide sind auch charakterlich vergleichbar gestrickt, wie Anna und Ralf – zögerlich, abwartend, sich zurücknehmend. Die Beibehaltung der Tagebuchform finde ich genial und gut gelungen.

Vermisst habe ich manchmal die geniale jugendliche Lebendigkeit und Ausstrahlung beider Hauptprotagonisten. Mir fehlt auch die Tiefe in der Charakterbeschreibung der narzisstischen Antagonistin, die sich mit verschmähter Liebe auseinandersetzen muss und ihre Handlungen letztendlich zeigen, wie aus Liebe Wahn und Hass wird, mit verheerenden Folgen.

Und doch ist das Buch leicht zu lesen – eine durchaus gelungene Zusammenfassung des zwischenmenschlichen Miteinanders einer Patchworkfamilie im Auf und Ab des Lebens.

Heidelinde Penndorf

(Dezember 2020)






Sonntag, 15. November 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Pati - Mildred Speet

 


Die Autorin zeichnet düstere Bilder des zwischenmenschlichen Zusammenlebens. Wir werden mit handlungsbedingten Situationen konfrontiert, in welchen die meisten Menschen einfach wegschauen, entweder weil sie die Dunkelheit, die seelisch psychologische Verrohung, oder auch die Einsamkeit mancher Leben entweder nicht ertragen oder weil sie es einfach aus den unterschiedlichsten Gründen nicht kümmert, was da gerade geschieht. 

Im Mittelpunkt der Handlung steht eine junge Frau mit einer dissoziativen Identitätsstörung. Wir erleben auf der einen Seite eine Hauptprotagonistin, erschreckend einsam, menschenscheu, im Schatten lebend, kaum wahrnehmbar, sehr sensibel aber auch hilfsbereit und auf der anderen Seite ein ausartendes aggressives mörderisches Ausrasten. 

Die Leserschaft erlebt eine Atmosphäre, ähnlich der in Hitchcocks Film ›Psycho‹ – Horrorelemente, düster, grausam, gruselig – stygisches Kopfkino – nichts für schwache Nerven.

Wer gerne Thriller mit einem Touch Horror mag, ist mit diesem Buch gut bedient, denn Nervenkitzel und Gänsehaut sind garantiert.

Heidelinde Penndorf

(November 2020)





Mittwoch, 11. November 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Mutterliebe - Thriller - Ruben Schwarz

 



Der Thriller liest sich, als hätten Edgar Allen Poe und Stephen King hier abwechselnd die Feder geschwungen. Dem ist aber nicht so – ganz alleine Ruben Schwarz ist für diesen interessanten und lebendigen Krimi verantwortlich. Schon alleine der Prolog ist eine kleine interessante Geschichte für sich und macht neugierig auf die ereignisreiche Handlung des Buchs. Durch die auktionale Erzählweise erhält die Leserschaft einen intensiven Einblick in das soziale und zwischenmenschliche Gefüge aller Protagonisten und Antagonisten.

Es tun sich Abgründe auf, die Gänsehaut verursachen – wir erleben ein Duell zwischen unerfüllter Liebe, Mutterliebe und Kindesmissbrauchs. Doch die Zündschnur, die das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes explodieren lässt, ist der Fanatismus des christlichen Glaubens. Eine verirrte Kinderseele wird in den verschiedensten Lebenszyklen so geformt, dass deren christlicher Glaube zum religiösen Wahn mutiert, verbundenen mit kaum vorstellbaren psychosozialen Auswirkungen, bis hin zu einer krankhaften fanatischen Psychose, die zur Apokalypse führt – viele werden in den Abgrund gerissen. Irgendwie gar nicht so weit entfernt von der Wirklichkeit.

Sehr lebendige und liebenswerte Charaktere zeichnen in dieser Düsternis, die zwischenmenschlichen Lichtblicke des Lebens und zeigen auf, was empathisches Menschsein ausmacht – sozusagen der positive Gegenpol des abgrundtief Bösen hier im Roman.

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter, es ist ein lohnendes spannendes, aufregendes und auch nachdenkenswertes Leseerlebnis.

Heidelinde Penndorf

(November 2020)






Freitag, 6. November 2020

⭐neue Leseempfehlung⭐: Zum Teufel mit Kafka - Maria Zaffarana



Teuflisch amüsant dieses Buch. Gekonnte Satire – bissig erhöht und zwischenmenschlich ironisiert entlarvend. Wer genau hinliest – liest die Kritik am zwischenmenschlichen Miteinander, die Kritik wie Mensch mit Mensch umgeht – teilweise schon eine Persiflage der oft hochgehaltenen empathischen menschlichen Werte – die in der Handlung ja irgendwie völlig negativ aus dem Ruder laufen. Jeder ist dem anderen sein Teufel – Gesellschaftskritik vom Feinsten

Der satirische Rahmen der Handlung lässt es auch zu, dass ›Fressattacken‹ zelebriert und kultiviert erhöht werden – der Hintergrund dessen steht zwischen den Zeilen: die innere Leere übertünchen, sich aus der gesundheitlichen Verantwortung stehlen, weil man dann Besonders ist und Aufmerksamkeit bekommt – quasi Ersatz für Selbstliebe und innere Zufriedenheit.

Echt herausfordernd, das kleine Büchlein, reflektiert es doch bissig ein Stück unseres gesellschaftlichen Seins. Der Inhalt erzählt auch etwas über Machtausübung, Machtausnutzung und Persönlichkeitsentwertung - wie oft habe ich zwischendurch gedacht, dass ich diese Familien nicht geschenkt haben mag und schon lange das Weite gesucht hätte.

Ein wichtiger psychologischer Fakt der hintergründig im Buch eine wesentliche Rolle spielt, spiegelt sich auch im Mainstream TV und im Denken vieler Menschen wieder.

Damit sich unsere erzählende Hauptfigur einigermaßen gut fühlt, braucht er jemanden im sozialen Umfeld, der mental und psychisch, vielleicht auch noch zwischenmenschlich und finanziell noch tiefer am Abgrund steht als er selbst – also eine Erhöhung des eigenen Selbst auf Kosten eines anderen. Ignoranz seiner eigenen inneren Befindlichkeit.

Wieder einmal hält Maria Zaffarana unserer Gesellschaft einen sarkastisch geputzten Spiegel vor: kleinbürgerliches Denken und Verhalten, wenn es um das sozial –zwischenmenschliche Antlitz geht.

Der Schreibstil der Autorin ist illustrativ lebendig, sehr ausdruckstark und flüssig. Die Charaktere sind sarkastisch anspruchsvoll gezeichnet.

Ich empfehle das Buch sehr gerne an die Leserschaft weiter, ein durchweg vergnügliches Leseerlebnis.

Heidelinde Penndorf

(November 2020)